The following text is in German.
Kai Froeb (*1963) lebt in São Martinho do Porto an der portugiesischen Atlantikküste.
1998 begann er mit hegel.net. Daraus wurde eine Website in dreizehn Sprachen, die über Jahre zu den ersten Treffern bei internationalen Suchen nach Hegel gehörte und vermutlich bis heute die umfangreichste mehrsprachige Hegel-Ressource im Netz ist. Im Umfeld von hegel.net und hegel-system.de entstand außerdem ein öffentliches Quellenarchiv: allein auf Deutsch 506 digitalisierte Originalausgaben von Hegel und den Hegelianern des 19. Jahrhunderts, dazu fremdsprachige Bestände.
Woher das kommt
Angefangen hat es in der Oberstufe am Wilhelm-Raabe-Gymnasium in Lüneburg, bei einem Philosophielehrer, der Kant und Nietzsche schätzte, und in den dreiwöchigen Sommerschulen der Heimvolkshochschule Göhrde, wo jeweils ein Text vollständig durchgearbeitet wurde — Aristoteles’ Kategorienlehre parallel auf Griechisch und Deutsch, Freuds Traumlehre. Dort begegnete er zum ersten Mal einem Hegelianer, der weder von Marx noch von der Frankfurter Schule herkam, und zum ersten Mal dem Satz „Das Wahre ist das Ganze". Der Satz blieb.
Froeb studierte danach Mathematik und Informatik in Erlangen-Nürnberg, Betriebswirtschaft an der EBS, Kulturwissenschaften und Rechtswissenschaft an der FernUniversität Hagen, daneben Philosophie, Geschichte, Soziologie und Literaturwissenschaft. Abschlüsse hat er bewusst keine gemacht — nicht aus Nachlässigkeit, sondern um sich einen Weg offenzuhalten, der quer zu den Fächern verläuft.
Daneben läuft ein zweiter Weg, der genauso lang ist. Seit 1980 programmiert er, damals auf einem Commodore CBM 8032; das erste Programm war eine Nachbildung von Joseph Weizenbaums ELIZA. Daraus wurde ein Beruf: erst selbständig, dann kleine spezialisierte Softwarehäuser, zuletzt große IT-Konzerne, in Programmierung, Support, Anwendungsbetreuung, Projektleitung und Schulung, zuletzt über zehn Jahre Betriebsrat und Gewerkschaft. Aus vierzig Jahren dieser Arbeit stammt weniger eine Metapher als ein Handwerk: Strukturen zerlegen, Abhängigkeiten sichtbar machen, prüfen, ob ein Argument trägt, wenn man an einer Stelle zieht. Dieselbe Arbeit hat diese Website hervorgebracht.
Daneben
Froeb gründete 2025 den philosophischen Verlag Reflexivity Press und gibt dort die Werke von Johannes Heinrichs heraus; daneben schreibt er eigene Bücher. Sie stehen in der Tradition Hegels und gehen von einem Gedanken aus: dass sich über Wahrheit nur reden lässt, wenn man sie dabei vollzieht. Deshalb stehen darin Experimente, die selten länger als eine Minute dauern und an denen sich entscheidet, ob stimmt, was dort steht, und deshalb steht die stärkste Fassung der Gegenposition immer im Text, nicht die bequemste.
Leitmotiv
„Das Wahre ist das Ganze." Der Satz verlangt eine Integration, die nichts verdrängen muss — und er ist deshalb schwerer einzulösen, als er klingt.