ZWEITER TEIL
DIE SUBJEKTIVE LOGIK
ODER DIE LEHRE VOM BEGRIFF
Vorbericht
Dieser Teil der Logik, der die Lehre vom Begriffe enthält
und den dritten Teil des Ganzen ausmacht °,
wird auch unter dem besonderen Titel System der subjektiven Logik
zur Bequemlichkeit derjenigen Freunde dieser Wissenschaft ausgegeben,
die für die hier abgehandelten,
in dem Umfange der gewöhnlich so genannten Logik befaßten Materien
ein größeres Interesse zu haben gewöhnt sind
als für die weiteren logischen Gegenstände,
die in den beiden ersten Teilen abgehandelt worden.
- Für diese früheren Teile konnte ich auf die Nachsicht billiger Beurteiler
wegen der wenigen Vorarbeiten Anspruch machen,
die mir einen Anhalt, Materialien und einen Faden des Fortgangs
hätten gewähren können.
Bei dem gegenwärtigen darf ich diese Nachsicht
vielmehr aus dem entgegengesetzten Grunde ansprechen,
indem sich für die Logik des Begriffs
ein völlig fertiges und festgewordenes,
man kann sagen verknöchertes Material vorfindet
und die Aufgabe darin besteht, dasselbe in Flüssigkeit zu bringen
und den lebendigen Begriff in solchem toten Stoffe wieder zu entzünden;
wenn es seine Schwierigkeiten hat,
in einem öden Lande eine neue Stadt zu erbauen,
so findet sich zwar Material genug,
aber desto mehr Hindernisse anderer Art,
wenn es darum zu tun ist, einer alten, festgebauten,
in fortwährendem Besitz und Bewohnung erhaltenen Stadt
eine neue Anlage zu geben;
man muß sich unter anderem auch entschließen,
von vielem sonst Wertgeachteten des Vorrats gar keinen Gebrauch zu machen.
Vornehmlich aber darf die Größe des Gegenstandes selbst zur Entschuldigung
der unvollkommenen Ausführung angeführt ((243)) werden.
Denn welcher Gegenstand ist erhabener für die Erkenntnis
als die Wahrheit selbst?
- Der Zweifel aber, ob nicht dieser Gegenstand es eben sei,
der einer Entschuldigung bedürfe, liegt nicht aus dem Wege,
wenn man sich des Sinns erinnert,
in welchem Pilatus die Frage >>was ist Wahrheit?<< sagte
- nach dem Dichter:
mit der Miene des Hofmanns,
Die kurzsichtig, doch lächelnd des Ernstes Sache verdammet. [Klopstock] °
Jene Frage schließt dann den Sinn,
der als ein Moment der Höflichkeit angesehen werden kann,
und die Erinnerung daran in sich,
daß das Ziel, die Wahrheit zu erkennen, etwas bekanntlich Aufgegebenes,
längst Abgetanes, und die Unerreichbarkeit der Wahrheit
auch unter Philosophen und Logikern von Profession
etwas Anerkanntes sei!
- Wenn aber die Frage der Religion
nach dem Werte der Dinge, der Einsichten und Handlungen,
die dem Inhalte nach einen gleichen Sinn hat,
in unseren Zeiten ihr Recht sich wieder mehr vindiziert,
so muß wohl die Philosophie hoffen,
daß es auch nicht mehr so auffallend gefunden werde,
wenn sie wieder, zunächst in ihrem unmittelbaren Felde,
ihr wahrhaftes Ziel geltend macht
und, nachdem sie in die Art und Weise
und in die Anspruchslosigkeit anderer Wissenschaften auf Wahrheit herabgefallen,
sich wieder zu demselben zu erheben strebt.
Wegen dieses Versuchs kann es eigentlich nicht erlaubt sein,
eine Entschuldigung zu machen;
aber wegen der Ausführung desselben darf ich für eine solche noch erwähnen,
daß meine Amtsverhältnisse und andere persönliche Umstände
mir nur eine zerstreute Arbeit in einer Wissenschaft gestatteten,
welche einer unzerstreuten und ungeteilten Anstrengung
bedarf und würdig ist.
Nürnberg, den 21. Juli 1816 ((244))
Vom Begriff im allgemeinen
Was die Natur des Begriffes sei,
kann so wenig unmittelbar angegeben werden,
als der Begriff irgendeines anderen Gegenstandes
unmittelbar aufgestellt werden kann.
Es könnte etwa scheinen, daß, um den Begriff eines Gegenstandes anzugeben,
das Logische vorausgesetzt werde
und dieses somit nicht wieder etwas anderes zu seinem Voraus haben,
noch ein Abgeleitetes sein könne, wie in der Geometrie logische Sätze,
wie sie in Anwendung auf die Größe erscheinen
und in dieser Wissenschaft gebraucht werden, in der Form von Axiomen,
unabgeleiteten und unableitbaren Erkenntnisbestimmungen
vorangeschickt werden.
Ob nun wohl der Begriff nicht nur als eine subjektive Voraussetzung,
sondern als absolute Grundlage anzusehen ist,
so kann er dies doch nicht sein,
als insofern er sich zur Grundlage gemacht hat.
Das abstrakt Unmittelbare ist wohl ein Erstes ;
als dies Abstrakte ist es aber vielmehr ein Vermitteltes,
von dem also, wenn es in seiner Wahrheit gefaßt werden soll,
seine Grundlage erst zu suchen ist.
Diese muß daher zwar ein Unmittelbares sein,
aber so, daß es aus der Aufhebung der Vermittlung
sich zum Unmittelbaren gemacht hat.
Der Begriff ist von dieser Seite zunächst überhaupt
als das Dritte zum Sein und Wesen,
zum Unmittelbaren und zur Reflexion anzusehen.
Sein und Wesen sind insofern die Momente seines Werdens ;
er aber ist ihre Grundlage und Wahrheit
als die Identität, in welcher sie untergegangen und enthalten sind.
Sie sind in ihm, weil er ihr Resultat ist, enthalten,
aber nicht mehr als Sein und als Wesen ;
diese Bestimmung haben sie nur, insofern sie noch nicht
in diese ihre Einheit zurückgegangen sind.
Die objektive Logik, welche das Sein und Wesen betrachtet,
macht daher eigentlich die genetische Exposition des Begriffes aus.
Näher ist die Substanz schon das reale Wesen ((245))
oder das Wesen, insofern es mit dem Sein vereinigt
und in Wirklichkeit getreten ist.
Der Begriff hat daher die Substanz zu seiner unmittelbaren Voraussetzung,
sie ist das an sich was er als Manifestiertes ist.
Die dialektische Bewegung der Substanz
durch die Kausalität und Wechselwirkung hindurch
ist daher die unmittelbare Genesis des Begriffes,
durch welche sein Werden dargestellt wird.
Aber sein Werden hat, wie das Werden überall, die Bedeutung,
daß es die Reflexion des Übergehenden in seinen Grund ist
und daß das zunächst anscheinend Andere,
in welches das erstere übergegangen, dessen Wahrheit ausmacht.
So ist der Begriff die Wahrheit der Substanz,
und indem die bestimmte Verhältnisweise der Substanz
die Notwendigkeit ist,
zeigt sich die Freiheit als die Wahrheit der Notwendigkeit
und als die Verhältnisweise des Begriffs.
Die eigene, notwendige Fortbestimmung der Substanz
ist das Setzen dessen, was an und für sich ist ;
der Begriff nun ist diese absolute Einheit des Seins und der Reflexion,
daß das Anundfürsichsein erst dadurch ist,
daß es ebensosehr Reflexion oder Gesetztsein ist
und daß das Gesetztsein das Anundfürsichsein ist.
- Dies abstrakte Resultat erläutert sich
durch die Darstellung seiner konkreten Genesis;
sie enthält die Natur des Begriffes;
sie muß aber dessen Abhandlung vorangegangen sein.
Die Hauptmomente dieser Exposition
(welche im zweiten Buch der objektiven Logik
ausführlich abgehandelt worden ist)
sind daher hier kürzlich zusammenzustellen:
Die Substanz ist das Absolute, das an und für sich seiende Wirkliche,
- an sich als die einfache Identität der Möglichkeit und Wirklichkeit,
absolutes, alle Wirklichkeit und Möglichkeit in sich enthaltendes Wesen,
- für sich diese Identität als absolute Macht
oder schlechthin sich auf sich beziehende Negativität.
- Die Bewegung der Substantialität,
welche durch diese Momente gesetzt ist, besteht darin,
1. daß die Substanz als absolute Macht oder sich auf sich beziehende Negativität
sich zu einem Verhältnisse unterscheidet, ((246))
worin jene zunächst nur einfachen Momente als Substanzen
und als ursprüngliche Voraussetzungen sind.
- Das bestimmte Verhältnis derselben ist das einer passiven Substanz,
der Ursprünglichkeit des einfachen Ansichseins,
welches machtlos sich nicht selbst setzend,
nur ursprüngliches Gesetztsein ist,
- und von aktiver Substanz der sich auf sich beziehenden Negativität,
welche als solche sich als Anderes [? voraus-] gesetzt hat
und auf dies Andere bezieht.
Dies Andere ist eben die passive Substanz,
welche sie sich in der Ursprünglichkeit ihrer Macht
als Bedingung vorausgesetzt hat.
- Dies Voraussetzen ist so zu fassen, daß die Bewegung der Substanz selbst
zunächst unter der Form des einen Moments ihres Begriffs,
des Ansichseins ist,
daß die Bestimmtheit der einen der im Verhältnis stehenden Substanzen
auch Bestimmtheit dieses Verhältnisses selbst ist.
2. Das andere Moment ist das Fürsichsein, oder
daß die Macht sich als sich auf sich selbst beziehende Negativität
setzt,
wodurch sie das Vorausgesetzte wieder aufhebt.
- Die aktive Substanz ist die Ursache ;
sie wirkt, d.h. sie ist nun das Setzen,
wie sie vorher das Voraussetzen war, daß
a) der Macht auch der Schein der Macht,
dem Gesetztsein auch der Schein des Gesetztseins gegeben wird.
Das, was in der Voraussetzung Ursprüngliches war,
wird in der Kausalität durch die Beziehung auf Anderes
das, was es an sich ist;
die Ursache bringt eine Wirkung, und zwar an einer anderen Substanz hervor;
sie ist nunmehr Macht in Beziehung auf ein Anderes,
erscheint insofern als Ursache, aber ist es erst durch dies Erscheinen.
- b) An die passive Substanz tritt die Wirkung,
wodurch sie als Gesetztsein nun auch erscheint,
aber erst darin passive Substanz ist.
3. Aber es ist noch mehr hierin vorhanden als nur diese Erscheinung,
nämlich a) die Ursache wirkt auf die passive Substanz,
sie verändert deren Bestimmung;
aber diese ist das Gesetztsein, sonst ist nichts an ihr zu verändern;
die andere Bestimmung aber, die sie erhält, ist die Ursächlichkeit;
die passive Substanz wird also zur Ursache, Macht und Tätigkeit. ((247))
b) Es wird die Wirkung an ihr gesetzt von der Ursache;
das aber von der Ursache Gesetzte
ist die im Wirken mit sich identische Ursache selbst;
es ist diese, welche sich an die Stelle der passiven Substanz setzt.
- Ebenso in Ansehung der aktiven Substanz ist
a) das Wirken das Übersetzen der Ursache in die Wirkung,
in ihr Anderes, das Gesetztsein, und
b) in der Wirkung zeigt sich die Ursache als das, was sie ist;
die Wirkung ist identisch mit der Ursache, nicht ein anderes;
die Ursache zeigt also im Wirken das Gesetztsein
als das, was sie wesentlich ist.
- Nach beiden Seiten also, des identischen sowohl
als des negativen Beziehens der anderen auf sie,
wird jede das Gegenteil ihrer selbst;
dies Gegenteil aber wird jede [so],
daß die andere, also auch jede, identisch mit sich selbst bleibt.
- Aber beides, das identische und das negative Beziehen, ist ein und dasselbe;
die Substanz ist nur in ihrem Gegenteil identisch mit sich selbst,
und dies macht die absolute Identität der als zwei gesetzten Substanzen aus.
Die aktive Substanz wird durch das Wirken,
d.h. indem sie sich als das Gegenteil ihrer selbst setzt,
was zugleich das Aufheben ihres vorausgesetzten Andersseins,
der passiven Substanz ist,
als Ursache oder ursprüngliche Substantialität manifestiert.
Umgekehrt wird durch das Einwirken
das Gesetztsein als Gesetztsein, das Negative als Negatives,
somit die passive Substanz als sich auf sich beziehende Negativität manifestiert,
und die Ursache geht in diesem anderen ihrer selbst
schlechthin nur mit sich zusammen.
Durch dies Setzen wird also
die vorausgesetzte oder an sich seiende Ursprünglichkeit für sich ;
aber dies Anundfürsichsein ist nur dadurch,
daß dies Setzen ebensosehr ein Aufheben des Vorausgesetzten ist
oder die absolute Substanz nur aus und in ihrem Gesetztsein
zu sich selbst zurückgekommen und dadurch absolut ist.
Diese Wechselwirkung ist hiermit die sich wieder aufhebende Erscheinung;
die Offenbarung des Scheins der Kausalität,
worin die Ursache als Ursache ist,
daß er Schein ist.
Diese unendliche Reflexion in sich selbst,
daß das Anundfürsichsein erst dadurch ist, daß es Gesetztsein
ist,
ist ((248)) die Vollendung der Substanz.
Aber diese Vollendung ist nicht mehr die Substanz selbst,
sondern ist ein Höheres, der Begriff, das Subjekt.
Der Übergang des Substantialitätsverhältnisses
geschieht durch seine eigene immanente Notwendigkeit
und ist weiter nichts als die Manifestation ihrer selbst,
daß der Begriff ihre Wahrheit
und die Freiheit die Wahrheit der Notwendigkeit ist.
Es ist schon früher im zweiten Buch der objektiven Logik
S. 195 Anm. erinnert worden, daß die Philosophie, welche sich
auf den Standpunkt der Substanz stellt und darauf stehenbleibt,
das System des Spinoza ist.
Es ist daselbst zugleich der Mangel dieses Systems
sowohl der Form als [der] Materie nach aufgezeigt worden.
Ein anderes aber ist die Widerlegung desselben.
In Rücksicht auf die Widerlegung eines philosophischen Systems
ist anderwärts gleichfalls die allgemeine Bemerkung gemacht worden,
daß daraus die schiefe Vorstellung zu verbannen ist,
als ob das System als durchaus falsch dargestellt werden solle
und als ob das wahre System dagegen
dem falschen nur entgegengesetzt sei.
Aus dem Zusammenhange, in welchem hier das spinozistische System vorkommt,
geht von selbst der wahre Standpunkt desselben
und der Frage, ob es wahr oder falsch sei, hervor.
Das Substantialitätsverhältnis erzeugte sich durch die Natur des Wesens
;
dies Verhältnis sowie seine zu einem Ganzen erweiterte Darstellung
in einem Systeme ist daher ein notwendiger Standpunkt,
auf welchen das absolute sich stellt.
Ein solcher Standpunkt ist daher nicht als eine Meinung,
eine subjektive, beliebige Vorstellungs- und Denkweise eines Individuums,
als eine Verirrung der Spekulation anzusehen;
diese findet sich vielmehr auf ihrem Wege notwendig darauf versetzt,
und insofern ist das System vollkommen wahr.
- aber es ist nicht der höchste Standpunkt.
Allein insofern kann das System nicht als falsch,
als der Widerlegung bedürftig und fähig angesehen werden;
sondern nur dies daran ist als das Falsche zu betrachten,
daß es der höchste Standpunkt sei.
Das wahre System kann daher auch ((249)) nicht
das Verhältnis zu ihm haben, ihm nur entgegengesetzt zu sein;
denn so wäre dies Entgegengesetzte selbst ein Einseitiges.
Vielmehr als das Höhere muß es das Untergeordnete in sich enthalten.
Ferner muß die Widerlegung nicht von außen kommen,
d.h. nicht von Annahmen ausgehen, welche außer jenem Systeme liegen,
denen es nicht entspricht.
Es braucht jene Annahmen nur nicht anzuerkennen;
der Mangel ist nur für den ein Mangel,
welcher von den auf sie gegründeten Bedürfnissen und Forderungen ausgeht.
Insofern ist gesagt worden, daß,
wer die Freiheit und Selbständigkeit des selbstbewußten Subjekts
nicht für sich als entschieden voraussetze,
für den könne keine Widerlegung des Spinozismus stattfinden.
Ohnehin ignoriert ein so hoher und in sich schon so reicher Standpunkt
als das Substantialitätsverhältnis jene Annahmen nicht,
sondern enthält sie auch;
eins der Attribute der spinozistischen Substanz ist das Denken.
Er versteht vielmehr die Bestimmungen,
unter welchen diese Annahmen ihm widerstreiten,
aufzulösen und in sich zu ziehen, so daß sie in demselben,
aber in den ihm angemessenen Modifikationen, erscheinen.
Der Nerv des äußerlichen Widerlegens beruht dann allein darauf,
die entgegengesetzten Formen jener Annahmen,
z.B. das absolute Selbstbestehen des denkenden Individuums
gegen die Form des Denkens, wie es in der absoluten Substanz
mit der Ausdehnung identisch gesetzt wird, seinerseits steif und fest zu halten.
Die wahrhafte Widerlegung muß in die Kraft des Gegners eingehen
und sich in den Umkreis seiner Stärke stellen;
ihn außerhalb seiner selbst anzugreifen
und da Recht zu behalten, wo er nicht ist, fördert die Sache nicht.
Die einzige Widerlegung des Spinozismus kann daher nur darin bestehen,
daß sein Standpunkt zuerst als wesentlich und notwendig anerkannt werde,
daß aber zweitens dieser Standpunkt aus sich selbst
auf den höheren gehoben werde.
Das Substantialitätsverhältnis, ganz nur an und für sich selbst
betrachtet,
führt sich zu seinem Gegenteil, dem Begriffe, über.
Die im letzten ((250)) Buch enthaltene Exposition der Substanz,
welche zum Begriffe überführt,
ist daher die einzige und wahrhafte Widerlegung des Spinozismus.
Sie ist die Enthüllung der Substanz
und diese ist die Genesis des Begriffs,
deren Hauptmomente oben zusammengestellt worden.
- Die Einheit der Substanz ist ihr Verhältnis der Notwendigkeit ;
aber so ist sie nur innere Notwendigkeit ;
indem sie durch das Moment der absoluten Negativität sich setzt,
wird sie manifestierte oder gesetzte Identität
und damit die Freiheit, welche die Identität des Begriffs ist.
Dieser, die aus der Wechselwirkung resultierende Totalität,
ist die Einheit der beiden Substanzen der Wechselwirkung,
so daß sie aber nunmehr der Freiheit angehören,
indem sie nicht mehr ihre Identität als ein Blindes, d.h. Innerliches,
sondern daß sie wesentlich die Bestimmung haben,
als Schein oder Reflexionsmomente zu sein,
wodurch jede mit ihrem Anderen oder ihrem Gesetztsein
ebenso unmittelbar zusammengegangen [ist]
und jede ihr Gesetztsein in sich selbst enthält,
somit in ihrem anderen schlechthin nur als identisch mit sich gesetzt ist.
Im Begriffe hat sich daher das Reich der Freiheit eröffnet.
Er ist das Freie, weil die an und für sich seiende Identität,
welche die Notwendigkeit der Substanz ausmacht,
zugleich als aufgehoben oder als Gesetztsein ist
und dies Gesetztsein, als sich auf sich selbst beziehend,
eben jene Identität ist.
Die Dunkelheit der im Kausalverhältnisse stehenden Substanzen füreinander
ist verschwunden, denn die Ursprünglichkeit ihres Selbstbestehens
ist in Gesetztsein übergegangen
und dadurch zur sich selbst durchsichtigen Klarheit geworden;
die Ursprüngliche Sache ist dies,
indem sie nur die Ursache ihrer selbst ist,
und dies ist die zum Begriffe befreite Substanz.
Es ergibt sich hieraus für den Begriff sogleich folgende nähere Bestimmung.
Weil das Anundfürsichsein unmittelbar als Gesetztsein ist,
ist der Begriff in seiner einfachen Beziehung auf sich selbst absolute Bestimmtheit,
aber welche ebenso als sich nur auf sich beziehend
unmittelbar einfache ((251)) Identität ist.
Aber diese Beziehung der Bestimmtheit auf sich selbst,
als das Zusammengehen derselben mit sich,
ist ebensosehr die Negation der Bestimmtheit,
und der Begriff ist als diese Gleichheit mit sich selbst das Allgemeine.
Aber diese Identität hat so sehr die Bestimmung der Negativität;
sie ist die Negation oder Bestimmtheit, welche sich auf sich bezieht;
so ist der Begriff Einzelnes.
Jedes von ihnen ist die Totalität,
jedes enthält die Bestimmung des Anderen in sich,
und darum sind diese Totalitäten ebenso schlechthin nur eine,
als diese Einheit die Diremtion ihrer selbst
in den freien Schein dieser Zweiheit ist
- einer Zweiheit, welche in dem Unterschied des Einzelnen und Allgemeinen
als vollkommener Gegensatz erscheint,
der aber so sehr Schein ist, daß,
indem das eine begriffen und ausgesprochen wird,
darin das andere unmittelbar begriffen und ausgesprochen ist.
Das soeben Vorgetragene ist als der Begriff des Begriffes zu betrachten.
Wenn derselbe von demjenigen abzuweichen scheinen kann,
was man sonst unter Begriff verstehe,
so könnte verlangt werden, daß aufgezeigt würde,
wie dasselbe, was hier als der Begriff sich ergeben hat,
in anderen Vorstellungen oder Erklärungen enthalten sei.
Einerseits kann es jedoch nicht um eine
durch die Autorität des gewöhnlichen Verstehens
begründete Bestätigung zu tun sein;
in der Wissenschaft des Begriffes kann dessen Inhalt und Bestimmung
allein durch die immanente Deduktion bewährt werden,
welche seine Genesis enthält und welche bereits hinter uns liegt.
Auf der andern Seite muß wohl an sich in demjenigen,
was sonst als der Begriff des Begriffs vorgelegt wird,
der hier deduzierte zu erkennen sein.
Aber es ist nicht so leicht, das aufzufinden,
was andere von der Natur des Begriffes gesagt haben.
Denn meistens befassen sie sich mit dieser Aufsuchung gar nicht
und setzen voraus, daß jeder es schon von selbst verstehe,
wenn man von dem Begriffe spreche.
Neuerlich konnte man sich der Bemühung mit dem Begriffe
um so mehr überhoben glauben, da, wie es eine Zeitlang Ton war,
der Einbildungskraft, dann dem Gedächtnisse ((253))
alles mögliche Schlimme nachzusagen,
es in der Philosophie seit geraumer Zeit zur Gewohnheit geworden
und zum Teil noch gegenwärtig ist,
auf den Begriff alle üble Nachrede zu häufen,
ihn, der das Höchste des Denkens ist, verächtlich zu machen
und dagegen für den höchsten sowohl szientifischen als moralischen Gipfel
das Unbegreifliche und das Nichtbegreifen anzusehen.
Ich beschränke mich hier auf eine Bemerkung,
die für das Auffassen der hier entwickelten Begriffe dienen kann
und es erleichtern mag, sich darein zu finden.
Der Begriff, insofern er zu einer solchen Existenz gediehen ist,
welche selbst frei ist, ist nichts anderes als Ich oder das reine Selbstbewußtsein.
Ich habe wohl Begriffe, d.h. bestimmte Begriffe;
aber Ich ist der reine Begriff selbst,
der als Begriff zum Dasein gekommen ist.
Wenn man daher an die Grundbestimmungen,
welche die Natur des Ich ausmachen, erinnert,
so darf man voraussetzen, daß an etwas Bekanntes,
d.i. der Vorstellung Geläufiges erinnert wird.
Ich aber ist erstlich diese reine sich auf sich beziehende Einheit,
und dies nicht unmittelbar,
sondern indem es von aller Bestimmtheit und Inhalt abstrahiert
und in die Freiheit der schrankenlosen Gleichheit mit sich selbst zurückgeht.
So ist es Allgemeinheit ;
Einheit, welche nur durch jenes negative Verhalten,
welches als das Abstrahieren erscheint, Einheit mit sich ist
und dadurch alles Bestimmtsein in sich aufgelöst enthält.
Zweitens ist Ich ebenso unmittelbar
als die sich auf sich selbst beziehende Negativität
Einzelheit, absolutes Bestimmtsein,
welches sich Anderem gegenüberstellt und es ausschließt;
individuelle Persönlichkeit.
Jene absolute Allgemeinheit,
die ebenso unmittelbar absolute Vereinzelung ist,
und ein Anundfürsichsein, welches schlechthin Gesetztsein
und nur dies Anundfürsichsein
durch die Einheit mit dem Gesetztsein ist,
macht ebenso die Natur des Ich als des Begriffes aus;
von dem einen und dem anderen ist nichts zu begreifen,
wenn nicht die angegebenen beiden Momente zugleich in ihrer Abstraktion
und zugleich in ihrer vollkommenen Einheit aufgefaßt werden. ((253))
Wenn nach der gewöhnlichen Weise
von dem Verstande, den Ich habe, gesprochen wird,
so versteht man darunter ein Vermögen oder Eigenschaft,
die in dem Verhältnisse zu Ich stehe
wie die Eigenschaft des Dings zum Dinge selbst,
- einem unbestimmten Substrate, welches nicht der wahrhafte Grund
und das Bestimmende seiner Eigenschaft sei.
Nach dieser Vorstellung habe Ich Begriffe und den Begriff,
wie ich auch einen Rock, Farbe und andere äußerliche Eigenschaften
habe.
- Kant ist über dieses äußerliche Verhältnis
des Verstandes als des Vermögens der Begriffe und des Begriffes selbst
zum Ich hinausgegangen.
Es gehört zu den tiefsten und richtigsten Einsichten,
die sich in der Kritik der Vernunft finden,
daß die Einheit, die das Wesen des Begriffs ausmacht,
als die ursprünglich-synthetische Einheit der Apperzeption,
als Einheit des >>Ich denke<< oder des Selbstbewußtseins erkannt
wird.
- Dieser Satz macht die sogenannte
transzendentale Deduktion der Kategorie[n] aus;
sie hat aber von jeher für eines der schwersten Stücke
der Kantischen Philosophie gegolten,
- wohl aus keinem anderen Grunde, als weil sie fordert,
daß über die bloße Vorstellung des Verhältnisses,
in welchem Ich und der Verstand oder die Begriffe
zu einem Ding und seinen Eigenschaften oder Akzidenzen stehen,
zum Gedanken hinausgegangen werden soll.
- >>Objekt<<, sagt Kant, Kritik der reinen Vernunft, 2. Ausg. [B],
S. 137,
>>ist das, in dessen Begriff das Mannigfaltige einer gegebenen Anschauung
vereinigt ist.
Alle Vereinigung der Vorstellungen erfordert aber
Einheit des Bewußtseins in der Synthesis derselben.
Folglich ist diese Einheit des Bewußtseins dasjenige,
was allein die Beziehung der Vorstellungen auf einen Gegenstand,
mithin ihre objektive Gültigkeit... ausmacht
und worauf selbst die Möglichkeit des Verstandes beruht.<<
Kant unterscheidet die subjektive Einheit des Bewußtseins hiervon,
die Einheit der Vorstellung, ob ich mir eines Mannigfaltigen
als zugleich oder nacheinander bewußt bin,
was von empirischen Bedingungen abhänge.
Die Prinzipien dagegen ((254)) der objektiven Bestimmung der Vorstellungen
seien allein aus dem Grundsatze
der transzendentalen Einheit der Apperzeption abzuleiten.
Durch die Kategorien, welche diese objektiven Bestimmungen sind,
werde das Mannigfaltige gegebener Vorstellungen so bestimmt,
daß es zur Einheit desBewußtseins gebracht werde.
- Nach dieser Darstellung ist die Einheit des Begriffs dasjenige,
wodurch etwas nicht bloße Gefühlsbestimmung, Anschauung
oder auch bloße Vorstellung, sondern Objekt ist,
welche objektive Einheit die Einheit des Ich mit sich selbst ist.
- Das Begreifen eines Gegenstandes besteht in der Tat in nichts anderem,
als daß Ich denselben sich zu eigen macht, ihn durchdringt
und ihn in seine eigene Form,
d.i. in die Allgemeinheit, welche unmittelbar Bestimmtheit,
oder Bestimmtheit, welche unmittelbar Allgemeinheit ist, bringt.
Der Gegenstand in der Anschauung oder auch in der Vorstellung
ist noch ein Äußerliches, Fremdes.
Durch das Begreifen wird das Anundfürsichsein,
das er im Anschauen und Vorstellen hat, in ein Gesetztsein verwandelt;
Ich durchdringt ihn denkend.
Wie er aber im Denken ist, so ist er erst an und für sich ;
wie er in der Anschauung oder Vorstellung ist, ist er Erscheinung ;
das Denken hebt seine Unmittelbarkeit,
mit der er zunächst vor uns kommt, auf
und macht so ein Gesetztsein aus ihm;
dies sein Gesetztsein aber ist sein Anundfürsichsein
oder seine Objektivität.
Diese Objektivität hat der Gegenstand somit im Begriffe,
und dieser ist die Einheit des Selbstbewußtseins,
in die er aufgenommen worden;
seine Objektivität oder der Begriff ist daher selbst nichts anderes
als die Natur des Selbstbewußtseins,
hat keine anderen Momente oder Bestimmungen als das Ich selbst.
Hiernach rechtfertigt es sich durch einen Hauptsatz der Kantischen Philosophie,
daß, um das zu erkennen, was der Begriff sei,
an die Natur des Ich erinnert wird.
Umgekehrt aber ist hierzu notwendig,
den Begriff des Ich aufgefaßt zu haben, wie er vorhin angeführt worden.
Wenn bei der bloßen Vorstellung des Ich stehengeblieben wird,
wie sie ((255)) unserem gewöhnlichen Bewußtsein vorschwebt,
so ist Ich nur das einfache Ding, welches auch Seele genannt wird,
dem der Begriff als ein Besitz oder Eigenschaft inhäriert.
Diese Vorstellung, welche sich nicht damit einläßt,
weder Ich noch den Begriff zu begreifen,
kann nicht dazu dienen, das Begreifen des Begriffs zu erleichtern oder näherzubringen.
Die angeführte Kantische Darstellung enthält noch zwei Seiten,
die den Begriff betreffen und einige weitere Bemerkungen notwendig machen.
Fürs erste sind der Stufe des Verstandes
die Stufen des Gefühls und der Anschauung vorausgeschickt,
und es ist ein wesentlicher Satz der Kantischen Transzendentalphilosophie,
daß die Begriffe ohne Anschauung leer sind
und allein als Beziehungen
des durch die Anschauung gegebenen Mannigfaltigen Gültigkeit haben.
Zweitens ist der Begriff als das Objektive der Erkenntnis angegeben worden,
somit als die Wahrheit.
Aber auf der andern Seite wird derselbe als etwas bloß Subjektives genommen,
aus dem sich die Realität, unter welcher,
da sie der Subjektivität gegenübergestellt wird,
die Objektivität zu verstehen ist, nicht herausklauben lasse;
und überhaupt wird der Begriff und das Logische
für etwas nur Formelles erklärt,
das, weil es von dem Inhalt abstrahiere, die Wahrheit nicht enthalte.
Was nun erstens jenes Verhältnis des Verstandes oder Begriffs
zu den ihm vorausgesetzten Stufen betrifft,
so kommt es darauf an, welches die Wissenschaft ist,
die abgehandelt wird, um die Form jener Stufen zu bestimmen.
In unserer Wissenschaft, als der reinen Logik,
sind diese Stufen Sein und Wesen.
In der Psychologie sind es das Gefühl und die Anschauung
und dann die Vorstellung überhaupt,
welche dem Verstande vorausgeschickt werden.
In der Phänomenologie des Geistes, als der Lehre vom Bewußtsein,
wurde durch die Stufen des sinnlichen Bewußseins
und dann des Wahrnehmens zum Verstande aufgestiegen.
Kant schickt ihm nur Gefühl und Anschauung voraus.
Wie unvollständig zunächst diese Stufenleiter ist,
gibt er schon selbst dadurch zu ((256)) erkennen,
daß er als Anhang zu der transzendentalen Logik oder Verstandeslehre
noch eine Abhandlung über die Reflexionsbegriffe hinzufügt,
- eine Sphäre, welche zwischen der Anschauung, und dem Verstande
oder dem Sein und Begriffe liegt.
Über die Sache selbst ist fürs erste zu bemerken,
daß jene Gestalten von Anschauung, Vorstellung und dergleichen
dem selbstbewußten Geiste angehören,
der als solcher nicht in der logischen Wissenschaft betrachtet wird.
Die reinen Bestimmungen von Sein, Wesen und Begriff
machen zwar auch die Grundlage
und das innere einfache Gerüst der Formen des Geistes aus;
der Geist als anschauend, ebenso als sinnliches Bewußtsein
ist in der Bestimmtheit des unmittelbaren Seins,
so wie der Geist als vorstellend wie auch als wahrnehmendes Bewußtsein
sich vom Sein auf die Stufe des Wesens oder der Reflexion erhoben hat.
Allein diese konkreten Gestalten gehen die logische Wissenschaft
sowenig an als die konkreten Formen,
welche die logischen Bestimmungen in der Natur annehmen
und welche Raum und Zeit, alsdann der sich erfüllende Raum und Zeit
als unorganische Natur, und die organische Natur sein würden.
Ebenso ist hier auch der Begriff nicht als Aktus des selbstbewußten Verstandes,
nicht der subjektive Verstand zu betrachten,
sondern der Begriff an und für sich,
welcher ebensowohl eine Stufe der Natur als des Geistes ausmacht.
Das Leben oder die organische Natur ist diese Stufe der Natur,
auf welcher der Begriff hervortritt;
aber als blinder, sich selbst nicht fassender, d.h. nicht denkender Begriff;
als solcher kommt er nur dem Geiste zu.
Von jener ungeistigen aber sowohl als von dieser geistigen Gestalt des Begriffs
ist seine logische Form unabhängig,
es ist hierüber schon in der Einleitung
die nötige Vorerinnerung gemacht worden;
es ist dies eine Bedeutung, welche nicht erst
innerhalb der Logik zu rechtfertigen ist,
sondern mit der man vor derselben im reinen sein muß.
Wie nun aber auch die Formen gestaltet sein möchten,
welche dem Begriffe vorangehen,
so kommt es zweitens auf das ((257)) Verhältnis an,
in welchem der Begriff zu denselben gedacht wird.
Dies Verhältnis wird sowohl in der gewöhnlichen psychologischen Vorstellung
als auch in der Kantischen Transzendentalphilosophie so angenommen,
daß der empirische Stoff, das Mannigfaltige der Anschauung und Vorstellung,
zuerst für sich da ist und daß dann der Verstand dazu hintrete,
Einheit in denselben bringe und ihn durch Abstraktion
in die Form der Allgemeinheit erhebe.
Des Verstand ist auf diese Weise eine für sich leere Form,
welche teils nur durch jenen gegebenen Inhalt Realität erhält,
teils von ihm abstrahiert,
nämlich ihn als etwas, aber nur für den Begriff Unbrauchbares wegläßt.
Der Begriff ist in dem einen und und dem anderen Tun nicht das Unabhängige,
nicht das Wesentliche und Wahre jenes vorausgehenden Stoffes,
welches vielmehr die Realität an und für sich ist,
die sich aus dem Begriffe nicht herausklauben läßt.
Es muß nun allerdings zugegeben werden,
daß der Begriff als solcher noch nicht vollständig ist,
sondern in die Idee sich erbeben muß,
welche erst die Einheit des Begriffs und der Realität ist;
wie sich in dem Verfolge durch die Natur des Begriffs
selbst ergeben muß.
Denn die Realität, die er sich gibt,
darf nicht als ein Äußerliches aufgenommen,
sondern muß nach wissenschaftlicher Forderung
aus ihm selbst abgeleitet werden.
Aber es ist wahrhaftig nicht jener
durch die Anschauung und die Vorstellung gegebene Stoff,
welcher gegen den Begriff als das Reale geltend gemacht werden darf.
>> Es ist nur ein Begriff <<, pflegt man zu sagen,
indem man nicht nur die Idee,
sondern das sinnliche, räumliche und zeitliche handgreifliche Dasein
als etwas gegenüberstellt, das vortrefflicher sei als der Begriff.
Das Abstrakte hält man dann darum für geringer als das Konkrete,
weil aus jenem so viel dergleichen Stoff weggelassen worden sei.
Das Abstrahieren hat in dieser Meinung die Bedeutung,
daß aus dem Konkreten nur zu unserern subjektiven Behuf
ein oder das andere Merkmal so herausgenommen werden,
daß mit dem Weglassen so vieler anderer
Eigenschaften und ((258)) Beschaffenheiten des Gegenstandes
denselben an ihrem Werte und ihrer Würde
nichts benommen sein solle,
sondern sie als das Reelle, nur auf der andern Seite drüben,
noch immer als völlig Geltendes gelassen werden,
so daß es nur das Unvermögen des Verstandes sei,
solchen Reichtum nicht aufzunehmen
und sich mit der dürftigen Abstraktion begnügen zu müssen.
Wenn nun der gegebene Stoff der Anschauung
und das Mannigfaltige der Vorstellung als das Reelle
gegen das Gedachte und den Begriff genommen wird,
so ist dies eine Ansicht, welche abgelegt zu haben
nicht nur Bedingung des Philosophierens ist,
sondern schon von der Religion vorausgesetzt wird;
wie ist ein Bedürfnis und der Sinn derselben möglich,
wenn die flüchtige und oberflächliche Erscheinung des Sinnlichen und
Einzelnen
noch für das Wahre gehalten wird?
Die Philosophie aber gibt die begriffene Einsicht,
was es mit der Realität des sinnlichen Seins für eine Bewandtnis habe,
und schickt jene Stufen des Gefühls und der Anschauung,
des sinnlichen Bewußtseins usf. insofern dem Verstande voraus,
als sie in dessen Werden seine Bedingungen,
aber nur so sind, daß der Begriff aus ihrer Dialektik und Nichtigkeit
als ihr Grund hervongeht,
nicht aber, daß er durch ihre Realität bedingt wäre.
Das abstrahierende Denken ist daher nicht
als bloßes Auf-die-Seite-Stellen des sinnlichen Stoffes zu betrachten,
welcher dadurch in seiner Realität keinen Eintrag leide,
sondern es ist vielmehr
das Aufheben und die Reduktion desselben als bloßer Erscheinung
auf das Wesentliche, welches nun im Begriff sich manifestiert.
Wenn das freilich nur als ein Merkmal oder Zeichen dienen soll,
was von der konkreten Erscheinung in den Begriff aufzunehmen sei,
so darf es allerdings auch irgendeine
nur sinnliche einzelne Bestimmung des Gegenstandes sein,
die wegen irgendeines äußerlichen Interesses
aus den anderen herausgewählt wird
und von gleicher Art und Natur wie die übrigen ist.
Ein hauptsächlicher Mißverstand, welcher hierbei obwaltet, ist,
als ob das natürliche Prinzip oder der Anfang,
von dem ((259)) in der natürlichen Entwicklung
oder in der Geschichte des sich bildenden Individuums ausgegangen wird,
das Wahre und im Begriffe Erste sei.
Anschauung oder Sein sind wohl der Natur nach das Erste
oder die Bedingung für den Begriff,
aber sie sind darum nicht das an und für sich Unbedingte;
im Begriffe hebt sich vielmehr ihre Realität
und damit zugleich der Schein auf, den sie als das bedingende Reelle hatten.
Wenn es nicht um die Wahrheit,
sondern nur um die Historie zu tun ist,
wie es im Vorstellen und dem erscheinenden Denken zugehe,
so kann man allerdings bei der Erzählung stehenbleiben,
daß wir mit Gefühlen und Anschauungen anfangen
und der Verstand aus dem Mannigfaltigen derselben
eine Allgemeinheit oder ein Abstraktes herausziehe
und begreiflich jene Grundlage dazu nötig habe,
welche bei diesem Abstrahieren noch in der ganzen Realität,
mit welcher sie sich zuerst zeigte, dem Vorstellen stehenbleibe.
Aber die Philosophie soll keine Erzählung dessen sein, was geschieht,
sondern eine Erkenntnis dessen, was wahr darin ist,
und aus dem Wahren soll sie ferner das begreifen,
was in der Erzählung als ein bloßes Geschehen erscheint.
Wenn in der oberflächlichen Vorstellung von dem, was der Begriff ist,
alle Mannigfaltigkeit außer dem Begriffe steht
und diesem nur die Form der abstrakten Allgemeinheit
oder der leeren Reflexionsidentität zukommt,
so kann schon zunächst daran erinnert werden,
daß auch sonst für die Angabe eines Begriffs
oder die Definition zu der Gattung,
welche selbst schon eigentlich nicht rein abstrakte Allgemeinheit ist,
ausdrücklich auch die spezifische Bestimmtheit gefordert wird.
Wenn nur mit etwas denkender Betrachtung darauf reflektiert würde,
was dies sagen will, so würde sich ergeben,
daß damit das Unterscheiden
als ein ebenso wesentliches Moment des Begriffs angesehen wird.
Kant hat diese Betrachtung durch den höchst wichtigen Gedanken eingeleitet,
daß es synthetische Urteile a priori gebe.
Diese ursprüngliche Synthesis der Apperzeption
ist eines der tiefsten Prinzipien für die spekulative Entwicklung;
sie enthält den Anfang ((260)) zum wahrhaften Auffassen der Natur des Begriffs
und ist jener leeren Identität oder abstrakten Allgemeinheit,
welche keine Synthesis in sich ist, vollkommen entgegengesetzt.
- Diesem Anfange entspricht jedoch die weitere Ausführung wenig.
Schon der Ausdruck Synthesis leitet leicht wieder
zur Vorstellung einer äußerlichen Einheit und bloßen Verbindung
von solchen, die an und für sich getrennt sind.
Alsdann ist die Kantische Philosophie
nur bei dem psychologischen Reflexe des Begriffs stehengeblieben
und ist wieder zur Behauptung der bleibenden Bedingtheit des Begriffs
durch ein Mannigfaltiges der Anschauung zurückgegangen.
Sie hat die Verstandeserkenntnisse und die Erfahrung
nicht darum als einen erscheinenden Inhalt ausgesprochen,
weil die Kategorien selbst nur endliche sind,
sondern aus dem Grunde eines psychologischen Idealismus,
weil sie nur Bestimmungen seien, die vom Selbstbewußtsein herkommen.
Auch gehört hierher, daß der Begriff wieder ohne
das Mannigfaltige der Anschauung inhaltslos und leer sein soll,
ungeachtet er apriori eine Synthesis sei;
indem er dies ist, hat er ja die Bestimmtheit und den Unterschied in sich selbst.
Indem sie die Bestimmtheit des Begriffs,
damit die absolute Bestimmtheit, die Einzelheit, ist,
ist der Begriff Grund und Quelle aller endlichen Bestimmtheit und Mannigfaltigkeit.
Die formelle Stellung, welche er als Verstand behält,
wird in der Kantischen Darstellung dessen, was Vernunft sei, vollendet.
In der Vernunft, der höchsten Stufe des Denkens,
sollte man erwarten, der Begriff werde die Bedingtheit,
in welcher er auf der Stufe des Verstandes noch erscheint,
verlieren und zur vollendeten Wahrheit kommen.
Diese Erwartung wird aber getäuscht.
Dadurch, daß Kant das Verhalten der Vernunft zu den Kategorien
als nur dialektisch bestimmt,
und zwar das Resultat dieser Dialektik schlechthin nur
als das unendliche Nichts auffaßt,
so verliert die unendliche Einheit der Vernunft auch noch die Synthesis
und damit jenen Anfang eines spekulativen, wahrhaft unendlichen Begriffs;
sie wird zu der bekannten ganz formellen, ((261))
bloß regulativen Einheit des systematischen Verstandesgebrauchs.
Es wird für einen Mißbrauch erklärt, daß die Logik,
die bloß ein Kanon der Beurteilung sein solle,
als ein Organon zur Hervorbringung objektiver Einsichten
angesehen werde.
Die Vernunftbegriffe,
in denen man eine höhere Kraft und tieferen Inhalt ahnen mußte,
haben nichts Konstitutives mehr wie noch die Kategorien;
sie sind bloße Ideen;
es soll ganz wohl erlaubt sein, sie zu gebrauchen,
aber mit diesen intelligiblen Wesen,
in denen sich alle Wahrheit ganz aufschließen sollte,
soll weiter nichts gemeint sein als Hypothesen,
denen eine Wahrheit an und für sich zuzuschreiben
eine völlige Willkür und Tollkühnheit sein würde,
da sie - in keiner Erfahrung vorkommen können.
- Hätte man es je denken sollen, daß die Philosophie
den intelligiblen Wesen darum die Wahrheit absprechen würde,
weil sie des räumlichen und zeitlichen Stoffes der Sinnlichkeit entbehren?
Es hängt hiermit unmittelbar der Gesichtspunkt zusammen,
in Rücksicht auf welchen der Begriff
und die Bestimmung der Logik überhaupt zu betrachten ist
und der in der Kantischen Philosophie
auf die gleiche Weise wie insgemein genommen wird:
das Verhältnis nämlich des Begriffs und seiner Wissenschafl
zur Wahrheit selbst.
Es ist vorhin aus der Kantischen Deduktion der Kategorien angeführt worden,
daß nach derselben das Objekt,
als in welchem das Mannigfaltige der Anschauung vereinigt ist,
nur diese Einheit ist durch die Einheit des Selbstbewußtseins.
Die Objektivität des Denkens ist also hier bestimmt ausgesprochen,
eine Identität des Begriffs und des Dinges, welche die Wahrheit ist.
Auf gleiche Weise wird auch insgemein zugegeben,
daß, indem das Denken einen gegebenen Gegenstand sich aneignet,
dieser dadurch eine Veränderung erleidet
und aus einem sinnlichen zu einem gedachten gemacht werde,
daß aber diese Veränderung nicht nur nichts an seiner Wesentlichkeit
ändere,
sondern daß er vielmehr erst in seinem Begriffe in seiner Wahrheit,
in der Unmittelbarkeit, in welcher er gegeben ist, aber
nur Erscheinung und Zufälligkeit ((262)) [sei],
daß die Erkenntnis des Gegenstandes, welche ihn begreift,
die Erkenntnis desselben, wie er an und für sich ist,
und der Begriff seine Objektivität selbst sei.
Auf der andern Seite wird aber ebenso wieder behauptet,
wir können die Dinge doch nicht erkennen, wie sie an und für sich
seien,
und die Wahrheit sei für die erkennende Vernunft unzugänglich ;
jene Wahrheit, welche in der Einheit des Objektes und des Begriffs besteht,
sei doch nur Erscheinung, und zwar nun wieder aus dem Grunde,
weil der Inhalt nur das Mannigfaltige der Anschauung sei.
Es ist hierüber schon daran erinnert worden,
daß eben im Begriffe vielmehr diese Mannigfaltigkeit,
insofern sie der Anschauung im Gegensatze gegen den Begriff angehört,
aufgehoben werde und der Gegenstand durch den Begriff
in seine nicht zufällige Wesenheit zurückgeführt sei;
diese tritt in die Erscheinung,
darum eben ist die Erscheinung nicht bloß ein Wesenloses,
sondern Manifestation des Wesens.
Die aber ganz frei gewordene Manifestation desselben ist der Begriff.
- Diese Sätze an welche hier erinnert wird,
sind darum keine dogmatischen Assertionen,
weil sie aus der ganzen Entwicklung des Wesens
durch sich selbst hervorgegangene Resultate sind.
Der jetzige Standpunkt, auf welchen diese Entwicklung geführt hat,
ist, daß die Form des Absoluten,
welche höher als Sein und Wesen, der Begriff ist.
Indem er nach dieser Seite Sein und Wesen,
wozu auch bei anderen Ausgangspunkten
Gefühl und Anschauung und Vorstellung gehören
und welche als seine vorangehenden Bedingungen erschienen,
sich unterworfen und sich als ihren unbedingten Grund erwiesen hat,
so ist nun noch die zweite Seite übrig,
deren Abhandlung dieses dritte Buch der Logik gewidmet ist,
die Darstellung nämlich, wie er die Realität, welche in ihm verschwunden,
in und aus sich bildet.
Es ist daher allerdings zugegeben worden, daß die Erkenntnis,
welche nur bei dem Begriff rein als solchem steht, noch unvollständig ist
und nur erst zur abstrakten Wahrheit gekommen ist.
Aber ihre Unvollständigkeit liegt nicht darin,
daß sie jener vermeintlichen ((263)) Realität,
die im Gefühl und Anschauung gegeben sei, entbehre,
sondern daß der Begriff noch nicht
seine eigene aus ihm selbst erzeugte Realität sich gegeben hat.
Darin besteht die gegen und an dem empirischen Stoff
und genauer an seinen Kategorien und Reflexionsbestimmungen
erwiesene Absolutheit des Begriffes, daß derselbe
nicht, wie er außer und vor dem Begriffe erscheint, Wahrheit habe,
sondern allein in seiner Idealität oder Identität mit dem Begriffe.
Die Herleitung des Reellen aus ihm,
wenn man es Herleitung nennen will, besteht zunächst wesentlich darin,
daß der Begriff in seiner formellen Abstraktion sich als unvollendet zeigt
und durch die in ihm selbst gegründete Dialektik zur Realität so übergeht,
daß er sie aus sich erzeugt,
aber nicht, daß er zu einer fertigen,
ihm gegenüber gefundenen Realität wieder zurückfällt
und zu etwas, das sich als das unwesentliche der Erscheinung kundgetan,
seine Zuflucht nimmt, weil er, nachdem er sich um ein Besseres umgesehen,
doch dergleichen nicht gefunden habe.
- Es wird immer als etwas Verwundernswürdiges ausgezeichnet werden,
wie die Kantische Philosophie [zwar]
dasjenige Verhältnis des Denkens zum sinnlichen Dasein, bei dem sie stehenblieb,
für ein nur relatives Verhältnis der bloßen Erscheinung erkannte
und eine höhere Einheit beider in der Idee überhaupt
und z.B. in der Idee eines anschauenden Verstandes
sehr wohl anerkannte und aussprach,
doch bei jenem relativen Verhältnisse
und bei der Behauptung stehengeblieben ist,
daß der Begriff schlechthin von der Realität getrennt sei und bleibe,
- somit als die Wahrheit dasjenige behauptete,
was sie als endliche Erkenntnis aussprach,
und das für überschwenglich, unerlaubt und für Gedankendinge erklärt,
was sie als Wahrheit erkannte
und wovon sie den bestimmten Begriff aufstellte.
Indem es zunächst hier die Logik, nicht die Wissenschaft überhaupt ist,
von deren Verhältnisse zur Wahrheit die Rede ist,
so muß ferner noch zugegeben werden,
daß jene als die formelle Wissenschafl
nicht auch diejenige Realität enthalten könne und solle,
welche der Inhalt weiterer Teile der Philosophie, ((264))
der Wissenschaften der Natur und des Geistes, ist.
Diese konkreten Wissenschaften treten allerdings
zu einer reelleren Form der Idee heraus als die Logik,
aber zugleich nicht so, daß sie zu jener Realität sich wieder umwendeten,
welche das über seine Erscheinung zur Wissenschaft erhobene Bewußtsein
aufgegeben [hat],
oder auch zum Gebrauch von Formen,
wie die Kategorien und Reflexionsbestimmungen sind,
deren Endlichkeit und Unwahrheit sich in der Logik dargestellt hat,
wieder zurückkehrten.
Vielmehr zeigt die Logik die Erhebung der Idee zu der Stufe,
von der aus sie die Schöpferin der Natur wird
und zur Form einer konkreten Unmittelbarkeit überschreitet,
deren Begriff aber auch diese Gestalt wieder zerbricht,
um zu sich selbst, als konkreter Geist, zu werden.
Gegen diese konkreten Wissenschaften, welche aber
das Logische oder den Begriff zum inneren Bildner haben und behalten,
wie sie es zum Vorbildner hatten,
ist die Logik selbst allerdings die formelle Wissenschaft,
aber die Wissenschaft der absoluten Form,
welche in sich Totalität ist und die reine Idee der Wahrheit selbst enthält.
Diese absolute Form hat an ihr selbst ihren Inhalt oder Realität;
der Begriff, indem er nicht die triviale, leere Identität ist,
hat in dem Momente seiner Negativität oder des absoluten Bestimmens
die unterschiedenen Bestimmungen;
der Inhalt ist überhaupt nichts anderes
als solche Bestimmungen der absoluten Form,
- der durch sie selbst gesetzte und daher auch ihr angemessene Inhalt.
- Diese Form ist darum auch von ganz anderer Natur,
als gewöhnlich die logische Form genommen wird.
Sie ist schon für sich selbst die Wahrheit,
indem dieser Inhalt seiner Form
oder diese Realität ihrem Begriffe angemessen ist,
und die reine Wahrheit, weil dessen Bestimmungen
noch nicht die Form eines absoluten Andersseins
oder der absoluten Unmittelbarkeit haben.
- Kant, indem er [in der] Kritik der reinen Vernunft, [B], S. 83
in Beziehung auf die Logik auf die ((265)) alte und berühmte Frage,
was die Wahrheit sei, zu reden kommt,
schenkt fürs erste als etwas Triviales die Namenerklärung,
daß sie die Übereinstimmung der Erkenntnis mit ihrem Gegenstande sei,
- eine Definition, die von großem, ja von dem höchsten Werte ist.
Wenn man sich derselben
bei der Grundbehauptung des transzendentalen Idealismus erinnert,
daß die Vernunfterkenntnis die Dinge an sich zu erfassen
nicht vermögend sei,
daß die Realität schlechthin außer dem Begriffe liege,
so zeigt sich sogleich, daß eine solche Vernunft,
die sich mit ihrem Gegenstande, den Dingen an sich,
nicht in Übereinstimmung zu setzen vermag,
und die Dinge an sich, die nicht mit dem Vernunftbegriffe,
der Begriff, der nicht mit der Realität,
eine Realität, die nicht mit dem Begriffe in Übereinstimmung ist,
unwahre Vorstellungen sind.
Wenn Kant die Idee eines anschauenden Verstandes
an jene Definition der Wahrheit gehalten hätte,
so würde er diese Idee, welche die geforderte Übereinstimmung ausdrückt,
nicht als ein Gedankending,
sondern vielmehr als Wahrheit behandelt haben.
>Das, was man zu wissen verlange<, gibt Kant ferner an,
>sei ein allgemeines und sicheres Kriterium der Wahrheit
einer jeden Erkenntnis ;
es würde ein solches sein, welches von allen Erkenntnissen,
ohne Unterschied ihrer Gegenstände, gültig wäre;
da man aber bei demselben von allem Inhalt der Erkenntnis
(Beziehung auf ihr Objekt) abstrahiert
und Wahrheit gerade diesen Inhalt angeht,
so würde es ganz unmöglich und ungereimt sein,
nach einem Merkmal der Wahrheit dieses Inhalts der Erkenntnisse zu fragen.<
- Es ist hier die gewöhnliche Vorstellung
von der formellen Funktion der Logik sehr bestimmt ausgedrückt,
und das angeführte Räsonnement scheint sehr einleuchtend zu sein.
Fürs erste aber ist zu bemerken,
daß es solchem formellen Räsonnement gewöhnlich so geht,
in seinem Reden die Sache zu vergessen,
die es zur Grundlage gemacht und von der es spricht.
Es würde ungereimt sein, heißt es, nach einem Kriterium
der Wahrheit des Inhalts der Erkenntnis ((266)) zu fragen;
- aber nach der Definition macht nicht der Inhalt die Wahrheit aus,
sondern die Übereinstimmung desselben mit dem Begriffe.
Ein Inhalt, wie von ihm hier gesprochen wird, ohne den Begriff
ist ein Begriffloses, somit Wesenloses;
nach dem Kriterium der Wahrheit eines solchen
kann freilich nicht gefragt werden,
aber aus dem entgegengesetzten Grunde, darum nämlich nicht,
weil er um seiner Begrifflosigkeit willen
nicht die geforderte Übereinstimnung ist, sondern weiter nichts
als ein der wahrheitslosen Meinung Angehöriges sein kann.
- Lassen wir die Erwähnung des Inhalts beiseite,
der hier die Verwirrung verursacht
- in welche aber der Formalismus jedesmal verfällt
und die ihn das Gegenteil dessen sagen läßt, was er vorbringen will,
sooft er sich auf Erläuterung einläßt -,
und bleiben bei der abstrakten Ansicht stehen,
daß das Logische nur formell sei und von allem Inhalt vielmehr abstrahiere,
so haben wir eine einseitige Erkenntnis,
welche keinen Gegenstand enthalten soll,
eine leere, bestimmungslose Form,
die also ebensowenig eine Übereinstimmung
- da zur Übereinstimmung wesentlich zwei gehören -,
ebensowenig Wahrheit ist.
- An der apriorischen Synthesis des Begriffs
hatte Kant ein höheres Prinzip, worin die Zweiheit in der Einheit,
somit dasjenige erkannt werden konnte, was zur Wahrheit gefordert wird;
aber der sinnliche Stoff, das Mannigfaltige der Anschauung
war ihm zu mächtig, um davon weg zur Betrachtung des Begriffs
und der Kategorien an und für sich
und zu einem spekulativen Philosophieren kommen zu können.
Indem die Logik Wissenschaft der absoluten Form ist,
so muß dies Formelle, damit es ein Wahres sei,
an ihm selbst einen Inhalt haben, welcher seiner Form gemäß sei,
und um so mehr, da das logische Formelle die reine Form,
also das logische Wahre die reine Wahrheit selbst sein muß.
Dieses Formelle muß daher
in sich viel reicher an Bestimmungen und Inhalt sowie auch
von unendlich größerer Wirksamkeit auf das Konkrete gedacht werden,
als es gewöhnlich genommen ((267)) wird.
Die logischen Gesetze für sich
(das ohnehin Heterogene, die angewandte Logik
und [das] übrige psychologische und anthropologische Material weggerechnet)
werden gewöhnlich außer dem Satze des Widerspruchs
auf einige dürftige Sätze,
die Umkehrung der Urteile und die Formen der Schlüsse betreffend, beschränkt.
Die selbst hierbei vorkommenden Formen
sowie weitere Bestimmungen derselben
werden nur gleichsam historisch aufgenommen,
nicht der Kritik, ob sie an und für sich ein Wahres seien, unterworfen.
So gilt z.B. die Form des positiven Urteils für etwas an sich völlig
Richtiges,
wobei es ganz allein auf den Inhalt ankomme,
ob ein solches Urteil wahr sei.
Ob diese Form an und für sich eine Form der Wahrheit,
ob der Satz, den sie ausspricht, >>das Einzelne ist ein Allgemeines<<,
nicht in sich dialektisch sei, an diese Untersuchung wird nicht gedacht.
Es wird geradezu dafür gehalten,
daß dies Urteil für sich fähig, Wahrheit zu enthalten,
und jener Satz, den jedes positive Urteil ausspricht, ein wahrer sei,
obschon unmittelbar erhellt, daß ihm dasjenige fehlt,
was die Definition der Wahrheit fordert,
nämlich die Übereinstimmung des Begriffs und seines Gegenstandes;
das Prädikat, welches hier das Allgemeine ist, als den Begriff,
das Subjekt, welches das Einzelne ist, als den Gegenstand genommen,
so stimmt das eine mit dem anderen nicht überein.
Wenn aber das abstrakte Allgemeine, welches das Prädikat ist,
noch nicht einen Begriff ausmacht,
als zu welchem allerdings mehr gehört
- so wie auch solches Subjekt noch nicht viel weiter
als ein grammatisches ist -,
wie sollte das Urteil Wahrheit enthalten können,
da sein Begriff und Gegenstand nicht übereinstimmen
oder ihm der Begriff, wohl auch der Gegenstand gar fehlt?
- Dies ist daher vielmehr das Unmögliche und Ungereimte,
in dergleichen Formen, wie ein positives Urteil
und wie das Urteil überhaupt ist, die Wahrheit fassen zu wollen.
So wie die Kantische Philosophie die Kategorien
nicht an und für sich betrachtete,
sondern sie nur aus dem schiefen Grunde,
weil sie subjektive Formen des Selbstbewußtseins ((268)) seien,
für endliche Bestimmungen, die das Wahre zu enthalten unfähig seien,
erklärte,
so hat sie noch weniger die Formen des Begriffs,
welche der Inhalt der gewöhnlichen Logik sind, der Kritik unterworfen;
sie hat vielmehr einen Teil derselben, nämlich die Funktionen der Urteile
für die Bestimmung der Kategorie aufgenommen
und sie als gültige Voraussetzungen gelten lassen.
Soll in den logischen Formen auch weiter nichts gesehen werden
als formelle Funktionen des Denkens,
so wären sie schon darum der Untersuchung,
inwiefern sie für sich der Wahrheit entsprechen, würdig.
Eine Logik, welche dies nicht leistet, kann höchstens auf den Wert
einer naturhistorischen Beschreibung der Erscheinungen des Denkens,
wie sie sich vorfinden, Anspruch machen.
Es ist ein unendliches Verdienst des Aristoteles,
welches uns mit der höchsten Bewunderung
für die Stärke dieses Geistes erfüllen muß,
diese Beschreibung zuerst unternommen zu haben.
Aber es ist nötig, daß weitergegangen und
teils der systematische Zusammenhang, teils aber der Wert der Formen
erkannt werde.
Einteilung
Der Begriff zeigt sich obenhin betrachtet
als die Einheit des Seins und Wesens.
Das Wesen ist die erste Negation des Seins,
das dadurch zum Schein geworden ist;
der Begriff ist die zweite oder die Negation dieser Negation,
also das wiederhergestellte Sein, aber als
die unendliche Vermittlung und Negativität desselben in sich selbst.
- Sein und Wesen haben daher im Begriffe nicht mehr die Bestimmung,
in welcher sie als Sein und Wesen sind,
noch sind sie nur in solcher Einheit, daß jedes in dem anderen scheine.
Der Begriff unterscheidet sich daher nicht in diese Bestimmungen.
Er ist die Wahrheit des substantiellen Verhältnisses,
in welchem Sein und Wesen ihre erfüllte Selbständigkeit
und Bestimmung durcheinander erreichen.
Als die Wahrheit der Substantialität ((269))
erwies sich die substantielle Identität,
welche ebensosehr und nur als das Gesetztsein ist.
Das Gesetztsein ist das Dasein und Unterscheiden;
das Anundfürsichsein hat daher im Begriffe
ein sich gemäßes und wahres Dasein erreicht,
denn jenes Gesetztsein ist das Anundfürsichsein selbst.
Dies Gesetztsein macht den Unterschied des Begriffes in ihm selbst aus;
seine Unterschiede, weil es unmittelbar das Anundfürsichsein ist,
sind selbst der ganze Begriff,
- in ihrer Bestimmtheit allgemeine und identisch mit ihrer Negation.
Dies ist nun der Begriff selbst des Begriffes.
Aber es ist nur erst sein Begriff;
- oder er ist selbst auch nur der Begriff.
Weil er das Anundfürsichsein ist, insofern es Gesetztsein ist,
oder die absolute Substanz, insofern sie
die Notwendigkeit unterschiedener Substanzen als Identität offenbart,
so muß diese Identität das, was sie ist, selbst setzen.
Die Momente der Bewegung des Substantialitätsverhältnisses,
wodurch der Begriff geworden ist, und die dadurch dargestellte Realität
ist erst im Übergange zum Begriffe;
sie ist noch nicht als seine eigene, aus ihm hervorgegangene Bestimmung;
sie fiel in die Sphäre der Notwendigkeit,
die seinige kann nur seine freie Bestimmung, ein Dasein sein,
in welchem er als identisch mit sich [ist],
dessen Momente Begriffe und durch ihn selbst gesetzte sind.
Zuerst ist also der Begriff nur an sich die Wahrheit;
weil er nur ein Inneres ist, so ist er ebensosehr nur ein Äußeres.
Er ist zuerst überhaupt ein Unmittelbares,
und in dieser Gestalt haben seine Momente
die Form von unmittelbaren, festen Bestimmungen.
Er erscheint als der bestimmte Begriff, als die Sphäre des bloßen Verstandes.
- Weil diese Form der Unmittelbarkeit
ein seiner Natur noch nicht angemessenes Dasein ist,
da er das sich nur auf sich selbst beziehende Freie ist,
so ist sie eine äußerliche Form,
in der der Begriff nicht als Anundfürsichseiendes,
sondern als nur Gesetztes oder ein Subjektives gelten kann.
- Die Gestalt des unmittelbaren ((270)) Begriffes macht den Standpunkt aus,
nach welchem der Begriff ein subjektives Denken,
eine der Sache äußerliche Reflexion ist.
Diese Stufe macht daher die Subjektivität oder den formellen Begriff aus.
Die Äußerlichkeit desselben erscheint in dem festen Sein seiner Bestimmungen,
wodurch jede für sich als ein Isoliertes, Qualitatives auftritt,
das nur in äußerer Beziehung auf sein Anderes ist.
Die Identität des Begriffes aber,
die eben das innere oder subjektive Wesen derselben ist,
setzt sie in dialektische Bewegung,
durch welche sich ihre Vereinzelung
und damit die Trennung des Begriffs von der Sache aufhebt
und als ihre Wahrheit die Totalität hervorgeht,
welche der objektive Begriff ist. >
Zweitens. Der Begriff in seiner Objektivität
ist die anundfürsichseiende Sache selbst.
Durch seine notwendige Fortbestimmung
macht der formelle Begriff sich selbst zur Sache
und verliert dadurch das Verhältnis der Subjektivität
und Äußerlichkeit gegen sie.
Oder umgekehrt ist die Objektivität der aus seiner Innerlichkeit hervorgetretene
und in das Dasein übergegangene reelle Begriff.
- In dieser Identität mit der Sache hat er somit eigenes und freies Dasein.
Aber es ist dies noch eine unmittelbare, noch nicht negative Freiheit.
Eins mit der Sache ist er in sie versenkt;
seine Unterschiede sind objektive Existenzen,
in denen er selbst wieder das Innere ist.
Als die Seele des objektiven Daseins
muß er sich die Form der Subjektivität geben,
die er als formeller Begriff unmittelbar hatte;
so tritt er in der Form des Freien,
die er in der Objektivität noch nicht hatte, ihr gegenüber
und macht darin die Identität mit ihr,
die er an und für sich als objektiver Begriff mit ihr hat,
zu einer auch gesetzten.
In dieser Vollendung,
worin er in seiner Objektivität ebenso die Form der Freiheit hat,
ist der adäquate Begriff die Idee.
Die Vernunft, welche die Sphäre der Idee ist,
ist die sich selbst enthüllte Wahrheit,
worin der Begriff die schlechthin ihm angemessene Realisation hat
und insofern frei ist,
als er diese seine objektive Welt in seiner Subjektivität
und diese in jener erkennt. ((271))
Erster Abschnitt: Die Subjektivität
Der Begriff ist zuerst der formelle,
der Begriff im Anfang oder der als unmittelbarer ist.
- In der unmittelbaren Einheit ist sein Unterschied oder Gesetztsein
zuerst zunächst selbst einfach und nur ein Schein,
so daß die Momente des Unterschiedes
unmittelbar die Totalität des Begriffes sind
und nur der Begriff als solcher sind. >
Zweitens aber, weil er die absolute Negativität ist,
so dirimiert er sich und setzt sich als das Negative
oder als das Andere seiner selbst;
und zwar, weil er erst der unmittelbare ist,
hat dies Setzen oder Unterscheiden die Bestimmung,
daß die Momente gleichgültig gegeneinander und jedes für sich
wird;
seine Einheit ist in dieser Teilung nur noch äußere Beziehung.
So als Beziehung seiner als selbständig und gleichgültig gesetzten Momente
ist er das Urteil.
Drittens, das Urteil enthält wohl die Einheit
des in seine selbständigen Momente verlorenen Begriffs,
aber sie ist nicht gesetzt.
Sie wird dies durch die dialektische Bewegung des Urteils,
das hierdurch der Schluß geworden ist,
zum vollständig gesetzten Begriff,
indem im Schluß ebensowohl die Momente desselben
als selbständige Extreme wie auch deren vermittelnde Einheit gesetzt ist.
Indem aber unmittelbar diese Einheit selbst als die vereinigende Mitte
und die Momente als selbständige Extreme zunächst einander gegenüberstehen,
so hebt dies widersprechende Verhältnis,
das im formalen Schlusse stattfindet, sich auf,
und die Vollständigkeit des Begriffs geht in die Einheit der Totalität
über,
die Subjektivität des Begriffes in seine Objektivität. ((272))
Erstes Kapitel: Der Begriff
Durch den Verstand pflegt das Vermögen der Begriffe überhaupt
ausgedrückt zu werden;
er wird insofern von der Urteilskraft und dem Vermögen der Schlüsse
als der formellen Vernunft unterschieden.
Vornehmlich aber wird er der Vernunft entgegengesetzt;
insofern aber bedeutet er nicht das Vermögen des Begriffs überhaupt,
sondern der bestimmten Begriffe,
wobei die Vorstellung herrscht, als ob der Begriff nur ein Bestimmtes sei.
Wenn der Verstand in dieser Bedeutung von der formellen Urteilskraft
und der formellen Vernunft unterschieden wird,
so ist er als Vermögen des einzelnen bestimmten Begriffs zu nehmen.
Denn das Urteil und der Schluß oder die Vernunft sind selbst,
als Formales, nur ein Verständiges,
indem sie unter der Form der abstrakten Begriffsbestimmtheit stehen.
Der Begriff gilt aber hier überhaupt nicht als bloß abstrakt Bestimmtes;
der Verstand ist daher von der Vernunft nur so zu unterscheiden,
daß jener nur das Vermögen des Begriffes überhaupt sei.
Dieser allgemeine Begriff, der nun hier zu betrachten ist,
enthält die drei Momente:
Allgemeinheit, Besonderheit und Einzelheit.
Der Unterschied
und die Bestimmungen, die er sich in dem Unterscheiden gibt,
machen die Seite aus, welche vorhin Gesetztsein genannt wurde.
Da dieses in dem Begriffe identisch mit dem Anundfürsichsein ist,
so ist jedes jener Momente
sosehr ganzer Begriff
als bestimmter Begriff
und als eine Bestimmung des Begriffs.
Zuerst ist er reiner Begriff oder die Bestimmung der Allgemeinheit.
Der reine oder allgemeine Begriff
ist aber auch nur ein bestimmter oder besonderer Begriff,
der sich auf die Seite neben die anderen stellt.
Weil der Begriff die Totalität ist,
also in seiner Allgemeinheit oder rein identischen Beziehung auf sich selbst
wesentlich das Bestimmen und Unterscheiden ist,
so hat er in ihm selbst den Maßstab,
wodurch ((273)) diese Form seiner Identität mit sich,
indem sie alle Momente durchdringt und in sich faßt,
ebenso unmittelbar sich bestimmt,
nur das Allgemeine gegen die Unterschiedenheit der Momente zu sein. >
Zweitens ist der Begriff dadurch als dieser besondere
oder als [der] bestimmte Begriff,
welcher als gegen andere unterschieden gesetzt ist. >
Drittens, die Einzelheit ist der aus dem Unterschiede
in die absolute Negativität sich reflektierende Begriff.
Dies ist zugleich das Moment, worin er aus seiner Identität
in sein Anderssein übergetreten ist und zum Urteil wird. >
A. DER ALLGEMEINE BEGRIFF
Der reine Begriff ist das absolut Unendliche, Unbedingte und Freie.
Es ist hier, wo die Abhandlung, welche den Begriff zu ihrem Inhalte hat,
beginnt, noch einmal nach seiner Genesis zurückzusehen.
Das Wesen ist aus dem Sein und der Begriff aus dem Wesen,
somit auch aus dem Sein geworden.
Dies Werden hat aber die Bedeutung des Gegenstoßes seiner selbst,
so daß das Gewordene vielmehr das Unbedingte und Ursprüngliche ist.
Das Sein ist in seinem Übergange zum Wesen
zu einem Schein oder Gesetztsein
und das Werden oder das Übergehen in Anderes zu einem Setzen geworden,
und umgekehrt hat das Setzen oder die Reflexion des Wesens
sich aufgehoben und sich zu einem Nichtgesetzten,
einem ursprünglichen Sein hergestellt.
Der Begriff ist die Durchdringung dieser Momente,
daß das Qualitative und ursprünglich Seiende
nur als Setzen und nur als Rückkehr-in-sich ist
und diese reine Reflexion-in-sich schlechthin das Anderswerden
oder die Bestimmtheit ist,
welche ebenso daher unendliche, sich auf sich beziehende Bestimmtheit ist.
Der Begriff ist daher zuerst so die absolute Identität mit sich,
daß sie dies nur ist als die Negation der Negation
oder als die unendliche Einheit der Negativität mit sich selbst.
Diese reine Beziehung des Begriffs auf sich,
welche dadurch ((274)) diese Beziehung ist,
als durch die Negativität sich setzend,
ist die Allgemeinheit des Begriffs.
Die Allgemeinheit, da sie die höchst einfache Bestimmung ist,
scheint keiner Erklärung fähig zu sein;
denn eine Erklärung muß sich
auf Bestimmungen und Unterscheidungen einlassen
und von ihrem Gegenstande prädizieren;
das Einfache aber wird hierdurch viel mehr verändert als erklärt.
Es ist aber gerade die Natur des Allgemeinen,
ein solches Einfaches zu sein, welches durch die absolute Negativität
den höchsten Unterschied und Bestimmtheit in sich enthält.
Das Sein ist einfaches, als unmittelbares;
deswegen ist es ein nur Gemeintes
und kann man von ihm nicht sagen, was es ist;
es ist daher unmittelbar eins mit seinem Anderen, dem Nichtsein.
Eben dies ist sein Begriff, ein solches Einfaches zu sein,
das in seinem Gegenteil unmittelbar verschwindet;
er ist das Werden.
Das Allgemeine dagegen ist das Einfache,
welches ebensosehr das Reichste in sich selbst ist, weil es der Begriff ist.
Es ist daher erstens die einfache Beziehung auf sich selbst;
es ist nur in sich.
Aber diese Identität ist zweitens
in sich absolute Vermittlung, nicht aber ein Vermitteltes.
Vom Allgemeinen, welches ein vermitteltes, nämlich das abstrakte,
dem Besonderen und Einzelnen entgegengesetzte Allgemeine ist,
ist erst bei dem bestimmten Begriffe zu reden.
- Aber auch schon das Abstrakte enthält dies, daß, um es zu erhalten,
erfordert werde, andere Bestimmungen des Konkreten wegzulassen.
Diese Bestimmungen sind als Determinationen überhaupt Negationen;
ebenso ist ferner das Weglassen derselben ein Negieren.
Es kommt also beim Abstrakten gleichfalls die Negation der Negation vor.
Diese gedoppelte Negation aber wird vorgestellt,
als ob sie demselben äußerlich sei
und sowohl die weggelassenen weiteren Eigenschaften des Konkreten
von der beibehaltenen, welche der Inhalt des Abstrakten ist,
verschieden seien,
als auch diese Operation des Weglassens der übrigen
und des Beibehaltens der einen
außer derselben vorgehe.
Zu solcher Äußerlichkeit hat sich das Allgemeine
gegen jene Bewegung noch nicht bestimmt;
es ist noch selbst in sich jene absolute Vermittlung,
welche eben die Negation der Negation oder absolute Negativität ist.
Nach dieser ursprünglichen Einheit ist fürs erste
das erste Negative oder die Bestimmung keine Schranke für das Allgemeine,
sondern es erhält sich darin und ist positiv mit sich identisch.
Die Kategorien des Seins waren, als Begriffe,
wesentlich diese Identitäten der Bestimmungen mit sich selbst,
in ihrer Schranke oder ihrem Anderssein;
diese Identität war aber nur an sich der Begriff;
sie war noch nicht manifestiert.
Daher die qualitative Bestimmung als solche in ihrer anderen unterging
und eine von ihr verschiedene Bestimmung zu ihrer Wahrheit hatte.
Das Allgemeine hingegen, wenn es sich auch in eine Bestimmung setzt,
bleibt es darin, was es ist.
Es ist die Seele des Konkreten, dem es inwohnt,
ungehindert und sich selbst gleich in dessen Mannigfaltigkeit und Verschiedenheit.
Es wird nicht mit in das Werden gerissen,
sondern kontinuiert sich ungetrübt durch dasselbe
und hat die Kraft unveränderlicher, unsterblicher Selbsterhaltung.
Ebenso scheint es aber nicht nur in sein Anderes wie die Reflexionsbestimmung.
Diese als ein Relatives bezieht sich nicht nur auf sich, sondern ist ein Verhalten.
Sie gibt sich in ihrem Anderen kund, aber scheint nur erst an ihm,
und das Scheinen eines jeden an dem Anderen
oder ihr gegenseitiges Bestimmen
hat bei ihrer Selbständigkeit die Form eines äußerlichen Tuns.
- Das Allgemeine dagegen ist gesetzt als das Wesen seiner Bestimmung,
die eigene positive Natur derselben.
Denn die Bestimmung, die sein Negatives ausmacht,
ist im Begriffe schlechthin nur als ein Gesetztsein
oder wesentlich nur zugleich als das Negative des Negativen,
und sie ist nur als diese Identität des Negativen mit sich,
welche das Allgemeine ist.
Dieses ist insofern auch die Substanz seiner Bestimmungen;
aber so, daß das, was für die Substanz als solche ein Zufälliges
war,
die eigene Vermittlung ((276)) des Begriffes mit sich selbst,
seine eigene immanente Reflexion ist.
Diese Vermittlung,
welche das Zufällige zunächst zur Notwendigkeit erhebt,
ist aber die manifestierte Beziehung;
der Begriff ist nicht der Abgrund der formlosen Substanz
oder die Notwendigkeit als die innere Identität
voneinander verschiedener und sich beschränkender Dinge oder Zustände,
sondern als absolute Negativität das Formierende und Erschaffende,
und weil die Bestimmung nicht als Schranke,
sondern schlechthin so sehr als aufgehobene, als Gesetztsein ist,
so ist der Schein die Erscheinung als des Identischen.
Das Allgemeine ist daher die freie Macht;
es ist es selbst und greift über sein Anderes über;
aber nicht als ein Gewaltsames,
sondern das vielmehr in demselben ruhig und bei sich selbst ist.
Wie es die freie Macht genannt worden,
so könnte es auch die freie Liebe und schrankenlose Seligkeit genannt werden,
denn es ist ein Verhalten seiner zu dem Unterschiedenen nur als zu sich selbst;
in demselben ist es zu sich selbst zurückgekehrt.
Es ist soeben der Bestimmtheit erwähnt worden,
obgleich der Begriff nur erst als das Allgemeine
und nur mit sich Identische noch nicht dazu fortgegangen ist.
Es kann aber von dem Allgemeinen nicht ohne die Bestimmtheit,
welche näher die Besonderheit und Einzelheit ist, gesprochen werden;
denn es enthält sie in seiner absoluten Negativität an und für
sich;
die Bestimmtheit wird also nicht von außen dazu genommen,
wenn beim Allgemeinen von ihr gesprochen wird.
Als Negativität überhaupt oder nach der ersten, unmittelbaren Negation
hat es die Bestimmtheit überhaupt als Besonderheit an ihm;
als Zweites, als Negation der Negation
ist es absolute Bestimmtheit oder Einzelheit und Konkretion.
- Das Allgemeine ist somit die Totalität des Begriffes,
es ist Konkretes, ist nicht ein Leeres,
sondern hat vielmehr durch seinen Begriff Inhalt
- einen Inhalt, in dem es sich nicht nur erhält,
sondern der ihm eigen und immanent ist.
Es kann von dem Inhalte wohl abstrahiert werden;
so ((277)) erhält man aber nicht das Allgemeine des Begriffs,
sondern das Abstrakte,
welches ein isoliertes, unvollkommenes Moment des Begriffes ist
und keine Wahrheit hat.
Näher ergibt sich das Allgemeine so als diese Totalität.
Insofern es die Bestimmtheit in sich hat,
ist sie nicht nur die erste Negation,
sondern auch die Reflexion derselben in sich.
Mit jener ersten Negation für sich genommen, ist es Besonderes,
wie es sogleich wird betrachtet werden;
aber es ist in dieser Bestimmtheit wesentlich noch Allgemeines;
diese Seite muß hier noch aufgefaßt werden.
- Diese Bestimmtheit ist nämlich als im Begriffe
die totale Reflexion, der Doppelschein,
einmal der Schein nach außen, die Reflexion-in-Anderes,
das andere Mal der Schein nach innen, die Reflexion-in-sich.
Jenes äußerliche Scheinen macht einen Unterschied gegen Anderes;
das Allgemeine hat hiernach eine Besonderheit,
welche ihre Auflösung in einem höheren Allgemeinen hat.
Insofern es nun auch nur ein relativ Allgemeines ist,
verliert es seinen Charakter des Allgemeinen nicht;
es erhält sich in seiner Bestimmtheit, nicht nur so,
daß es in der Verbindung mit ihr nur gleichgültig gegen sie bliebe
- so wäre es nur mit ihr zusammengesetzt -,
sondern daß es das ist,
was soeben das Scheinen nach innen genannt wurde.
Die Bestimmtheit ist als bestimmter Begriff
aus der Äußerlichkeit in sich zurückgebogen;
sie ist der eigene, immanente Charakter,
der dadurch ein Wesentliches ist,
daß er, in die Allgemeinheit aufgenommen und von ihr durchdrungen,
von gleichem Umfange, identisch mit ihr, sie ebenso durchdringt;
es ist der Charakter, welcher der Gattung angehört,
als die von dem Allgemeinen ungetrennte Bestimmtheit.
Er ist insofern nicht eine nach außen gehende Schranke, sondern positiv,
indem er durch die Allgemeinheit
in der freien Beziehung auf sich selbst steht.
Auch der bestimmte Begriff bleibt so in sich unendlich freier Begriff.
In Ansehung der andern Seite aber,
nach welcher die Gattung durch ihren bestimmten Charakter begrenzt ist,
ist bemerkt worden, daß sie als niedrigere Gattung
in einem ((278)) höheren Allgemeinern ihre Auflösung habe.
Dieses kann auch wieder als Gattung,
aber als eine abstraktere aufgefaßt werden,
gehört aber immer wieder nur der Seite des bestimmten Begriffes an,
die nach außen geht.
Das wahrhaft höhere Allgemeine ist,
worin diese nach außen gehende Seite nach innen zurückgenommen ist,
die zweite Negation, in welcher die Bestimmtheit
schlechthin nur als Gesetztes oder als Schein ist.
Leben, Ich, Geist, absoluter Begriff
sind nicht Allgemeine nur als höhere Gattungen,
sondern Konkrete, deren Bestimmtheiten
auch nicht nur Arten oder niedrige Gattungen sind,
sondern die in ihrer Realität schlechthin nur in sich und davon erfüllt
sind.
Insofern Leben, Ich, endlicher Geist
wohl auch nur bestimmte Begriffe sind,
so ist ihre absolute Auflösung in demjenigen Allgemeinen,
welches als wahrhaft absoluter Begriff,
als Idee des unendlichen Geistes zu fassen ist,
dessen Gesetztsein die unendliche, durchsichtige Realität ist,
worin er seine Schöpfung und in ihr sich selbst anschaut.
Das wahrhafte, unendliche Allgemeine,
welches unmittelbar ebensosehr Besonderheit als Einzelheit in sich ist,
ist nun zunächst näher als Besonderheit zu betrachten.
Es bestimmt sich frei;
seine Verendlichung ist kein Übergehen, das nur in der Sphäre des Seins
statthat;
es ist schöpferische Macht
als die absolute Negativität, die sich auf sich selbst bezieht.
Es ist als solche das Unterscheiden in sich,
und dieses ist Bestimmen dadurch,
daß das Unterscheiden mit der Allgemeinheit eins ist.
Somit ist es ein Setzen der Unterschiede selbst als allgemeiner,
sich auf sich beziehender.
Hierdurch werden sie fixierte, isolierte Unterschiede.
Das isolierte Bestehen des Endlichen,
das sich früher als sein Fürsichsein,
auch als Dingheit, als Substanz bestimmte,
ist in seiner Wahrheit die Allgemeinheit,
mit welcher Form der unendliche Begriff seine Unterschiede bekleidet,
- eine Form, die eben einer seiner Unterschiede selbst ist.
Hierin besteht das Schaffen des Begriffs,
das nur in diesem Innersten desselben selbst zu begreifen ist. ((279))
B. DER BESONDERE BEGRIFF
Die Bestimmtheit als solche gehört dem Sein und dem Qualitativen an;
als Bestimmtheit des Begriffs ist sie Besonderheit.
Sie ist keine Grenze,
so daß sie sich zu einem Anderen als einem Jenseits ihrer verhielte,
vielmehr, wie sich soeben zeigte,
das eigene immanente Moment des Allgemeinen;
dieses ist daher in der Besonderheit nicht bei einem Anderen,
sondern schlechthin bei sich selbst.
Das Besondere enthält die Allgemeinheit, welche dessen Substanz ausmacht;
die Gattung ist unverändert in ihren Arten;
die Arten sind nicht von dem Allgemeinen, sondern nur gegeneinander verschieden.
Das Besondere hat mit den anderen Besonderen, zu denen es sich verhält,
eine und dieselbe Allgemeinheit.
Zugleich ist die Verschiedenheit derselben
um ihrer Identität mit dem Allgemeinen willen als solche allgemein;
sie ist Totalität.
- Das Besondere enthält also nicht nur das Allgemeine,
sondern stellt dasselbe auch durch seine Bestimmtheit dar;
dieses macht insofern eine Sphäre aus,
welche das Besondere erschöpfen muß.
Diese Totalität erscheint,
insofern die Bestimmtheit des Besonderen
als bloße Verschiedenheit genommen wird,
als Vollständigkeit.
Vollständig sind in dieser Rücksicht die Arten,
insofern es deren eben nicht mehrere gibt.
Es ist für sie kein innerer Maßstab oder Prinzip vorhanden,
weil die Verschiedenheit eben der einheitslose Unterschied ist,
an welchem die Allgemeinheit, die für sich absolute Einheit ist,
bloß äußerlicher Reflex
und eine unbeschränkte, zufällige Vollständigkeit ist.
Die Verschiedenheit aber geht in Entgegensetzung,
in eine immanente Beziehung der Verschiedenen über.
Die Besonderheit aber ist als Allgemeinheit an und für sich selbst,
nicht durch Übergehen solche immanente Beziehung;
sie ist Totalität an ihr selbst und einfache Bestimmtheit,
wesentlich Prinzip.
Sie hat keine andere Bestimmtheit,
als welche durch das Allgemeine selbst gesetzt ist
und sich aus demselben folgendermaßen ergibt. ((280))
Das Besondere ist das Allgemeine selbst,
aber es ist dessen Unterschied oder Beziehung auf ein Anderes,
sein Scheinen nach außen;
es ist aber kein Anderes vorhanden,
wovon das Besondere unterschieden wäre,
als das Allgemeine selbst.
- Das Allgemeine bestimmt sich, so ist es selbst das Besondere;
die Bestimmtheit ist sein Unterschied;
es ist nur von sich selbst unterschieden.
Seine Arten sind daher nur
a) das Allgemeine selbst und
b) das Besondere.
Das Allgemeine als der Begriff ist es selbst und sein Gegenteil,
was wieder es selbst als seine gesetzte Bestimmtheit ist;
es greift über dasselbe über und ist in ihm bei sich.
So ist es die Totalität und Prinzip seiner Verschiedenheit,
die ganz nur durch es selbst bestimmt ist.
Es gibt daher keine andere wahrhafte Einteilung,
als daß der Begriff sich selbst auf die Seite stellt
als die unmittelbare, unbestimmte Allgemeinheit;
eben dies Unbestimmte macht seine Bestimmtheit [?aus],
oder daß er ein Besonderes ist.
Beides ist das Besondere und ist daher koordiniert.
Beides ist auch als Besonderes das Bestimmte gegen das Allgemeine;
es heißt demselben insofern subordiniert.
Aber eben dies Allgemeine,
gegen welches das Besondere bestimmt ist,
ist damit vielmehr selbst auch nur eines der Gegenüberstehenden.
Wenn wir von zwei Gegenüberstehenden sprechen,
so müssen wir also auch wieder sagen,
daß sie beide das Besondere ausmachen,
nicht nur zusammen, daß sie nur für die äußere Reflexion
darin gleich wären, Besondere zu sein,
sondern ihre Bestimmtheit gegeneinander
ist wesentlich zugleich nur eine Bestimmtheit,
die Negativität, welche im Allgemeinen einfach ist.
Wie sich der Unterschied hier zeigt,
ist er in seinem Begriffe und damit in seiner Wahrheit.
Aller frühere Unterschied hat diese Einheit im Begriffe.
Wie er unmittelbarer Unterschied im Sein ist,
ist er als die Grenze eines Anderen;
wie er in der Reflexion ist, ist er relativer,
gesetzt als sich auf sein Anderes wesentlich beziehend;
hier beginnt somit die Einheit des Begriffs gesetzt zu werden;
aber zunächst ist sie nur der Schein an einem Anderen.
- Das Übergehen und die ((281)) Auflösung dieser Bestimmungen
hat nur diesen wahren Sinn,
daß sie ihren Begriff, ihre Wahrheit erreichen;
Sein, Dasein, Etwas oder Ganzes und Teile usf.,
Substanz und Akzidenzen, Ursache und Wirkung
sind für sich Gedankenbestimmungen;
als bestimmte Begriffe werden sie aufgefaßt,
insofern jede in der Einheit mit ihrer anderen
oder entgegengesetzten erkannt wird.
- Das Ganze und die Teile, Ursache und Wirkung z. B. usf.
sind noch nicht Verschiedene,
die als Besondere gegeneinander bestimmt wären,
weil sie an sich zwar einen Begriff ausmachen,
aber ihre Einheit noch nicht die Form der Allgemeinheit erreicht hat;
so hat auch der Unterschied, der in diesen Verhältnissen ist,
noch nicht die Form, daß er eine Bestimmtheit ist.
Ursache und Wirkung z. B. sind nicht zwei verschiedene Begriffe,
sondern nur ein bestimmter Begriff,
und die Kausalität ist, wie jeder Begriff, ein einfacher.
In Absicht auf Vollständigkeit hat sich ergeben,
daß das Bestimmte der Besonderheit
vollständig in dem Unterschiede des Allgemeinen und Besonderen ist
und daß nur diese beiden die besonderen Arten ausmachen.
In der Natur finden sich freilich in einer Gattung mehr als zwei Arten,
so wie diese vielen Arten
auch nicht das aufgezeigte Verhältnis zueinander haben können.
Es ist dies die Ohnmacht der Natur,
die Strenge des Begriffs nicht festhalten und darstellen zu können
und in diese begrifflose blinde Mannigfaltigkeit sich zu verlaufen.
Wir können die Natur in der Mannigfaltigkeit ihrer Gattungen und Arten
und der unendlichen Verschiedenheit ihrer Gestaltungen bewundern,
denn die Bewunderung ist ohne Begriff,
und ihr Gegenstand ist das Vernunftlose.
Der Natur, weil sie das Außersichsein des Begriffes ist,
ist es freigegeben, in dieser Verschiedenheit sich zu ergehen,
wie der Geist,
ob er gleich den Begriff in der Gestalt des Begriffes hat,
auch aufs Vorstellen sich einläßt
und in einer unendlichen Mannigfaltigkeit desselben sich herumtreibt.
Die vielfachen Naturgattungen oder Arten
müssen für nichts Höheres geachtet werden
als die willkürlichen Einfälle des Geistes in seinen Vorstellungen.
Beide ((282)) zeigen wohl allenthalben Spuren und Ahnungen des Begriffs,
aber stellen ihn nicht in treuem Abbild dar,
weil sie die Seite seines freien Außersichseins sind;
er ist die absolute Macht gerade darum,
daß er seinen Unterschied frei zur Gestalt selbständiger Verschiedenheit,
äußerlicher Notwendigkeit, Zufälligkeit, Willkür, Meinung
entlassen kann,
welche aber für nicht mehr als die abstrakte Seite
der Nichtigkeit genommen werden muß.
Die Bestimmtheit des Besonderen ist einfach als Prinzip,
wie wir gesehen haben,
aber sie ist es auch als Moment der Totalität,
als Bestimmtheit gegen die andere Bestimmtheit.
Der Begriff, insofern er sich bestimmt oder unterscheidet,
ist er negativ auf seine Einheit gerichtet
und gibt sich die Form eines seiner ideellen Momente des Seins;
als bestimmter Begriff hat er ein Dasein überhaupt.
Dies Sein hat aber nicht mehr den Sinn der bloßen Unmittelbarkeit,
sondern der Allgemeinheit,
der durch die absolute Vermittlung sich selbst gleichen Unmittelbarkeit,
die ebensosehr auch das andere Moment,
das Wesen oder die Reflexion-in-sich enthält.
Diese Allgemeinheit, mit welcher das Bestimmte bekleidet ist, ist die abstrakte.
Das Besondere hat die Allgemeinheit in ihm selbst als sein Wesen;
insofern aber die Bestimmtheit des Unterschieds gesetzt ist
und dadurch Sein hat, ist sie Form an demselben,
und die Bestimmtheit als solche ist der Inhalt.
Zur Form wird die Allgemeinheit,
insofern der Unterschied als das Wesentliche ist,
wie er im Gegenteil im rein Allgemeinen
nur als absolute Negativität, nicht als Unterschied ist,
der als solcher gesetzt ist.
Die Bestimmtheit ist nun zwar das Abstrakte gegen die andere Bestimmtheit;
die andere ist aber nur die Allgemeinheit selbst;
diese ist insofern auch die abstrakte,
und die Bestimmtheit des Begriffs oder die Besonderheit
ist wieder weiter nichts als die bestimmte Allgemeinheit.
Der Begriff ist in ihr außer sich;
insofern er es ist, der darin außer sich ist,
so enthält das abstrakt Allgemeine alle Momente des Begriffs;
es ist a) Allgemeinheit, b) Bestimmtheit,
c) die ((283)) einfache Einheit von beiden;
aber diese Einheit ist unmittelbare,
und die Besonderheit ist darum nicht als die Totalität.
An sich ist sie auch diese Totalität und Vermittlung;
sie ist wesentlich ausschließende Beziehung auf Anderes
oder Aufhebung der Negation,
nämlich der anderen Bestimmtheit
- der anderen, die aber nur als Meinung vorschwebt,
denn unmittelbar verschwindet sie und zeigt sich als dasselbe,
was die ihr andere sein sollte.
Dies macht also diese Allgemeinheit zur abstrakten,
daß die Vermittlung nur Bedingung ist
oder nicht an ihr selbst gesetzt ist.
Weil sie nicht gesetzt ist,
hat die Einheit des Abstrakten die Form der Unmittelbarkeit,
und der Inhalt [hat] die Form der Gleichgültigkeit gegen seine Allgemeinheit,
weil er nicht als diese Totalität ist,
welche die Allgemeinheit der absoluten Negativität ist.
Das abstrakt Allgemeine ist somit zwar der Begriff,
aber als Begriffloses, als Begriff, der nicht als solcher gesetzt ist.
Wenn vom bestimmten Begriffe die Rede ist, so ist es gewöhnlich
rein nur ein solches abstrakt Allgemeines, was gemeint ist.
Auch unter dem Begriffe überhaupt
wird meist nur dieser begrifflose Begriff verstanden,
und der Verstand bezeichnet das Vermögen solcher Begriffe.
Die Demonstration gehört diesem Verstande an,
insofern sie an Begriffen fortgehe, d. h. nur an Bestimmungen.
Solches Fortgehen an Begriffen
kommt daher nicht über die Endlichkeit und Notwendigkeit hinaus;
ihr Höchstes ist das negative Unendliche,
die Abstraktion des höchsten Wesens,
welches selbst die Bestimmtheit der Unbestimmtheit ist.
Auch die absolute Substanz ist zwar nicht diese leere Abstraktion,
dem Inhalte nach vielmehr die Totalität,
aber sie ist darum abstrakt, weil sie ohne die absolute Form ist;
ihre innerste Wahrheit macht nicht der Begriff aus;
ob sie zwar die Identität der Allgemeinheit und Besonderheit
oder des Denkens und des Außereinander ist,
so ist diese Identität nicht die Bestimmtheit des Begriffes;
außer ihr ist vielmehr ein
- und zwar, eben weil er außer ihr ist, ein zufälliger - Verstand,
in und für welchen sie in verschiedenen Attributen und Modis ist. ((284))
Leer ist übrigens die Abstraktion nicht, wie sie gewöhnlich genannt
wird;
sie ist der bestimmte Begriff;
sie hat irgendeine Bestimmtheit zum Inhalt;
auch das höchste Wesen, die reine Abstraktion,
hat, wie erinnert, die Bestimmtheit der Unbestimmtheit;
eine Bestimmtheit aber ist die Unbestimmtheit,
weil sie dem Bestimmten gegenüberstehen soll.
Indem man aber ausspricht, was sie ist,
hebt sich dies selbst auf, was sie sein soll;
sie wird als eins mit der Bestimmtheit ausgesprochen
und auf diese Weise aus der Abstraktion
der Begriff und ihre Wahrheit hergestellt.
- Insofern aber ist jeder bestimmte Begriff allerdings leer, als er
nicht die Totalität, sondern nur eine einseitige Bestimmtheit enthält.
Wenn er auch sonst konkreten Inhalt hat, z.B. Mensch, Staat, Tier usf.,
so bleibt er ein leerer Begriff,
insofern seine Bestimmtheit nicht das Prinzip seiner Unterschiede ist;
das Prinzip enthält den Anfang
und das Wesen seiner Entwicklung und Realisation;
irgendeine andere Bestimmtheit des Begriffs aber ist unfruchtbar.
Wenn der Begriff daher überhaupt als leer gescholten ist,
so wird jene absolute Bestimmtheit desselben verkannt,
welche der Begriffsunterschied
und der einzig wahre Inhalt in seinem Element ist.
Hierher gehört der Umstand,
um dessen willen der Verstand in neueren Zeiten gering geachtet
und gegen die Vernunft so sehr zurückgesetzt wird;
es ist die Festigkeit,
welche er den Bestimmtheiten und somit den Endlichkeiten erteilt.
Dies Fixe besteht in der betrachteten Form der abstrakten Allgemeinheit;
durch sie werden sie unveränderlich.
Denn die qualitative Bestimmtheit sowie die Reflexionsbestimmung
sind wesentlich als begrenzte
und haben durch ihre Schranke eine Beziehung auf ihr Anderes,
somit die Notwendigkeit des Übergehens und Vergehens.
Die Allgemeinheit aber, welche sie im Verstande haben,
gibt ihnen die Form der Reflexion-in-sich,
wodurch sie der Beziehung auf Anderes entnommen
und unvergänglich geworden sind.
Wenn nun am reinen Begriffe diese Ewigkeit zu seiner Natur gehört,
so wären seine abstrakten Bestimmungen
nur ihrer ((285)) Form nach ewige Wesenheiten;
aber ihr Inhalt ist dieser Form nicht angemessen;
sie sind daher nicht Wahrheit und Unvergänglichkeit.
Ihr Inhalt ist der Form nicht angemessen,
weil er nicht die Bestimmtheit selbst als allgemein,
d. i. nicht als Totalität des Begriffsunterschieds
oder nicht selbst die ganze Form ist;
die Form des beschränkten Verstandes
ist darum aber selbst die unvollkommene, nämlich abstrakte Allgemeinheit.
- Es ist aber ferner als die unendliche Kraft des Verstandes zu achten,
das Konkrete in die abstrakten Bestimmtheiten zu trennen
und die Tiefe des Unterschieds zu fassen,
welche allein zugleich die Macht ist, die ihren Übergang bewirkt.
Das Konkrete der Anschauung ist Totalität, aber die sinnliche,
- ein realer Stoff, der in Raum und Zeit gleichgültig außereinander
besteht;
diese Einheitslosigkeit des Mannigfaltigen,
in der es der Inhalt der Anschauung ist,
sollte ihm doch wohl nicht als Verdienst
und Vorzug vor dem Verständigen angerechnet werden.
Die Veränderlichkeit, die es in der Anschauung zeigt,
deutet schon auf das Allgemeine hin;
was davon zur Anschauung kommt,
ist nur ein anderes ebenso Veränderliches, also nur das Nämliche;
es ist nicht das Allgemeine, das an dessen Stelle träte und erschiene.
Am wenigsten aber sollte der Wissenschaft,
z. B. der Geometrie und Arithmetik,
das Anschauliche, das ihr Stoff mit sich bringt,
zu einem Verdienste angerechnet
und ihre Sätze als hierdurch begründet vorgestellt werden.
Vielmehr ist der Stoff solcher Wissenschaften darum von niedrigerer Natur;
das Anschauen der Figuren oder Zahlen
verhilft nicht zur Wissenschaft derselben;
nur das Denken darüber vermag eine solche hervorzubringen.
- Insofern aber unter Anschauung nicht bloß das Sinnliche,
sondern die objektive Totalität verstanden wird,
so ist sie eine intellektuelle, d. i. sie hat das Dasein
nicht in seiner äußerlichen Existenz zum Gegenstande,
sondern das, was in ihm unvergängliche Realität und Wahrheit ist,
- die Realität, nur insofern sie
wesentlich im Begriffe und durch ihn bestimmt ist,
die Idee, deren nähere Natur sich später zu ergeben hat. ((286))
Was die Anschauung als solche vor dem Begriffe voraushaben soll,
ist die äußerliche Realität,
das Begrifflose, das erst einen Wert durch ihn erhält.
Indem daher der Verstand die unendliche Kraft darstellt,
welche das Allgemeine bestimmt
oder umgekehrt dem an und für sich Haltungslosen der Bestimmtheit
durch die Form der Allgemeinheit das fixe Bestehen erteilt,
so ist es nun nicht Schuld des Verstandes, wenn nicht weitergegangen wird.
Es ist eine subjektive Ohnmacht der Vernunft,
welche diese Bestimmtheiten so gelten läßt
und sie nicht durch die jener abstrakten Allgemeinheit
entgegengesetzte dialektische Kraft,
d. h. durch die eigentümliche Natur,
nämlich durch den Begriff jener Bestimmtheiten,
zur Einheit zurückzuführen vermag.
Der Verstand gibt ihnen zwar durch die Form der abstrakten Allgemeinheit
sozusagen eine solche Härte des Seins,
als sie in der qualitativen Sphäre
und in der Sphäre der Reflexion nicht haben;
aber durch diese Vereinfachung begeistet er sie zugleich
und schärft sie so zu,
daß sie eben nur auf dieser Spitze die Fähigkeit erhalten,
sich aufzulösen und in ihr Entgegengesetztes überzugehen.
Die höchste Reife und Stufe, die irgend etwas erreichen kann,
ist diejenige, in welcher sein Untergang beginnt.
Das Feste der Bestimmtheiten, in welche sich der Verstand einzurennen scheint,
die Form des Unvergänglichen
ist die der sich auf sich beziehenden Allgemeinheit.
Aber sie gehört dem Begriffe zu eigen an;
und daher liegt in ihr selbst die Auflösung des Endlichen ausgedrückt
und in unendlicher Nähe.
Diese Allgemeinheit arguiert unmittelbar die Bestimmtheit des Endlichen
und drückt seine Unangemessenheit zu ihr aus.
- Oder vielmehr ist seine Angemessenheit schon vorhanden;
das abstrakte Bestimmte ist als eins mit der Allgemeinheit gesetzt,
- eben darum als nicht für sich, insofern es nur Bestimmtes wäre,
sondern nur als Einheit seiner und des Allgemeinen, d. i. als Begriff.
Es ist daher in jeder Rücksicht zu verwerfen,
Verstand und Vernunft so, wie gewöhnlich geschieht, zu trennen.
Wenn der ((287)) Begriff als vernunftlos betrachtet wird,
so muß es vielmehr als eine Unfähigkeit der Vernunft betrachtet werden,
sich in ihm zu erkennen.
Der bestimmte und abstrakte Begriff ist die Bedingung
oder vielmehr wesentliches Moment der Vernunft;
er ist begeistete Form, in welcher das Endliche
durch die Allgemeinheit, in der es sich auf sich bezieht,
sich in sich entzündet, als dialektisch gesetzt
und hiermit der Anfang selbst der Erscheinung der Vernunft ist.
Indem der bestimmte Begriff in dem Bisherigen
in seiner Wahrheit dargestellt ist,
so ist nur noch übrig, anzuzeigen, als was er hiermit schon gesetzt ist.
- Der Unterschied, welcher wesentliches Moment des Begriffs,
aber im rein Allgemeinen noch nicht als solcher gesetzt ist,
erhält im bestimmten Begriffe sein Recht.
Die Bestimmtheit in der Form der Allgemeinheit
ist zum Einfachen mit derselben verbunden;
dies bestimmte Allgemeine
ist die sich auf sich selbst beziehende Bestimmtheit;
die bestimmte Bestimmtheit oder absolute Negativität für sich gesetzt.
Die sich auf sich selbst beziehende Bestimmtheit aber ist die Einzelheit.
So unmittelbar die Allgemeinheit
schon an und für sich selbst Besonderheit ist,
so unmittelbar an und für sich ist die Besonderheit auch Einzelheit,
welche zunächst als drittes Moment des Begriffes,
insofern sie gegen die beiden ersten festgehalten wird,
aber auch als die absolute Rückkehr desselben in sich
und zugleich als der gesetzte Verlust seiner selbst zu betrachten ist.
Anmerkung: Die gewöhnlichen Arten der Begriffe
Allgemeinheit, Besonderheit und Einzelheit sind nach dem Bisherigen
die drei bestimmten Begriffe, wenn man sie nämlich zählen will.
Es ist schon früher gezeigt worden, daß die Zahl eine unpassende Form
ist,
um Begriffsbestimmungen darein zu fassen,
aber am unpassendsten vollends für Bestimmungen des Begriffs selbst;
die Zahl, da sie das Eins zum Prinzip hat,
macht die gezählten zu ganz abgesonderten und einander ganz gleichgültigen.
Es hat sich im Bisherigen ((288)) ergeben,
daß die verschiedenen bestimmten Begriffe
schlechthin vielmehr nur einer und derselbe Begriff sind,
als daß sie in die Zahl auseinanderfallen.
In der sonst gewöhnlichen Abhandlung der Logik
kommen mancherlei Einteilungen und Arten von Begriffen vor.
Es fällt sogleich die Inkonsequenz daran in die Augen,
daß die Arten so eingeführt werden:
Es gibt der Quantität, Qualität usf. nach folgende Begriffe.
»Es gibt« drückt keine andere Berechtigung aus als die,
daß man solche Arten vorfindet und sie sich nach der Erfahrung zeigen.
Man erhält auf diese Weise eine empirische Logik,
- eine sonderbare Wissenschaft, eine irrationelle Erkenntnis des Rationellen.
Die Logik gibt hierdurch ein sehr übles Beispiel
der Befolgung ihrer eigenen Lehren;
sie erlaubt sich für sich selbst das Gegenteil dessen zu tun,
was sie als Regel vorschreibt, daß die Begriffe abgeleitet
und die wissenschaftlichen Sätze
(also auch der Satz »es gibt so und so vielerlei Arten von Begriffen«)
bewiesen werden sollen.
- Die Kantische Philosophie begeht hierin eine weitere Inkonsequenz:
sie entlehnt für die transzendentale Logik
die Kategorien als sogenannte Stammbegriffe aus der subjektiven Logik,
in welcher sie empirisch aufgenommen worden.
Da sie letzteres zugibt, so ist nicht abzusehen,
warum die transzendentale Logik
sich zum Entlehnen aus solcher Wissenschaft entschließt
und nicht gleich selbst empirisch zugreift.
Um einiges hiervon anzuführen, so werden die Begriffe vornehmlich
nach ihrer Klarheit eingeteilt, und zwar in klare und dunkle,
deutliche und undeutliche, in adäquate und nicht-adäquate.
Auch können hierher die vollständigen, überfließenden
und andere dergleichen Überflüssigkeiten genommen werden.
- Was jene Einteilung nach der Klarheit betrifft, so zeigt sich bald,
daß dieser Gesichtspunkt und die sich auf ihn beziehenden Unterschiede
aus psychologischen, nicht aus logischen Bestimmungen genommen sind.
Der sogenannte klare Begriff soll hinreichen,
einen Gegenstand von einem anderen zu unterscheiden;
ein solches ist noch kein ((288)) Begriff zu nennen,
es ist weiter nichts als die subjektive Vorstellung.
Was ein dunkler Begriff sei, muß auf sich beruhen bleiben,
denn sonst wäre er kein dunkler, er würde ein deutlicher Begriff.
- Der deutliche Begriff soll ein solcher sein,
von welchem man die Merkmale angeben könne.
Sonach ist er eigentlich der bestimmte Begriff.
Das Merkmal, wenn nämlich das, was darin Richtiges liegt, aufgefaßt
wird,
ist nichts anderes als die Bestimmtheit oder der einfache Inhalt des Begriffs,
insofern er von der Form der Allgemeinheit unterschieden wird.
Aber das Merkmal hat zunächst nicht gerade diese genauere Bedeutung,
sondern ist überhaupt nur eine Bestimmung,
wodurch ein Dritter sich einen Gegenstand oder den Begriff merkt;
es kann daher ein sehr zufälliger Umstand sein.
Überhaupt drückt es nicht sowohl
die Immanenz und Wesentlichkeit der Bestimmung aus,
sondern deren Beziehung auf einen äußeren Verstand.
Ist dieser wirklich ein Verstand, so hat er den Begriff vor sich
und merkt sich denselben durch nichts anderes als durch das,
was im Begriffe ist.
Soll es aber hiervon unterschieden sein,
so ist es ein Zeichen oder sonst eine Bestimmung,
welche zur Vorstellung der Sache, nicht zu ihrem Begriffe gehört.
- Was der undeutliche Begriff sei, kann als überflüssig übergangen
werden.
Der adäquate Begriff aber ist ein Höheres;
es schwebt dabei eigentlich
die Übereinstimmung des Begriffs mit der Realität vor,
was nicht der Begriff als solcher, sondern die Idee ist.
Wenn das Merkmal des deutlichen Begriffs
wirklich die Begriffsbestimmung selbst sein sollte,
so würde die Logik mit den einfachen Begriffen in Verlegenheit kommen,
welche nach einer anderen Einteilung
den zusammengesetzten gegenübergestellt werden.
Denn wenn vom einfachen Begriffe ein wahres,
d. i. ein immanentes Merkmal angegeben werden sollte,
so würde man ihn nicht als einen einfachen ansehen wollen;
insofern aber keines von ihm angegeben würde,
wäre er kein deutlicher Begriff.
Da hilft aber nun der klare Begriff aus.
Einheit, Realität und dergleichen Bestimmungen ((290))
sollen einfache Begriffe sein, wohl nur aus dem Grunde,
daß die Logiker nicht damit zustande kamen,
die Bestimmung derselben aufzufinden, sich daher begnügten,
einen bloß klaren Begriff, d. h. gar keinen davon zu haben.
Zur Definition, d. i. zur Angabe des Begriffs wird allgemein
die Angabe der Gattung und der spezifischen Differenz gefordert.
Sie gibt also den Begriff nicht als etwas Einfaches,
sondern in zwei zählbaren Bestandstücken.
Aber darum wird solcher Begriff
doch wohl nicht ein Zusammengesetztes sein sollen.
- Es scheint beim einfachen Begriffe die abstrakte Einfachheit vorzuschweben,
eine Einheit, welche den Unterschied und die Bestimmtheit nicht in sich enthält,
welche daher auch nicht diejenige ist, die dem Begriffe zukommt.
Sofern ein Gegenstand
in der Vorstellung, insbesondere im Gedächtnisse ist
oder auch die abstrakte Gedankenbestimmung ist, kann er ganz einfach sein.
Selbst der in sich reichste Gegenstand
- z. B. Geist, Natur, Welt, auch Gott ganz begrifflos
in die einfache Vorstellung des ebenso einfachen Ausdruckes
Geist, Natur, Welt, Gott gefaßt -
ist wohl etwas Einfaches, bei dem das Bewußtsein stehenbleiben kann,
ohne sich die eigentümliche Bestimmung oder ein Merkmal weiter herauszuheben;
aber die Gegenstände des Bewußtseins sollen nicht diese einfachen,
nicht Vorstellungen oder abstrakte Gedankenbestimmungen bleiben,
sondern begriffen werden,
d. h. ihre Einfachheit soll mit ihrem inneren Unterschied bestimmt sein.
- Der zusammengesetzte Begriff aber
ist wohl nicht mehr als ein hölzernes Eisen.
Von etwas Zusammengesetztem kann man wohl einen Begriff haben;
aber ein zusammengesetzter Begriff wäre etwas Schlimmeres als der Materialismus,
welcher nur die Substanz der Seele als ein Zusammengesetztes annimmt,
aber das Denken doch als einfach auffaßt.
Die ungebildete Reflexion verfällt auf die Zusammensetzung
als die ganz äußerliche Beziehung,
die schlechteste Form, in der die Dinge betrachtet werden können;
auch die niedrigsten Naturen müssen eine innere Einheit sein.
Daß vollends die ((291)) Form des unwahrsten Daseins
auf Ich, auf den Begriff übertragen wird, ist mehr, als zu erwarten war,
ist als unschicklich und barbarisch zu betrachten.
Die Begriffe werden ferner vornehmlich
in konträre und kontradiktorische eingeteilt.
- Wenn es bei der Abhandlung des Begriffs darum zu tun wäre,
anzugeben, was es für bestimmte Begriffe gebe,
so wären alle möglichen Bestimmungen anzuführen
- denn alle Bestimmungen sind Begriffe, somit bestimmte Begriffe -,
und alle Kategorien des Seins wie alle Bestimmungen des Wesens
wären unter den Arten der Begriffe aufzuführen.
Wie denn auch in den Logiken,
in der einen nach Belieben mehr, in der anderen weniger erzählt wird,
daß es bejahende, verneinende, identische, bedingte, notwendige usf.
Begriffe gebe.
Da solche Bestimmungen der Natur des Begriffes
selbst schon im Rücken liegen und daher,
wenn sie bei demselben aufgeführt werden,
nicht in ihrer eigentümlichen Stelle vorkommen,
so lassen sie nur oberflächliche Worterklärungen zu
und erscheinen hier ohne alles Interesse.
- Den konträren und kontradiktorischen Begriffen
- ein Unterschied, der hier vornehmlich beachtet wird -
liegt die Reflexionsbestimmung
der Verschiedenheit und Entgegensetzung zugrunde.
Sie werden als zwei besondere Arten angesehen,
d. h. jeder als fest für sich und gleichgültig gegen den anderen,
ohne allen Gedanken der Dialektik und der inneren Nichtigkeit dieser Unterschiede;
als ob das, was konträr ist,
nicht ebensosehr als kontradiktorisch bestimmt werden müßte.
Die Natur und der wesentliche Übergang der Reflexionsformen,
die sie ausdrücken, ist an ihrer Stelle betrachtet worden.
In dem Begriffe ist die Identität zur Allgemeinheit,
der Unterschied zur Besonderheit,
die Entgegensetzung, die in den Grund zurückgeht,
zur Einzelheit fortgebildet [? t].
In diesen Formen sind jene Reflexionsbestimmungen,
wie sie in ihrem Begriffe sind.
Das Allgemeine erwies sich nicht nur als das Identische,
sondern zugleich als das Verschiedene oder Konträre
gegen das Besondere und Einzelne,
ferner auch als ihnen entgegengesetzt ((292)) oder kontradiktorisch;
in dieser Entgegensetzung aber ist es identisch mit ihnen
und ihr wahrhafter Grund, in welchem sie aufgehoben sind.
Ein Gleiches gilt von der Besonderheit und Einzelheit,
welche ebenso die Totalität der Reflexionsbestimmungen sind.
Weiter werden die Begriffe in subordinierte und koordinierte eingeteilt,
- ein Unterschied, der die Begriffsbestimmung näher angeht,
nämlich das Verhältnis von Allgemeinheit und Besonderheit,
wo diese Ausdrücke auch beiläufig erwähnt worden sind.
Nur pflegen sie gewöhnlich gleichfalls als ganz feste Verhältnisse betrachtet
und hiernach mehrfache unfruchtbare Sätze von denselben
aufgestellt zu werden.
Die weitläufigste Verhandlung darüber betrifft wieder die Beziehung
der Kontrarietät und Kontradiktorietät auf die Sub- und Koordination.
Indem das Urteil die Beziehung der bestimmten Begriffe ist,
so hat sich erst bei demselben das wahre Verhältnis zu ergeben.
Jene Manier, diese Bestimmungen zu vergleichen
ohne Gedanken an ihre Dialektik
und an die fortgehende Änderung ihrer Bestimmung oder vielmehr
an die in ihnen vorhandene Verknüpfung entgegengesetzter Bestimmungen,
macht die ganze Betrachtung, was in ihnen einstimmig sei oder nicht,
gleichsam als ob diese Einstimmigkeit oder Nichteinstimmigkeit
etwas Gesondertes und Bleibendes sei,
zu etwas nur Unfruchtbarem und Gehaltlosem.
- Der große, in dem Auffassen und Kombinieren der tieferen Verhältnisse
der algebraischen Größen unendlich fruchtbare und scharfsinnige Euler,
besonders der trocken verständige Lambert ° und andere
haben für diese Art von Verhältnissen der Begriffsbestimmungen
eine Bezeichnung durch Linien, Figuren und dergleichen versucht;
man beabsichtigte überhaupt,
die logischen Beziehungsweisen zu einem Kalkül zu erheben
- oder vielmehr in der Tat herabzusetzen.
Schon der Versuch der Bezeichnung stellt sich sogleich
als an und für sich nichtig dar, wenn man die Natur des Zeichens
und dessen, was bezeichnet werden soll, miteinander vergleicht.
Die Begriffsbestimmungen, Allgemeinheit, Besonderheit und Einzelheit
sind allerdings verschieden, wie Linien oder die Buchstaben der Algebra;
- sie sind ferner auch e