Dritter Abschnitt: Die Idee
Die Idee ist der adäquate Begriff,
das objektive Wahre oder das Wahre als solches.
Wenn irgend etwas Wahrheit hat, hat es sie durch seine Idee,
oder etwas hat nur Wahrheit, insofern es Idee ist.
- Der Ausdruck Idee ist sonst oft in der Philosophie, wie im gemeinen Leben,
auch für Begriff, ja gar für eine bloße Vorstellung gebraucht
worden;
»ich habe noch keine Idee von diesem Rechtshandel, Gebäude, Gegend«,
will weiter nichts ausdrücken als die Vorstellung.
Kant hat den Ausdruck Idee wieder dem Vernunftbegriff vindiziert.
- Der Vernunftbegriff soll nun nach Kant der Begriff vom Unbedingten,
in Ansehung der Erscheinungen aber transzendent sein, d. h.
von ihm kein ihm adäquater empirischer Gebrauch gemacht werden können.
Die Vernunftbegriffe sollen zum Begreifen,
die Verstandesbegriffe zum Verstehen der Wahrnehmungen dienen.
- In der Tat aber, wenn die letzteren wirklich Begriffe sind,
so sind sie Begriffe, - es wird durch sie begriffen,
und ein Verstehen der Wahrnehmungen durch Verstandesbegriffe
wird ein Begreifen sein.
Ist aber das Verstehen nur ein Bestimmen der Wahrnehmungen
durch solche Bestimmungen,
z. B. Ganzes und Teile, Kraft, Ursache und dergleichen,
so bedeutet es nur ein Bestimmen durch die Reflexion,
so wie auch mit dem Verstehen nur
das bestimmte Vorstellen von ganz bestimmtem sinnlichen Inhalte
gemeint sein kann;
wie wenn einer, dem man den Weg bezeichnet,
daß er am Ende des Waldes links gehen müsse,
etwa erwidert: »ich verstehe«,
so will das Verstehen weiter nichts sagen
als das Fassen in die Vorstellung und ins Gedächtnis.
- Auch Vernunftbegriff ist ein etwas ungeschickter Ausdruck;
denn der Begriff ist überhaupt etwas Vernünftiges;
und insofern die Vernunft
vom Verstande und dem Begriff als solchem unterschieden wird,
so ist sie die Totalität des Begriffs und der Objektivität.
- In ((462)) diesem Sinne ist die Idee das Vernünftige;
- sie ist das Unbedingte darum,
weil nur dasjenige Bedingungen hat,
was sich wesentlich auf eine Objektivität bezieht,
aber eine nicht durch es selbst bestimmte,
sondern eine solche, die noch
in der Form der Gleichgültigkeit und Äußerlichkeit dagegen ist,
wie noch der äußerliche Zweck hatte.
Indem nun der Ausdruck Idee
für den objektiven oder realen Begriff zurückbehalten
und von dem Begriff selbst,
noch mehr aber von der bloßen Vorstellung unterschieden wird,
so ist ferner noch mehr diejenige Schätzung der Idee zu verwerfen,
nach welcher sie für etwas nur Unwirkliches genommen
und von wahren Gedanken gesagt wird, es seien nur Ideen.
Wenn die Gedanken etwas bloß Subjektives und Zufälliges sind,
so haben sie allerdings keinen weiteren Wert,
aber sie stehen den zeitlichen und zufälligen Wirklichkeiten darin nicht
nach,
welche ebenfalls keinen weiteren Wert
als den von Zufälligkeiten und Erscheinungen haben.
Wenn dagegen umgekehrt die Idee
darum den Wert der Wahrheit nicht haben soll,
weil sie in Ansehung der Erscheinungen transzendent [ist],
weil ihr kein kongruierender Gegenstand
in der Sinnenwelt gegeben werden könne,
so ist dies ein sonderbarer Mißverstand,
indem der Idee deswegen objektive Gültigkeit abgesprochen wird,
weil ihr dasjenige fehle,
was die Erscheinung, das unwahre Sein der objektiven Welt ausmacht.
In Ansehung der praktischen Ideen erkennt es Kant,
daß >nichts Schädlicheres und eines Philosophen Unwürdigeres
gefunden werden könne
als die pöbelhafte Berufung
auf vorgeblich gegen die Idee widerstreitende Erfahrung;
diese würde selbst gar nicht existieren,
wenn z. B. Staatsanstalten zu rechter Zeit
nach den Ideen getroffen wären
und an deren Statt nicht rohe Begriffe,
eben darum, weil sie aus Erfahrung geschöpft worden,
alle gute Absicht vereitelt hätten<.
Kant sieht die Idee als etwas Notwendiges, als das Ziel an,
das als das Urbild für ein ((463)) Maximum aufzustellen
und dem den Zustand der Wirklichkeit immer näherzubringen
das Bestreben sein müsse.
Indem sich aber das Resultat ergeben hat,
daß die Idee die Einheit des Begriffs und der Objektivität,
das Wahre ist, so ist sie nicht nur als ein Ziel zu betrachten,
dem sich anzunähern sei, das aber selbst immer eine Art von Jenseits bleibe,
sondern daß alles Wirkliche nur insofern ist,
als es die Idee in sich hat und sie ausdrückt.
Der Gegenstand, die objektive und subjektive Welt überhaupt
sollen mit der Idee nicht bloß kongruieren,
sondern sie sind selbst die Kongruenz des Begriffs und der Realität;
diejenige Realität, welche dem Begriffe nicht entspricht, ist bloße
Erscheinung,
das Subjektive, Zufällige, Willkürliche, das nicht die Wahrheit ist.
Wenn gesagt wird, es finde sich in der Erfahrung kein Gegenstand,
welcher der Idee vollkommen kongruiere,
so wird diese als ein subjektiver Maßstab dem Wirklichen gegenübergestellt;
was aber ein Wirkliches wahrhaft sein solle,
wenn nicht sein Begriff in ihm
und [wenn] seine Objektivität diesem Begriffe gar nicht angemessen ist,
ist nicht zu sagen;
denn es wäre das Nichts.
Das mechanische und chemische Objekt wie das geistlose Subjekt
und der nur des Endlichen, nicht seines Wesens bewußte Geist
haben zwar, nach ihrer verschiedenen Natur,
ihren Begriff nicht in seiner eigenen freien Form an ihnen existierend.
Aber sie können überhaupt nur insofern etwas Wahres sein,
als sie die Vereinigung ihres Begriffs und der Realität,
ihrer Seele und ihres Leibes sind.
Ganze, wie der Staat, die Kirche,
wenn die Einheit ihres Begriffs und ihrer Realität aufgelöst ist,
hören auf zu existieren;
der Mensch, das Lebendige ist tot,
wenn Seele und Leib sich in ihm trennen;
die tote Natur, die mechanische und chemische Welt
- wenn nämlich das Tote für die unorganische Welt genommen wird,
sonst hätte es gar keine positive Bedeutung -,
die tote Natur also,
wenn sie in ihren Begriff und ihre Realität geschieden wird,
ist nichts als die subjektive Abstraktion
einer gedachten Form und einer formlosen Materie.
Der Geist, der nicht Idee, ((464))
Einheit des Begriffs selbst mit sich,
- der Begriff [wäre], der den Begriff selbst zu seiner Realität hätte,
wäre der tote, geistlose Geist, ein materielles Objekt.
Sein hat die Bedeutung der Wahrheit erreicht,
indem die Idee die Einheit des Begriffs und der Realität ist;
es ist also nunmehr nur das, was Idee ist.
Die endlichen Dinge sind darum endlich,
insofern sie die Realität ihres Begriffs
nicht vollständig an ihnen selbst haben,
sondern dazu anderer bedürfen,
- oder umgekehrt, insofern sie als Objekte vorausgesetzt sind,
somit den Begriff als eine äußerliche Bestimmung an ihnen haben.
Das Höchste, was sie nach der Seite dieser Endlichkeit erreichen,
ist die äußere Zweckmäßigkeit.
Daß die wirklichen Dinge mit der Idee nicht kongruieren,
ist die Seite ihrer Endlichkeit, Unwahrheit,
nach welcher sie Objekte,
jedes nach seiner verschiedenen Sphäre
und in den Verhältnissen der Objektivität mechanisch, chemisch
oder durch einen äußerlichen Zweck bestimmt ist.
Daß die Idee ihre Realität nicht vollkommen durchgearbeitet,
sie unvollständig dem Begriffe unterworfen hat,
davon beruht die Möglichkeit darauf,
daß sie selbst einen beschränkten Inhalt hat,
daß sie, so wesentlich sie Einheit des Begriffs und der Realität,
ebenso wesentlich auch deren Unterschied ist;
denn nur das Objekt ist die unmittelbare, d. h. nur ansichseiende Einheit.
Wenn aber ein Gegenstand, z. B. der Staat, seiner Idee gar nicht angemessen,
d. h. vielmehr gar nicht die Idee des Staates wäre,
wenn seine Realität, welche die [der] selbstbewußten Individuen ist,
dem Begriffe ganz nicht entspräche,
so hätten seine Seele und sein Leib sich getrennt;
jene entflöhe in die abgeschiedenen Regionen des Gedankens,
dieser wäre in die einzelnen Individualitäten zerfallen;
aber indem der Begriff des Staats so wesentlich ihre Natur ausmacht,
so ist er als ein so mächtiger Trieb in ihnen,
daß sie ihn, sei es auch nur in der Form äußerer Zweckmäßigkeit,
in Realität zu versetzen oder ihn so sich gefallen zu lassen gedrungen sind,
oder sie müßten zugrunde gehen.
Der schlechteste Staat,
dessen Realität dem Begriffe am wenigsten ((465)) entspricht,
insofern er noch existiert, ist er noch Idee;
die Individuen gehorchen noch einem machthabenden Begriffe.
Die Idee hat aber nicht nur den allgemeineren Sinn des wahrhaften Seins,
der Einheit von Begriff und Realität,
sondern den bestimmteren von subjektivem Begriffe und der Objektivität.
Der Begriff als solcher ist nämlich selbst schon
die Identität seiner und der Realität;
denn der unbestimmte Ausdruck Realität heißt überhaupt nichts
anderes
als das bestimmte Sein;
dies aber hat der Begriff an seiner Besonderheit und Einzelheit.
Ebenso ist ferner die Objektivität der aus seiner Bestimmtheit
in die Identität mit sich zusammengegangene, totale Begriff.
In jener Subjektivität ist die Bestimmtheit
oder der Unterschied des Begriffes ein Schein, der unmittelbar aufgehoben
und in das Fürsichsein oder die negative Einheit zurückgegangen ist,
inhärierendes Prädikat.
In dieser Objektivität aber ist die Bestimmtheit
als unmittelbare Totalität, als äußerliches Ganzes gesetzt.
Die Idee hat sich nun gezeigt als
der wieder von der Unmittelbarkeit, in die er im Objekte versenkt ist,
zu seiner Subjektivität befreite Begriff,
welcher sich von seiner Objektivität unterscheidet,
die aber ebensosehr von ihm bestimmt [ist]
und ihre Substantialität nur in jenem Begriffe hat.
Diese Identität ist daher mit Recht als das Subjekt-Objekt bestimmt worden,
daß sie ebensowohl der formelle oder subjektive Begriff,
als sie das Objekt als solches ist.
Aber dies ist bestimmter aufzufassen.
Der Begriff, indem er wahrhaft seine Realität erreicht hat,
ist dies absolute Urteil,
dessen Subjekt als die sich auf sich beziehende negative Einheit
sich von seiner Objektivität unterscheidet
und das Anundfürsichsein derselben ist,
aber wesentlich sich durch sich selbst auf sie bezieht,
- daher Selbstzweck und Trieb ist;
die Objektivität aber hat das Subjekt eben darum nicht unmittelbar an ihm
- es wäre so nur die in sie verlorene Totalität des Objekts als solchen
-,
sondern sie ist die Realisation des Zwecks,
eine durch die Tätigkeit des Zwecks ((466)) gesetzte Objektivität,
welche als Gesetztsein ihr Bestehen und ihre Form
nur als durchdrungen von ihrem Subjekt hat.
Als Objektivität hat sie das Moment der Äußerlichkeit des Begriffs
an ihr
und ist daher überhaupt die Seite
der Endlichkeit, Veränderlichkeit und Erscheinung,
die aber ihren Untergang darin hat,
in die negative Einheit des Begriffes zurückzugehen;
die Negativität, wodurch ihr gleichgültiges Außereinandersein
sich als Unwesentliches und Gesetztsein zeigt,
ist der Begriff selbst.
Die Idee ist daher, dieser Objektivität ungeachtet,
schlechthin einfach und immateriell,
denn die Äußerlichkeit ist nur als durch den Begriff bestimmt
und in seine negative Einheit aufgenommen;
insofern sie als gleichgültige Äußerlichkeit besteht,
ist sie dem Mechanismus überhaupt nicht nur preisgegeben,
sondern ist nur als das Vergängliche und Unwahre.
- Ob die Idee also gleich ihre Realität in einer Materiatur hat, so ist diese
nicht ein abstraktes, gegen den Begriff für sich bestehendes Sein,
sondern nur als Werden,
durch die Negativität des gleichgültigen Seins
als einfache Bestimmtheit des Begriffes.
Es ergeben sich hieraus folgende nähere Bestimmungen der Idee.
- Sie ist erstlich die einfache Wahrheit,
die Identität des Begriffes und der Objektivität als Allgemeines,
in welchem der Gegensatz und das Bestehen des Besonderen
in seine mit sich identische Negativität aufgelöst
und als Gleichheit mit sich selbst ist.
Zweitens ist sie die Beziehung
der fürsichseienden Subjektivität des einfachen Begriffs
und seiner davon unterschiedenen Objektivität;
jene ist wesentlich der Trieb, diese Trennung aufzuheben,
und diese das gleichgültige Gesetztsein, das an und für sich nichtige
Bestehen.
Sie ist als diese Beziehung der Prozeß,
sich in die Individualität und in deren unorganische Natur zu dirimieren
und wieder diese unter die Gewalt des Subjekts zurückzubringen
und zu der ersten einfachen Allgemeinheit zurückzukehren.
Die Identität der Idee mit sich selbst ist eins mit dem Prozesse;
der Gedanke, der die Wirklichkeit
von dem Scheine der zwecklosen Veränderlichkeit befreit ((467))
und zur Idee verklärt,
muß diese Wahrheit der Wirklichkeit nicht als die tote Ruhe,
als ein bloßes Bild, matt, ohne Trieb und Bewegung,
als einen Genius oder Zahl oder einen abstrakten Gedanken vorstellen;
die Idee hat um der Freiheit willen, die der Begriff in ihr erreicht,
auch den härtesten Gegensatz in sich;
ihre Ruhe besteht in der Sicherheit und Gewißheit,
womit sie ihn ewig erzeugt und ewig überwindet
und in ihm mit sich selbst zusammengeht.
Zunächst aber ist die Idee auch wieder erst
nur unmittelbar oder nur in ihrem Begriffe;
die objektive Realität ist dem Begriffe zwar angemessen,
aber noch nicht zum Begriffe befreit,
und er existiert nicht für sich als der Begriff.
Der Begriff ist so zwar Seele,
aber die Seele ist in der Weise eines Unmittelbaren,
d. h. ihre Bestimmtheit ist nicht als sie selbst,
sie hat sich nicht als Seele erfaßt, nicht in ihr selbst ihre objektive
Realität;
der Begriff ist als eine Seele, die noch nicht seelenvoll ist.
So ist die Idee erstlich das Leben;
der Begriff, der unterschieden von seiner Objektivität
einfach in sich seine Objektivität durchdringt
und als Selbstzweck an ihr sein Mittel hat und sie als sein Mittel setzt,
aber in diesem Mittel immanent
und darin der realisierte mit sich identische Zweck ist.
- Diese Idee hat um ihrer Unmittelbarkeit willen
die Einzelheit zur Form ihrer Existenz.
Aber die Reflexion ihres absoluten Prozesses in sich selbst
ist das Aufheben dieser unmittelbaren Einzelheit;
dadurch macht der Begriff, der in ihr als Allgemeinheit das Innere ist,
die Äußerlichkeit zur Allgemeinheit
oder setzt seine Objektivität als Gleichheit mit sich selbst.
So ist die Idee zweitens die Idee des Wahren und des Guten,
als Erkennen und Wollen.
Zunächst ist sie endliches Erkennen und endliches Wollen,
worin das Wahre und Gute sich noch unterscheiden
und beide nur erst als Ziel sind.
Der Begriff hat sich zunächst zu sich selbst befreit
und sich nur erst eine abstrakte Objektivität zur Realität gegeben.
Aber der Prozeß dieses endlichen Erkennens und Handelns
macht die ((468)) zunächst abstrakte Allgemeinheit zur Totalität,
wodurch sie vollkommene Objektivität wird.
- Oder von der andern Seite betrachtet,
macht der endliche, das ist der subjektive Geist
sich die Voraussetzung einer objektiven Welt,
wie das Leben eine solche Voraussetzung hat;
aber seine Tätigkeit ist, diese Voraussetzung aufzuheben
und sie zu einem Gesetzten zu machen.
So ist seine Realität für ihn die objektive Welt, oder umgekehrt,
die objektive Welt ist die Idealität, in der er sich selbst erkennt.
Drittens erkennt der Geist die Idee als seine absolute Wahrheit,
als die Wahrheit, die an und für sich ist;
die unendliche Idee, in welcher Erkennen und Tun sich ausgeglichen hat
und die das absolute Wissen ihrer selbst ist.
Erstes Kapitel: Das Leben
Die Idee des Lebens betrifft
einen so konkreten und, wenn man will, reellen Gegenstand,
daß mit derselben nach der gewöhnlichen Vorstellung der Logik
ihr Gebiet überschritten zu werden scheinen kann.
Sollte die Logik freilich nichts als leere, tote Gedankenformen enthalten,
so könnte in ihr überhaupt von keinem solchen Inhalte,
wie die Idee oder das Leben ist, die Rede sein.
Wenn aber die absolute Wahrheit der Gegenstand der Logik
und die Wahrheit als solche wesentlich im Erkennen ist,
so müßte das Erkennen wenigstens abgehandelt werden.
- Der sogenannten reinen Logik pflegt man denn auch gewöhnlich
eine angewandte Logik folgen zu lassen
- eine Logik, welche es mit dem konkreten Erkennen zu tun hat,
die viele Psychologie und Anthropologie nicht mitgerechnet,
deren Einflechtung in die Logik häufig für nötig erachtet wird.
Die anthropologische und psychologische Seite des Erkennens aber
betrifft dessen Erscheinung,
in welcher der Begriff für sich selbst noch nicht dieses ist,
eine ihm gleiche Objektivität, d. i. sich selbst zum Objekte ((469)) zu haben.
Der Teil der Logik, der dasselbe betrachtet,
gehört nicht zur angewandten Logik als solcher;
so wäre jede Wissenschaft in die Logik hereinzuziehen,
denn jede ist insofern eine angewandte Logik, als sie darin besteht,
ihren Gegenstand in Formen des Gedankens und Begriffs zu fassen.
- Der subjektive Begriff hat Voraussetzungen,
die in psychologischer, anthropologischer und sonstiger Form sich darstellen.
In die Logik aber gehören nur die Voraussetzungen des reinen Begriffs,
insofern sie die Form von reinen Gedanken,
von abstrakten Wesenheiten haben,
die Bestimmungen des Seins und Wesens.
Ebenso sind vom Erkennen, dem Sich-selbst-Erfassen des Begriffs,
nicht die anderen Gestalten seiner Voraussetzung,
sondern nur diejenige, welche selbst Idee ist,
in der Logik abzuhandeln;
aber diese ist notwendig in ihr zu betrachten.
Diese Voraussetzung nun ist die unmittelbare Idee;
denn indem das Erkennen der Begriff ist, insofern er für sich selbst,
aber als Subjektives in Beziehung auf Objektives ist,
so bezieht er sich auf die Idee als vorausgesetzte oder unmittelbare.
Die unmittelbare Idee aber ist das Leben.
Insofern würde sich die Notwendigkeit,
die Idee des Lebens in der Logik zu betrachten,
auf die auch sonst anerkannte Notwendigkeit,
den konkreten Begriff des Erkennens hier abzuhandeln, gründen.
Diese Idee hat sich aber
durch die eigene Notwendigkeit des Begriffes herbeigeführt;
die Idee, das an und für sich Wahre, ist wesentlich Gegenstand der Logik;
da sie zuerst in ihrer Unmittelbarkeit zu betrachten ist,
so ist sie in dieser Bestimmtheit, in welcher sie Leben ist,
aufzufassen und zu erkennen,
damit ihre Betrachtung nicht etwas Leeres und Bestimmungsloses sei.
Es kann nur etwa zu bemerken sein,
inwiefern die logische Ansicht des Lebens
von anderer wissenschaftlicher Ansicht desselben unterschieden ist;
jedoch gehört hierher nicht,
wie in unphilosophischen Wissenschaften von ihm gehandelt wird,
sondern nur, wie das logische Leben als reine Idee
von dem Naturleben, das in der Naturphilosophie betrachtet wird,
und von dem Leben, ((470)) insofern es mit dem Geiste in Verbindung steht,
zu unterscheiden ist.
- Das erstere ist als das Leben der Natur das Leben,
insofern es in die Äußerlichkeit des Bestehens hinausgeworfen ist,
an der unorganischen Natur seine Bedingung hat,
und [insofern] wie die Momente der Idee
eine Mannigfaltigkeit wirklicher Gestaltungen sind.
Das Leben in der Idee ist ohne solche Voraussetzungen,
welche als Gestalten der Wirklichkeit sind;
seine Voraussetzung ist der Begriff, wie er betrachtet worden ist,
einerseits als subjektiver, andererseits als objektiver.
In der Natur erscheint das Leben als die höchste Stufe,
welche von ihrer Äußerlichkeit dadurch erreicht wird,
daß sie in sich gegangen ist und sich in der Subjektivität aufhebt.
In der Logik ist es das einfache Insichsein, welches in der Idee des Lebens
seine ihm wahrhaft entsprechende Äußerlichkeit erreicht hat;
der Begriff, der als subjektiver früher auftritt, ist die Seele des Lebens
selbst;
er ist der Trieb, der sich durch die Objektivität hindurch seine Realität
vermittelt.
Indem die Natur von ihrer Äußerlichkeit aus diese Idee erreicht,
geht sie über sich hinaus;
ihr Ende ist nicht als ihr Anfang,
sondern als ihre Grenze, worin sie sich selbst aufhebt.
- Ebenso erhalten in der Idee des Lebens die Momente seiner Realität
nicht die Gestalt äußerlicher Wirklichkeit,
sondern bleiben in die Form des Begriffes eingeschlossen.
Im Geiste aber erscheint das Leben
teils ihm gegenüber, teils als mit ihm in eins gesetzt
und diese Einheit wieder durch ihn rein herausgeboren.
Das Leben ist hier nämlich überhaupt in seinem eigentlichen Sinne
als natürliches Leben zu nehmen,
denn was das Leben des Geistes als Geistes genannt wird,
ist seine Eigentümlichkeit, welche dem bloßen Leben gegenübersteht;
wie auch von der Natur des Geistes gesprochen wird,
obgleich der Geist kein Natürliches
und vielmehr der Gegensatz zur Natur ist.
Das Leben als solches also ist für den Geist
teils Mittel, so stellt er es sich gegenüber;
teils ist er lebendiges Individuum und das Leben sein Körper,
teils wird diese Einheit seiner mit seiner lebendigen Körperlichkeit ((471))
aus ihm selbst zum Ideal herausgeboren.
Keine dieser Beziehungen auf den Geist geht das logische Leben an,
und es ist hier weder als Mittel eines Geistes,
noch als sein lebendiger Leib,
noch als Moment des Ideals und der Schönheit zu betrachten.
- Das Leben hat in beiden Fällen,
wie es natürliches [ist] und wie es mit dem Geiste in Beziehung steht,
eine Bestimmtheit seiner Äußerlichkeit,
dort durch seine Voraussetzungen,
welches andere Gestaltungen der Natur sind,
hier aber durch die Zwecke und Tätigkeit des Geistes.
Die Idee des Lebens für sich ist frei
von jener vorausgesetzten und bedingenden Objektivität
sowie von der Beziehung auf diese Subjektivität.
Das Leben, in seiner Idee nun näher betrachtet,
ist an und für sich absolute Allgemeinheit;
die Objektivität, welche es an ihm hat,
ist vom Begriffe schlechthin durchdrungen, sie hat nur ihn zur Substanz.
Was sich als Teil oder nach sonstiger äußerer Reflexion unterscheidet,
hat den ganzen Begriff in sich selbst;
er ist die darin allgegenwärtige Seele,
welche einfache Beziehung auf sich selbst
und eins in der Mannigfaltigkeit bleibt, die dem objektiven Sein zukommt.
Diese Mannigfaltigkeit hat als die sich äußerliche Objektivität
ein gleichgültiges Bestehen,
das im Raume und in der Zeit, wenn diese hier schon erwähnt werden könnten,
ein ganz verschiedenes und selbständiges Außereinander ist.
Aber die Äußerlichkeit ist im Leben zugleich
als die einfache Bestimmtheit seines Begriffs;
so ist die Seele allgegenwärtig in diese Mannigfaltigkeit ausgegossen
und bleibt zugleich schlechthin
das einfache Einssein des konkreten Begriffs mit sich selbst.
- Am Leben,
an dieser Einheit seines Begriffs in der Äußerlichkeit der Objektivität,
in der absoluten Vielheit der atomistischen Materie,
gehen dem Denken,
das sich an die Bestimmungen der Reflexionsverhältnisse
und des formalen Begriffes hält,
schlechthin alle seine Gedanken aus;
die Allgegenwart des Einfachen in der vielfachen Äußerlichkeit
ist für die Reflexion ein absoluter Widerspruch und,
insofern sie dieselbe zugleich
aus der Wahrnehmung des ((472)) Lebens auffassen,
hiermit die Wirklichkeit dieser Idee zugeben muß,
ein unbegreifliches Geheimnis, weil sie den Begriff nicht erfaßt
und den Begriff nicht als die Substanz des Lebens.
- Das einfache Leben ist aber nicht nur allgegenwärtig,
sondern schlechthin das Bestehen und die immanente Substanz seiner Objektivität,
aber als subjektive Substanz Trieb,
und zwar der spezifische Trieb des besonderen Unterschiedes
und ebenso wesentlich der eine und allgemeine Trieb des Spezifischen,
der diese seine Besonderung in die Einheit zurückführt und darin erhält.
Das Leben ist nur als diese negative Einheit
seiner Objektivität und Besonderung sich auf sich beziehendes,
für sich seiendes Leben, eine Seele.
Es ist damit wesentlich Einzelnes,
welches auf die Objektivität sich als auf ein Anderes,
eine unlebendige Natur bezieht.
Das ursprüngliche Urteil des Lebens besteht daher darin,
daß es sich als individuelles Subjekt gegen das Objektive abscheidet und,
indem es sich als die negative Einheit des Begriffs konstituiert,
die Voraussetzung einer unmittelbaren Objektivität macht.
Das Leben ist daher erstlich zu betrachten als lebendiges Individuum,
das für sich die subjektive Totalität und als gleichgültig vorausgesetzt
ist
gegen eine ihm als gleichgültig gegenüberstehende Objektivität.
Zweitens ist es der Lebensprozeß, seine Voraussetzung aufzuheben,
die gegen dasselbe gleichgültige Objektivität als negativ zu setzen
und sich als ihre Macht und negative Einheit zu verwirklichen.
Damit macht es sich zum Allgemeinen,
das die Einheit seiner selbst und seines Anderen ist.
Das Leben ist daher drittens der Prozeß der Gattung,
seine Vereinzelung aufzuheben
und sich zu seinem objektiven Dasein als zu sich selbst zu verhalten.
Dieser Prozeß ist hiermit einerseits die Rückkehr zu seinem Begriffe
und die Wiederholung der ersten Diremtion,
das Werden einer neuen und der Tod der ersten unmittelbaren Individualität;
andererseits aber ist der in sich gegangene Begriff des Lebens
das Werden des sich zu ((473)) sich selbst verhaltenden,
als allgemein und frei für sich existierenden Begriffes,
der Übergang in das Erkennen.
A. DAS LEBENDIGE INDIVIDUUM
1. Der Begriff des Lebens oder das allgemeine Leben
ist die unmittelbare Idee,
der Begriff, dem seine Objektivität angemessen ist;
aber sie ist ihm nur angemessen,
insofern er die negative Einheit dieser Äußerlichkeit ist,
d. h. sie sich angemessen setzt.
Die unendliche Beziehung des Begriffes auf sich selbst
ist als die Negativität das Selbstbestimmen,
die Diremtion seiner in sich als subjektive Einzelheit
und in sich als gleichgültige Allgemeinheit.
Die Idee des Lebens in ihrer Unmittelbarkeit
ist nur erst die schöpferische allgemeine Seele.
Um dieser Unmittelbarkeit willen
ist ihre erste negative Beziehung der Idee in sich selbst
Selbstbestimmung ihrer als Begriff,
- das Setzen an sich, welches erst als Rückkehr in sich Fürsichsein
ist,
das schöpferische Voraussetzen.
Durch dies Selbstbestimmen ist das allgemeine Leben ein Besonderes;
es hat sich damit in die beiden Extreme des Urteils,
das unmittelbar Schluß wird, entzweit.
Die Bestimmungen des Gegensatzes
sind die allgemeinen Bestimmungen des Begriffs,
denn es ist der Begriff, dem die Entzweiung zukommt;
aber die Erfüllung derselben ist die Idee.
Das eine ist die Einheit des Begriffs und der Realität, welche die Idee ist,
als die unmittelbare, die sich früher als die Objektivität gezeigt hat.
Allein sie ist hier in anderer Bestimmung.
Dort war sie die Einheit des Begriffs und der Realität,
insofern der Begriff in sie übergegangen und nur in sie verloren ist;
er stand ihr nicht gegenüber,
oder weil er ihr nur Inneres ist, ist er nur eine ihr äußerliche Reflexion.
Jene Objektivität ist daher das Unmittelbare selbst auf unmittelbare Weise.
Hier hingegen ist sie nur das aus dem Begriffe Hervorgegangene,
so daß ihr Wesen das Gesetztsein, daß sie als Negatives ist.
- Sie ist als die Seite der Allgemeinheit des Begriffes anzusehen,
somit als abstrakte Allgemeinheit, ((474))
wesentlich nur dem Subjekte inhärierend
und in der Form des unmittelbaren Seins, das für sich gesetzt,
gegen das Subjekt gleichgültig sei.
Die Totalität des Begriffes, welche der Objektivität zukommt,
ist insofern gleichsam nur eine geliehene;
die letzte Selbständigkeit, die sie gegen das Subjekt hat, ist jenes Sein,
welches seiner Wahrheit nach nur jenes Moment des Begriffes ist,
der als voraussetzend in der ersten Bestimmtheit
eines an sich seienden Setzens ist,
welches noch nicht als Setzen, als die in sich reflektierte Einheit ist.
Aus der Idee hervorgegangen ist also die selbständige Objektivität
unmittelbares Sein nur als das Prädikat des Urteils
der Selbstbestimmung des Begriffs,
- ein zwar vom Subjekte verschiedenes Sein,
aber zugleich wesentlich gesetzt als Moment des Begriffs.
Dem Inhalte nach ist diese Objektivität die Totalität des Begriffes,
die aber dessen Subjektivität oder negative Einheit
sich gegenüberstehen hat,
welche die wahrhafte Zentralität ausmacht,
nämlich seine freie Einheit mit sich selbst.
Dieses Subjekt ist die Idee in der Form der Einzelheit
als einfache, aber negative Identität mit sich, das lebendige Individuum.
Dieses ist erstlich das Leben als Seele,
als der Begriff seiner selbst, der in sich vollkommen bestimmt ist,
das anfangende, sich selbst bewegende Prinzip.
Der Begriff enthält in seiner Einfachheit
die bestimmte Äußerlichkeit als einfaches Moment in sich eingeschlossen.
- Aber ferner ist diese Seele in ihrer Unmittelbarkeit
unmittelbar äußerlich und hat ein objektives Sein an ihr selbst,
- die dem Zwecke unterworfene Realität, das unmittelbare Mittel,
zunächst die Objektivität als Prädikat des Subjekts,
aber fernerhin ist sie auch die Mitte des Schlusses;
die Leiblichkeit der Seele ist das,
wodurch sie sich mit der äußerlichen Objektivität zusammenschließt.
- Die Leiblichkeit hat das Lebendige
zunächst als die unmittelbar mit dem Begriff identische Realität;
sie hat dieselbe insofern überhaupt von Natur.
Weil nun diese Objektivität Prädikat des Individuums
und ((475)) in die subjektive Einheit aufgenommen ist,
so kommen ihr nicht die früheren Bestimmungen des Objekts,
das mechanische oder chemische Verhältnis,
noch weniger die abstrakten Reflexionsverhältnisse
von Ganzem und Teilen u. dgl. zu.
Als Äußerlichkeit ist sie solcher Verhältnisse zwar fähig,
aber insofern ist sie nicht lebendiges Dasein;
wenn das Lebendige als ein Ganzes, das aus Teilen besteht,
als ein solches, auf welches mechanische oder chemische Ursachen einwirken,
als mechanisches oder chemisches Produkt, es sei bloß als solches
oder auch durch einen äußerlichen Zweck bestimmtes, genommen wird,
so wird der Begriff ihm als äußerlich, es wird als ein Totes genommen.
Da ihm der Begriff immanent ist,
so ist die Zweckmäßigkeit des Lebendigen als innere zu fassen;
er ist in ihm als bestimmter, von seiner Äußerlichkeit unterschiedener
und in seinem Unterscheiden
sie durchdringender und mit sich identischer Begriff.
Diese Objektivität des Lebendigen ist Organismus;
sie ist das Mittel und Werkzeug des Zwecks, vollkommen zweckmäßig,
da der Begriff ihre Substanz ausmacht;
aber eben deswegen ist dies Mittel und Werkzeug
selbst der ausgeführte Zweck, in welchem der subjektive Zweck
insofern unmittelbar mit sich selbst zusammengeschlossen ist.
Nach der Äußerlichkeit des Organismus ist er ein Vielfaches
nicht von Teilen, sondern von Gliedern, welche als solche
a) nur in der Individualität bestehen;
sie sind trennbar, insofern sie äußerliche sind
und an dieser Äußerlichkeit gefaßt werden können;
aber insofern sie getrennt werden,
kehren sie unter die mechanischen und chemischen Verhältnisse
der gemeinen Objektivität zurück.
b) Ihre Äußerlichkeit
ist der negativen Einheit der lebendigen Individualität entgegen;
diese ist daher Trieb,
das abstrakte Moment der Bestimmtheit des Begriffes
als reellen Unterschied zu setzen;
indem dieser Unterschied unmittelbar ist,
ist er Trieb jedes einzelnen, spezifischen Moments, sich zu produzieren
und ebenso seine Besonderheit zur Allgemeinheit zu erheben,
die anderen ihm äußerlichen aufzuheben,
sich auf ihre Kosten hervorzubringen, ((476))
aber ebensosehr sich selbst aufzuheben
und sich zum Mittel für die anderen zu machen. [? I+-?]
2. Dieser Prozeß der lebendigen Individualität ist auf sie selbst beschränkt
und fällt noch ganz innerhalb ihrer.
- Im Schlusse der äußerlichen Zweckmäßigkeit
ist vorhin die erste Prämisse desselben,
daß sich der Zweck unmittelbar auf die Objektivität bezieht
und sie zum Mittel macht,
so betrachtet worden, daß in ihr
zwar der Zweck sich darin gleich bleibt und in sich zurückgegangen ist,
aber die Objektivität an ihr selbst sich noch nicht aufgehoben [hat],
der Zweck daher in ihr insofern nicht an und für sich ist
und dies erst im Schlußsatze wird.
Der Prozeß des Lebendigen mit sich selbst ist jene Prämisse,
insofern sie aber zugleich Schlußsatz,
insofern die unmittelbare Beziehung des Subjekts auf die Objektivität,
welche dadurch Mittel und Werkzeug wird,
zugleich als die negative Einheit des Begriffs an sich selbst ist;
der Zweck führt sich in dieser seiner Äußerlichkeit dadurch aus,
daß er ihre subjektive Macht
und der Prozeß ist, worin sie ihre Selbstauflösung
und Rückkehr in diese seine negative Einheit aufzeigt.
Die Unruhe und Veränderlichkeit der äußerlichen Seite des Lebendigen
ist die Manifestation des Begriffs an ihm,
der als die Negativität an sich selbst nur Objektivität hat,
insofern sich ihr gleichgültiges Bestehen als sich aufhebend zeigt.
Der Begriff produziert also durch seinen Trieb sich so,
daß das Produkt, indem er dessen Wesen ist, selbst das Produzierende ist,
daß es nämlich Produkt
nur als die sich ebenso negativ setzende Äußerlichkeit
oder als der Prozeß des Produzierens ist.
3. Die soeben betrachtete Idee ist nun
der Begriff des lebendigen Subjekts und seines Prozesses;
die Bestimmungen, die im Verhältnisse zueinander sind,
sind die sich auf sich beziehende negative Einheit des Begriffs
und die Objektivität, welche sein Mittel,
in welcher er aber in sich selbst zurückgekehrt ist.
Aber indem dies
Momente der Idee des Lebens innerhalb seines Begriffes sind,
so sind es nicht die bestimmten Begriffsmomente des lebendigen Individuums
in ((477)) seiner Realität.
Die Objektivität oder Leiblichkeit desselben ist konkrete Totalität;
jene Momente sind die Seiten, aus welchen sich die Lebendigkeit konstituiert;
sie sind daher nicht die Momente
dieser schon durch die Idee konstituierten Lebendigkeit.
Die lebendige Objektivität des Individuums aber als solche,
da sie vom Begriffe beseelt [ist] und ihn zur Substanz hat,
hat auch an ihr zu wesentlichem Unterschiede solche,
welche seine Bestimmungen sind,
Allgemeinheit, Besonderheit und Einzelheit;
die Gestalt, als in welcher sie äußerlich unterschieden sind,
ist daher nach denselben eingeteilt oder eingeschnitten (insectum).
Sie ist hiermit erstlich Allgemeinheit,
das rein nur in sich selbst Erzittern der Lebendigkeit, die Sensibilität.
Der Begriff der Allgemeinheit, wie er sich oben ergeben hat,
ist die einfache Unmittelbarkeit,
welche dies aber nur ist als absolute Negativität in sich.
Dieser Begriff des absoluten Unterschiedes,
wie seine Negativität in der Einfachheit aufgelöst und sich selbst gleich
ist,
ist in der Sensibilität zur Anschauung gebracht.
Sie ist das Insichsein, nicht als abstrakte Einfachheit,
sondern eine unendliche bestimmbare Rezeptivität,
welche in ihrer Bestimmtheit nicht ein Mannigfaltiges und Äußerliches
wird,
sondern schlechthin in sich reflektiert ist.
Die Bestimmtheit ist in dieser Allgemeinheit als einfaches Prinzip;
die einzelne äußerliche Bestimmtheit, ein sogenannter Eindruck,
geht aus seiner äußerlichen und mannigfaltigen Bestimmung
in diese Einfachheit des Selbstgefühls zurück.
Die Sensibilität kann somit
als das Dasein der in sich seienden Seele betrachtet werden,
da sie alle Äußerlichkeit in sich aufnimmt, dieselbe aber
in die vollkommene Einfachheit der sich gleichen Allgemeinheit zurückführt.
Die zweite Bestimmung des Begriffs ist die Besonderheit,
das Moment des gesetzten Unterschiedes;
die Eröffnung der Negativität,
welche im einfachen Selbstgefühl eingeschlossen
oder in ihm ideelle, noch nicht reelle Bestimmtheit ist,
- die Irritabilität.
Das Gefühl ist um der Abstraktion seiner ((478)) Negativität willen
Trieb;
es bestimmt sich;
die Selbstbestimmung des Lebendigen ist sein Urteil oder Verendlichung,
wonach es sich auf das Äußerliche
als auf eine vorausgesetzte Objektivität bezieht
und in Wechselwirkung damit ist.
- Nach seiner Besonderheit ist es nun
teils Art neben anderen Arten von Lebendigen;
die formale Reflexion dieser gleichgültigen Verschiedenheit in sich
ist die formale Gattung und deren Systematisierung;
die individuelle Reflexion aber ist,
daß die Besonderheit die Negativität ihrer Bestimmtheit
als einer Richtung nach außen,
die sich auf sich beziehende Negativität des Begriffes ist.
Nach dieser dritten Bestimmung ist das Lebendige als Einzelnes.
Näher bestimmt sich diese Reflexion-in-sich so,
daß das Lebendige in der Irritabilität
Äußerlichkeit seiner gegen sich selbst, gegen die Objektivität
ist,
welche es als sein Mittel und Werkzeug unmittelbar an ihm hat
und die äußerlich bestimmbar ist.
Die Reflexion-in-sich hebt diese Unmittelbarkeit auf,
- einerseits als theoretische Reflexion,
insofern nämlich die Negativität als einfaches Moment der Sensibilität
ist,
das in derselben betrachtet wurde und welches das Gefühl ausmacht,
- andererseits als reelle,
indem sich die Einheit des Begriffes in seiner äußerlichen Objektivität
als negative Einheit setzt, die Reproduktion.
- Die beiden ersten Momente, die Sensibilität und Irritabilität,
sind abstrakte Bestimmungen;
in der Reproduktion ist das Leben Konkretes und Lebendigkeit;
es hat in ihr, als seiner Wahrheit, erst auch Gefühl und Widerstandskraft.
Die Reproduktion ist die Negativität als einfaches Moment der Sensibilität,
und die Irritabilität ist nur lebendige Widerstandskraft,
daß das Verhältnis zum Äußerlichen
Reproduktion und individuelle Identität mit sich ist.
Jedes der einzelnen Momente ist wesentlich die Totalität aller;
ihren Unterschied macht die ideelle Formbestimmtheit aus,
welche in der Reproduktion als konkrete Totalität des Ganzen gesetzt ist.
Dies Ganze ist daher einerseits als Drittes,
nämlich als reelle Totalität jenen bestimmten Totalitäten entgegengesetzt,
((479))
andererseits aber ist es deren ansichseiende Wesenheit,
zugleich das, worin sie als Momente zusammengefaßt sind
und ihr Subjekt und Bestehen haben.
Mit der Reproduktion, als dem Momente der Einzelheit,
setzt sich das Lebendige als wirkliche Individualität,
ein sich auf sich beziehendes Fürsichsein,
ist aber zugleich reelle Beziehung nach außen,
- die Reflexion der Besonderheit oder Irritabilität
gegen ein Anderes, gegen die objektive Welt.
Der innerhalb des Individuums eingeschlossene Prozeß des Lebens
geht in die Beziehung zur vorausgesetzten Objektivität als solcher dadurch
über,
daß das Individuum, indem es sich als subjektive Totalität setzt,
auch das Moment seiner Bestimmtheit
als Beziehung auf die Äußerlichkeit zur Totalität wird.
B. DER LEBENSPROZESS
Daß das lebendige Individuum sich in sich selbst gestaltet,
damit spannt es sich gegen sein ursprüngliches Voraussetzen
und stellt sich als an und für sich seiendes Subjekt
der vorausgesetzten objektiven Welt gegenüber.
Das Subjekt ist der Selbstzweck, der Begriff,
welcher an der ihm unterworfenen Objektivität
sein Mittel und subjektive Realität hat;
hierdurch ist es als die an und für sich seiende Idee
und als das wesentliche Selbständige konstituiert,
gegen welches die vorausgesetzte äußerliche Welt
nur den Wert eines Negativen und Unselbständigen hat.
In seinem Selbstgefühle hat das Lebendige diese Gewißheit
von der an sich seienden Nichtigkeit des ihm gegenüberstehenden Andersseins.
Sein Trieb ist das Bedürfnis, dies Anderssein aufzuheben
und sich die Wahrheit jener Gewißheit zu geben.
Das Individuum ist als Subjekt zunächst erst der Begriff der Idee des Lebens;
sein subjektiver Prozeß in sich, in welchem es aus sich selbst ((480)) zehrt,
und die unmittelbare Objektivität,
welche es als natürliches Mittel seinem Begriffe gemäß setzt,
ist vermittelt durch den Prozeß,
der sich auf die vollständig gesetzte Äußerlichkeit,
auf die gleichgültig neben ihm stehende objektive Totalität bezieht.
Dieser Prozeß fängt mit dem Bedürfnisse an,
d. i. dem Momente, daß das Lebendige erstlich sich bestimmt,
sich somit als verneint setzt
und hierdurch auf eine gegen sich andere,
die gleichgültige Objektivität bezieht,
- daß es aber zweitens ebensosehr in diesen Verlust seiner
nicht verloren ist, sich darin erhält
und die Identität des sich selbst gleichen Begriffes bleibt;
hierdurch ist es der Trieb, jene ihm andere Welt
für sich, sich gleich zu setzen, sie aufzuheben und sich zu objektivieren.
Dadurch hat seine Selbstbestimmung die Form von objektiver Äußerlichkeit,
und [dadurch,]daß es zugleich identisch mit sich ist,
ist es der absolute Widerspruch.
Die unmittelbare Gestaltung ist die Idee in ihrem einfachen Begriffe,
die dem Begriffe [? u+] gemäße Objektivität;
so ist sie gut von Natur.
Aber indem ihr negatives Moment sich zur objektiven Besonderheit [bestimmt],
d. i. indem die wesentlichen Momente ihrer Einheit
jedes für sich zur Totalität realisiert ist,
so ist der Begriff in die absolute Ungleichheit seiner mit sich entzweit,
und indem er ebenso die absolute Identität in dieser Entzweiung ist,
so ist das Lebendige für sich selbst diese Entzweiung
und hat das Gefühl dieses Widerspruchs, welches der Schmerz ist.
Der Schmerz ist daher das Vorrecht lebendiger Naturen;
weil sie der existierende Begriff sind,
sind sie eine Wirklichkeit von der unendlichen Kraft,
daß sie in sich die Negativität ihrer selbst sind,
daß diese ihre Negativität für sie ist,
daß sie sich in ihrem Anderssein erhalten.
- Wenn man sagt, daß der Widerspruch nicht denkbar sei,
so ist er vielmehr im Schmerz des Lebendigen sogar eine wirkliche Existenz.
Diese Diremtion des Lebendigen in sich ist Gefühl,
indem sie in die einfache Allgemeinheit des Begriffs,
in die Sensibilität aufgenommen ist.
Von dem Schmerz fängt das Bedürfnis ((481)) und der Trieb an,
die den Übergang ausmachen, daß das Individuum,
wie es als Negation seiner für sich ist,
so auch als Identität für sich werde
- eine Identität, welche nur als die Negation jener Negation ist.
- Die Identität, die im Triebe als solchem ist,
ist die subjektive Gewißheit seiner selbst, nach welcher es sich
zu seiner äußerlichen, gleichgültig existierenden Welt
als zu einer Erscheinung,
einer an sich begrifflosen und unwesentlichen Wirklichkeit verhält.
Sie soll den Begriff in sich erst durch das Subjekt erhalten,
welches der immanente Zweck ist.
Die Gleichgültigkeit der objektiven Welt
gegen die Bestimmtheit und damit gegen den Zweck
macht ihre äußerliche Fähigkeit aus, dem Subjekt angemessen zu
sein;
welche Spezifikationen sie sonst an ihr habe,
ihre mechanische Bestimmbarkeit,
der Mangel an der Freiheit des immanenten Begriffs
macht ihre Ohnmacht aus, sich gegen das Lebendige zu erhalten.
- Insofern das Objekt gegen das Lebendige zunächst
als ein gleichgültiges Äußerliches ist,
kann es mechanisch auf dasselbe einwirken;
so aber wirkt es nicht als auf ein Lebendiges;
insofern es sich zu diesem verhält,
wirkt es nicht als Ursache, sondern erregt es.
Weil das Lebendige Trieb ist,
kommt die Äußerlichkeit an und in dasselbe,
nur insofern sie schon an und für sich in ihm ist;
die Einwirkung auf das Subjekt besteht daher nur darin,
daß dieses die sich darbietende Äußerlichkeit entsprechend findet;
- sie mag seiner Totalität auch nicht angemessen sein,
so muß sie wenigstens einer besonderen Seite an ihm entsprechen,
und diese Möglichkeit liegt darin,
daß es eben als sich äußerlich verhaltend ein Besonderes ist.
Das Subjekt übt nun,
insofern es in seinem Bedürfnis bestimmt sich auf das Äußerliche
bezieht
und damit selbst Äußerliches oder Werkzeug ist,
Gewalt über das Objekt aus.
Sein besonderer Charakter, seine Endlichkeit überhaupt
fällt in die bestimmtere Erscheinung dieses Verhältnisses.
- Das Äußerliche daran ist der Prozeß der Objektivität überhaupt,
Mechanismus und Chemismus.
Derselbe wird aber unmittelbar abgebrochen
und die Äußerlichkeit in Innerlichkeit verwandelt. ((482))
Die äußerliche Zweckmäßigkeit, welche durch die Tätigkeit
des Subjekts
in dem gleichgültigen Objekt zunächst hervorgebracht wird,
wird dadurch aufgehoben,
daß das Objekt gegen den Begriff keine Substanz ist,
der Begriff daher nicht nur dessen äußere Form werden kann,
sondern sich als dessen Wesen
und immanente, durchdringende Bestimmung,
seiner ursprünglichen Identität gemäß, setzen muß.
Mit der Bemächtigung des Objekts
geht daher der mechanische Prozeß in den inneren über,
durch welchen das Individuum sich das Objekt so aneignet,
daß es ihm die eigentümliche Beschaffenheit benimmt,
es zu seinem Mittel macht
und seine Subjektivität ihm zur Substanz gibt.
Diese Assimilation tritt damit in eins zusammen
mit dem oben betrachteten Reproduktionsprozeß des Individuums;
es zehrt in diesem zunächst aus sich,
indem es seine eigene Objektivität sich zum Objekte macht;
der mechanische und chemische Konflikt seiner Glieder
mit den äußerlichen Dingen ist ein objektives Moment seiner.
Das Mechanische und Chemische des Prozesses
ist ein Beginnen der Auflösung des Lebendigen.
Da das Leben die Wahrheit dieser Prozesse,
hiermit als Lebendiges die Existenz dieser Wahrheit
und die Macht derselben ist, greift es über sie über,
durchdringt sie als ihre Allgemeinheit,
und ihr Produkt ist durch dasselbe vollkommen bestimmt.
Diese ihre Verwandlung in die lebendige Individualität
macht die Rückkehr dieser letzteren in sich selbst aus,
so daß die Produktion,
welche als solche das Übergehen in ein Anderes sein würde,
zur Reproduktion wird,
in der das Lebendige sich für sich identisch mit sich setzt.
Die unmittelbare Idee ist auch die unmittelbare,
nicht als für sich seiende Identität des Begriffes und der Realität;
durch den objektiven Prozeß gibt sich das Lebendige sein Selbstgefühl,
denn es setzt sich darin als das, was es an und für sich ist,
in seinem als gleichgültig gesetzten Anderssein
das Identische mit sich selbst, die negative Einheit des Negativen zu sein.
In diesem Zusammengehen des Individuums mit seiner zunächst
ihm als gleichgültig vorausgesetzten ((483)) Objektivität hat es,
so wie [es] auf einer Seite sich als wirkliche Einzelheit konstituiert [hat],
so sehr seine Besonderheit aufgehoben
und sich zur Allgemeinheit erhoben.
Seine Besonderheit bestand in der Diremtion,
wodurch das Leben als seine Arten
das individuelle Leben und die ihm äußerliche Objektivität setzte.
Durch den äußeren Lebensprozeß hat es sich somit als reelles,
allgemeines Leben, als Gattung gesetzt.
C. DIE GATTUNG
Das lebendige Individuum,
zuerst aus dem allgemeinen Begriffe des Lebens abgeschieden,
ist eine Voraussetzung, die noch nicht durch sich selbst bewährt ist.
Durch den Prozeß mit der zugleich damit vorausgesetzten Welt
hat es sich selbst gesetzt für sich als die negative Einheit seines Andersseins,
als die Grundlage seiner selbst;
es ist so die Wirklichkeit der Idee, so daß das Individuum nun
aus der Wirklichkeit sich hervorbringt,
wie es vorher nur aus dem Begriffe hervorging,
und daß seine Entstehung, die ein Voraussetzen war,
nun seine Produktion wird.
Die weitere Bestimmung aber,
welche es durch die Aufhebung des Gegensatzes erlangt hat, ist,
Gattung zu sein
als Identität seiner mit seinem vorherigen gleichgültigen Anderssein.
Diese Idee des Individuums ist, da sie diese wesentliche Identität ist,
wesentlich die Besonderung ihrer selbst.
Diese ihre Diremtion ist nach der Totalität, aus der sie hervorgeht,
die Verdopplung des Individuums,
- ein Voraussetzen einer Objektivität, welche mit ihm identisch ist,
und ein Verhalten des Lebendigen zu sich selbst
als einem anderen Lebendigen.
Dies Allgemeine ist die dritte Stufe, die Wahrheit des Lebens,
insofern es noch innerhalb seiner Sphäre eingeschlossen ist.
Diese Stufe ist der sich auf sich beziehende Prozeß des Individuums,
wo die Äußerlichkeit sein immanentes Moment ist;
zweitens, diese Äußerlichkeit ist selbst als lebendige ((484)) Totalität
eine Objektivität, die für das Individuum es selbst ist,
in der es nicht als aufgehobener, sondern als bestehender
die Gewißheit seiner selbst hat.
Weil nun das Verhältnis der Gattung die Identität
des individuellen Selbstgefühls in einem solchen ist,
welches zugleich ein anderes selbständiges Individuum ist,
ist es der Widerspruch;
das Lebendige ist somit wieder Trieb.
- Die Gattung ist nun zwar die Vollendung der Idee des Lebens,
aber zunächst ist sie noch innerhalb der Sphäre der Unmittelbarkeit;
diese Allgemeinheit ist daher in einzelner Gestalt wirklich,
- der Begriff, dessen Realität die Form unmittelbarer Objektivität hat.
Das Individuum ist daher an sich zwar Gattung,
aber es ist die Gattung nicht für sich;
was für es ist, ist nur erst ein anderes lebendiges Individuum;
der von sich unterschiedene Begriff hat zum Gegenstande,
mit dem er identisch ist, nicht sich als Begriff,
sondern einen Begriff,
der als Lebendiges zugleich äußerliche Objektivität für ihn
hat,
eine Form, die daher unmittelbar gegenseitig ist.
Die Identität mit dem anderen, die Allgemeinheit des Individuums
ist somit nur erst innerliche oder subjektive;
es hat daher das Verlangen, dieselbe zu setzen
und sich als Allgemeines zu realisieren.
Dieser Trieb der Gattung aber kann sich nur realisieren durch Aufheben
der noch gegeneinander besonderen, einzelnen Individualitäten.
Zunächst insofern es diese sind,
welche an sich allgemein die Spannung ihres Verlangens befriedigen
und in ihre Gattungsallgemeinheit sich auflösen,
so ist ihre realisierte Identität die negative Einheit
der aus der Entzweiung sich in sich reflektierenden Gattung.
Sie ist insofern die Individualität des Lebens selbst,
nicht mehr aus seinem Begriffe, sondern aus der wirklichen Idee erzeugt.
Zunächst ist sie selbst nur der Begriff, der erst sich zu objektivieren hat,
aber der wirkliche Begriff, [? ist]
- der Keim eines lebendigen Individuums.
In ihm ist es für die gemeine Wahrnehmung vorhanden, was der Begriff ist,
und daß der subjektive Begriff äußerliche Wirklichkeit hat.
Denn der Keim des Lebendigen
ist die vollständige Konkretion ((485)) der Individualität,
in welcher alle seine verschiedenen Seiten,
Eigenschaften und gegliederten Unterschiede
in ihrer ganzen Bestimmtheit enthalten [sind]
und die zunächst immaterielle, subjektive Totalität unentwickelt,
einfach und nicht-sinnlich [?] ist;
der Keim ist so das ganze Lebendige in der innerlichen Form des Begriffes.
Die Reflexion der Gattung in sich ist nach dieser Seite dies,
wodurch sie Wirklichkeit erhält, indem
das Moment der negativen Einheit und Individualität in ihr gesetzt wird,
- die Fortpflanzung der lebenden Geschlechter.
Die Idee, die als Leben noch in der Form der Unmittelbarkeit ist,
fällt insofern in die Wirklichkeit zurück,
und diese ihre Reflexion ist nur die Wiederholung und der unendliche Progreß,
in welchem sie nicht aus der Endlichkeit ihrer Unmittelbarkeit heraustritt.
Aber diese Rückkehr in ihren ersten Begriff hat auch die höhere Seite,
daß die Idee nicht nur die Vermittlung ihrer Prozesse
innerhalb der Unmittelbarkeit durchlaufen,
sondern eben damit diese aufgehoben
und sich dadurch in eine höhere Form ihres Daseins erhoben hat.
Der Prozeß der Gattung nämlich, in welchem die einzelnen Individuen
ihre gleichgültige, unmittelbare Existenz ineinander aufheben
und in dieser negativen Einheit ersterben,
hat ferner zur andern Seite seines Produkts die realisierte Gattung,
welche mit dem Begriffe sich identisch gesetzt hat.
- In dem Gattungsprozeß
gehen die abgesonderten Einzelheiten des individuellen Lebens unter;
die negative Identität, in der die Gattung in sich zurückkehrt,
ist, wie einerseits das Erzeugen der Einzelheit,
so andererseits das Aufheben derselben,
ist somit mit sich zusammengehende Gattung,
die für sich werdende Allgemeinheit der Idee.
In der Begattung erstirbt die Unmittelbarkeit der lebendigen Individualität;
der Tod dieses Lebens ist das Hervorgehen des Geistes.
Die Idee, die als Gattung an sich ist, ist für sich,
indem sie ihre Besonderheit,
welche die lebendigen Geschlechter ausmachte,
aufgehoben und damit sich eine Realität gegeben hat,
welche selbst einfache Allgemeinheit ist;
so ist sie die Idee, welche ((486)) sich zu sich als Idee verhält,
das Allgemeine,
das die Allgemeinheit zu seiner Bestimmtheit und Dasein hat,
- die Idee des Erkennens.
Zweites Kapitel: Die Idee des Erkennens
Das Leben ist die unmittelbare Idee
oder die Idee als ihr noch nicht an sich selbst realisierter Begriff.
In ihrem Urteil ist sie das Erkennen überhaupt.
Der Begriff ist als Begriff für sich,
insofern er frei als abstrakte Allgemeinheit oder als Gattung existiert.
So ist er seine reine Identität mit sich,
welche sich so in sich selbst unterscheidet,
daß das Unterschiedene nicht eine Objektivität,
sondern gleichfalls zur Subjektivität
oder zur Form der einfachen Gleichheit mit sich befreit,
hiermit der Gegenstand des Begriffes, der Begriff selbst ist.
Seine Realität überhaupt ist die Form seines Daseins;
auf Bestimmung dieser Form kommt es an;
auf ihr beruht der Unterschied dessen,
was der Begriff an sich oder als subjektiver ist,
[? und] was er ist in die Objektivität versenkt,
[? und] dann in der Idee des Lebens.
In der letzteren ist er zwar
von seiner äußerlichen Realität unterschieden und für sich
gesetzt,
doch dies sein Fürsichsein hat er nur
als die Identität, welche eine Beziehung
auf sich als versenkt in seine ihm unterworfene Objektivität oder
auf sich als inwohnende, substantielle Form ist.
Die Erhebung des Begriffs über das Leben ist,
daß seine Realität die zur Allgemeinheit befreite Begriffsform ist.
Durch dieses Urteil ist die Idee verdoppelt
- in den subjektiven Begriff, dessen Realität er selbst,
und in den objektiven, der als Leben ist.
- Denken, Geist, Selbstbewußtsein sind Bestimmungen der Idee,
insofern sie sich selbst zum Gegenstand hat
und ihr Dasein, d. i. die Bestimmtheit ihres Seins
ihr eigener Unterschied von sich selbst ist.
Die Metaphysik des Geistes oder,
wie man sonst mehr ((487)) gesprochen hat, der Seele
drehte sich um die Bestimmungen von Substanz, Einfachheit, Immaterialität
- Bestimmungen, bei welchen die Vorstellung des Geistes
aus dem empirischen Bewußtsein als Subjekt zugrunde gelegt
und nun gefragt wurde,
was für Prädikate mit den Wahrnehmungen übereinstimmen,
- ein Verfahren, das nicht weitergehen konnte als das Verfahren der Physik,
die Welt der Erscheinung auf allgemeine Gesetze
und Reflexionsbestimmungen zu bringen,
da der Geist auch nur in seiner Erscheinung zugrunde lag;
ja, es mußte noch hinter der physikalischen Wissenschaftlichkeit zurückbleiben,
da der Geist nicht nur unendlich reicher als die Natur ist,
sondern da auch die absolute Einheit des Entgegengesetzten im Begriffe
sein Wesen ausmacht;
so zeigt er in seiner Erscheinung und Beziehung auf die Äußerlichkeit
den Widerspruch in seiner höchsten Bestimmtheit auf,
daher für jede der entgegengesetzten Reflexionsbestimmungen
eine Erfahrung angeführt
oder aus den Erfahrungen auf die entgegengesetzten Bestimmungen
nach der Weise des formalen Schließens muß gekommen werden können.
Weil die an der Erscheinung unmittelbar sich ergebenden Prädikate
zunächst noch der empirischen Psychologie angehören,
so bleiben eigentlich nur ganz dürftige Reflexionsbestimmungen
für die metaphysische Betrachtung übrig.
- Kant in seiner Kritik der rationalen Seelenlehre
hält diese Metaphysik daran fest, daß,
insofern sie eine rationale Wissenschaft sein soll,
durch das Mindeste, was man von der Wahrnehmung
zu der allgemeinen Vorstellung des Selbstbewußtseins hinzunähme,
sich jene Wissenschaft in eine empirische verwandelte
und ihre rationale Reinigkeit und Unabhängigkeit
von aller Erfahrung verderbt würde.
- Es bleibe somit nichts als die einfache, für sich an Inhalt ganz leere
Vorstellung:
Ich, von der man nicht einmal sagen kann, daß sie ein Begriff sei,
sondern ein bloßes Bewußtsein, das alle Begriffe begleitet.
Durch dieses Ich oder auch Es (das Ding), welches denkt, ((488))
wird nun nach den weiteren Kantischen Folgerungen
nichts weiter als ein transzendentales Subjekt der Gedanken vorgestellt
= x, welches nur durch die Gedanken, die seine Prädikate sind,
erkannt wird und wovon wir, abgesondert,
niemals den mindesten Begriff haben können;
dies Ich hat dabei, nach Kants eigenem Ausdruck, die Unbequemlichkeit,
daß wir uns jederzeit seiner schon bedienen müssen,
um irgend etwas von ihm zu urteilen;
denn es ist nicht sowohl eine Vorstellung,
wodurch ein besonderes Objekt unterschieden wird,
sondern eine Form derselben überhaupt,
insofern sie Erkenntnis genannt werden soll.
- Der Paralogismus, den die rationale Seelenlehre begehe, bestehe nun darin,
daß Modi des Selbstbewußtseins im Denken
zu Verstandesbegriffen als von einem Objekte gemacht,
daß jenes >>Ich denke<<
als ein denkendes Wesen, ein Ding-an-sich genommen werde;
auf welche Weise daraus,
daß Ich im Bewußtsein immer als Subjekt, und zwar als singuläres,
bei aller Mannigfaltigkeit der Vorstellung identisches
und von ihr als äußerlicher mich unterscheidendes vorkomme,
unberechtigt abgeleitet wird,
daß Ich eine Substanz, ferner ein qualitativ Einfaches und ein Eins
und ein von den räumlichen und zeitlichen Dingen
unabhängig Existierendes sei.
Ich habe diese Darstellung ausführlicher ausgezogen,
weil sich sowohl die Natur der vormaligen Metaphysik über die Seele
als besonders auch der Kritik, wodurch sie zugrunde gegangen ist,
bestimmt daraus erkennen läßt.
- Jene ging darauf, das abstrakte Wesen der Seele zu bestimmen;
sie ging dabei von der Wahrnehmung ursprünglich aus
und verwandelte deren empirische Allgemeinheit
und die an der Einzelheit des Wirklichen überhaupt
äußerliche Reflexionsbestimmung
in die Form von den angeführten Bestimmungen des Wesens.
- Kant hat dabei überhaupt nur den Zustand
der Metaphysik seiner Zeit vor sich,
welche vornehmlich bei solchen abstrakten, einseitigen Bestimmungen
ohne alle Dialektik stehenblieb;
die wahrhaft spekulativen Ideen älterer Philosophen
über den Begriff des Geistes beachtete ((489)) und untersuchte er nicht.
In seiner Kritik über jene Bestimmungen folgte er nun
ganz einfach der Humeschen Manier des Skeptizismus,
daß er nämlich das festhält, wie Ich im Selbstbewußtsein
erscheint,
wovon aber,
da das Wesen desselben - das Ding-an-sich - erkannt werden solle,
alles Empirische wegzulassen sei;
nun bleibe nichts übrig als diese Erscheinung des »Ich denke«,
das alle Vorstellungen begleite,
- wovon man nicht den geringsten Begriff habe.
- Gewiß muß es zugegeben werden,
daß man weder von Ich noch von irgend etwas,
auch [nicht] von dem Begriff selbst den mindesten Begriff hat,
insofern man nicht begreift
und nur bei der einfachen, fixen Vorstellung und dem Namen stehenbleibt.
Sonderbar ist der Gedanke
- wenn es anders ein Gedanke genannt werden kann -,
daß Ich mich des Ich schon bedienen müsse, um von Ich zu urteilen;
das Ich, das sich des Selbstbewußtseins als eines Mittels bedient, um zu
urteilen,
dies ist wohl ein x, von dem man, so wie vom Verhältnis solchen Bedienens,
nicht den geringsten Begriff haben kann.
Aber lächerlich ist es wohl, diese Natur des Selbstbewußtseins
- daß Ich sich selbst denkt, daß Ich nicht gedacht werden kann,
ohne daß es Ich ist, welches denkt -
eine Unbequemlichkeit und als etwas Fehlerhaftes einen Zirkel zu nennen,
- ein Verhältnis, wodurch sich im unmittelbaren empirischen Selbstbewußtsein
die absolute, ewige Natur desselben und des Begriffes offenbart,
deswegen offenbart, weil das Selbstbewußtsein eben
der daseiende, also empirisch wahrnehmbare, reine Begriff,
die absolute Beziehung auf sich selbst ist,
welche als trennendes Urteil sich zum Gegenstande macht
und allein dies ist, sich dadurch zum Zirkel zu machen.
- Ein Stein hat jene Unbequemlichkeit nicht;
wenn er gedacht oder wenn über ihn geurteilt werden soll,
so steht er sich selbst dabei nicht im Wege;
er ist der Beschwerlichkeit,
sich seiner selbst zu diesem Geschäfte zu bedienen, enthoben;
es ist ein Anderes außer ihm, welches diese Mühe übernehmen muß.
Der Mangel,
den diese barbarisch zu nennenden Vorstellungen ((490)) darein setzen,
daß bei dem Denken des Ich dasselbe als Subjekt
nicht weggelassen werden könne,
erscheint dann umgekehrt auch so,
daß Ich nur als Subjekt des Bewußtseins vorkomme
oder Ich mich nur als Subjekt eines Urteils brauchen könne
und die Anschauung fehle, wodurch es als ein Objekt gegeben würde,
daß aber der Begriff eines Dings, das nur als Subjekt existieren könne,
noch gar keine objektive Realität bei sich führe.
- Wenn zur Objektivität
die äußerliche, in Zeit und Raum bestimmte Anschauung gefordert [wird]
und sie es ist, welche vermißt wird,
so sieht man wohl, daß unter Objektivität
nur diejenige sinnliche Realität gemeint ist,
über welche sich erhoben zu haben
Bedingung des Denkens und der Wahrheit ist.
Aber allerdings wenn Ich begrifflos als bloße einfache Vorstellung
nach der Weise genommen wird,
wie wir im alltäglichen Bewußtsein Ich aussprechen,
so ist es die abstrakte Bestimmung,
nicht die sich selbst zum Gegenstand habende Beziehung seiner selbst;
- es ist so nur eins der Extreme,
einseitiges Subjekt ohne seine Objektivität,
oder es wäre auch nur Objekt ohne Subjektivität,
wenn nämlich die berührte Unbequemlichkeit hierbei nicht wäre,
daß sich von dem Ich als Objekt das denkende Subjekt nicht wegbringen läßt.
Aber in der Tat findet dieselbe Unbequemlichkeit
auch bei der ersteren Bestimmung, dem Ich als Subjekte, statt;
das Ich denkt etwas, sich oder etwas anderes.
Diese Untrennbarkeit der zwei Formen,
in denen es sich [sich] selbst entgegensetzt,
gehört zur eigensten Natur seines Begriffs und des Begriffs selbst;
sie ist gerade das, was Kant abhalten will,
um nur die sich in sich nicht unterscheidende
und somit ja nur die begrifflose Vorstellung fest zu erhalten.
Ein solches Begriffloses darf sich nun zwar wohl
den abstrakten Reflexionsbestimmungen oder Kategorien
der vorigen Metaphysik gegenüberstellen,
- denn an Einseitigkeit steht es auf gleicher Linie mit ihnen,
obwohl diese doch ein Höheres des Gedankens sind;
dagegen erscheint es desto dürftiger und leerer
gegen die tieferen Ideen älterer Philosophie
vom ((491)) Begriff der Seele oder des Denkens,
z. B. die wahrhaft spekulativen Ideen des Aristoteles.
Wenn die Kantische Philosophie jene Reflexionsbestimmungen untersuchte,
so hätte sie noch mehr die festgehaltene Abstraktion des leeren Ich,
die vermeinte Idee des Dings-an-sich untersuchen müssen,
das sich eben um seiner Abstraktion willen
vielmehr als ein ganz Unwahres zeigt;
die Erfahrung der beklagten Unbequemlichkeit
ist selbst das empirische Faktum,
worin die Unwahrheit jener Abstraktion sich ausspricht.
Nur des Mendelssohnschen Beweises
von der Beharrlichkeit der Seele
erwähnt die Kantische Kritik der rationalen Psychologie,
und ich führe ihre Widerlegung desselben
noch um der Merkwürdigkeit desjenigen willen an,
was ihm entgegengestellt wird.
Jener Beweis gründet sich auf die Einfachheit der Seele, vermöge der
sie
der Veränderung, des Übergehens in ein Anderes in der Zeit nicht fähig
sei.
Die qualitative Einfachheit
ist die oben betrachtete Form der Abstraktion überhaupt;
als qualitative Bestimmtheit ist sie in der Sphäre des Seins untersucht
und bewiesen worden, daß das Qualitative als solche
sich abstrakt auf sich beziehende Bestimmtheit
vielmehr eben darum dialektisch und nur das Übergehen in ein Anderes ist.
Beim Begriffe aber wurde gezeigt, daß, wenn er in Beziehung
auf Beharrlichkeit, Unzerstörbarkeit, Unvergänglichkeit betrachtet wird,
er vielmehr darum das Anundfürsichseiende und Ewige ist,
weil er nicht die abstrakte, sondern konkrete Einfachheit,
nicht sich auf sich abstrakt beziehendes Bestimmtsein,
sondern die Einheit seiner selbst und seines Anderen ist,
in das er also nicht so übergehen kann, als ob er sich darin veränderte,
eben darum, weil das Andere, das Bestimmtsein, er selbst ist
und er in diesem Übergehen daher nur zu sich selbst kommt.
- Die Kantische Kritik setzt nun
jener qualitativen Bestimmung der Begriffseinheit die quantitative entgegen.
Obgleich die Seele nicht ein mannigfaltiges Außereinander ((492)) sei
und keine extensive Größe enthalte,
so habe das Bewußtsein doch einen Grad
und die Seele wie jedes Existierende eine intensive Größe;
dadurch sei aber die Möglichkeit des Übergehens in Nichts
durch das allmähliche Verschwinden gesetzt.
- Was ist nun diese Widerlegung anderes als die Anwendung
einer Kategorie des Seins, der intensiven Größe, auf den Geist?
- einer Bestimmung, die keine Wahrheit an sich hat
und im Begriffe vielmehr aufgehoben ist.
Die Metaphysik, auch selbst die,
welche sich auf fixe Verstandesbegriffe beschränkte
und sich zum Spekulativen
und zur Natur des Begriffes und der Idee nicht erhob,
hatte zu ihrem Zwecke, die Wahrheit zu erkennen,
und untersuchte ihre Gegenstände danach,
ob sie ein Wahrhaftes seien oder nicht, Substanzen oder Phänomene.
Der Sieg der Kantischen Kritik über dieselbe besteht aber vielmehr darin,
die Untersuchung, welche das Wahre zum Zwecke hat,
und diesen Zweck selbst zu beseitigen;
sie macht die Frage, die allein Interesse hat, gar nicht,
ob ein bestimmtes Subjekt, hier das abstrakte Ich der Vorstellung,
an und für sich Wahrheit habe.
Es heißt aber auf den Begriff und die Philosophie Verzicht leisten,
wenn man bei der Erscheinung und bei demjenigen stehenbleibt,
was sich im alltäglichen Bewußtsein für die bloße Vorstellung
ergibt.
Was darüber hinausgeht, heißt in der Kantischen Kritik etwas Überfliegendes,
und zu dem die Vernunft keineswegs berechtigt sei.
In der Tat überfliegt der Begriff das Begrifflose,
und die nächste Berechtigung, darüber hinauszugehen,
ist einesteils er selbst,
andernteils nach der negativen Seite
die Unwahrheit der Erscheinung und der Vorstellung
sowie solcher Abstraktionen, wie die Dinge-an-sich [sind]
und jenes Ich ist, das sich nicht Objekt sein soll.
In dem Zusammenhang dieser logischen Darstellung
ist es die Idee des Lebens, aus der die Idee des Geistes hervorgegangen
oder, was dasselbe ist, als deren Wahrheit sie sich erwiesen hat.
Als dieses Resultat hat diese Idee an und für ((493)) sich selbst ihre Wahrheit,
mit der dann auch das Empirische oder die Erscheinung des Geistes
verglichen werden mag, wie es damit übereinstimme;
das Empirische kann jedoch selbst auch nur
durch und aus der Idee gefaßt werden.
Von dem Leben haben wir gesehen, daß es die Idee ist,
aber es hat sich zugleich gezeigt,
noch nicht die wahrhafte Darstellung oder Art und Weise ihres Daseins zu sein.
Denn im Leben ist die Realität der Idee als Einzelheit;
die Allgemeinheit oder die Gattung ist das Innere;
die Wahrheit des Lebens als absolute negative Einheit ist daher,
die abstrakte oder, was dasselbe ist, die unmittelbare Einzelheit aufzuheben
und als Identisches mit sich identisch, als Gattung sich selbst gleich zu sein.
Diese Idee ist nun der Geist.
- Es kann aber hierüber noch bemerkt werden,
daß er hier in derjenigen Form betrachtet wird,
welche dieser Idee als logisch zukommt.
Sie hat nämlich noch andere Gestalten,
die hier beiläufig angeführt werden können,
in welchen sie in den konkreten Wissenschaften des Geistes zu betrachten ist,
nämlich als Seele, Bewußtsein und Geist als solcher.
Der Name Seele wurde sonst
vom einzelnen endlichen Geiste überhaupt gebraucht,
und die rationale oder empirische Seelenlehre
sollte soviel bedeuten als Geisteslehre.
Bei dem Ausdruck Seele schwebt die Vorstellung vor,
daß sie ein Ding ist wie die anderen Dinge;
man fragt nach ihrem Sitze, der räumlichen Bestimmung,
von der aus ihre Kräfte wirken,
noch mehr danach, wie dieses Ding unvergänglich sei,
den Bedingungen der Zeitlichkeit unterworfen,
der Veränderung darin aber entnommen sei.
Das System der Monaden hebt die Materie zur Seelenhaftigkeit herauf;
die Seele ist in dieser Vorstellung ein Atom wie die Atome der Materie überhaupt;
das Atom, das als Dunst aus der Kaffeetasse aufsteige,
sei durch glückliche Umstände fähig, sich zur Seele zu entwickeln,
nur die größere Dunkelheit seines Vorstellens unterscheide es
von einem solchen Dinge, das als Seele erscheint.
- Der für sich selbst seiende Begriff
ist notwendig auch in unmittelbarem Dasein;
in dieser substantiellen ((494)) Identität mit dem Leben,
in seinem Versenktsein in seine Äußerlichkeit
ist er in der Anthropologie zu betrachten.
Aber auch ihr muß jene Metaphysik fremd bleiben,
worin diese Form der Unmittelbarkeit zu einem Seelending,
zu einem Atom, den Atomen der Materie gleich wird.
- Der Anthropologie muß nur die dunkle Region überlassen werden,
worin der Geist unter, wie man es sonst nannte,
siderischen und terrestrischen Einflüssen steht,
als ein Naturgeist in der Sympathie mit der Natur lebt
und ihre Veränderungen in Träumen und Ahnungen gewahr wird,
dem Gehirn, dem Herzen, den Ganglien, der Leber usw. inwohnt,
welcher letzteren nach Platon der Gott,
damit auch der unvernünftige Teil von seiner Güte bedacht
und des Höheren teilhaftig sei,
die Gabe des Weissagens gegeben habe,
über welche der selbstbewußte Mensch erhoben sei.
Zu dieser unvernünftigen Seite gehört ferner das Verhältnis
des Vorstellens und der höheren geistigen Tätigkeit,
insofern sie im einzelnen Subjekte
dem Spiele ganz zufälliger körperlicher Beschaffenheit,
äußerlicher Einflüsse und einzelner Umstände unterworfen
ist.
Diese unterste der konkreten Gestalten,
worin der Geist in die Materiatur versenkt ist,
hat ihre unmittelbar höhere im Bewußtsein.
In dieser Form ist der freie Begriff als fürsichseiendes Ich
zurückgezogen aus der Objektivität,
aber sich auf sie als sein Anderes,
als gegenüberstehenden Gegenstand beziehend.
Indem der Geist hier nicht mehr als Seele ist,
sondern in der Gewißheit seiner selbst
die Unmittelbarkeit des Seins
vielmehr die Bedeutung eines Negativen für ihn hat,
so ist die Identität, in der er im Gegenständlichen mit sich selbst
ist,
zugleich nur noch ein Scheinen,
indem das Gegenständliche auch noch die Form eines Ansichseienden hat.
Diese Stufe ist der Gegenstand der Phänomenologie des Geistes,
- einer Wissenschaft, welche zwischen der Wissenschaft
des Naturgeistes und des Geistes als solchen [mitten] innesteht
und den für sich seienden Geist
zugleich in seiner Beziehung auf sein Anderes,
welches hierdurch sowohl, wie ((495)) erinnert,
als an sich seiendes Objekt wie auch als negiertes bestimmt ist,
- den Geist also als erscheinend,
am Gegenteil seiner selbst sich darstellend betrachtet.
Die höhere Wahrheit dieser Form ist aber der Geist für sich,
für welchen der dem Bewußtsein an sich seiende Gegenstand
die Form seiner eigenen Bestimmung, der Vorstellung überhaupt hat;
dieser Geist, der auf die Bestimmungen als auf seine eigenen,
auf Gefühle, Vorstellungen und Gedanken, tätig ist,
ist insofern in sich und in seiner Form unendlich.
Die Betrachtung dieser Stufe gehört der eigentlichen Geisteslehre an,
die dasjenige umfassen würde,
was Gegenstand der gewöhnlich empirischen Psychologie ist,
die aber, um die Wissenschaft des Geistes zu sein,
nicht empirisch zu Werke gehen,
sondern wissenschaftlich gefaßt werden muß.
- Der Geist ist auf dieser Stufe endlicher Geist,
insofern der Inhalt seiner Bestimmtheit ein unmittelbarer, gegebener ist;
die Wissenschaft desselben hat den Gang darzustellen,
worin er sich von dieser seiner Bestimmtheit befreit
und zum Erfassen seiner Wahrheit, des unendlichen Geistes, fortgeht.
Die Idee des Geistes dagegen, welche logischer Gegenstand ist,
steht schon innerhalb der reinen Wissenschaft;
sie hat daher ihn nicht den Gang durchmachen zu sehen,
wie er mit der Natur, der unmittelbaren Bestimmtheit
und dem Stoffe oder der Vorstellung verwickelt ist,
was in jenen drei Wissenschaften betrachtet wird;
sie hat diesen Gang bereits hinter sich
oder, was dasselbe ist, vielmehr vor sich,
- jenes, insofern die Logik als die letzte Wissenschaft,
dieses, insofern sie als die erste genommen wird,
aus welcher die Idee erst in die Natur übergeht.
In der logischen Idee des Geistes ist Ich daher sogleich,
wie es aus dem Begriffe der Natur als deren Wahrheit sich gezeigt hat,
der freie Begriff, der in seinem Urteile sich selbst der Gegenstand ist,
der Begriff als seine Idee.
Aber auch in dieser Gestalt ist die Idee noch nicht vollendet.
Indem sie der zwar freie, sich selbst zum Gegenstande habende Begriff ist,
so ist sie unmittelbar, eben darum weil sie ((496)) unmittelbar ist,
noch die Idee in ihrer Subjektivität
und damit in ihrer Endlichkeit überhaupt.
Sie ist der Zweck, der sich realisieren soll,
oder es ist die absolute Idee selbst noch in ihrer Erscheinung.
Was sie sucht, ist das Wahre,
diese Identität des Begriffs selbst und der Realität,
aber sie sucht es nur erst;
denn sie ist hier, wie sie zuerst ist, noch ein Subjektives.
Der Gegenstand, der für den Begriff ist,
ist daher hier zwar auch ein gegebener,
aber er tritt nicht als einwirkendes [?] Objekt
oder als Gegenstand, wie er als solcher für sich selbst beschaffen sei,
oder als Vorstellung in das Subjekt ein,
sondern dieses verwandelt ihn in eine Begriffsbestimmung;
es ist der Begriff, der im Gegenstand sich betätigt,
darin sich auf sich bezieht
und dadurch, daß er sich an dem Objekte seine Realität gibt, Wahrheit
findet.
Die Idee ist also zunächst das eine Extrem eines Schlusses
als der Begriff, der als Zweck
zunächst sich selbst zur subjektiven Realität hat;
das andere Extrem ist die Schranke des Subjektiven, die objektive Welt.
Die beiden Extreme sind darin identisch, daß sie die Idee sind;
erstlich ist ihre Einheit die des Begriffs,
welcher in dem einen nur für sich, in dem anderen nur an sich ist;
zweitens ist die Realität in dem einen abstrakt,
in dem anderen in ihrer konkreten Äußerlichkeit.
- Diese Einheit wird nun durch das Erkennen gesetzt;
sie ist, weil es die subjektive Idee ist,
die als Zweck von sich ausgeht, zunächst nur als Mitte.
- Das Erkennende bezieht sich durch die Bestimmtheit seines Begriffs,
nämlich das abstrakte Fürsichsein, zwar auf eine Außenwelt,
aber in der absoluten Gewißheit seiner selbst,
um die Realität seiner an sich selbst, diese formelle Wahrheit,
zur reellen Wahrheit zu erheben.
Es hat an seinem Begriff die ganze Wesenheit der objektiven Welt;
sein Prozeß ist, den konkreten Inhalt derselben
für sich als identisch mit dem Begriffe
und umgekehrt diesen als identisch mit der Objektivität zu setzen.
Unmittelbar ist die Idee der Erscheinung theoretische Idee,
das Erkennen als solches.
Denn unmittelbar hat die objektive Welt
die Form der Unmittelbarkeit oder des Seins
für den ((497)) für sich seienden Begriff,
so wie dieser zuerst sich nur als der abstrakte,
noch in ihm eingeschlossene Begriff seiner selbst ist;
er ist daher nur als Form;
seine Realität, die er an ihm selbst hat,
sind nur seine einfachen Bestimmungen von Allgemeinheit und Besonderheit;
die Einzelheit aber oder die bestimmte Bestimmtheit, den Inhalt
erhält diese Form von außen.
A. DIE IDEE DES WAHREN
Die subjektive Idee ist zunächst Trieb.
Denn sie ist der Widerspruch des Begriffs,
sich zum Gegenstand zu haben und sich die Realität zu sein,
ohne daß doch der Gegenstand als Anderes, gegen ihn Selbständiges wäre
oder ohne daß der Unterschied seiner selbst von sich
zugleich die wesentliche Bestimmung der Verschiedenheit
und des gleichgültigen Daseins hätte.
Der Trieb hat daher die Bestimmtheit,
seine eigene Subjektivität aufzuheben,
seine erst abstrakte Realität zur konkreten zu machen
und sie mit dem Inhalte
der von seiner Subjektivität vorausgesetzten Welt zu erfüllen.
- Von der anderen Seite bestimmt er sich hierdurch so:
der Begriff ist zwar die absolute Gewißheit seiner selbst;
seinem Fürsichsein steht aber seine Voraussetzung
einer an sich seienden Welt gegenüber,
deren gleichgültiges Anderssein aber für die Gewißheit seiner
selbst
den Wert nur eines Unwesentlichen hat;
er ist insofern der Trieb, dies Anderssein aufzuheben
und in dem Objekte die Identität mit sich selbst anzuschauen.
Insofern diese Reflexion-in-sich der aufgehobene Gegensatz
und die gesetzte, für das Subjekt bewirkte Einzelheit ist,
welche zunächst als das vorausgesetzte Ansichsein erscheint,
ist es die aus dem Gegensatz hergestellte Identität der Form mit sich selbst
- eine Identität, welche damit als gleichgültig gegen die Form
in deren Unterschiedenheit bestimmt und Inhalt ist.
Dieser Trieb ist daher der Trieb der Wahrheit, insofern sie im Erkennen ist,
also der Wahrheit als theoretischer Idee in ((498)) ihrem eigentlichen Sinne.
- Wenn die objektive Wahrheit zwar die Idee selbst ist
als die dem Begriffe entsprechende Realität
und ein Gegenstand insofern an ihm Wahrheit haben kann oder nicht,
so ist dagegen der bestimmtere Sinn der Wahrheit dieser,
daß sie es für oder im subjektiven Begriff, im Wissen sei.
Sie ist das Verhältnis des Begriffsurteils,
welches als das formelle Urteil der Wahrheit sich gezeigt hat;
in demselben ist nämlich das Prädikat nicht nur die Objektivität
des Begriffes,
sondern die beziehende Vergleichung
des Begriffs der Sache und der Wirklichkeit derselben.
- Theoretisch ist diese Realisierung des Begriffs,
insofern er als Form noch die Bestimmung eines subjektiven
oder die Bestimmung für das Subjekt hat, die seinige zu sein.
Weil das Erkennen die Idee als Zweck oder als subjektive ist,
so ist die Negation der als an sich seiend vorausgesetzten Welt die erste;
der Schlußsatz, worin das Objektive in das Subjektive gesetzt ist,
hat daher zunächst auch nur die Bedeutung,
daß das Ansichseiende nur als ein Subjektives
oder in der Begriffsbestimmung nur gesetzt,
darum aber nicht so an und für sich sei.
Der Schlußsatz kommt insofern nur zu einer neutralen Einheit
oder einer Synthesis, d. h. einer Einheit von solchen,
die ursprünglich geschieden, nur äußerlich so verbunden seien.
- Indem daher in diesem Erkennen der Begriff
das Objekt als das seinige setzt,
gibt sich die Idee zunächst nur einen Inhalt, dessen Grundlage gegeben
und an dem nur die Form der Äußerlichkeit aufgehoben worden.
Dies Erkennen behält insofern in seinem ausgeführten Zwecke
noch seine Endlichkeit;
es hat in ihm denselben zugleich nicht erreicht
und ist in seiner Wahrheit noch nicht zur Wahrheit gekommen.
Denn insofern im Resultate der Inhalt noch die Bestimmung
eines gegebenen hat,
so ist das vorausgesetzte Ansichsein gegen den Begriff nicht aufgehoben;
die Einheit des Begriffs und der Realität, die Wahrheit,
ist somit ebensosehr auch nicht darin enthalten.
- Sonderbarerweise ist in neueren Zeiten diese Seite der Endlichkeit
festgehalten und als das absolute Verhältnis ((499))
des Erkennens angenommen worden,
- als ob das Endliche als solches das Absolute sein sollte !
Auf diesem Standpunkte wird dem Objekte
eine unbekannte Dingheit-an-sich hinter dem Erkennen zugeschrieben
und dieselbe und damit auch die Wahrheit
als ein absolutes Jenseits für das Erkennen betrachtet.
Die Denkbestimmungen überhaupt, die Kategorien, die Reflexionsbestimmungen
sowie der formale Begriff und dessen Momente
erhalten darin die Stellung, nicht daß sie an und für sich endliche
Bestimmungen,
sondern daß sie es in dem Sinne sind,
als sie ein Subjektives gegen jene leere Dingheit-an-sich sind;
dies Verhältnis der Unwahrheit des Erkennens als das wahrhafte anzunehmen,
ist der zur allgemeinen Meinung neuerer Zeit gewordene Irrtum.
Aus dieser Bestimmung des endlichen Erkennens erhellt unmittelbar,
daß es ein Widerspruch ist, der sich selbst aufhebt,
- der Widerspruch einer Wahrheit, die zugleich nicht Wahrheit sein soll,
- eines Erkennens dessen, was ist,
welches zugleich das Ding-an-sich nicht erkennt.
In dem Zusammenfallen dieses Widerspruchs fällt sein Inhalt,
das subjektive Erkennen und das Ding-an-sich zusammen,
d. h. erweist sich als ein Unwahres.
Aber das Erkennen hat durch seinen eigenen Gang
seine Endlichkeit und damit seinen Widerspruch aufzulösen;
jene Betrachtung, welche wir über dasselbe machen,
ist eine äußerliche Reflexion;
es ist aber selbst der Begriff, der sich Zweck ist,
der also durch seine Realisierung sich ausführt
und eben in dieser Ausführung seine Subjektivität
und das vorausgesetzte Ansichsein aufhebt.
- Es ist daher an ihm selbst in seiner positiven Tätigkeit zu betrachten.
Da diese Idee, wie gezeigt, der Trieb des Begriffes ist,
sich für sich selbst zu realisieren,
so ist seine Tätigkeit, das Objekt zu bestimmen
und durch dies Bestimmen sich in ihm identisch auf sich zu beziehen.
Das Objekt ist überhaupt das schlechthin Bestimmbare,
und in der Idee hat es diese wesentliche Seite,
nicht an und für sich gegen den Begriff zu sein.
Weil dies Erkennen noch das endliche, nicht spekulative ist,
so hat die vorausgesetzte Objektivität ((500))
noch nicht die Gestalt für dasselbe,
daß sie schlechthin nur der Begriff an ihr selbst ist
und nichts Besonderes für sich gegen ihn enthält.
Aber damit, daß sie als ein an sich seiendes Jenseits gilt,
hat sie die Bestimmung der Bestimmbarkeit durch den Begriff
darum wesentlich, weil die Idee der für sich seiende Begriff
und das schlechthin in sich Unendliche ist,
worin das Objekt an sich aufgehoben
und der Zweck nur noch ist, es für sich aufzuheben;
das Objekt ist daher zwar von der Idee des Erkennens
als an sich seiend vorausgesetzt,
aber wesentlich in dem Verhältnis, daß sie,
ihrer selbst und der Nichtigkeit dieses Gegensatzes gewiß,
zu[r] Realisierung ihres Begriffes in ihm komme.
In dem Schlusse, wodurch sich die subjektive Idee
nun mit der Objektivität zusammenschließt,
ist die erste Prämisse dieselbe Form der unmittelbaren Bemächtigung
und Beziehung des Begriffs auf das Objekt,
als wir in der Zweckbeziehung sahen.
Die bestimmende Tätigkeit des Begriffs auf das Objekt
ist eine unmittelbare Mitteilung
und widerstandslose Verbreitung seiner auf dasselbe.
Der Begriff bleibt hierin in der reinen Identität mit sich selbst;
aber diese seine unmittelbare Reflexion-in-sich
hat ebenso die Bestimmung der objektiven Unmittelbarkeit;
das was für ihn seine eigene Bestimmung ist, ist ebensosehr ein Sein,
denn es ist die erste Negation der Voraussetzung.
Die gesetzte Bestimmung gilt daher ebensosehr
als eine nur gefundene Voraussetzung, als ein Auffassen eines Gegebenen,
worin die Tätigkeit des Begriffs vielmehr nur darin bestehe,
negativ gegen sich selbst zu sein,
sich gegen das Vorhandene zurückzuhalten und passiv zu machen,
damit dasselbe nicht bestimmt vom Subjekte,
sondern wie es in sich selbst ist, sich zeigen könne.
Dies Erkennen erscheint daher in dieser Prämisse
nicht einmal als eine Anwendung der logischen Bestimmungen,
sondern als ein Empfangen und Auffassen derselben als Vorgefundener,
und seine Tätigkeit erscheint als darauf beschränkt,
nur ein subjektives Hindernis,
eine äußerliche Schale von ((501)) dem Gegenstande zu entfernen.
Dies Erkennen ist das analytische.
a. Das analytische Erkennen
Den Unterschied des analytischen und synthetischen Erkennens
findet man zuweilen so angegeben,
daß das eine vom Bekannten zum Unbekannten,
das andere vom Unbekannten zum Bekannten fortgehe.
Es wird aber, wenn man diesen Unterschied näher betrachtet,
schwer sein, in ihm einen bestimmten Gedanken,
viel weniger einen Begriff zu entdecken.
Man kann sagen, das Erkennen fange überhaupt mit der Unbekanntschaft an,
denn etwas, womit man schon bekannt ist, lernt man nicht kennen.
Umgekehrt auch fängt es mit dem Bekannten an;
dies ist ein tautologischer Satz;
das, womit es anfängt, was es also wirklich erkennt,
ist eben dadurch ein Bekanntes;
was noch nicht erkannt worden und erst später erkannt werden soll,
ist noch ein Unbekanntes.
Man muß insofern sagen, daß das Erkennen,
wenn es einmal angefangen hat,
immer vom Bekannten zum Unbekannten fortgehe.
Das Unterscheidende des analytischen Erkennens
hat sich bereits dahin bestimmt,
daß ihm als der ersten Prämisse des ganzen Schlusses
die Vermittlung noch nicht angehört,
sondern daß es die unmittelbare,
das Anderssein noch nicht enthaltende Mitteilung des Begriffes ist,
worin die Tätigkeit sich ihrer Negativität entäußert.
Jene Unmittelbarkeit der Beziehung ist jedoch darum selbst Vermittlung,
denn sie ist die negative Beziehung des Begriffs auf das Objekt,
die sich aber selbst vernichtet
und sich dadurch einfach und identisch macht.
Diese Reflexion-in-sich ist nur ein Subjektives,
weil in ihrer Vermittlung der Unterschied
nur noch als der vorausgesetzte ansichseiende,
als Verschiedenheit des Objekts in sich, vorhanden ist.
Die Bestimmung, die daher durch diese Beziehung zustande kommt,
ist die Form einfacher Identität, der abstrakten Allgemeinheit.
Das analytische Erkennen hat ((502)) daher überhaupt
diese Identität zu seinem Prinzip,
und der Übergang in Anderes, die Verknüpfung Verschiedener
ist aus ihm selbst, aus seiner Tätigkeit ausgeschlossen.
Das analytische Erkennen nun näher betrachtet,
so wird von einem vorausgesetzten,
somit einzelnen, konkreten Gegenstande angefangen,
er sei nun ein für die Vorstellung schon fertiger,
oder er sei eine Aufgabe,
nämlich nur in seinen Umständen und Bedingungen gegeben,
aber aus ihnen noch nicht für sich herausgehoben
und in einfacher Selbständigkeit dargestellt.
Die Analyse desselben kann nun nicht darin bestehen,
daß er bloß in die besonderen Vorstellungen,
die er enthalten kann, aufgelöst werde;
eine solche Auflösung und das Auffassen derselben ist ein Geschäft,
das nicht zum Erkennen gehörte,
sondern nur eine nähere Kenntnis,
eine Bestimmung innerhalb der Sphäre des Vorstellens beträfe.
Die Analyse, da sie den Begriff zum Grunde hat,
hat zu ihren Produkten wesentlich die Begriffsbestimmungen,
und zwar als solche, welche unmittelbar in dem Gegenstande enthalten sind.
Es hat sich aus der Natur der Idee des Erkennens ergeben,
daß die Tätigkeit des subjektiven Begriffs von der einen Seite
nur als Entwicklung dessen, was im Objekte schon ist,
angesehen werden muß,
weil das Objekt selbst nichts als die Totalität des Begriffs ist.
Es ist ebenso einseitig, die Analyse so vorzustellen,
als ob im Gegenstande nichts sei, was nicht in ihn hineingelegt werde,
als es einseitig ist, zu meinen, die sich ergebenden Bestimmungen
werden nur aus ihm herausgenommen.
Jene Vorstellung spricht bekanntlich der subjektive Idealismus aus,
der in der Analyse die Tätigkeit des Erkennens allein
für ein einseitiges Setzen nimmt,
jenseits dessen das Ding-an-sich verborgen bleibt;
die andere Vorstellung gehört dem sogenannten Realismus an,
der den subjektiven Begriff als eine leere Identität erfaßt,
welche die Gedankenbestimmungen von außen in sich aufnehme.
- Da das analytische Erkennen,
die Verwandlung des gegebenen Stoffes in logische Bestimmungen,
sich gezeigt hat, beides in einem zu sein,
ein Setzen, ((503)) welches sich ebenso unmittelbar als Voraussetzen bestimmt,
so kann um des letzteren willen
das Logische als ein schon im Gegenstande Fertiges
sowie wegen des ersteren
als Produkt einer bloß subjektiven Tätigkeit erscheinen.
Aber beide Momente sind nicht zu trennen;
das Logische ist in seiner abstrakten Form, in welche es die Analyse heraushebt,
allerdings nur im Erkennen vorhanden,
so wie es umgekehrt nicht nur ein Gesetztes,
sondern ein Ansichseiendes ist.
Insofern nun das analytische Erkennen die aufgezeigte Verwandlung ist,
geht es durch keine weiteren Mittelglieder hindurch,
sondern die Bestimmung ist insofern unmittelbar
und hat eben diesen Sinn, dem Gegenstand eigen und an sich anzugehören,
daher ohne subjektive Vermittlung aus ihm aufgefaßt zu sein.
- Aber das Erkennen soll ferner auch ein Fortgehen,
eine Entwicklung von Unterschieden sein.
Weil es aber nach der Bestimmung, die es hier hat,
begrifflos und undialektisch ist,
hat es nur einen gegebenen Unterschied,
und sein Fortgehen geschieht allein an den Bestimmungen des Stoffes.
Nur insofern scheint es ein immanentes Fortgehen zu haben,
als die abgeleiteten Gedankenbestimmungen
von neuem analysiert werden können, insofern sie noch ein Konkretes sind;
das Höchste und Letzte dieses Analysierens ist das abstrakte höchste
Wesen
oder die abstrakte subjektive Identität
und ihr gegenüber die Verschiedenheit.
Dieses Fortgehen ist jedoch nichts anderes als nur die Wiederholung
des einen ursprünglichen Tuns der Analyse, nämlich die Wiederbestimmung
des schon in die abstrakte Begriffsform Aufgenommenen
als eines Konkreten und hierauf die Analyse desselben,
dann von neuem die Bestimmung des aus ihr hervorgehenden Abstrakten
als eines Konkreten und so fort.
- Die Gedankenbestimmungen scheinen aber in ihnen selbst
auch einen Übergang zu enthalten.
Wenn der Gegenstand als Ganzes bestimmt worden,
so wird davon allerdings zur anderen Bestimmung des Teils,
von der Ursache zur anderen Bestimmung der Wirkung usf. fortgegangen.
Aber dies ist hier insofern kein Fortgehen,
als Ganzes und Teile, Ursache ((504)) und Wirkung Verhältnisse sind,
und zwar für dieses formale Erkennen so fertige Verhältnisse,
daß die eine Bestimmung an die andere wesentlich geknüpft vorgefunden
wird.
Der Gegenstand, der als Ursache oder als Teil bestimmt worden,
ist damit durch das ganze Verhältnis,
schon durch beide Seiten desselben bestimmt.
Ob es schon an sich etwas Synthetisches ist,
so ist dieser Zusammenhang für das analytische Erkennen
ebensosehr nur ein Gegebenes als anderer Zusammenhang seines Stoffes
und gehört daher nicht seinem eigentümlichen Geschäfte an.
Ob solcher Zusammenhang sonst
als ein Priorisches oder Aposteriorisches bestimmt werde,
dies ist dabei gleichgültig, insofern er als ein vorgefundener gefaßt
wird
oder, wie man es auch genannt hat, als eine Tatsache des Bewußtseins,
daß mit der Bestimmung Ganzes die Bestimmung Teil verknüpft sei und
so fort.
Indem Kant die tiefe Bemerkung von synthetischen Grundsätzen a priori
aufgestellt und als deren Wurzel die Einheit des Selbstbewußtseins,
also die Identität des Begriffes mit sich erkannt hat,
nimmt er doch den bestimmten Zusammenhang,
die Verhältnisbegriffe und synthetischen Grundsätze selbst,
von der formalen Logik als gegeben auf;
die Deduktion derselben hätte die Darstellung des Übergangs
jener einfachen Einheit des Selbstbewußtseins
in diese ihre Bestimmungen und Unterschiede sein müssen;
aber die Aufzeigung dieses wahrhaft synthetischen Fortgehens,
des sich selbst produzierenden Begriffs, hat Kant sich erspart zu leisten.
Bekanntlich wird die Arithmetik
und die allgemeineren Wissenschaften der diskreten Größe
vorzugsweise analytische Wissenschaft und Analysis genannt.
Die Erkenntnisweise derselben ist in der Tat am immanentesten analytisch,
und es ist kürzlich zu betrachten, worauf sich dies gründet.
- Das sonstige analytische Erkennen fängt von einem konkreten Stoffe an,
der eine zufällige Mannigfaltigkeit an sich hat;
aller Unterschied des Inhalts und das Fortgehen zu weiterem Inhalt
hängt von demselben ab.
Der arithmetische und algebraische Stoff dagegen
ist ein schon ganz abstrakt und ((505)) unbestimmt Gemachtes,
an dem alle Eigentümlichkeit des Verhältnisses getilgt,
dem somit nun jede Bestimmung und Verknüpfung ein Äußerliches
ist.
Ein solches ist das Prinzip der diskreten Größe, das Eins.
Dies verhältnislose Atome kann zu einer Vielheit vermehrt
und äußerlich zu einer Anzahl bestimmt und vereinigt werden;
dieses Vermehren und Begrenzen ist ein leeres Fortgehen und Bestimmen,
welches bei demselben Prinzip des abstrakten Eins stehenbleibt.
Wie die Zahlen ferner zusammengefaßt und getrennt werden,
hängt allein von dem Setzen des Erkennenden ab.
Die Größe ist überhaupt die Kategorie,
innerhalb welcher diese Bestimmungen gemacht werden,
- was die gleichgültig gewordene Bestimmtheit ist,
so daß der Gegenstand keine Bestimmtheit hat,
welche ihm immanent, also dem Erkennen gegeben wäre.
Insofern sich das Erkennen zunächst
eine zufällige Verschiedenheit von Zahlen gegeben hat,
so machen sie nun den Stoff für eine weitere Bearbeitung
und mannigfaltige Verhältnisse aus.
Solche Verhältnisse, deren Erfindung und Bearbeitung,
scheinen zwar nichts dem analytischen Erkennen Immanentes,
sondern ein Zufälliges und Gegebenes zu sein;
wie denn auch diese Verhältnisse
und die sich auf sie beziehenden Operationen
gewöhnlich nacheinander als verschiedene
ohne Bemerkung eines inneren Zusammenhanges vorgetragen werden.
Allein es ist leicht, ein fortleitendes Prinzip zu erkennen,
und zwar ist es das Immanente der analytischen Identität,
die am Verschiedenen als Gleichheit erscheint;
der Fortschritt ist die Reduktion des Ungleichen
auf immer größere Gleichheit.
Um ein Beispiel an den ersten Elementen zu geben,
so ist die Addition das Zusammenfassen ganz zufällig ungleicher Zahlen,
die Multiplikation dagegen von gleichen,
worauf noch das Verhältnis der Gleichheit
von der Anzahl und der Einheit folgt
und das Potenzenverhältnis eintritt.
Weil nun die Bestimmtheit des Gegenstandes
und der Verhältnisse eine gesetzte ist,
so ist die weitere Operation mit ihnen auch ganz analytisch,
und die analytische Wissenschaft ((506))
hat daher nicht sowohl Lehrsätze als Aufgaben.
Der analytische Lehrsatz enthält die Aufgabe
schon für sich selbst als gelöst,
und der ganz äußerliche Unterschied,
der den beiden Seiten, die er gleichsetzt, zukommt, ist so unwesentlich,
daß ein solcher Lehrsatz als eine triviale Identität erscheinen würde.
Kant hat zwar den Satz 5 + 7 = 12 für einen synthetischen Satz erklärt,
weil auf einer Seite dasselbe, in der Form von mehreren, von 5 und 7,
auf der andern in der Form von einem, von 12, dargestellt ist.
Allein wenn das Analytische nicht das ganz abstrakt Identische
und Tautologische 12 = 12 bedeuten
und ein Fortgang in demselben überhaupt sein soll,
so muß irgendein Unterschied vorhanden sein,
jedoch ein solcher, der sich auf keine Qualität,
keine Bestimmtheit der Reflexion und noch weniger des Begriffs gründet.
5 + 7 und 12 sind durchaus ganz derselbe Inhalt;
in jener Seite ist auch die Forderung ausgedrückt,
daß 5 und 7 in einen Ausdruck zusammengefaßt, d. h. daß,
wie fünf ein Zusammengezähltes ist,
wobei das Abbrechen ganz willkürlich war
und ebensogut weitergezählt werden konnte,
nun auf dieselbe Weise fortgezählt werden soll mit der Bestimmung,
daß die hinzuzusetzenden Eins sieben sein sollen.
Das 12 ist also ein Resultat von 5 und 7 und von einer Operation,
welche schon gesetzt,
ihrer Natur nach auch ein ganz äußerliches, gedankenloses Tun ist,
daß es daher auch eine Maschine verrichten kann.
Hier ist im Geringsten kein Übergang zu einem Anderen;
es ist ein bloßes Fortsetzen, d. h. Wiederholen derselben Operation,
durch welche 5 und 7 entstanden ist.
Der Beweis eines solchen Lehrsatzes
- einen solchen erforderte er, wenn er ein synthetischer Satz wäre -
würde nur in der Operation des durch 7 bestimmten Fortzählens von 5
an
und in dem Erkennen der Übereinstimmung dieses Fortgezählten
mit dem bestehen, was man sonst 12 nennt und was wieder weiter nichts
als eben jenes bestimmte Fortzählen selbst ist.
Statt der Form der Lehrsätze wählt man daher sogleich
die Form der Aufgabe, der Forderung der ((507)) Operation,
nämlich das Aussprechen nur der einen Seite von der Gleichung,
die den Lehrsatz ausmachen würde
und deren andere Seite nun gefunden werden soll.
Die Aufgabe enthält den Inhalt und gibt die bestimmte Operation an,
die mit ihm vorgenommen werden soll.
Die Operation ist durch keinen spröden,
mit spezifischen Verhältnissen begabten Stoff beschränkt,
sondern ein äußerliches, subjektives Tun,
dessen Bestimmungen der Stoff gleichgültig annimmt,
an welchem sie gesetzt werden.
Der ganze Unterschied der in der Aufgabe gemachten Bedingungen
und des Resultates in der Auflösung ist nur der,
daß in diesem wirklich auf die bestimmte Weise vereinigt oder getrennt ist,
wie in jener angegeben war.
Es ist daher ein höchst überflüssiges Gerüst,
hier die Form der geometrischen Methode,
welche sich auf synthetische Sätze bezieht, anzuwenden
und der Aufgabe außer der Auflösung
auch noch einen Beweis folgen zu lassen.
Er kann nichts als die Tautologie ausdrücken,
daß die Auflösung richtig ist, weil man operiert hat, wie aufgegeben
war.
Wenn die Aufgabe ist, man soll mehrere Zahlen addieren,
so ist die Auflösung: man addiere sie;
der Beweis zeigt, daß die Auflösung richtig ist,
darum weil aufgegeben war zu addieren und man addiert hat.
Wenn die Aufgabe zusammengesetztere Bestimmungen und Operationen,
z. B. etwa Dezimalzahlen zu multiplizieren, enthält
und die Auflösung gibt nichts als das mechanische Verfahren an,
so wird wohl ein Beweis nötig;
dieser aber kann weiter nichts sein
als die Analyse jener Bestimmungen und der Operation,
woraus die Auflösung von selbst hervorgeht.
Durch diese Absonderung der Auflösung
als eines mechanischen Verfahrens und des Beweises
als der Rückerinnerung an die Natur des zu behandelnden Gegenstandes
und der Operation selbst
geht gerade der Vorteil der analytischen Aufgabe verloren,
daß nämlich die Konstruktion unmittelbar aus der Aufgabe abgeleitet
und daher an und für sich als verständig dargestellt werden kann;
auf die andere Weise wird der Konstruktion ((508))
ausdrücklich ein Mangel gegeben,
welcher der synthetischen Methode eigen ist.
- In der höheren Analysis, wo mit dem Potenzenverhältnisse
vornehmlich qualitative
und von Begriffsbestimmtheiten abhängende Verhältnisse
der diskreten Größen eintreten,
enthalten die Aufgaben und Lehrsätze
allerdings wohl synthetische Bestimmungen;
es müssen daselbst andere Bestimmungen und Verhältnisse
zu Mittelgliedern genommen werden,
als unmittelbar durch die Aufgabe oder den Lehrsatz angegeben sind.
Übrigens müssen auch diese zu Hilfe genommenen Bestimmungen
von der Art sein; [?,] daß sie in der Berücksichtigung und Entwicklung
einer Seite der Aufgabe oder des Lehrsatzes gegründet sind;
das synthetische Aussehen kommt allein daher,
daß die Aufgabe oder der Lehrsatz diese Seite
nicht selbst schon namhaft macht.
- Die Aufgabe,
z. B. die Summe der Potenzen der Wurzeln einer Gleichung zu finden,
wird durch die Betrachtung und dann Verknüpfung der Funktionen gelöst,
welche die Koeffizienten der Gleichung von den Wurzeln sind.
Die hier zu Hilfe genommene Bestimmung
der Funktionen der Koeffizienten und deren Verknüpfung
ist nicht in der Aufgabe schon ausgedrückt,
- übrigens ist die Entwicklung selbst ganz analytisch.
So ist die Auflösung der Gleichung xm-1 = 0 mit Hilfe der Sinus,
auch die immanente, bekanntlich durch Gauß gefundene
algebraische Auflösung mit Hilfe der Betrachtung
des Residuums von xm-1- 1 durch m dividiert
und der sogenannten primitiven Wurzeln
- eine der wichtigsten Erweiterungen der Analysis der neueren Zeit -
eine synthetische Auflösung,
weil die zu Hilfe genommenen Bestimmungen,
die Sinus oder die Betrachtung der Residuen,
nicht eine Bestimmung der Aufgabe selbst sind.
Über die Natur der Analysis, welche sogenannte
unendliche Differenzen veränderlicher Größen betrachtet,
der Differential- und Integralrechnung,
ist im ersten Teile dieser Logik ausführlicher gehandelt worden.
Daselbst wurde gezeigt, ((509))
daß hier eine qualitative Größenbestimmung zugrunde liegt,
welche allein durch den Begriff gefaßt werden kann.
Der Übergang zu derselben von der Größe als solcher
ist nicht mehr analytisch;
die Mathematik hat daher bis diesen Tag nicht dahin kommen können,
die Operationen, welche auf jenem Übergange beruhen,
durch sich selbst, d. h. auf mathematische Weise zu rechtfertigen,
weil er nicht mathematischer Natur ist.
Leibniz, dem der Ruhm zugeschrieben wird,
die Rechnung mit den unendlichen Differenzen
zu einem Kalkül geschaffen zu haben,
hat, wie ebendaselbst angeführt worden,
den Übergang auf eine Art gemacht, welche die unzulänglichste,
ebenso völlig begrifflos als unmathematisch ist;
den Übergang aber einmal vorausgesetzt
- und er ist im gegenwärtigen Stande der Wissenschaft mehr nicht
als eine Voraussetzung -,
so ist der weitere Verfolg allerdings nur
eine Reihe gewöhnlicher analytischer Operationen.
Es ist erinnert worden, daß die Analysis synthetisch wird,
insofern sie auf Bestimmungen kommt,
welche nicht mehr durch die Aufgaben selbst gesetzt sind.
Der allgemeine Übergang aber vom analytischen zum synthetischen Erkennen
liegt in dem notwendigen Übergange
von der Form der Unmittelbarkeit zur Vermittlung,
der abstrakten Identität zum Unterschiede.
Das Analytische bleibt in seiner Tätigkeit
bei den Bestimmungen überhaupt stehen,
insofern sie sich auf sich selbst beziehen;
durch ihre Bestimmtheit aber sind sie wesentlich auch von dieser Natur,
daß sie sich auf ein Anderes beziehen.
Es ist schon erinnert worden, daß,
wenn das analytische Erkennen auch an Verhältnissen fortgeht,
die nicht ein äußerlich gegebener Stoff,
sondern Gedankenbestimmungen sind,
so bleibt es doch analytisch,
insofern für dasselbe auch diese Verhältnisse gegebene sind.
Weil aber die abstrakte Identität,
welche dies Erkennen allein als das seinige weiß,
wesentlich Identität des Unterschiedenen ist,
so muß sie auch als solche die seinige sein
und für den subjektiven Begriff auch der Zusammenhang
als durch ihn gesetzt und mit ihm identisch werden. ((510))
b. Das synthetische Erkennen
Das analytische Erkennen ist die erste Prämisse des ganzen Schlusses,
- die unmittelbare Beziehung des Begriffs auf das Objekt;
die Identität ist daher die Bestimmung, welche es als die seinige erkennt,
und es ist nur das Auffassen dessen, was ist.
Das synthetische Erkennen geht auf das Begreifen dessen, was ist,
d. h. [darauf], die Mannigfaltigkeit von Bestimmungen
in ihrer Einheit zu fassen.
Es ist daher die zweite Prämisse des Schlusses,
in welchem das Verschiedene als solches bezogen wird.
Sein Ziel ist deswegen die Notwendigkeit überhaupt.
- Die Verschiedenen, welche verbunden sind,
sind es teils in einem Verhältnisse;
in solchem sind sie ebensowohl bezogen
als gleichgültig und selbständig gegeneinander;
teils aber sind sie im Begriffe verknüpft;
dieser ist ihre einfache, aber bestimmte Einheit.
Insofern nun das synthetische Erkennen
zunächst von der abstrakten Identität zum Verhältnisse
oder vom Sein zur Reflexion übergeht,
so ist es nicht die absolute Reflexion des Begriffes,
welche der Begriff in seinem Gegenstande erkennt;
die Realität, welche er sich gibt, ist die nächste Stufe,
nämlich die angegebene Identität der Verschiedenen als solcher,
die daher zugleich noch innere und nur Notwendigkeit,
nicht die subjektive, für sich selbst seiende,
daher noch nicht der Begriff als solcher ist.
Das synthetische Erkennen hat daher
wohl auch die Begriffsbestimmungen zu seinem Inhalt,
das Objekt wird in denselben gesetzt;
aber sie stehen erst im Verhältnisse zueinander
oder sind in unmittelbarer Einheit,
aber damit eben nicht in derjenigen, wodurch der Begriff als Subjekt ist.
Dies macht die Endlichkeit dieses Erkennens aus;
weil diese reelle Seite der Idee in ihm noch die Identität als innere hat,
so sind deren Bestimmungen sich noch als äußerliche;
da sie nicht als Subjektivität ist, so fehlt dem Eigenen,
das der Begriff in seinem Gegenstande hat, noch die Einzelheit,
und es ist zwar nicht mehr die abstrakte,
sondern die bestimmte ((511)) Form,
also das Besondere des Begriffes, was ihm im Objekte entspricht,
aber das Einzelne desselben ist noch ein gegebener Inhalt.
Dies Erkennen verwandelt die objektive Welt daher zwar in Begriffe,
aber gibt ihr nur die Form nach den Begriffsbestimmungen
und muß das Objekt nach seiner Einzelheit,
der bestimmten Bestimmtheit, finden;
es ist noch nicht selbst bestimmend.
Ebenso findet es Sätze und Gesetze und beweist deren Notwendigkeit,
aber nicht als eine Notwendigkeit der Sache an und für sich selbst,
d. i. aus dem Begriffe, sondern des Erkennens,
das an den gegebenen Bestimmungen,
den Unterschieden der Erscheinung fortgeht
und für sich den Satz als Einheit und Verhältnis
oder aus der Erscheinung deren Grund erkennt.
Die näheren Momente des synthetischen Erkennens sind nun zu betrachten.
1. Die Definition
Das Erste ist, daß die noch gegebene Objektivität in die einfache,
als erste Form, somit die Form des Begriffes verwandelt wird;
die Momente dieses Auffassens sind daher
keine anderen als die Moment