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Zweites Buch: Die Lehre vom Wesen



Die Wahrheit des Seins ist das Wesen.

Das Sein ist das Unmittelbare.

Indem das Wissen das Wahre erkennen will,
was das Sein an und für sich ist,
so bleibt es nicht beim Unmittelbaren und dessen Bestimmungen stehen,
sondern dringt durch dasselbe hindurch,
mit der Voraussetzung,
daß hinter diesem Sein noch etwas anderes ist als das Sein selbst,
daß dieser Hintergrund die Wahrheit des Seins ausmacht.

Diese Erkenntnis ist ein vermitteltes Wissen,
denn sie befindet sich nicht unmittelbar beim und im Wesen,
sondern beginnt von einem Anderen, dem Sein,
und hat einen vorläufigen Weg,
den Weg des Hinausgehens über das Sein
oder vielmehr des Hineingehens in dasselbe zu machen.

Erst indem das Wissen sich aus dem unmittelbaren Sein erinnert,
durch diese Vermittlung findet es das Wesen.

- Die Sprache hat im Zeitwort sein das Wesen
in der vergangenen Zeit, » gewesen «, behalten;
denn das Wesen ist das vergangene, aber zeitlos vergangene Sein.


Diese Bewegung als Weg des Wissens vorgestellt,
so erscheint dieser Anfang vom Sein
und der Fortgang, der es aufhebt
und beim Wesen als einem Vermittelten anlangt,
eine Tätigkeit des Erkennens zu sein,
die dem Sein äußerlich sei und dessen eigene Natur nichts angehe.


Aber dieser Gang ist die Bewegung des Seins selbst.

Es zeigte sich an diesem,
daß es durch seine Natur sich erinnert,
und durch dies Insichgehen zum Wesen wird.


Wenn also das Absolute zuerst als Sein bestimmt war,
so ist es jetzt als Wesen bestimmt.

Das Erkennen kann überhaupt nicht bei dem mannigfaltigen Dasein,
aber auch nicht bei dem Sein, dem reinen Sein stehenbleiben;
es drängt sich unmittelbar die Reflexion auf,
daß dieses reine Sein, die Negation alles Endlichen,
eine Erinnerung und Bewegung voraussetzt,
welche das unmittelbare Dasein zum reinen ((13)) Sein gereinigt hat.

Das Sein wird hiernach als Wesen bestimmt,
als ein solches Sein, an dem alles Bestimmte und Endliche negiert ist.

So ist es die bestimmungslose einfache Einheit,
von der das Bestimmte auf eine äußerliche Weise hinweggenommen worden;
dieser Einheit war das Bestimmte selbst ein Äußerliches,
und es bleibt ihr nach diesem Wegnehmen noch gegenüberstehen;
denn es ist nicht an sich,
sondern relativ, nur in Beziehung auf diese Einheit,
aufgehoben worden.

- Es wurde oben schon erinnert,
daß, wenn das reine Wesen als Inbegriff aller Realitäten bestimmt wird,
diese Realitäten gleichfalls der Natur der Bestimmtheit
und der abstrahierenden Reflexion unterliegen
und dieser Inbegriff sich zur leeren Einfachheit reduziert.

Das Wesen ist auf diese Weise nur Produkt, ein Gemachtes.

Die äußerliche Negation, welche Abstraktion ist,
hebt die Bestimmtheiten des Seins nur hinweg von dem, was als Wesen übrigbleibt;
es stellt sie gleichsam immer nur an einen anderen Ort
und läßt sie als seiende vor wie nach.

Das Wesen ist aber auf diese Weise weder an sich noch für sich selbst;
es ist durch ein Anderes, die äußerliche, abstrahierende Reflexion;
und ist für ein Anderes, nämlich für die Abstraktion
und überhaupt für das ihm gegenüber stehenbleibende Seiende.

In seiner Bestimmung ist es daher
die in sich tote, leere Bestimmungslosigkeit.


Das Wesen aber, wie es hier geworden ist, ist das, was es ist,
nicht durch eine ihm fremde Negativität,
sondern durch seine eigene, die unendliche Bewegung des Seins.

Es ist Anundfürsichsein, - absolutes Ansichsein,
indem es gleichgültig gegen alle Bestimmtheit des Seins ist,
das Anderssein und die Beziehung auf Anderes
schlechthin aufgehoben worden ist.

Es ist aber nicht nur dies Ansichsein;
als bloßes Ansichsein wäre es nur die Abstraktion des reinen Wesens;
sondern es ist ebenso wesentlich Fürsichsein;
es selbst ist diese Negativität,
das Sich-Aufheben des Andersseins und der Bestimmtheit.


Das Wesen als die vollkommene Rückkehr des Seins in sich ((14))
ist so zunächst das unbestimmte Wesen;
die Bestimmtheiten des Seins sind in ihm aufgehoben;
es enthält sie an sich;
aber nicht, wie sie an ihm gesetzt sind.

Das absolute Wesen in dieser Einfachheit mit sich hat kein Dasein.

Aber es muß zum Dasein übergehen;
denn es ist Anundfürsichsein,
d. h. es unterscheidet die Bestimmungen, welche es an sich enthält;
weil es Abstoßen seiner von sich oder Gleichgültigkeit gegen sich,
negative Beziehung auf sich ist,
setzt es sich somit sich selbst gegenüber
und ist nur insofern unendliches Fürsichsein,
als es die Einheit mit sich in diesem seinem Unterschiede von sich ist.

- Dieses Bestimmen ist denn anderer Natur
als das Bestimmen in der Sphäre des Seins,
und die Bestimmungen des Wesens haben einen anderen Charakter
als die Bestimmtheiten des Seins.

Das Wesen ist absolute Einheit des An- und [des] Fürsichseins;
sein Bestimmen bleibt daher innerhalb dieser Einheit
und ist kein Werden noch Übergehen,
sowie die Bestimmungen selbst nicht ein Anderes als Anderes,
noch Beziehungen auf Anderes sind;
sie sind Selbständige, aber damit nur als solche,
die in ihrer Einheit miteinander sind.

- Indem das Wesen zuerst einfache Negativität ist,
so hat es nun die Bestimmtheit, welche es nur an sich enthält,
in seiner Sphäre zu setzen,
um sich Dasein und dann sein Fürsichsein zu geben.


Das Wesen ist im Ganzen das,
was die Quantität in der Sphäre des Seins war;
die absolute Gleichgültigkeit gegen die Grenze.

Die Quantität aber ist diese Gleichgültigkeit in unmittelbarer Bestimmung
und die Grenze an ihr unmittelbar äußerliche Bestimmtheit,
sie geht ins Quantum über;
die äußerliche Grenze ist ihr notwendig und ist an ihr seiend.

Am Wesen hingegen ist die Bestimmtheit nicht;
sie ist nur durch das Wesen selbst gesetzt;
nicht frei, sondern nur in der Beziehung auf seine Einheit.

- Die Negativität des Wesens ist die Reflexion,
und die Bestimmungen [sind] reflektierte,
durch das Wesen selbst gesetzte und in ihm als aufgehoben bleibende.


Das Wesen steht zwischen Sein und Begriff
und macht die ((15)) Mitte derselben
und seine Bewegung den Übergang vom Sein in den Begriff aus.

Das Wesen ist das Anundfürsichsein,
aber dasselbe in der Bestimmung des Ansichseins;
denn seine allgemeine Bestimmung ist,
aus dem Sein herzukommen oder die erste Negation des Seins zu sein.

Seine Bewegung besteht darin,
die Negation oder Bestimmung an ihm zu setzen,
dadurch sich Dasein zu geben und das als unendliches Fürsichsein zu werden,
was es an sich ist.

So gibt es sich sein Dasein, das seinem Ansichsein gleich ist,
und wird der Begriff.

Denn der Begriff ist das Absolute,
wie es in seinem Dasein absolut oder an und für sich ist.

Das Dasein aber, das sich das Wesen gibt,
ist noch nicht das Dasein, wie es an und für sich ist,
sondern wie das Wesen es sich gibt oder wie es gesetzt wird,
daher noch von dem Dasein des Begriffs unterschieden.


Das Wesen scheint zuerst in sich selbst oder ist Reflexion;
zweitens erscheint es;
drittens offenbart es sich.

Es setzt sich in seiner Bewegung in folgende Bestimmungen:
I. als einfaches, ansichseiendes Wesen
in seinen Bestimmungen innerhalb seiner;
II. als heraustretend in das Dasein oder nach seiner Existenz und Erscheinung;
III. als Wesen, das mit seiner Erscheinung eins ist, als Wirklichkeit. ((16))



Erster Abschnitt: Das Wesen als Reflexion in ihm selbst


Das Wesen kommt aus dem Sein her;
es ist insofern nicht unmittelbar an und für sich,
sondern ein Resultat jener Bewegung.

Oder das Wesen zunächst als ein unmittelbares genommen,
so ist es ein bestimmtes Dasein, dem ein anderes gegenübersteht;
es ist nur wesentliches Dasein gegen unwesentliches.

Das Wesen ist aber das an und für sich aufgehobene Sein;
es ist nur Schein, was ihm gegenübersteht.

Allein der Schein ist das eigene Setzen des Wesens.


Das Wesen ist erstens Reflexion.

Die Reflexion bestimmt sich;
ihre Bestimmungen sind ein Gesetztsein,
das zugleich Reflexion-in-sich ist;
es sind zweitens
diese Reflexionsbestimmungen oder die Wesenheiten zu betrachten.


Drittens macht sich das Wesen,
als die Reflexion des Bestimmens in sich selbst,
zum Grunde und geht in die Existenz und Erscheinung über.



Erstes Kapitel: Der Schein


Das Wesen aus dem Sein herkommend
scheint demselben gegenüberzustehen;
dies unmittelbare Sein ist zunächst das Unwesentliche.


Allein es ist zweitens mehr als nur unwesentliches,
es ist wesenloses Sein, es ist Schein.


Drittens: dieser Schein ist nicht ein Äußerliches, dem Wesen Anderes,
sondern er ist sein eigener Schein.

Das Scheinen des Wesens in ihm selbst ist die Reflexion. ((17))



A. DAS WESENTLICHE UND DAS UNWESENTLICHE


Das Wesen ist das aufgehobene Sein.

Es ist einfache Gleichheit mit sich selbst,
aber insofern es die Negation der Sphäre des Seins überhaupt ist.

So hat das Wesen die Unmittelbarkeit sich gegenüber
als eine solche, aus der es geworden ist
und die sich in diesem Aufheben aufbewahrt und erhalten hat.

Das Wesen selbst ist in dieser Bestimmung seiendes, unmittelbares Wesen
und das Sein nur ein Negatives in Beziehung auf das Wesen,
nicht an und für sich selbst,
das Wesen also eine bestimmte Negation.

Sein und Wesen verhalten sich auf diese Weise
wieder als Andere überhaupt zueinander,
denn jedes hat ein Sein, eine Unmittelbarkeit,
die gegeneinander gleichgültig sind,
und [beide] stehen diesem Sein nach in gleichem Werte.


Zugleich aber ist das Sein im Gegensatze gegen das Wesen das Unwesentliche;
es hat gegen dasselbe die Bestimmung des Aufgehobenen.

Insofern es sich jedoch zum Wesen nur überhaupt als ein Anderes verhält,
so ist das Wesen nicht eigentlich Wesen,
sondern nur ein anders bestimmtes Dasein, das Wesentliche.


Der Unterschied von Wesentlichem und Unwesentlichem
hat das Wesen in die Sphäre des Daseins zurückfallen lassen,
indem das Wesen, wie es zunächst ist, als unmittelbares seiendes
und damit nur als Anderes bestimmt ist gegen das Sein.

Die Sphäre des Daseins ist damit zugrunde gelegt,
und daß das, was das Sein in diesem Dasein ist, Anundfürsichsein ist,
ist eine weitere, dem Dasein selbst äußerliche Bestimmung,
so wie umgekehrt das Wesen wohl das Anundfürsichsein ist,
aber nur gegen Anderes, in bestimmter Rücksicht.

- Insofern daher an einem Dasein ein Wesentliches
und ein Unwesentliches voneinander unterschieden werden,
so ist dieser Unterschied ein äußerliches Setzen,
eine das Dasein selbst nicht berührende Absonderung
eines Teils desselben von einem anderen Teile,
- eine Trennung, die in ein Drittes fällt.

Es ist dabei unbestimmt,
was zum Wesentlichen ((18)) oder Unwesentlichen gehört.

Es ist irgendeine äußerliche Rücksicht und Betrachtung, die ihn macht,
und derselbe Inhalt deswegen bald als wesentlich, bald als unwesentlich anzusehen.


Genauer betrachtet, wird das Wesen
zu einem nur Wesentlichen gegen ein Unwesentliches dadurch,
daß das Wesen nur genommen ist als aufgehobenes Sein oder Dasein.

Das Wesen ist auf diese Weise nur die erste
oder die Negation, welche Bestimmtheit ist,
durch welche das Sein nur Dasein oder das Dasein nur ein Anderes wird.

Das Wesen aber ist die absolute Negativität des Seins;
es ist das Sein selbst,
aber nicht nur als ein Anderes bestimmt,
sondern das Sein, das sich
sowohl als unmittelbares Sein wie auch als unmittelbare Negation,
als Negation, die mit einem Anderssein behaftet ist, aufgehoben hat.

Das Sein oder Dasein hat sich somit
nicht als Anderes, denn das Wesen ist, erhalten,
und das noch vom Wesen unterschiedene Unmittelbare
ist nicht bloß ein unwesentliches Dasein,
sondern das an und für sich nichtige Unmittelbare;
es ist nur ein Unwesen, der Schein.




B. DER SCHEIN


1. Das Sein ist Schein.

Das Sein des Scheins besteht allein in dem Aufgehobensein des Seins,
in seiner Nichtigkeit;
diese Nichtigkeit hat es im Wesen,
und außer seiner Nichtigkeit, außer dem Wesen ist er nicht.

Er ist das Negative gesetzt als Negatives.


Der Schein ist der ganze Rest,
der noch von der Sphäre des Seins übriggeblieben ist.

Er scheint aber selbst noch
eine vom Wesen unabhängige unmittelbare Seite zu haben
und ein Anderes desselben überhaupt zu sein.

Das Andere enthält überhaupt die zwei Momente des Daseins und des Nichtdaseins.

Das Unwesentliche, indem es nicht mehr ein Sein hat,
so bleibt ihm vom Anderssein nur das reine Moment des Nichtdaseins;
der Schein ist dies unmittelbare Nichtdasein
so in der Bestimmtheit des Seins,
daß es nur in der Beziehung ((19)) auf Anderes,
in seinem Nichtdasein Dasein hat,
das Unselbständige, das nur in seiner Negation ist.

Es bleibt ihm also nur die reine Bestimmtheit der Unmittelbarkeit;
es ist als die reflektierte Unmittelbarkeit,
d. i. welche nur vermittels ihrer Negation ist
und die ihrer Vermittlung gegenüber nichts ist
als die leere Bestimmung der Unmittelbarkeit des Nichtdaseins.


So ist der Schein das Phänomen des Skeptizismus
oder auch die Erscheinung des Idealismus eine solche Unmittelbarkeit,
die kein Etwas oder kein Ding ist,
überhaupt nicht ein gleichgültiges Sein,
das außer seiner Bestimmtheit und Beziehung auf das Subjekt wäre.

»Es ist« erlaubte sich der Skeptizismus nicht zu sagen;
der neuere Idealismus erlaubte sich nicht,
die Erkenntnisse als ein Wissen vom Ding-an-sich anzusehen;
jener Schein sollte überhaupt keine Grundlage eines Seins haben,
in diese Erkenntnisse sollte nicht das Ding-an-sich eintreten.

Zugleich aber ließ der Skeptizismus
mannigfaltige Bestimmungen seines Scheins zu,
oder vielmehr sein Schein hatte
den ganzen mannigfaltigen Reichtum der Welt zum Inhalte.

Ebenso begreift die Erscheinung des Idealismus
den ganzen Umfang dieser mannigfaltigen Bestimmtheiten in sich.

Jener Schein und diese Erscheinung sind unmittelbar so mannigfaltig bestimmt.

Diesem Inhalte mag also wohl kein Sein,
kein Ding oder Ding-an-sich zugrunde liegen;
er für sich bleibt, wie er ist;
er ist nur aus dem Sein in den Schein übersetzt worden,
so daß der Schein innerhalb seiner selbst
jene mannigfaltigen Bestimmtheiten hat,
welche unmittelbare, seiende, andere gegeneinander sind.

Der Schein ist also selbst ein unmittelbar Bestimmtes.

Er kann diesen oder jenen Inhalt haben;
aber welchen er hat, ist nicht durch ihn selbst gesetzt,
sondern er hat ihn unmittelbar.

Der Leibnizische, oder Kantische, Fichtesche Idealismus,
wie andere Formen desselben,
sind sowenig als der Skeptizismus über das Sein als Bestimmtheit,
über diese Unmittelbarkeit hinausgekommen.

Der Skeptizismus läßt sich den Inhalt seines Scheins geben;
es ist unmittelbar für ((20)) ihn, welchen Inhalt er haben soll.

Die Leibnizische Monade entwickelt aus ihr selbst ihre Vorstellungen;
aber sie ist nicht die erzeugende und verbindende Kraft,
sondern sie steigen in ihr als Blasen auf;
sie sind gleichgültig, unmittelbar gegeneinander
und so gegen die Monade selbst.

Ebenso ist die Kantische Erscheinung
ein gegebener Inhalt der Wahrnehmung;
er setzt Affektionen voraus, Bestimmungen des Subjekts,
welche gegen sich selbst und gegen dasselbe unmittelbar sind.

Der unendliche Anstoß des Fichteschen Idealismus
mag wohl kein Ding-an-sich zugrunde liegen haben,
so daß er rein eine Bestimmtheit im Ich wird.

Aber diese Bestimmtheit ist eine dem Ich,
das sie zu der seinigen macht und ihre Äußerlichkeit aufhebt,
zugleich unmittelbare, eine Schranke desselben,
über die es hinausgehen kann,
welche aber eine Seite der Gleichgültigkeit an ihr hat,
nach der sie, obzwar im Ich, ein unmittelbares Nichtsein desselben enthält.


2. Der Schein also enthält eine unmittelbare Voraussetzung,
eine unabhängige Seite gegen das Wesen.

Es ist aber von ihm, insofern er vom Wesen unterschieden ist,
nicht zu zeigen, daß er sich aufhebt und in dasselbe zurückgeht;
denn das Sein ist in seiner Totalität in das Wesen zurückgegangen;
der Schein ist das an sich Nichtige;
es ist nur zu zeigen, daß die Bestimmungen, die ihn vom Wesen unterscheiden,
Bestimmungen des Wesens selbst sind,
und ferner, daß diese Bestimmtheit des Wesens, welche der Schein ist,
im Wesen selbst aufgehoben ist.


Es ist die Unmittelbarkeit des Nichtseins, welche den Schein ausmacht;
dies Nichtsein aber ist nichts anderes
als die Negativität des Wesens an ihm selbst.

Das Sein ist Nichtsein in dem Wesen.

Seine Nichtigkeit an sich ist die negative Natur des Wesens selbst.

Die Unmittelbarkeit oder Gleichgültigkeit aber,
welche dies Nichtsein enthält,
ist das eigene absolute Ansichsein des Wesens.

Die Negativität des Wesens ist seine Gleichheit mit sich selbst
oder seine einfache Unmittelbarkeit und Gleichgültigkeit.

Das Sein hat sich im ((21)) Wesen erhalten,
insofern dieses an seiner unendlichen Negativität
diese Gleichheit mit sich selbst hat;
hierdurch ist das Wesen selbst das Sein.

Die Unmittelbarkeit,
welche die Bestimmtheit am Scheine gegen das Wesen hat,
ist daher nichts anderes als die eigene Unmittelbarkeit des Wesens;
aber nicht die seiende Unmittelbarkeit,
sondern die schlechthin vermittelte oder reflektierte Unmittelbarkeit,
welche der Schein ist,
- das Sein nicht als Sein,
sondern nur als die Bestimmtheit des Seins, gegen die Vermittlung;
das Sein als Moment.


Diese beiden Momente,
die Nichtigkeit, aber als Bestehen, und das Sein, aber als Moment,
oder die an sich seiende Negativität und die reflektierte Unmittelbarkeit,
welche die Momente des Scheins ausmachen,
sind somit die Momente des Wesens selbst:
es ist nicht ein Schein des Seins am Wesen
oder ein Schein des Wesens am Sein vorhanden;
der Schein im Wesen ist nicht der Schein eines Anderen,
sondern er ist der Schein an sich, der Schein des Wesens selbst.


Der Schein ist das Wesen selbst in der Bestimmtheit des Seins.

Das, wodurch das Wesen einen Schein hat, ist, daß es bestimmt in sich
und dadurch von seiner absoluten Einheit unterschieden ist.

Aber diese Bestimmtheit ist ebenso schlechthin an ihr selbst aufgehoben.

Denn das Wesen ist das Selbständige,
das ist als durch seine Negation, welche es selbst ist, sich mit sich vermittelnd;
es ist also die identische Einheit der absoluten Negativität und der Unmittelbarkeit.

- Die Negativität ist die Negativität an sich;
sie ist ihre Beziehung auf sich, so ist sie an sich Unmittelbarkeit;
aber sie ist negative Beziehung auf sich, abstoßendes Negieren ihrer selbst,
so ist die an sich seiende Unmittelbarkeit
das Negative oder Bestimmte gegen sie.

Aber diese Bestimmtheit ist selbst die absolute Negativität
und dies Bestimmen, das unmittelbar als Bestimmen
das Aufheben seiner selbst, Rückkehr in sich ist.


Der Schein ist das Negative, das ein Sein hat,
aber in einem Anderen, in seiner Negation;
er ist die Unselbständigkeit, ((22))
die an ihr selbst aufgehoben und nichtig ist.

So ist er das in sich zurückgehende Negative,
das Unselbständige, als das an ihm selbst Unselbständige.

Diese Beziehung des Negativen oder der Unselbständigkeit auf sich
ist seine Unmittelbarkeit;
sie ist ein Anderes als es selbst;
sie ist seine Bestimmtheit gegen sich,
oder sie ist die Negation gegen das Negative.

Aber die Negation gegen das Negative
ist die sich nur auf sich beziehende Negativität,
das absolute Aufheben der Bestimmtheit selbst.


Die Bestimmtheit also, welche der Schein im Wesen ist,
ist unendliche Bestimmtheit;
sie ist nur das mit sich zusammengehende Negative;
sie ist so die Bestimmtheit,
die als solche die Selbständigkeit und nicht bestimmt ist.

- Umgekehrt die Selbständigkeit als sich auf sich beziehende Unmittelbarkeit
ist ebenso schlechthin Bestimmtheit und Moment
und nur als sich auf sich beziehende Negativität.

- Diese Negativität, die identisch mit der Unmittelbarkeit,
und so die Unmittelbarkeit, die identisch mit der Negativität ist,
ist das Wesen.

Der Schein ist also das Wesen selbst,
aber das Wesen in einer Bestimmtheit,
aber so, daß sie nur sein Moment ist,
und das Wesen ist das Scheinen seiner in sich selbst.


In der Sphäre des Seins entsteht dem Sein als unmittelbarem
das Nichtsein gleichfalls als unmittelbares gegenüber,
und ihre Wahrheit ist das Werden.

In der Sphäre des Wesens findet sich zuerst
das Wesen und das Unwesentliche,
dann das Wesen und der Schein gegenüber,
- das Unwesentliche und der Schein als Reste des Seins.

Aber sie beide, sowie der Unterschied des Wesens von ihnen,
bestehen in weiter nichts als darin,
daß das Wesen zuerst als ein unmittelbares genommen wird,
nicht wie es an sich ist,
nämlich nicht als die Unmittelbarkeit, die als die reine Vermittlung
oder als absolute Negativität Unmittelbarkeit ist.

Jene erste Unmittelbarkeit ist somit nur die Bestimmtheit der Unmittelbarkeit.

Das Aufheben dieser Bestimmtheit des Wesens besteht daher
in nichts weiter als in dem Aufzeigen,
daß das Unwesentliche nur Schein [ist]
und daß das Wesen vielmehr den Schein ((23)) in sich selbst enthält,
als die unendliche Bewegung in sich,
welche seine Unmittelbarkeit als die Negativität
und seine Negativität als die Unmittelbarkeit bestimmt
und so das Scheinen seiner in sich selbst ist.

Das Wesen in dieser seiner Selbstbewegung ist die Reflexion.




C. DIE REFLEXION


Der Schein ist dasselbe, was die Reflexion ist;
aber er ist die Reflexion als unmittelbare;
für den in sich gegangenen,
hiermit seiner Unmittelbarkeit entfremdeten Schein
haben wir das Wort der fremden Sprache, die Reflexion.


Das Wesen ist Reflexion;
die Bewegung des Werdens und Übergehens, das in sich selbst bleibt,
worin das Unterschiedene schlechthin nur als das an sich Negative,
als Schein bestimmt ist.

- In dem Werden des Seins liegt der Bestimmtheit das Sein zugrunde,
und sie ist Beziehung auf Anderes.

Die reflektierende Bewegung hingegen ist das Andere
als die Negation an sich,
die nur als sich auf sich beziehende Negation ein Sein hat.

Oder indem diese Beziehung auf sich eben dies Negieren der Negation ist,
so ist die Negation als Negation vorhanden, als ein solches,
das sein Sein in seinem Negiertsein hat, als Schein.

Das Andere ist hier also nicht das Sein mit der Negation oder Grenze,
sondern die Negation mit der Negation.

Das Erste aber gegen dies Andere, das Unmittelbare oder Sein,
ist nur diese Gleichheit selbst der Negation mit sich,
die negierte Negation, die absolute Negativität.

Diese Gleichheit mit sich oder Unmittelbarkeit
ist daher nicht ein Erstes, von dem angefangen wird
und das in seine Negation überginge,
noch ist es ein seiendes Substrat,
das sich durch die Reflexion hindurch bewegte;
sondern die Unmittelbarkeit ist nur diese Bewegung selbst.


Das Werden im Wesen, seine reflektierende Bewegung,
ist daher die Bewegung von Nichts zu Nichts
und dadurch zu sich selbst zurück.

Das Übergehen oder Werden hebt in seinem Übergehen sich auf;
das Andere, das in diesem Übergehen ((24)) wird,
ist nicht das Nichtsein eines Seins,
sondern das Nichts eines Nichts,
und dies, die Negation eines Nichts zu sein, macht das Sein aus.

- Das Sein ist nur als die Bewegung des Nichts zu Nichts,
so ist es das Wesen;
und dieses hat nicht diese Bewegung in sich,
sondern ist sie als der absolute Schein selbst,
die reine Negativität, die nichts außer ihr hat, das sie negierte,
sondern die nur ihr Negatives selbst negiert, das nur in diesem Negieren ist.


Diese reine absolute Reflexion,
welche die Bewegung von Nichts [? t!] zu Nichts ist,
bestimmt sich selbst weiter.


Sie, ist erstlich setzende Reflexion;
sie macht zweitens den Anfang von dem vorausgesetzten Unmittelbaren
und ist so äußerliche Reflexion.

Drittens aber hebt sie diese Voraussetzung auf,
und indem sie in dem Aufheben der Voraussetzung
zugleich voraussetzend ist, ist sie bestimmende Reflexion.




1. Die setzende Reflexion


Der Schein ist das Nichtige oder Wesenlose;
aber das Nichtige oder Wesenlose hat sein Sein
nicht in einem Anderen, in dem es scheint,
sondern sein Sein ist seine eigene Gleichheit mit sich;
dieser Wechsel des Negativen mit sich selbst
hat sich als die absolute Reflexion des Wesens bestimmt.


Diese sich auf sich beziehende Negativität ist also das Negieren ihrer selbst.

Sie ist somit überhaupt
sosehr aufgehobene Negativität, als sie Negativität ist.

Oder sie ist selbst das Negative
und die einfache Gleichheit mit sich oder Unmittelbarkeit.

Sie besteht also darin,
sie selbst und nicht sie selbst, und zwar in einer Einheit zu sein.


Zunächst ist die Reflexion die Bewegung des Nichts zu Nichts,
somit die mit sich selbst zusammengehende Negation.

Dieses Zusammengehen mit sich ist überhaupt
einfache Gleichheit mit sich, die Unmittelbarkeit.

Aber dies Zusammenfallen
ist nicht Übergehen der Negation
in die Gleichheit mit sich als in ihr Anderssein,
sondern die Reflexion ist ((25)) Übergehen als Aufheben des Übergehens;
denn sie ist unmittelbares Zusammenfallen des Negativen mit sich selbst;
so ist dies Zusammengehen
erstlich Gleichheit mit sich oder Unmittelbarkeit;
aber zweitens ist diese Unmittelbarkeit
die Gleichheit des Negativen mit sich,
somit die sich selbst negierende Gleichheit;
die Unmittelbarkeit, die an sich das Negative, das Negative ihrer selbst ist,
dies zu sein, was sie nicht ist.


Die Beziehung des Negativen auf sich selbst ist also seine Rückkehr in sich;
sie ist Unmittelbarkeit als das Aufheben des Negativen;
aber Unmittelbarkeit schlechthin nur als diese Beziehung
oder als Rückkehr aus einem,
somit sich selbst aufhebende Unmittelbarkeit.

- Dies ist das Gesetztsein,
die Unmittelbarkeit rein nur als Bestimmtheit oder als sich reflektierend.

Diese Unmittelbarkeit, die nur als Rückkehr des Negativen in sich ist,
ist jene Unmittelbarkeit, welche die Bestimmtheit des Scheins ausmacht
und von der vorhin die reflektierende Bewegung anzufangen schien.

Statt von dieser Unmittelbarkeit anfangen zu können,
ist diese vielmehr erst als die Rückkehr oder als die Reflexion selbst.

Die Reflexion ist also die Bewegung, die, indem sie die Rückkehr ist,
erst darin das ist, das anfängt oder das zurückkehrt.


Sie ist Setzen, insofern sie die Unmittelbarkeit als ein Rückkehren ist;
es ist nämlich nicht ein Anderes vorhanden,
weder ein solches, aus dem sie, noch in das sie zurückkehrte;
sie ist also nur als Rückkehren oder als das Negative ihrer selbst.

Aber ferner ist diese Unmittelbarkeit die aufgehobene Negation
und die aufgehobene Rückkehr in sich.

Die Reflexion ist als Aufheben des Negativen
Aufheben ihres Anderen, der Unmittelbarkeit.

Indem sie also die Unmittelbarkeit
als ein Rückkehren, Zusammengehen des Negativen mit sich selbst ist,
so ist sie ebenso Negation des Negativen als des Negativen.

So ist sie Voraussetzen.

- Oder die Unmittelbarkeit ist als Rückkehren nur das Negative ihrer selbst,
nur dies, nicht Unmittelbarkeit zu sein;
aber die Reflexion ist ((26)) das Aufheben des Negativen seiner selbst,
sie ist Zusammengehen mit sich;
sie hebt also ihr Setzen auf,
und indem sie das Aufheben des Setzens in ihrem Setzen ist,
ist sie Voraussetzen.

- In dem Voraussetzen bestimmt die Reflexion die Rückkehr in sich
als das Negative ihrer selbst,
als dasjenige, dessen Aufheben das Wesen ist.

Es ist sein Verhalten zu sich selbst, aber zu sich als dem Negativen seiner;
nur so ist es die insichbleibende, sich auf sich beziehende Negativität.

Die Unmittelbarkeit kommt überhaupt nur als Rückkehr hervor
und ist dasjenige Negative, welches der Schein des Anfangs ist,
der durch die Rückkehr negiert wird.

Die Rückkehr des Wesens ist somit sein Sich-Abstoßen von sich selbst.

Oder die Reflexion-in-sich ist wesentlich
das Voraussetzen dessen, aus dem sie die Rückkehr ist.


Es ist das Aufheben seiner Gleichheit mit sich,
wodurch das Wesen erst die Gleichheit mit sich ist.

Es setzt sich selbst voraus,
und das Aufheben dieser Voraussetzung ist es selbst;
umgekehrt ist dies Aufheben seiner Voraussetzung die Voraussetzung selbst.

- Die Reflexion also findet ein Unmittelbares vor,
über das sie hinausgeht und aus dem sie die Rückkehr ist.

Aber diese Rückkehr ist erst das Voraussetzen des Vorgefundenen.

Dies Vorgefundene wird nur darin, daß es verlassen wird;
seine Unmittelbarkeit ist die aufgehobene Unmittelbarkeit.

- Die aufgehobene Unmittelbarkeit umgekehrt ist die Rückkehr in sich,
das Ankommen des Wesens bei sich, das einfache sich selbst gleiche Sein.

Damit ist dieses Ankommen bei sich das Aufheben seiner
und die [sich] von sich selbst abstoßende, voraussetzende Reflexion,
und ihr Abstoßen von sich ist das Ankommen bei sich selbst.


Die reflektierende Bewegung ist somit nach dem Betrachteten
als absoluter Gegenstoß in sich selbst zu nehmen.

Denn die Voraussetzung der Rückkehr in sich
- das, woraus das Wesen herkommt und erst als dieses Zurückkommen ist -,
ist nur in der Rückkehr selbst.

Das Hinausgehen über das Unmittelbare, von dem die Reflexion anfängt,
ist vielmehr erst durch dies Hinausgehen;
und das Hinausgehen über das ((27)) Unmittelbare
ist das Ankommen bei demselben.

Die Bewegung wendet sich als Fortgehen unmittelbar in ihr selbst um
und ist nur so Selbstbewegung
- Bewegung, die aus sich kommt,
insofern die setzende Reflexion voraussetzende,
aber als voraussetzende Reflexion schlechthin setzende ist.


So ist die Reflexion sie selbst und ihr Nichtsein,
und ist nur sie selbst, indem sie das Negative ihrer ist,
denn nur so ist das Aufheben des Negativen
zugleich als ein Zusammengehen mit sich.


Die Unmittelbarkeit, die sie als Aufheben sich voraussetzt,
ist schlechthin nur als Gesetztsein, als an sich Aufgehobenes,
das nicht verschieden ist von der Rückkehr in sich
und selbst nur dieses Rückkehren ist.

Aber es ist zugleich bestimmt als Negatives,
als unmittelbar gegen eines, also gegen ein Anderes.

So ist die Reflexion bestimmt;
sie ist, indem sie nach dieser Bestimmtheit eine Voraussetzung hat
und von dem Unmittelbaren als ihrem Anderen anfängt, äußere Reflexion.




2. Die äußere Reflexion


Die Reflexion als absolute Reflexion
ist das in ihm selbst scheinende Wesen
und setzt sich nur den Schein, das Gesetztsein voraus;
sie ist als voraussetzende unmittelbar nur setzende Reflexion.

Aber die äußerliche oder reale Reflexion
setzt sich als aufgehoben, als das Negative ihrer voraus.

Sie ist in dieser Bestimmung verdoppelt,
das eine Mal als das Vorausgesetzte
oder die Reflexion-in-sich, die das Unmittelbare ist.

Das andere Mal ist sie die als negativ sich auf sich beziehende Reflexion;
sie bezieht sich auf sich als auf jenes ihr Nichtsein.


Die äußerliche Reflexion setzt also ein Sein voraus,
erstens nicht in dem Sinne,
daß seine Unmittelbarkeit nur Gesetztsein oder Moment ist,
sondern vielmehr,
daß diese Unmittelbarkeit die Beziehung auf sich
und die Bestimmtheit nur als Moment ist.

Sie bezieht sich auf ihre Voraussetzung so,
daß ((28)) diese das Negative der Reflexion ist, aber so,
daß dieses Negative als Negatives aufgehoben ist.

- Die Reflexion in ihrem Setzen hebt unmittelbar ihr Setzen auf,
so hat sie eine unmittelbare Voraussetzung.

Sie findet also dasselbe vor als ein solches, von dem sie anfängt
und von dem aus sie erst das Zurückgehen in sich,
das Negieren dieses ihres Negativen ist.

Aber daß dies Vorausgesetzte ein Negatives oder Gesetztes ist,
geht dasselbe nichts an;
diese Bestimmtheit gehört nur der setzenden Reflexion an,
aber in dem Voraussetzen ist das Gesetztsein nur als aufgehobenes.

Was die äußerliche Reflexion an dem Unmittelbaren bestimmt und setzt,
sind insofern demselben äußerliche Bestimmungen.

- Sie war das Unendliche in der Sphäre des Seins;
das Endliche gilt als das Erste, als das Reale;
von ihm wird als dem zugrunde Liegenden
und zugrunde Liegenbleibenden angefangen,
und das Unendliche ist die gegenüberstehende Reflexion-in-sich.


Diese äußere Reflexion ist der Schluß,
in welchem die beiden Extreme,
das Unmittelbare und die Reflexion-in-sich, sind;
die Mitte desselben ist die Beziehung beider, das bestimmte Unmittelbare,
so daß der eine Teil derselben, die Unmittelbarkeit,
nur dem einen Extreme,
die [? der] andere, die Bestimmtheit oder Negation,
nur dem anderen Extreme zukommt.


Aber das Tun der äußeren Reflexion näher betrachtet,
so ist sie zweitens Setzen des Unmittelbaren,
das insofern das Negative oder Bestimmte wird;
aber sie ist unmittelbar auch das Aufheben dieses ihres Setzens;
denn sie setzt das Unmittelbare voraus;
sie ist im Negieren das Negieren dieses ihres Negierens.

Sie ist aber unmittelbar damit ebenso Setzen,
Aufheben des ihr negativen Unmittelbaren;
und dieses, von dem sie als von einem Fremden anzufangen schien,
ist erst in diesem ihrem Anfangen.

Das Unmittelbare ist auf diese Weise nicht nur an sich,
das hieße für uns oder in der äußeren Reflexion,
dasselbe, was die Reflexion ist,
sondern es ist gesetzt, daß es dasselbe ist.

Es ist nämlich durch die Reflexion
als ihr Negatives oder als ihr Anderes bestimmt,
aber sie ist es selbst, welche dieses Bestimmen ((29)) negiert.

- Es ist damit die Äußerlichkeit der Reflexion
gegen das Unmittelbare aufgehoben;
ihr sich selbst negierendes Setzen
ist das Zusammengehen ihrer mit ihrem Negativen, mit dem Unmittelbaren,
und dieses Zusammengehen ist die wesentliche Unmittelbarkeit selbst.

- Es ist also vorhanden, daß die äußere Reflexion nicht äußere,
sondern ebensosehr immanente Reflexion der Unmittelbarkeit selbst ist
oder daß das, was durch die setzende Reflexion ist,
das an und für sich seiende Wesen ist.

So ist sie bestimmende Reflexion.


Anmerkung:


Die Reflexion wird gewöhnlicherweise in subjektivem Sinne genommen
als die Bewegung der Urteilskraft,
die über eine gegebene unmittelbare Vorstellung hinausgeht
und allgemeine Bestimmungen für dieselbe sucht oder damit vergleicht.

Kant setzt die reflektierende Urteilskraft der bestimmenden Urteilskraft entgegen.

(Kritik der Urteilskraft, Einleitung, [A] S. XXIII f.)

Er definiert die Urteilskraft überhaupt als das Vermögen,
das Besondere als enthalten unter dem Allgemeinen zu denken.

Ist das Allgemeine (die Regel, das Prinzip, das Gesetz) gegeben,
so ist die Urteilskraft, welche das Besondere darunter subsumiert, bestimmend.

Ist aber nur das Besondere gegeben, wozu sie das Allgemeine finden soll,
so ist die Urteilskraft bloß reflektierend.

Die Reflexion ist somit hier gleichfalls
das Hinausgehen über ein Unmittelbares zum Allgemeinen.

Das Unmittelbare wird teils erst
durch diese Beziehung desselben auf sein Allgemeines bestimmt als Besonderes;
für sich ist es nur ein Einzelnes oder ein unmittelbares Seiendes.

Teils aber ist das, worauf es bezogen wird, sein Allgemeines,
seine Regel, Prinzip, Gesetz, überhaupt das in sich Reflektierte,
sich auf sich selbst Beziehende, das Wesen oder das Wesentliche.


Es ist aber hier nicht, weder von der Reflexion des Bewußtseins
noch von der bestimmteren Reflexion des Verstandes, ((30))
die das Besondere und Allgemeine zu ihren Bestimmungen hat,
sondern von der Reflexion überhaupt die Rede.

Jene Reflexion, der Kant
das Aufsuchen des Allgemeinen zum gegebenen Besonderen zuschreibt,
ist, wie erhellt, gleichfalls nur die äußere Reflexion,
die sich auf das Unmittelbare als auf ein Gegebenes bezieht.

- Aber es liegt darin auch der Begriff der absoluten Reflexion;
denn das Allgemeine, das Prinzip oder Regel und Gesetz,
zu dem sie in ihrem Bestimmen fortgeht,
gilt als das Wesen jenes Unmittelbaren, von dem angefangen wird,
somit dieses als ein Nichtiges,
und die Rückkehr aus demselben, das Bestimmen der Reflexion,
erst als das Setzen des Unmittelbaren nach seinem wahrhaften Sein,
also das, was die Reflexion an ihm tut,
und die Bestimmungen, die von ihr herkommen,
nicht als ein jenem Unmittelbaren Äußerliches,
sondern als dessen eigentliches Sein.


Die äußerliche Reflexion war auch gemeint, wenn der Reflexion überhaupt,
wie es eine Zeitlang Ton in der neueren Philosophie war,
alles Üble nachgesagt
und sie mit ihrem Bestimmen als der Antipode
und Erbfeind der absoluten Betrachtungsweise angesehen wurde.

In der Tat geht auch die denkende Reflexion,
insofern sie sich als äußerliche verhält,
schlechthin von einem gegebenen, ihr fremden Unmittelbaren aus
und betrachtet sich als ein bloß formelles Tun,
das Inhalt und Stoff von außen empfange
und für sich nur die durch ihn bedingte Bewegung sei.

- Ferner,
wie sich sogleich bei der bestimmenden Reflexion näher ergeben wird,
sind die reflektierten Bestimmungen anderer Art
als die bloß unmittelbaren Bestimmungen des Seins.

Letztere werden leichter als vorübergehende, bloß relative,
in der Beziehung auf Anderes stehende zugegeben;
aber die reflektierten Bestimmungen haben die Form des Anundfürsichseins;
sie machen sich daher als die wesentlichen geltend,
und statt Übergehend in ihre entgegengesetzten zu sein,
erscheinen sie vielmehr als absolut, frei und gleichgültig gegeneinander.

Sie widersetzen sich daher hartnäckig ihrer Bewegung;
das Sein derselben ist ihre Identität mit sich in ihrer Bestimmtheit,
nach welcher sie, ob sie sich zwar gegenseitig voraussetzen,
in dieser Beziehung sich schlechthin getrennt erhalten.



3. Die bestimmende Reflexion


Die bestimmende Reflexion ist überhaupt
die Einheit der setzenden und äußeren Reflexion.

Dies ist näher zu betrachten.


1. Die äußere Reflexion fängt vom unmittelbaren Sein an,
die setzende vom Nichts.

Die äußere Reflexion, die bestimmend wird,
setzt ein Anderes, aber das Wesen, an die Stelle des aufgehobenen Seins;
das Setzen setzt seine Bestimmung nicht an die Stelle eines Anderen;
es hat keine Voraussetzung.

Aber deswegen ist es nicht die vollendete, bestimmende Reflexion;
die Bestimmung, die es setzt, ist daher nur ein Gesetztes;
es ist Unmittelbares, aber nicht als sich selbst gleich,
sondern als sich negierend,
es hat absolute Beziehung auf die Rückkehr in sich;
es ist nur in der Reflexion-in-sich,
aber es ist nicht diese Reflexion selbst.


Das Gesetzte ist daher ein Anderes, aber so,
daß die Gleichheit der Reflexion mit sich schlechthin erhalten ist;
denn das Gesetzte ist nur als Aufgehobenes,
als Beziehung auf die Rückkehr in sich selbst.

- In der Sphäre des Seins war das Dasein das Sein,
das die Negation an ihm hatte,
und das Sein der unmittelbare Boden und Element dieser Negation,
die daher selbst die unmittelbare war.

Dem Dasein entspricht in der Sphäre des Wesens das Gesetztsein.

Es ist gleichfalls ein Dasein,
aber sein Boden ist das Sein als Wesen oder als reine Negativität;
es ist eine Bestimmtheit oder Negation nicht als seiend,
sondern unmittelbar als aufgehoben.

Das Dasein ist nur Gesetztsein;
dies ist der Satz des Wesens vom Dasein.

Das Gesetztsein steht einerseits dem Dasein,
andererseits dem Wesen gegenüber
und ist als die Mitte zu betrachten,
welche das Dasein mit dem Wesen
und ((32)) umgekehrt das Wesen mit dem Dasein zusammenschließt.

- Wenn man sagt, eine Bestimmung ist nur ein Gesetztsein,
so kann dies daher den doppelten Sinn haben;
sie ist dies im Gegensatze gegen das Dasein oder gegen das Wesen.

In jenem Sinne wird das Dasein
für etwas Höheres genommen als das Gesetztsein
und dieses der äußeren Reflexion, dem Subjektiven zugeschrieben.

In der Tat aber ist das Gesetztsein das Höhere;
denn als Gesetztsein ist das Dasein als das, was es an sich ist,
als Negatives, ein schlechthin nur auf die Rückkehr in sich bezogenes.

Deswegen ist das Gesetztsein nur ein Gesetztsein in Rücksicht auf das Wesen,
als die Negation des Zurückgekehrtseins in sich selbst.


2. Das Gesetztsein ist noch nicht Reflexionsbestimmung;
es ist nur Bestimmtheit als Negation überhaupt.

Aber das Setzen ist nun in Einheit mit der äußeren Reflexion;
diese ist in dieser Einheit absolutes Voraussetzen,
d. h. das Abstoßen der Reflexion von sich selbst
oder Setzen der Bestimmtheit als ihrer selbst.

Das Gesetztsein ist daher als solches Negation;
aber als vorausgesetztes ist sie als in sich reflektierte.

So ist das Gesetztsein Reflexionsbestimmung.


Die Reflexionsbestimmung
ist von der Bestimmtheit des Seins, der Qualität, unterschieden;
diese ist unmittelbare Beziehung auf Anderes überhaupt;
auch das Gesetztsein ist Beziehung auf Anderes,
aber auf das Reflektiertsein in sich.

Die Negation als Qualität ist Negation als seiend;
das Sein macht ihren Grund und Element aus.

Die Reflexionsbestimmung hingegen hat zu diesem Grunde
das Reflektiertsein in sich selbst.

Das Gesetztsein fixiert sich zur Bestimmung eben darum,
weil die Reflexion die Gleichheit mit sich selbst in ihrem Negiertsein ist;
ihr Negiertsein ist daher selbst Reflexion-in-sich.

Die Bestimmung besteht hier nicht durch das Sein,
sondern durch ihre Gleichheit mit sich.

Weil das Sein, das die Qualität trägt, das der Negation ungleiche ist,
so ist die Qualität in sich selbst ungleich,
daher übergehendes, im Anderen verschwindendes Moment.

Hingegen die Reflexionsbestimmung ist das Gesetztsein als Negation,
((33)) Negation, die zu ihrem Grunde das Negiertsein hat,
also sich in sich selbst nicht ungleich ist,
somit wesentliche, nicht übergehende Bestimmtheit.

Die Sichselbstgleichheit der Reflexion, welche das Negative
nur als Negatives, als Aufgehobenes oder Gesetztes hat, ist es,
welche demselben Bestehen gibt.


Um dieser Reflexion in sich willen erscheinen die Reflexionsbestimmungen
als freie, im Leeren ohne Anziehung oder Abstoßung
gegeneinander schwebende Wesenheiten.

In ihnen hat sich die Bestimmtheit durch die Beziehung auf sich
befestigt und unendlich fixiert.

Es ist das Bestimmte,
das sein Übergehen und sein bloßes Gesetztsein sich unterworfen
oder seine Reflexion-in-Anderes in Reflexion-in-sich umgebogen hat.

Diese Bestimmungen machen hierdurch
den bestimmten Schein aus, wie er im Wesen ist,
den wesentlichen Schein.

Aus diesem Grunde ist die bestimmende Reflexion
die außer sich gekommene Reflexion;
die Gleichheit des Wesens mit sich selbst
ist in die Negation verloren, die das Herrschende ist.


Es sind also an der Reflexionsbestimmung zwei Seiten,
die zunächst sich unterscheiden.

Erstlich ist sie das Gesetztsein, die Negation als solche;
zweitens ist sie die Reflexion-in-sich.

Nach dem Gesetztsein ist sie die Negation als Negation;
dies ist somit bereits ihre Einheit mit sich selbst.

Aber sie ist dies nur erst an sich,
oder sie ist das Unmittelbare als sich an ihm aufhebend,
als das Andere seiner selbst.

- Insofern ist die Reflexion in sich bleibendes Bestimmen.

Das Wesen geht darin nicht außer sich;
die Unterschiede sind schlechthin gesetzt,
in das Wesen zurückgenommen.

Aber nach der andern Seite sind sie nicht gesetzte,
sondern in sich selbst reflektiert;
die Negation als Negation ist in Gleichheit mit ihr selbst,
nicht in ihr Anderes, nicht in ihr Nichtsein reflektiert.


3. Indem nun die Reflexionsbestimmung
sowohl reflektierte Beziehung in sich selbst als auch Gesetztsein ist,
so erhellt unmittelbar daraus ihre Natur näher.

Als Gesetztsein nämlich ((34)) ist sie die Negation als solche,
ein Nichtsein gegen ein Anderes,
nämlich gegen die absolute Reflexion-in-sich oder gegen das Wesen.

Aber als Beziehung auf sich ist sie in sich reflektiert.

- Diese ihre Reflexion und jenes Gesetztsein sind verschieden;
ihr Gesetztsein ist vielmehr ihr Aufgehobensein;
ihr Reflektiertsein in sich aber ist ihr Bestehen.

Insofern es nun also das Gesetztsein ist,
das zugleich Reflexion in sich selbst ist,
so ist die Reflexionsbestimmtheit
die Beziehung auf ihr Anderssein an ihr selbst.

- Sie ist nicht als eine seiende, ruhende Bestimmtheit,
welche bezogen würde auf ein Anderes,
so daß das Bezogene und dessen Beziehung verschieden voneinander sind,
jenes ein Insichseiendes, ein Etwas, welches sein Anderes
und seine Beziehung auf dies Andere von sich ausschließt.

Sondern die Reflexionsbestimmung ist an ihr selbst die bestimmte Seite
und die Beziehung dieser bestimmten Seite als bestimmter,
d. h. auf ihre Negation.

- Die Qualität geht durch ihre Beziehung in Anderes über;
in ihrer Beziehung beginnt ihre Veränderung.

Die Reflexionsbestimmung hingegen hat ihr Anderssein in sich zurückgenommen.

Sie ist Gesetztsein, Negation,
welche aber die Beziehung auf Anderes in sich zurückbeugt,
und Negation, die sich selbst gleich,
die Einheit ihrer selbst und ihres Anderen und nur dadurch Wesenheit ist.

Sie ist also Gesetztsein, Negation,
aber als Reflexion-in-sich ist sie zugleich
das Aufgehobensein dieses Gesetztseins, unendliche Beziehung auf sich.




Zweites Kapitel: Die Wesenheiten oder die Reflexionsbestimmungen


Die Reflexion ist bestimmte Reflexion;
somit ist das Wesen bestimmtes Wesen, oder es ist Wesenheit.


Die Reflexion ist das Scheinen des Wesens in sich selbst.

Das Wesen als unendliche Rückkehr in sich
ist nicht unmittelbare, sondern negative Einfachheit;
es ist eine Bewegung durch ((35)) unterschiedene Momente,
absolute Vermittlung mit sich.

Aber es scheint in diese seine Momente;
sie sind daher selbst in sich reflektierte Bestimmungen.


Das Wesen ist zuerst einfache Beziehung auf sich selbst, reine Identität.

Dies ist seine Bestimmung, nach der es vielmehr Bestimmungslosigkeit ist.


Zweitens: die eigentliche Bestimmung ist der Unterschied,
und zwar teils als äußerlicher oder gleichgültiger Unterschied,
die Verschiedenheit überhaupt,
teils aber als entgegengesetzte Verschiedenheit oder als Gegensatz.


Drittens: als Widerspruch reflektiert sich der Gegensatz in sich selbst
und geht in seinen Grund zurück.


Anmerkung:
Die Reflexionsbestimmungen in der Form von Sätzen


Die Reflexionsbestimmungen
pflegten sonst in die Form von Sätzen aufgenommen zu werden,
worin von ihnen ausgesagt wurde, daß sie von allem gelten.

Diese Sätze galten als die allgemeinen Denkgesetze,
die allem Denken zum Grunde liegen,
an ihnen selbst absolut und unbeweisbar seien,
aber von jedem Denken, wie es ihren Sinn fasse,
unmittelbar und unwidersprochen als wahr anerkannt und angenommen werden.


So wird die wesentliche Bestimmung der Identität in dem Satze ausgesprochen:
Alles ist sich selbst gleich; A = A.

Oder negativ: A kann nicht zugleich A und nicht A sein.

Es ist zunächst nicht abzusehen,
warum nur diese einfachen Bestimmungen der Reflexion
in diese besondere Form gefaßt werden sollen
und nicht auch die anderen Kategorien,
wie alle Bestimmtheiten der Sphäre des Seins.

Es ergäben sich die Sätze z. B. »Alles ist«, »Alles hat ein Dasein« usf.,
oder »Alles hat eine Qualität, Quantität« usw.

Denn Sein, Dasein usf. sind als logische Bestimmungen
überhaupt Prädikate von allem.

Die Kategorie ist, ihrer Etymologie und der Definition des Aristoteles nach,
dasjenige, was von dem Seienden gesagt, behauptet wird.

- Allein eine Bestimmtheit des Seins ist wesentlich ein Übergehen ins Entgegengesetzte;
((36)) die negative einer jeden Bestimmtheit ist so notwendig als sie selbst;
als unmittelbaren Bestimmtheiten steht jeder die andere unmittelbar gegenüber.

Wenn diese Kategorien daher in solche Sätze gefaßt werden,
so kommen ebensosehr die entgegengesetzten Sätze zum Vorschein;
beide bieten sich mit gleicher Notwendigkeit dar
und haben als unmittelbare Behauptungen wenigstens gleiches Recht.

Der eine erforderte dadurch einen Beweis gegen den anderen,
und diesen Behauptungen könnte daher nicht mehr der Charakter
von unmittelbar wahren und unwidersprechlichen Sätzen des Denkens zukommen.


Die Reflexionsbestimmungen dagegen sind nicht von qualitativer Art.

Sie sind sich auf sich beziehende
und damit der Bestimmtheit gegen Anderes zugleich entnommene Bestimmungen.

Ferner, indem es Bestimmtheiten sind,
welche Beziehungen an sich selbst sind,
so enthalten sie insofern die Form des Satzes schon in sich.

Denn der Satz unterscheidet sich vom Urteil vornehmlich dadurch,
daß in jenem der Inhalt die Beziehung selbst ausmacht
oder daß er eine bestimmte Beziehung ist.

Das Urteil dagegen verlegt den Inhalt in das Prädikat
als eine allgemeine Bestimmtheit, die für sich
und von ihrer Beziehung, der einfachen Kopula, unterschieden ist.

Wenn ein Satz in ein Urteil verwandelt werden soll,
so wird der bestimmte Inhalt, wenn er z. B. in einem Zeitworte liegt,
in ein Partizip verwandelt, um auf diese Art
die Bestimmung selbst und ihre Beziehung auf ein Subjekt zu trennen.

Den Reflexionsbestimmungen dagegen als in sich reflektiertem Gesetztsein
liegt die Form des Satzes selbst nahe.

- Allein indem sie als allgemeine Denkgesetze ausgesprochen werden,
so bedürfen sie noch eines Subjekts ihrer Beziehung,
und dies Subjekt ist Alles, oder ein A,
was ebensoviel als Alles und Jedes Sein bedeutet.


Einesteils ist diese Form von Sätzen etwas Überflüssiges;
die Reflexionsbestimmungen sind an und für sich zu betrachten.

Ferner haben diese Sätze die schiefe Seite,
das Sein, alles Etwas, zum Subjekte zu haben.

Sie erwecken damit das ((37)) Sein wieder
und sprechen die Reflexionsbestimmungen, die Identität usf. von dem Etwas
als eine Qualität aus, die es an ihm habe,
- nicht in spekulativem Sinne,
sondern daß Etwas als Subjekt in einer solchen Qualität bleibe als seiendes,
nicht daß es in die Identität usf.
als in seine Wahrheit und sein Wesen übergegangen sei.


Endlich aber haben die Reflexionsbestimmungen zwar die Form,
sich selbst gleich und daher unbezogen auf Anderes
und ohne Entgegensetzung zu sein;
aber wie sich aus ihrer näheren Betrachtung ergeben wird
- oder wie unmittelbar an ihnen als der Identität,
der Verschiedenheit, der Entgegensetzung erhellt -,
sind sie bestimmte gegeneinander;
sie sind also durch ihre Form der Reflexion,
dem Übergehen und dem Widerspruche nicht entnommen.

Die mehreren Sätze, die als absolute Denkgesetze aufgestellt werden,
sind daher, näher betrachtet, einander entgegengesetzt,
sie widersprechen einander und heben sich gegenseitig auf.

- Wenn alles identisch mit sich ist, so ist es nicht verschieden,
nicht entgegengesetzt, hat keinen Grund.

Oder wenn angenommen wird, es gibt nicht zwei gleiche Dinge,
d. h. alles ist voneinander verschieden,
so ist A nicht gleich A, so ist A auch nicht entgegengesetzt usf.

Die Annahme eines jeden von diesen Sätzen
läßt die Annahme der anderen nicht zu.

- Die gedankenlose Betrachtung derselben zählt sie nacheinander auf,
so daß sie in keiner Beziehung aufeinander erscheinen;
sie hat bloß ihr Reflektiertsein in sich im Sinne,
ohne ihr anderes Moment, das Gesetztsein
oder ihre Bestimmtheit als solche zu beachten,
welche sie in den Übergang und in ihre Negation fortreißt.



A. DIE IDENTITÄT


1. Das Wesen ist die einfache Unmittelbarkeit als aufgehobene Unmittelbarkeit.

Seine Negativität ist sein Sein;
es ist sich selbst gleich in seiner absoluten Negativität,
durch die das Anderssein und die Beziehung auf Anderes
schlechthin an ((38) sich selbst
in die reine Sichselbstgleichheit verschwunden ist.

Das Wesen ist also einfache Identität mit sich.


Diese Identität mit sich ist die Unmittelbarkeit der Reflexion.

Sie ist nicht diejenige Gleichheit mit sich,
welche das Sein oder auch das Nichts ist,
sondern die Gleichheit mit sich,
welche als sich zur Einheit herstellende ist,
nicht ein Wiederherstellen aus einem Anderen,
sondern dies reine Herstellen aus und in sich selbst,
die wesentliche Identität.

Sie ist insofern nicht abstrakte Identität
oder nicht durch ein relatives Negieren entstanden,
das außerhalb ihrer vorgegangen wäre
und das Unterschiedene nur von ihr abgetrennt,
übrigens aber dasselbe außer ihr als seiend gelassen hätte vor wie nach.

Sondern das Sein und alle Bestimmtheit des Seins
hat sich nicht relativ, sondern an sich selbst aufgehoben;
und diese einfache Negativität des Seins an sich ist die Identität selbst.


Sie ist insofern noch überhaupt dasselbe als das Wesen.
 


Anmerkung: Abstrakte Identität


[? 1.] Das Denken, das sich in der äußeren Reflexion hält
und von keinem anderen Denken weiß als der äußeren Reflexion,
kommt nicht dazu, die Identität, wie sie soeben gefaßt worden ist,
oder das Wesen, was dasselbe ist, zu erkennen.

Solches Denken hat immer nur die abstrakte Identität vor sich
und außer und neben derselben den Unterschied.

Es meint, die Vernunft sei weiter nichts als ein Webstuhl,
auf dem sie den Zettel, etwa die Identität,
und dann den Eintrag, den Unterschied,
äußerlich miteinander verbinde und verschlinge
- oder auch wieder analysierend jetzt die Identität besonders herausziehe
und dann auch wieder den Unterschied daneben erhalte,
jetzt ein Gleichsetzen und dann auch wieder ein Ungleichsetzen sei,
- ein Gleichsetzen, indem man vom Unterschiede,
ein Ungleichsetzen, indem man vom Gleichsetzen abstrahiere.

- Man muß diese Versicherungen und Meinungen
von dem, was die Vernunft tue, ganz beiseitegestellt lassen,
indem sie gewissermaßen bloß ((39)) historische sind
und vielmehr die Betrachtung von allem, was ist, an ihm selbst zeigt,
daß es in seiner Gleichheit mit sich sich
ungleich und widersprechend und in seiner Verschiedenheit,
in seinem Widerspruche mit sich identisch
und an ihm selbst diese Bewegung des Übergehens
einer dieser Bestimmungen in die andere ist,
und dies darum, weil jede an ihr selbst das Gegenteil ihrer selbst ist.

Der Begriff der Identität,
einfache sich auf sich beziehende Negativität zu sein,
ist nicht ein Produkt der äußeren Reflexion,
sondern hat sich an dem Sein selbst ergeben.

Dahingegen jene Identität, die außer dem Unterschied,
und der Unterschied, der außer der Identität sei,
Produkte der äußeren Reflexion und der Abstraktion sind,
die sich willkürlicherweise
auf diesem Punkte der gleichgültigen Verschiedenheit festhält.



2. Diese Identität ist zunächst das Wesen selbst,
noch keine Bestimmung desselben,
die ganze Reflexion, nicht ein unterschiedenes Moment derselben.

Als absolute Negation ist sie die Negation, die unmittelbar sich selbst negiert,
- ein Nichtsein und Unterschied, der in seinem Entstehen verschwindet,
oder ein Unterscheiden, wodurch nichts unterschieden wird,
sondern das unmittelbar in sich selbst zusammenfällt.

Das Unterscheiden ist das Setzen des Nichtseins als des Nichtseins des Anderen.

Aber das Nichtsein des Anderen ist Aufheben des Anderen
und somit des Unterscheidens selbst.

So ist aber das Unterscheiden hier vorhanden
als sich auf sich beziehende Negativität,
als ein Nichtsein, das das Nichtsein seiner selbst ist,
- ein Nichtsein, das sein Nichtsein
nicht an einem Anderen, sondern an sich selbst hat.

Es ist also der sich auf sich beziehende, der reflektierte Unterschied vorhanden
oder [der] reine, absolute Unterschied.


Oder die Identität ist die Reflexion in sich selbst,
welche dies nur ist als innerliches Abstoßen,
und dies Abstoßen ist es als Reflexion-in-sich,
unmittelbar sich in sich zurücknehmendes Abstoßen.

Sie ist somit die Identität als der mit sich identische Unterschied.

Der Unterschied ist aber nur identisch ((40)) mit sich,
insofern er nicht die Identität, sondern absolute Nichtidentität ist.

Absolut aber ist die Nichtidentität,
insofern sie nichts von ihr Anderes enthält, sondern nur sich selbst,
d. h. insofern sie absolute Identität mit sich ist.


Die Identität ist also an ihr selbst absolute Nichtidentität.

Aber sie ist auch die Bestimmung der Identität dagegen.

Denn als Reflexion-in-sich setzt sie sich als ihr eigenes Nichtsein;
sie ist das Ganze, aber als Reflexion setzt sie sich als ihr eigenes Moment,
als Gesetztsein, aus welchem sie die Rückkehr in sich ist.

So als ihr Moment ist sie erst die Identität als solche
als Bestimmung der einfachen Gleichheit mit sich selbst,
gegen den absoluten Unterschied.


Anmerkung:
Erstes ursprüngliches Denkgesetz, Satz der Identität


Ich werde in dieser Anmerkung die Identität
als den Satz der Identität näher betrachten,
der als das erste Denkgesetz aufgeführt zu werden pflegt.


Dieser Satz in seinem positiven Ausdrucke A = A
ist zunächst nichts weiter als der Ausdruck der leeren Tautologie.

Es ist daher richtig bemerkt worden,
daß dieses Denkgesetz ohne Inhalt sei und nicht weiterführe.

So ist [es] die leere Identität, an welcher diejenigen festhangen bleiben,
welche sie als solche für etwas Wahres nehmen
und immer vorzubringen pflegen,
die Identität sei nicht die Verschiedenheit,
sondern die Identität und die Verschiedenheit seien verschieden.

Sie sehen nicht, daß sie schon hierin selbst sagen,
daß die Identität ein Verschiedenes ist;
denn sie sagen, die Identität sei verschieden von der Verschiedenheit;
indem dies zugleich als die Natur der Identität zugegeben werden muß,
so liegt darin, daß die Identität nicht äußerlich,
sondern an ihr selbst, in ihrer Natur dies sei, verschieden zu sein.

- Ferner aber, indem sie an dieser unbewegten Identität festhalten,
welche ihren Gegensatz an der Verschiedenheit hat, so sehen sie nicht,
daß sie hiermit dieselbe zu einer einseitigen Bestimmtheit machen,
die als solche keine Wahrheit hat.

Es wird zugegeben, daß der Satz der Identität
nur ((41)) eine einseitige Bestimmtheit ausdrücke,
daß er nur die formelle, eine abstrakte, unvollständige Wahrheit enthalte.

- In diesem richtigen Urteil liegt aber unmittelbar, daß die Wahrheit
nur in der Einheit der Identität mit der Verschiedenheit vollständig ist
und somit nur in dieser Einheit bestehe.

Indem behauptet wird, daß jene Identität unvollkommen ist,
so schwebt diese Totalität, an der gemessen die Identität unvollkommen ist,
als das Vollkommene dem Gedanken vor;
indem aber auf der andern Seite die Identität
als absolut getrennt von der Verschiedenheit festgehalten
und in dieser Trennung
als ein Wesentliches, Geltendes, Wahres genommen wird,
so ist in diesen widerstreitenden Behauptungen nichts zu sehen
als der Mangel, diese Gedanken,
daß die Identität als abstrakte wesentlich
und daß sie als solche ebenso unvollkommen ist, zusammenzubringen,
- der Mangel des Bewußtseins über die negative Bewegung,
als welche in diesen Behauptungen die Identität selbst dargestellt wird.

- Oder indem sich so ausgedrückt wird,
die Identität sei wesentliche Identität als Trennung von der Verschiedenheit
oder in der Trennung von der Verschiedenheit,
so ist dies unmittelbar die ausgesprochene Wahrheit derselben,
daß sie darin besteht, Trennung als solche zu sein
oder in der Trennung wesentlich, d. i. nichts für sich,
sondern Moment der Trennung zu sein.


Was nun die sonstige Beglaubigung
der absoluten Wahrheit des Satzes der Identität betrifft,
so wird sie insofern auf die Erfahrung gegründet,
als sich auf die Erfahrung jedes Bewußtseins berufen wird,
daß, wie man ihm diesen Satz »A ist A«, »ein Baum ist ein Baum« ausspreche,
es denselben unmittelbar zugebe und darin befriedigt sei,
daß der Satz als unmittelbar klar durch sich selbst
keiner anderen Begründung und Beweises bedürfe.


Einesteils ist diese Berufung auf die Erfahrung,
daß allgemein jedes Bewußtsein ihn anerkenne, bloße Redensart.

Denn man will nicht sagen,
daß man das Experiment mit dem abstrakten Satze A = A
an jedem Bewußtsein gemacht ((43)) habe.

Es ist insofern weiter nicht Ernst
mit jener Berufung auf wirklich gemachte Erfahrung,
sondern sie ist nur die Versicherung,
daß, wenn man die Erfahrung machte,
sich das Resultat des allgemeinen Anerkennens ergeben würde.

- Wäre aber nicht der abstrakte Satz als solcher,
sondern der Satz in konkreter Anwendung gemeint,
aus der jener erst entwickelt werden sollte,
so bestünde die Behauptung von seiner Allgemeinheit und Unmittelbarkeit
darin, daß jedes Bewußtsein
und selbst in jeder seiner Äußerungen ihn zugrunde lege
oder daß er implicite in jeder liege.

Allein das Konkrete und die Anwendung ist ja eben die Beziehung
des einfachen Identischen auf ein von ihm verschiedenes Mannigfaltiges.

Als Satz ausgedrückt wäre das Konkrete zunächst ein synthetischer Satz.

Aus dem Konkreten selbst oder seinem synthetischen Satze
würde die Abstraktion den Satz der Identität
wohl durch Analyse herausbringen können;
aber in der Tat hätte sie die Erfahrung nicht gelassen, wie sie ist,
sondern verändert;
denn die Erfahrung enthielt vielmehr
die Identität in Einheit mit der Verschiedenheit
und ist die unmittelbare Widerlegung von der Behauptung,
daß die abstrakte Identität als solche etwas Wahres sei,
denn das gerade Gegenteil,
nämlich die Identität, nur vereinigt mit der Verschiedenheit,
kommt in jeder Erfahrung vor.


Auf der andern Seite wird aber auch
die Erfahrung mit dem reinen Satze der Identität nur zu oft gemacht,
und es zeigt sich in dieser Erfahrung klar genug,
wie die Wahrheit, die er enthält, angesehen wird.

Wenn nämlich z. B. auf die Frage »was ist eine Pflanze?«
die Antwort gegeben wird: »eine Pflanze ist - eine Pflanze«,
so wird die Wahrheit eines solchen Satzes
von der ganzen Gesellschaft, an der sie erprobt wird, zugleich zugegeben
und zugleich ebenso einstimmig gesagt werden, daß damit nichts gesagt ist.

Wenn einer den Mund auftut und anzugeben verspricht, was Gott sei,
nämlich Gott sei - Gott, so findet sich die Erwartung getäuscht,
denn sie sah einer verschiedenen Bestimmung ((43)) entgegen;
und wenn dieser Satz absolute Wahrheit ist,
wird solche absolute Rednerei sehr gering geachtet;
es wird nichts für langweiliger und lästiger gehalten werden
als eine nur dasselbe wiederkäuende Unterhaltung,
als solches Reden, das doch Wahrheit sein soll.


Näher diese Wirkung der Langeweile bei solcher Wahrheit betrachtet,
so macht der Anfang, »die Pflanze ist«, Anstalten, etwas zu sagen,
eine weitere Bestimmung vorzubringen.

Indem aber nur dasselbe wiederkehrt,
so ist vielmehr das Gegenteil geschehen, es ist nichts herausgekommen.

Solches identische Reden widerspricht sich also selbst.

Die Identität, statt an ihr die Wahrheit und absolute Wahrheit zu sein,
ist daher vielmehr das Gegenteil;
statt das unbewegte Einfache zu sein,
ist sie das Hinausgehen über sich in die Auflösung ihrer selbst.


Es liegt also in der Form des Satzes, in der die Identität ausgedrückt ist,
mehr als die einfache, abstrakte Identität;
es liegt diese reine Bewegung der Reflexion darin,
in der das Andere nur als Schein, als unmittelbares Verschwinden auftritt;
A ist, ist ein Beginnen, dem ein Verschiedenes vorschwebt,
zu dem hinausgegangen werde;
aber es kommt nicht zu dem Verschiedenen;
A ist - A ;
die Verschiedenheit ist nur ein Verschwinden;
die Bewegung geht in sich selbst zurück.

- Die Form des Satzes
kann als die verborgene Notwendigkeit angesehen werden,
noch das Mehr jener Bewegung zu der abstrakten Identität hinzuzufügen.

- So kommt auch ein A oder eine Pflanze oder sonst ein Substrat hinzu,
das als ein unnützer Inhalt keine Bedeutung hat;
aber er macht die Verschiedenheit aus,
die sich zufälligerweise beizugesellen scheint.

Wenn statt des A und jedes anderen Substrats
die Identität selbst genommen wird - die Identität ist die Identität -,
so ist ebenso zugegeben,
daß statt dieser gleichfalls jedes andere Substrat genommen werden könne.

Wenn sich daher einmal darauf berufen werden soll,
was die Erscheinung zeigt,
so zeigt sie dies, daß in dem Ausdrucke der Identität
auch unmittelbar die Verschiedenheit ((44)) vorkommt,
- oder bestimmter nach dem Obigen,
daß diese Identität das Nichts,
daß sie die Negativität, der absolute Unterschied von sich selbst ist.


Der andere Ausdruck des Satzes der Identität,
A kann nicht zugleich A und Nicht-A sein, hat negative Form;
er heißt der Satz des Widerspruchs.

Es pflegt darüber, wie die Form der Negation,
wodurch sich dieser Satz vom vorigen unterscheidet, an die Identität komme,
keine Rechtfertigung gegeben zu werden.

- Diese Form liegt aber darin,
daß die Identität als die reine Bewegung der Reflexion
die einfache Negativität ist,
welche der angeführte zweite Ausdruck des Satzes entwickelter enthält.

Es ist A ausgesprochen und ein Nicht-A, das Rein-Andere des A;
aber es zeigt sich nur, um zu verschwinden.

Die Identität ist also in diesem Satze ausgedrückt - als Negation der Negation.

A und Nicht-A sind unterschieden,
diese Unterschiedenen sind auf ein und dasselbe A bezogen.

Die Identität ist also als diese Unterschiedenheit in einer Beziehung
oder als der einfache Unterschied an ihnen selbst hier dargestellt.


Es erhellt hieraus, daß der Satz der Identität selbst
und noch mehr der Satz des Widerspruchs nicht bloß analytischer,
sondern synthetischer Natur ist.

Denn der letztere enthält in seinem Ausdrucke
nicht nur die leere, einfache Gleichheit mit sich,
sondern nicht allein das Andere derselben überhaupt,
sondern sogar die absolute Ungleichheit, den Widerspruch an sich.

Der Satz der Identität selbst aber enthält, wie an ihm gezeigt wurde,
die Reflexionsbewegung, die Identität als Verschwinden des Andersseins.


Was sich also aus dieser Betrachtung ergibt, ist,
daß erstens der Satz der Identität oder des Widerspruchs,
wie er nur die abstrakte Identität, im Gegensatz gegen den Unterschied,
als Wahres ausdrücken soll,
kein Denkgesetz, sondern vielmehr das Gegenteil davon ist;
zweitens, daß diese Sätze mehr, als mit ihnen gemeint wird,
nämlich dieses Gegenteil, den absoluten Unterschied selbst enthalten. ((45))




B. DER UNTERSCHIED

1. Der absolute Unterschied


Der Unterschied ist die Negativität, welche die Reflexion in sich hat,
das Nichts, das durch das identische Sprechen gesagt wird,
das wesentliche Moment der Identität selbst, die zugleich
als Negativität ihrer selbst sich bestimmt
und unterschieden vom Unterschied ist.


1. Dieser Unterschied ist der Unterschied an und für sich,
der absolute Unterschied, der Unterschied des Wesens.

- Er ist der Unterschied an und für sich,
nicht Unterschied durch eine [ein ?] Äußerliches,     
sondern sich auf sich beziehender,
also einfacher Unterschied.

- Es ist wesentlich, den absoluten Unterschied als einfachen zu fassen.

Im absoluten Unterschiede des A und Nicht-A voneinander
ist es das einfache Nicht, was als solches denselben ausmacht.

Der Unterschied selbst ist einfacher Begriff.

Darin, drückt man sich aus, sind zwei Dinge unterschieden, daß sie usw.

- Darin, d. h. in einer und derselben Rücksicht, in demselben Bestimmungsgrunde.

Er ist der Unterschied der Reflexion, nicht das Anderssein des Daseins.

Ein Dasein und ein anderes Dasein sind gesetzt als außereinanderfallend;
jedes der gegeneinander bestimmten Dasein[e]
hat ein unmittelbares Sein für sich.

Das Andere des Wesens dagegen ist das Andere an und für sich,
nicht das Andere als eines anderen außer ihm Befindlichen,
die einfache Bestimmtheit an sich.

Auch in der Sphäre des Daseins
erwies sich das Anderssein und die Bestimmtheit von dieser Natur,
einfache Bestimmtheit, identischer Gegensatz zu sein;
aber diese Identität zeigte sich nur
als das Übergehen einer Bestimmtheit in die andere.

Hier in der Sphäre der Reflexion tritt der Unterschied als reflektierter auf,
der so gesetzt ist, wie er an sich ist.




2. Der Unterschied an sich ist der sich auf sich beziehende Unterschied;
so ist er die Negativität seiner selbst, der Unterschied
nicht von einem Anderen, sondern seiner von ((46)) sich selbst;
er ist nicht er selbst, sondern sein Anderes.

Das Unterschiedene aber vom Unterschiede ist die Identität.

Er ist also er selbst und die Identität.

Beide zusammen machen den Unterschied aus;
er ist das Ganze und sein Moment.

- Es kann ebenso gesagt werden, der Unterschied als einfacher ist kein Unterschied;
er ist dies erst in Beziehung auf die Identität;
aber vielmehr enthält er als Unterschied
ebenso sie und diese Beziehung selbst.

- Der Unterschied ist das Ganze und sein eigenes Moment,
wie die Identität ebensosehr ihr Ganzes und ihr Moment ist.

- Dies ist als die wesentliche Natur der Reflexion
und als bestimmter Urgrund aller Tätigkeit und Selbstbewegung zu betrachten.

- [Der] Unterschied wie die Identität
machen sich zum Momente oder zum Gesetztsein,
weil sie als Reflexion die negative Beziehung auf sich selbst sind.


Der Unterschied, so als Einheit seiner und der Identität,
ist an sich selbst bestimmter Unterschied.

Er ist nicht Übergehen in ein Anderes,
nicht Beziehung auf Anderes außer ihm;
er hat sein Anderes, die Identität, an ihm selbst,
so wie diese, indem sie in die Bestimmung des Unterschieds getreten,
nicht in ihn als ihr Anderes sich verloren hat,
sondern in ihm sich erhält, seine Reflexion-in-sich und sein Moment ist.


 3. Der Unterschied hat die beiden Momente, Identität und Unterschied;
beide sind so ein Gesetztsein, Bestimmtheit.

Aber in diesem Gesetztsein ist jedes Beziehung auf sich selbst.

Das eine, die Identität,
ist unmittelbar selbst das Moment der Reflexion-in-sich;
ebenso ist aber das andere der Unterschied,
Unterschied an sich, der reflektierte Unterschied.

Der Unterschied, indem er zwei solche Momente hat,
die selbst die Reflexionen-in-sich sind, ist Verschiedenheit.




2. Die Verschiedenheit



1. Die Identität zerfällt an ihr selbst in Verschiedenheit,
weil sie als absoluter Unterschied in sich selbst
sich als das ((47)) Negative ihrer setzt
und diese ihre Momente, sie selbst und das Negative ihrer,
Reflexionen-in-sich, identisch mit sich sind;
oder eben weil sie ihr Negieren unmittelbar selbst aufhebt
und in ihrer Bestimmung in sich reflektiert ist.

Das Unterschiedene besteht als gegeneinander gleichgültig Verschiedenes,
weil es identisch mit sich ist,
weil die Identität seinen Boden und Element ausmacht;
oder das Verschiedene ist das, was es ist,
eben nur in seinem Gegenteile, der Identität.


Die Verschiedenheit macht das Anderssein als solches der Reflexion aus.

Das Andere des Daseins hat das unmittelbare Sein zu seinem Grunde,
in welchem das Negative besteht.

In der Reflexion aber
macht die Identität mit sich, die reflektierte Unmittelbarkeit,
das Bestehen des Negativen und die Gleichgültigkeit desselben aus.


Die Momente des Unterschiedes sind die Identität und der Unterschied selbst.

Verschiedene sind sie als in sich selbst reflektierte, sich auf sich beziehende;
so sind sie in der Bestimmung der Identität Beziehungen nur auf sich;
die Identität ist nicht bezogen auf den Unterschied,
noch ist der Unterschied bezogen auf die Identität;
indem so jedes dieser Momente nur auf sich bezogen ist,
sind sie nicht bestimmt gegeneinander.

- Weil sie nun auf diese Weise nicht an ihnen selbst unterschiedene sind,
so ist der Unterschied ihnen äußerlich.

Die Verschiedenen verhalten sich also
nicht als Identität und Unterschied zueinander,
sondern nur als Verschiedene überhaupt,
die gleichgültig gegeneinander und gegen ihre Bestimmtheit sind.


2. In der Verschiedenheit als der Gleichgültigkeit des Unterschieds
ist sich überhaupt die Reflexion äußerlich geworden;
der Unterschied ist nur ein Gesetztsein oder als aufgehobener,
aber er ist selbst die ganze Reflexion.

- Dies näher betrachtet, so sind beide, die Identität und der Unterschied,
wie sich soeben bestimmt hat, Reflexionen;
jedes [ist] Einheit seiner selbst und seines Anderen;
jedes ist das Ganze.

Damit aber ist die Bestimmtheit,
nur Identität oder nur Unterschied ((48)) zu sein, ein Aufgehobenes.

Sie sind darum keine Qualitäten, weil ihre Bestimmtheit
durch die Reflexion-in-sich zugleich nur als Negation ist.

Es ist also dies Gedoppelte vorhanden,
die Reflexion-in-sich als solche
und die Bestimmtheit als Negation oder das Gesetztsein.

Das Gesetztsein ist die sich äußerliche Reflexion;
es ist die Negation als Negation,
- hiermit an sich zwar
die sich auf sich beziehende Negation und Reflexion-in-sich,
aber nur an sich;
es ist die Beziehung darauf als auf ein Äußerliches.


Die Reflexion an sich und die äußere Reflexion sind somit die zwei Bestimmungen,
in die sich die Momente des Unterschiedes, Identität und Unterschied, setzten.

Sie sind diese Momente selbst, insofern sie sich nunmehr bestimmt haben.

- Die Reflexion an sich ist die Identität,
aber bestimmt, gleichgültig gegen den Unterschied zu sein,
nicht den Unterschied gar nicht zu haben,
sondern sich als mit sich identisch gegen ihn zu verhalten;
sie ist die Verschiedenheit.

Es ist die Identität, die sich so in sich reflektiert hat,
daß sie eigentlich die eine Reflexion der beiden Momente in sich ist;
beide sind Reflexionen-in-sich.

Die Identität ist diese eine Reflexion beider,
die den Unterschied nur als einen gleichgültigen an ihr hat
und Verschiedenheit überhaupt ist.

- Die äußere Reflexion dagegen ist der bestimmte Unterschied derselben
nicht als absolute Reflexion-in-sich, sondern als Bestimmung,
wogegen die an sich seiende Reflexion gleichgültig ist;
seine beiden Momente, die Identität und der Unterschied selbst,
sind so äußerlich gesetzte, nicht an und für sich seiende Bestimmungen.


Diese äußerliche Identität nun ist die Gleichheit
und der äußerliche Unterschied die Ungleichheit.

- Die Gleichheit ist zwar Identität, aber nur als ein Gesetztsein,
eine Identität, die nicht an und für sich ist.

- Ebenso die Ungleichheit ist Unterschied, aber als ein äußerlicher,
der nicht an und für sich der Unterschied des Ungleichen selbst ist.

Ob etwas einem anderen Etwas gleich ist oder nicht,
geht weder das eine noch das andere an;
jedes derselben ist nur auf sich ((49)) bezogen,
ist an und für sich selbst, was es ist;
die Identität oder Nichtidentität als Gleichheit und Ungleichheit
ist die Rücksicht eines Dritten, die außer ihnen fällt.


3. Die äußere Reflexion
bezieht das Verschiedene auf die Gleichheit und Ungleichheit.

Diese Beziehung, das Vergleichen,
geht von der Gleichheit zur Ungleichheit
und von dieser zu jener herüber und hinüber.

Aber dieses herüber- und hinübergehende Beziehen
der Gleichheit und Ungleichheit
ist diesen Bestimmungen selbst äußerlich;
auch werden sie nicht aufeinander,
sondern jede für sich nur auf ein Drittes bezogen.

Jede tritt in dieser Abwechslung unmittelbar für sich hervor.

- Die äußerliche Reflexion ist als solche sich selbst äußerlich;
der bestimmte Unterschied ist der negierte absolute Unterschied;
er ist somit nicht einfach, nicht die Reflexion-in-sich,
sondern diese hat er außer ihm;
seine Momente fallen daher auseinander
und beziehen sich auch als gegeneinander äußerliche
auf die ihnen gegenüberstehende Reflexion-in-sich.


An der sich entfremdeten Reflexion kommen also
die Gleichheit und Ungleichheit als gegeneinander selbst unbezogene hervor,
und sie trennt sie, indem sie sie auf ein und dasselbe bezieht,
durch die Insoferns, Seiten und Rücksichten.

Die Verschiedenen, die das eine und dasselbe sind,
worauf beide, die Gleichheit und Ungleichheit, bezogen werden,
sind also nach der einen Seite einander gleich,
nach der andern Seite aber ungleich,
und insofern sie gleich sind, insofern sind sie nicht ungleich.

Die Gleichheit bezieht sich nur auf sich,
und die Ungleichheit ist ebenso nur Ungleichheit.


Durch diese ihre Trennung voneinander aber heben sie sich nur auf.

Gerade was den Widerspruch und die Auflösung von ihnen abhalten soll,
daß nämlich etwas einem anderen
in einer Rücksicht gleich, in einer andern aber ungleich sei,
- dies Auseinanderhalten der Gleichheit und Ungleichheit ist ihre Zerstörung.

Denn beide sind Bestimmungen des Unterschiedes;
sie sind Beziehungen aufeinander,
das eine, zu sein, was das andere nicht ist;
gleich ist nicht ungleich,
((50)) und ungleich ist nicht gleich,
und beide haben wesentlich diese Beziehung und außer ihr keine Bedeutung;
als Bestimmungen des Unterschiedes ist jedes das, was es ist,
als unterschieden von seinem Anderen.

Durch ihre Gleichgültigkeit aber gegeneinander
ist die Gleichheit nur bezogen auf sich,
die Ungleichheit ist ebenso eine eigene Rücksicht und Reflexion für sich;
jede ist somit sich selbst gleich;
der Unterschied ist verschwunden,
da sie keine Bestimmtheit gegeneinander haben;
oder jede ist hiermit nur Gleichheit.


Diese gleichgültige Rücksicht oder der äußerliche Unterschied
hebt somit sich selbst auf und ist die Negativität seiner an sich selbst.

Er ist diejenige Negativität,
welche in dem Vergleichen dem Vergleichenden zukommt.

Das Vergleichende geht von der Gleichheit zur Ungleichheit
und von dieser zu jener zurück,
läßt also das eine im andern verschwinden
und ist in der Tat die negative Einheit beider.

Sie ist zunächst jenseits des Verglichenen
sowie jenseits der Momente der Vergleichung,
als ein subjektives, außerhalb ihrer fallendes Tun.

Aber diese negative Einheit ist in der Tat
die Natur der Gleichheit und Ungleichheit selbst, wie sich ergeben hat.

Eben die selbständige Rücksicht, die eine jede ist,
ist vielmehr die ihre Unterschiedenheit
und damit sie selbst aufhebende Beziehung auf sich.


Nach dieser Seite,
als Momente der äußeren Reflexion und als sich selbst äußerlich,
verschwinden die Gleichheit und Ungleichheit in ihre Gleichheit zusammen.

Aber diese ihre negative Einheit ist ferner auch an ihnen gesetzt;
sie haben nämlich die an sich seiende Reflexion außer ihnen
oder sind die Gleichheit und Ungleichheit eines Dritten,
eines Anderen, als sie selbst sind.

So ist das Gleiche nicht das Gleiche seiner selbst,
und das Ungleiche als das Ungleiche nicht seiner selbst,
sondern eines ihm Ungleichen ist selbst das Gleiche.

Das Gleiche und das Ungleiche ist also das Ungleiche seiner selbst.

Jedes ist somit diese Reflexion, die Gleichheit,
daß sie sie selbst und die Ungleichheit,
die Ungleichheit, daß sie sie selbst und die Gleichheit ist. ((51))


Gleichheit und Ungleichheit machten die Seite des Gesetztseins
gegen das Verglichene oder das Verschiedene aus,
das sich als die an sich seiende Reflexion gegen sie bestimmt hatte.

Aber dieses hat damit seine Bestimmtheit gegen sie ebenfalls verloren.

Eben die Gleichheit und die Ungleichheit,
die Bestimmungen der äußerlichen Reflexion,
sind die nur an sich seiende Reflexion,
welche das Verschiedene als solches sein sollte,
sein nur unbestimmter Unterschied.

Die an sich seiende Reflexion
ist die Beziehung auf sich ohne Negation,
die abstrakte Identität mit sich,
damit eben das Gesetztsein selbst.

- Das bloß Verschiedene geht also durch das Gesetztsein über
in die negative Reflexion.

Das Verschiedene ist der bloß gesetzte Unterschied,
also der Unterschied, der keiner ist,
also die Negation seiner an ihm selbst.

So die Gleichheit und Ungleichheit selbst, das Gesetztsein,
geht durch die Gleichgültigkeit
oder die an sich seiende Reflexion
zurück in die negative Einheit mit sich,
in die Reflexion, welche
der Unterschied der Gleichheit und Ungleichheit an sich selbst ist.

Die Verschiedenheit, deren gleichgültige Seiten
ebensosehr schlechthin nur Momente als einer negativen Einheit sind,
ist der Gegensatz.
 


Anmerkung: Satz der Verschiedenheit


Die Verschiedenheit wird wie die Identität in einem eigenen Satze ausgedrückt.

Übrigens bleiben diese beiden Sätze
in der gleichgültigen Verschiedenheit gegeneinander gehalten,
so daß jeder für sich gilt ohne Rücksicht auf den anderen.

>>Alle Dinge sind verschieden<< oder
>>Es gibt nicht zwei Dinge, die einander gleich sind<<.

- Dieser Satz ist in der Tat dem Satze der Identität entgegengesetzt,
denn er sagt aus: A ist ein Verschiedenes, also A ist auch nicht A;
oder A ist einem anderen ungleich,
so ist es nicht A überhaupt, sondern vielmehr ein bestimmtes A.

An die Stelle des A im identischen Satze kann jedes andere Substrat gesetzt,
aber ((52)) A als Ungleiches nicht mehr mit jedem anderen vertauscht werden.

Es soll zwar nicht ein Verschiedenes von sich,
sondern nur von Anderem sein;
aber diese Verschiedenheit ist seine eigene Bestimmung.

Als mit sich identisches A ist es das Unbestimmte;
aber als Bestimmtes ist es das Gegenteil hiervon;
es hat nicht mehr nur die Identität mit sich,
sondern auch eine Negation,
somit eine Verschiedenheit seiner selbst von sich an ihm.


Daß alle Dinge verschieden sind voneinander, ist ein sehr überflüssiger Satz,
denn im Plural der Dinge liegt unmittelbar die Mehrheit
und die ganz unbestimmte Verschiedenheit.

- Der Satz aber
»es gibt nicht zwei Dinge, die einander vollkommen gleich sind«
drückt mehr, nämlich die bestimmte Verschiedenheit aus.

Zwei Dinge sind nicht bloß zwei
- die numerische Vielheit ist nur die Einerleiheit -,
sondern sie sind durch eine Bestimmung verschieden.

Der Satz, daß es nicht zwei Dinge gibt, die einander gleich sind,
fällt dem Vorstellen, auch nach der Anekdote an einem Hofe auf,
wo ihn Leibniz vorgebracht und die Damen veranlaßt haben soll,
unter Baumblättern zu suchen, ob sie nicht zwei gleiche finden.

- Glückliche Zeiten für die Metaphysik,
wo man sich am Hofe mit ihr beschäftigte
und wo es keiner anderen Anstrengung bedurfte, ihre Sätze zu prüfen,
als Baumblätter zu vergleichen!

- Der Grund, daß jener Satz auffallend ist, liegt in dem Gesagten,
daß zwei oder die numerische Mehrheit
noch keine bestimmte Verschiedenheit enthält
und daß die Verschiedenheit als solche in ihrer Abstraktion
zunächst gleichgültig gegen die Gleichheit und Ungleichheit ist.

Das Vorstellen, indem es auch zur Bestimmung übergeht,
nimmt diese Momente selbst als gegeneinander gleichgültige auf,
so daß das eine ohne das andere,
die bloße Gleichheit der Dinge ohne die Ungleichheit zur Bestimmung hinreiche
oder daß die Dinge verschieden seien,
wenn sie auch nur numerische Viele, verschiedene überhaupt,
nicht ((53)) ungleiche sind.

Der Satz der Verschiedenheit hingegen drückt aus,
daß die Dinge durch die Ungleichheit voneinander verschieden sind,
daß ihnen die Bestimmung der Ungleichheit sosehr zukomme
als die der Gleichheit,
denn erst beide zusammen machen den bestimmten Unterschied aus.


Dieser Satz nun, daß allen Dingen die Bestimmung der Ungleichheit zukommt,
bedürfte eines Beweises;
er kann nicht als unmittelbarer Satz aufgestellt werden,
denn die gewöhnliche Weise des Erkennens selbst
fordert für die Verknüpfung verschiedener Bestimmungen
in einem synthetischen Satze einen Beweis
oder das Aufzeigen eines Dritten, worin sie vermittelt sind.

Dieser Beweis müßte den Übergang der Identität in die Verschiedenheit
und dann den Übergang dieser in die bestimmte Verschiedenheit,
in die Ungleichheit dartun.

Dies pflegt aber nicht geleistet zu werden;
es ergab sich darin, daß die Verschiedenheit oder der äußerliche Unterschied
in Wahrheit in sich reflektierter, Unterschied an ihm selbst ist,
daß das gleichgültige Bestehen des Verschiedenen das bloße Gesetztsein
und damit nicht äußerlicher, gleichgültiger Unterschied,
sondern eine Beziehung der beiden Momente ist.


Es liegt darin auch die Auflösung und Nichtigkeit des Satzes der Verschiedenheit.

Zwei Dinge sind nicht vollkommen gleich;
so sind sie gleich und ungleich zugleich;
gleich schon darin, daß sie Dinge oder zwei überhaupt sind,
denn jedes ist ein Ding und ein Eins so gut als das andere,
jedes also dasselbe, was das andere;
ungleich aber sind sie durch die Annahme.

Es ist somit die Bestimmung vorhanden,
daß beide Momente, die Gleichheit und die Ungleichheit,
in einem und demselben verschieden
oder daß der außereinanderfallende Unterschied
zugleich eine und dieselbe Beziehung ist.

Somit ist sie in Entgegensetzung übergegangen.


Das Zugleich der beiden Prädikate wird zwar durch das Insofern auseinandergehalten:
daß zwei Dinge, insofern sie gleich, insofern nicht ungleich,
oder nach einer Seite und ((54)) Rücksicht gleich,
nach der andern Seite und Rücksicht aber ungleich sind.

Damit wird die Einheit der Gleichheit und Ungleichheit aus dem Dinge entfernt
und, was seine eigene und die Reflexion der Gleichheit
und Ungleichheit an sich wäre,
als eine dem Dinge äußerliche Reflexion festgehalten.

Diese ist es aber somit, die in einer und derselben Tätigkeit
die zwei Seiten der Gleichheit und Ungleichheit unterscheidet,
somit in einer Tätigkeit beide enthält,
die eine in die andere scheinen läßt und reflektiert.

- Die gewöhnliche Zärtlichkeit für die Dinge aber,
die nur dafür sorgt, daß diese sich nicht widersprechen, vergißt hier wie sonst,
daß damit der Widerspruch nicht aufgelöst, sondern nur anderswohin,
in die subjektive oder äußere Reflexion geschoben wird
und daß diese in der Tat die beiden Momente,
welche durch diese Entfernung und Versetzung
als bloßes Gesetztsein ausgesprochen werden,
als aufgehobene und aufeinander bezogene in einer Einheit enthält.



3. Der Gegensatz


Im Gegensatze ist die bestimmte Reflexion, der Unterschied vollendet.

Er ist die Einheit der Identität und der Verschiedenheit;
seine Momente sind in einer Identität verschiedene;
so sind sie entgegengesetzte.


Die Identität und der Unterschied
sind die Momente des Unterschiedes innerhalb seiner selbst gehalten;
sie sind reflektierte Momente seiner Einheit.

Gleichheit und Ungleichheit aber sind die entäußerte Reflexion;
ihre Identität mit sich ist nicht nur die Gleichgültigkeit
eines jeden gegen das von ihm Unterschiedene,
sondern gegen das Anundfürsichsein als solches,
eine Identität mit sich gegen die in sich reflektierte;
sie ist also die nicht in sich reflektierte Unmittelbarkeit.

Das Gesetztsein der Seiten der äußerlichen Reflexion ist daher ein Sein,
so wie ihr Nichtgesetztsein ein Nichtsein.


Die Momente des Gegensatzes näher betrachtet,
so sind sie ((55)) das in sich reflektierte Gesetztsein oder Bestimmung überhaupt.

Das Gesetztsein ist die Gleichheit und Ungleichheit;
sie beide in sich reflektiert machen die Bestimmungen des Gegensatzes aus.

Ihre Reflexion-in-sich besteht darin,
daß jedes an ihm selbst die Einheit der Gleichheit und Ungleichheit ist.

Die Gleichheit ist nur in der Reflexion,
welche nach der Ungleichheit vergleicht,
somit durch ihr anderes gleichgültiges Moment vermittelt;
ebenso die Ungleichheit ist nur
in derselben reflektierenden Beziehung, in welcher die Gleichheit ist.

- Jedes dieser Momente ist also in seiner Bestimmtheit das Ganze.

Es ist das Ganze, insofern es auch sein anderes Moment enthält;
aber dies sein anderes ist ein gleichgültig seiendes;
so enthält jedes die Beziehung auf sein Nichtsein
und ist nur die Reflexion-in-sich
oder das Ganze als sich wesentlich auf sein Nichtsein beziehend.


Diese in sich reflektierte Gleichheit mit sich,
die in ihr selbst die Beziehung auf die Ungleichheit enthält,
ist das Positive;
so die Ungleichheit,
die in ihr selbst die Beziehung auf ihr Nichtsein, die Gleichheit enthält,
ist das Negative.

- Oder beide sind das Gesetztsein;
insofern nun die unterschiedene Bestimmtheit
als unterschiedene bestimmte Beziehung des Gesetztseins auf sich
genommen wird, so ist der Gegensatz
einesteils das Gesetztsein in seine Gleichheit mit sich reflektiert,
andernteils dasselbe in seine Ungleichheit mit sich reflektiert,
das Positive und Negative.

- Das Positive ist das Gesetztsein als in die Gleichheit mit sich reflektiert;
aber das Reflektierte ist das Gesetztsein, d. i. die Negation als Negation;
so hat diese Reflexion-in-sich
die Beziehung auf das Andere zu ihrer Bestimmung.

Das Negative ist das Gesetztsein als in die Ungleichheit reflektiert;
aber das Gesetztsein ist die Ungleichheit selbst;
so ist diese Reflexion somit die Identität der Ungleichheit mit sich selbst
und absolute Beziehung auf sich.

- Beide also,
das in die Gleichheit mit sich reflektierte Gesetztsein
hat die Ungleichheit,
und das in die Ungleichheit mit sich reflektierte Gesetztsein
hat auch die Gleichheit an ihm. ((56))


Das Positive und das Negative
sind so die selbständig gewordenen Seiten des Gegensatzes.

Sie sind selbständig, indem sie die Reflexion des Ganzen in sich sind,
und sie gehören dem Gegensatze an,
insofern es die Bestimmtheit ist, die als Ganzes in sich reflektiert ist.

Um ihrer Selbständigkeit willen
machen sie den an sich bestimmten Gegensatz aus.

Jedes ist es selbst und sein Anderes,
dadurch hat jedes seine Bestimmtheit nicht an einem Anderen,
sondern an ihm selbst.

- Jedes bezieht sich auf sich selbst nur als sich beziehend auf sein Anderes.

Dies hat die doppelte Seite:
jedes ist Beziehung auf sein Nichtsein
als Aufheben dieses Andersseins in sich;
so ist sein Nichtsein nur ein Moment in ihm.

Aber andernteils ist hier das Gesetztsein
ein Sein, ein gleichgültiges Bestehen geworden;
das Andere seiner, das jedes enthält,
ist daher auch das Nichtsein dessen,
in welchem es nur als Moment enthalten sein soll.

Jedes ist daher nur, insofern sein Nichtsein ist,
und zwar in einer identischen Beziehung.


Die Bestimmungen, welche das Positive und Negative konstituieren,
bestehen also darin, daß das Positive und das Negative
erstens absolute Momente des Gegensatzes sind;
ihr Bestehen ist untrennbar eine Reflexion;
es ist eine Vermittlung, in welcher jedes
durch das Nichtsein seines Anderen,
damit durch sein Anderes oder sein eigenes Nichtsein ist.

- So sind sie Entgegengesetzte überhaupt;
oder jedes ist nur das Entgegengesetzte des Anderen,
das eine ist noch nicht positiv und das andere noch nicht negativ,
sondern beide sind negativ gegeneinander.

Jedes ist so überhaupt erstens, insofern das Andere ist;
es ist durch das Andere, durch sein eigenes Nichtsein das, was es ist;
es ist nur Gesetztsein.

Zweitens: es ist, insofern das Andere nicht ist;
es ist durch das Nichtsein des Anderen das, was es ist;
es ist Reflexion-in-sich.

- Dieses beides ist aber die eine Vermittlung des Gegensatzes überhaupt,
in der sie überhaupt nur Gesetzte sind.


Aber ferner dies bloße Gesetztsein ist in sich reflektiert überhaupt;
das Positive und Negative ist nach diesem ((57)) Momente der äußeren Reflexion
gleichgültig gegen jene erste Identität, worin sie nur Momente sind;
oder indem jene erste Reflexion
die eigene Reflexion des Positiven und Negativen in sich selbst,
jedes sein Gesetztsein an ihm selbst ist,
so ist jedes gleichgültig gegen diese seine Reflexion in sein Nichtsein,
gegen sein eigenes Gesetztsein.

Die beiden Seiten sind so bloß verschiedene,
und insofern ihre Bestimmtheit, positiv und negativ zu sein,
ihr Gesetztsein gegeneinander ausmacht,
so ist jede nicht an ihr selbst so bestimmt,
sondern ist nur Bestimmtheit überhaupt;
jeder Seite kommt daher zwar eine der Bestimmtheiten
von Positivem und Negativem zu;
aber sie können verwechselt werden,
und jede Seite ist von der Art,
daß sie ebensogut als positiv wie als negativ genommen werden kann.


Aber das Positive und Negative ist drittens
nicht nur ein Gesetztes, noch bloß ein Gleichgültiges,
sondern ihr Gesetztsein
oder die Beziehung auf das Andere in einer Einheit, die nicht sie selbst sind,
ist in jedes zurückgenommen.

Jedes ist an ihm selbst positiv und negativ;
das Positive und Negative ist die Reflexionsbestimmung an und für sich;
erst in dieser Reflexion des Entgegengesetzten in sich ist es positiv und negativ.

Das Positive hat die Beziehung auf das Andere,
in der die Bestimmtheit des Positiven ist, an ihm selbst;
ebenso das Negative ist nicht Negatives als gegen ein Anderes,
sondern hat die Bestimmtheit, wodurch es negativ ist, gleichfalls in ihm selbst.


So ist jedes [eine] selbständige, für sich seiende Einheit mit sich.

Das Positive ist wohl ein Gesetztsein,
aber so, daß für es das Gesetztsein nur Gesetztsein als aufgehobenes ist.

Es ist das Nichtentgegengesetzte, der aufgehobene Gegensatz,
aber als Seite des Gegensatzes selbst.

- Als positiv ist zwar etwas bestimmt in Beziehung auf ein Anderssein,
aber so, daß seine Natur dies ist, nicht ein Gesetztes zu sein;
es ist die das Anderssein negierende Reflexion-in-sich.

Aber das Andere seiner, das Negative,
ist selbst nicht mehr Gesetztsein oder Moment,
sondern ein selbständiges Sein;
so ist die negierende ((58)) Reflexion des Positiven in sich bestimmt,
dies sein Nichtsein von sich auszuschließen.


So das Negative als absolute Reflexion
ist nicht das unmittelbare Negative,
sondern dasselbe als aufgehobenes Gesetztsein,
das Negative an und für sich, das positiv auf sich selbst beruht.

Als Reflexion-in-sich negiert es seine Beziehung auf Anderes;
sein Anderes ist das Positive, ein selbständiges Sein;
- seine negative Beziehung darauf ist daher, es aus sich auszuschließen.

Das Negative ist das für sich bestehende Entgegengesetzte,
gegen das Positive, das die Bestimmung des aufgehobenen Gegensatzes ist,
- der auf sich beruhende ganze Gegensatz,
entgegengesetzt dem mit sich identischen Gesetztsein.


Das Positive und Negative ist hiermit
nicht nur an sich positiv und negativ, sondern an und für sich.

An sich sind sie es, insofern
von ihrer ausschließenden Beziehung auf Anderes abstrahiert [? wird]
und sie nur nach ihrer Bestimmung genommen werden.

An sich ist etwas positiv oder negativ,
indem es nicht bloß gegen Anderes so bestimmt sein soll.

Aber das Positive oder Negative
nicht als Gesetztsein und damit nicht als Entgegengesetztes,
ist es jedes das Unmittelbare, Sein und Nichtsein.

Das Positive und Negative sind aber die Momente des Gegensatzes,
das Ansichsein derselben
macht nur die Form ihres Reflektiertseins in sich aus.

Es ist etwas an sich positiv, außer der Beziehung auf das Negative;
und es ist etwas an sich negativ, außer der Beziehung auf das Negative [ Positive ? ];
in dieser Bestimmung wird bloß
an dem abstrakten Momente dieses Reflektiertseins festgehalten.

Allein das ansichseiende Positive oder Negative heißt wesentlich,
daß entgegengesetzt zu sein
nicht bloß Moment sei, noch der Vergleichung angehöre,
sondern die eigene Bestimmung der Seiten des Gegensatzes ist.

An sich positiv oder negativ sind sie also
nicht außer der Beziehung auf Anderes,
sondern [so,] daß diese Beziehung, und zwar als ausschließende,
die Bestimmung oder das Ansichsein derselben ausmacht;
hierin sind sie es also zugleich an und für sich. ((59))


Anmerkung: Die Entgegengesetzten Größen der Arithmetik


Es ist hier der Begriff des Positiven und Negativen anzuführen,
wie er in der Arithmetik vorkommt.

Er wird darin als bekannt vorausgesetzt;
weil er aber nicht in seinem bestimmten Unterschiede aufgefaßt wird,
entgeht er nicht unauflösbaren Schwierigkeiten und Verwicklungen.

Es haben sich soeben
die beiden realen Bestimmungen des Positiven und Negativen ergeben
- außer dem einfachen Begriffe ihrer Entgegensetzung - ,
daß nämlich das erste Mal ein nur verschiedenes,
unmittelbares Dasein zugrunde liegt,
dessen einfache Reflexion-in-sich unterschieden wird
von seinem Gesetztsein der Entgegensetzung selbst.

Diese gilt daher nur als nicht an und für sich seiend
und dem Verschiedenen zwar zukommend,
so daß jedes ein Entgegengesetztes überhaupt ist,
aber auch gleichgültig dagegen für sich besteht
und es einerlei ist, welches der beiden entgegengesetzten Verschiedenen
als positiv oder als negativ betrachtet werde.

- Das andere Mal aber ist das Positive das an sich selbst Positive,
das Negative das an sich selbst Negative,
so daß das Verschiedene nicht gleichgültig dagegen,
sondern dies seine Bestimmung an und für sich ist.

- Diese beiden Formen des Positiven und Negativen
kommen gleich in den ersten Bestimmungen vor,
in denen sie in der Arithmetik gebraucht werden.


Das +a und -a sind zuerst entgegengesetzte Größen überhaupt;
a ist die beiden zum Grunde liegende ansichseiende Einheit,
das gegen die Entgegensetzung selbst Gleichgültige,
das hier ohne weiteren Begriff als tote Grundlage dient.

Das -a ist zwar als das Negative, das +a als das Positive bezeichnet,
aber das eine ist so gut ein Entgegengesetztes als das andere.


Ferner ist a nicht nur die einfache zum Grunde liegende Einheit,
sondern als +a und -a ist sie die Reflexion dieser Entgegengesetzten in sich;
es sind zwei verschiedene a vorhanden,
und es ist gleichgültig, welches von beiden
man als das positive oder negative bezeichnen will;
beide haben ein besonderes Bestehen und sind positiv.


Nach jener ersten Seite ist + y - y = 0;
oder in - 8 + 3 sind die 3 Positiven Negative im 8.

Die Entgegengesetzten heben sich in ihrer Verbindung auf.

Eine Stunde Wegs nach Osten gemacht
und ebensoviel zurück nach Westen hebt den erst gemachten Weg auf;
soviel Schulden, um soviel weniger Vermögen,
und soviel Vermögen vorhanden ist, soviel hebt sich von den Schulden auf.

Die Stunde Wegs nach Osten ist zugleich nicht der positive Weg an sich,
noch der nach Westen der negative Weg;
sondern diese Richtungen sind gleichgültig
gegen diese Bestimmtheit des Gegensatzes;
nur eine dritte, außer ihnen fallende Rücksicht
macht die eine zur positiven, die andere zur negativen.

So auch die Schulden sind nicht an und für sich das Negative;
sie sind es nur in Beziehung auf den Schuldner;
für den Gläubiger sind sie sein positives Vermögen;
sie sind eine Summe Geld, oder was es sei von einem gewissen Wert,
das nach außerhalb seiner fallenden Rücksichten
Schulden oder Vermögen ist.


Die Entgegengesetzten heben sich zwar in ihrer Beziehung auf,
so daß das Resultat gleich Null ist;
aber es ist in ihnen auch ihre identische Beziehung vorhanden,
die gegen den Gegensatz selbst gleichgültig ist;
so machen sie Eines aus.

Wie soeben von der Summe Geld erinnert worden, die nur eine Summe ist,
oder das a, das nur ein a ist im + a und - a;
auch der Weg, der nur ein Stück Wegs ist, nicht zwei Wege,
deren einer nach Osten, der andere nach Westen ginge.

So auch eine Ordinate y, die dasselbe ist,
auf dieser oder jener Seite der Achse genommen;
insofern ist + y - y = y;
sie ist nur die Ordinate, es ist nur eine Bestimmung und Gesetz derselben.


Ferner aber sind die Entgegengesetzten nicht nur ein Gleichgültiges,
sondern auch zwei Gleichgültige.

Sie sind nämlich als Entgegengesetzte auch in sich Reflektierte
und bestehen so als Verschiedene.


So sind in - 8 + 3 überhaupt elf Einheiten vorhanden;
+ y, ((61)) - y sind Ordinaten auf der entgegengesetzten Seite der Achse,
wo jede ein gegen diese Grenze
und gegen ihren Gegensatz gleichgültiges Dasein ist;
so ist + y - y = 2 y.

- Auch der nach Osten und nach Westen zurückgelegte Weg
ist die Summe einer zweifachen Bemühung
oder die Summe von zwei Zeitperioden.

Ebenso ist in der Staatsökonomie ein Quantum von Geld oder von Wert
nicht nur dies eine Quantum als Mittel der Subsistenz,
sondern es ist ein verdoppeltes;
es ist Mittel der Subsistenz sowohl für den Gläubiger als den Schuldner.

Das Staatsvermögen berechnet sich nicht bloß als Summe des baren Geldes
und des sonstigen Wertes von den Immobilien und Mobilien,
der im Staate vorhanden ist,
noch weniger aber als Summe, die übrigbliebe
nach Abzug des passiven Vermögens vom aktiven,
sondern das Kapital, wenn seine aktive und passive Bestimmung
sich auch zur Null reduzierten,
bleibt erstens positives Kapital als + a - a = a;
aber zweitens, indem es auf vielfältige Weise
passives, verliehenes und wieder verliehenes ist,
ist es dadurch ein sehr vervielfältigtes Mittel.


Nicht nur aber sind die entgegengesetzten Größen
einerseits bloß entgegengesetzte überhaupt,
andererseits reale oder gleichgültige.

Sondern obzwar das Quantum selbst das gleichgültige begrenzte Sein ist,
so kommt doch an ihm auch das an sich Positive
und das an sich Negative vor.

Das a z. B., insofern es kein Zeichen hat,
gilt dafür, daß es als positives zu nehmen sei, wenn es zu bezeichnen ist.

Wenn es nur überhaupt ein entgegengesetztes werden sollte,
so könnte es ebensogut als - a genommen werden.

Aber das positive Zeichen wird ihm unmittelbar gegeben,
weil das Positive für sich die eigentümliche Bedeutung des Unmittelbaren,
als mit sich identischen, gegen die Entgegensetzung hat.


Ferner indem positive und negative Größen addiert oder subtrahiert werden,
gelten sie als solche, die für sich positiv und negativ seien
und es nicht bloß durch die Beziehung des Addierens oder Subtrahierens,
auf diese äußerliche Weise werden.

In 8 - (- 3) heißt das erste Minus entgegengesetzt ((62)) gegen 8,
das zweite Minus aber (- 3) gilt als entgegengesetztes an sich,
außer dieser Beziehung.


Näher tritt dies bei der Multiplikation und Division hervor;
hier ist das Positive wesentlich als das Nichtentgegengesetzte,
das Negative hingegen als das Entgegengesetzte zu nehmen,
nicht beide Bestimmungen auf gleiche Weise nur als Entgegengesetzte überhaupt.

Indem die Lehrbücher in den Beweisen,
wie sich die Zeichen in diesen beiden Rechnungsarten verhalten,
bei dem Begriffe der entgegengesetzten Größen überhaupt stehenbleiben,
so sind diese Beweise unvollständig und verwickeln sich in Widersprüche.

- Plus und Minus erhalten aber bei der Multiplikation und Division
die bestimmtere Bedeutung von Positivem und Negativem an sich,
weil das Verhältnis der Faktoren, Einheit und Anzahl gegeneinander zu sein,
nicht ein bloßes Verhältnis des Mehrens und Minderns ist
wie bei dem Addieren und Subtrahieren,
sondern ein qualitatives, womit auch Plus und Minus
die qualitative Bedeutung des Positiven und Negativen erhält.

- Ohne diese Bestimmung und bloß aus dem Begriffe entgegengesetzter Größen
kann leicht die schiefe Folgerung gezogen werden,
daß, wenn - a * +a = - a² ist, umgekehrt +a * - a = + a² gebe.

Indem der eine Faktor die Anzahl und der andere die Einheit,
und zwar die erstere wie gewöhnlich der voranstehende bedeutet,
so unterscheiden sich die beiden Ausdrücke -a * +a und +a * -a dadurch,
daß im ersteren +a die Einheit und -a die Anzahl
und im anderen es umgekehrt ist.

Es pflegt nun beim ersteren gesagt zu werden,
wenn ich +a nehmen soll -a mal, so nehme ich +a nicht bloß a mal,
sondern zugleich auf die ihm entgegengesetzte Weise, +a mal -a;
also da es Plus ist, so habe ich es negativ zu nehmen,
und das Produkt ist -a².

Wenn aber im zweiten Falle -a zu nehmen ist +a mal,
so soll -a gleichfalls nicht -a mal genommen werden,
sondern in der ihm entgegengesetzten Bestimmung, nämlich +a mal.

Nach dem Räsonnement des ersten Falles folgt also,
daß das Produkt +a² sein müsse.

- Ebenso bei der Division. ((63))

Diese Konsequenz ist notwendig, insofern Plus und Minus
nur als entgegengesetzte Größen überhaupt genommen werden;
dem Minus wird im ersten Falle die Kraft zugeschrieben, das Plus zu verändern;
aber im anderen sollte Plus nicht dieselbe Kraft über Minus haben,
ungeachtet es so gut eine entgegengesetzte Größenbestimmung ist als dieses.

In der Tat hat Plus diese Kraft nicht,
denn es ist hier nach seiner qualitativen Bestimmung gegen Minus zu nehmen,
indem die Faktoren ein qualitatives Verhältnis zueinander haben.

Insofern ist also das Negative hier das an sich Entgegengesetzte als solches,
das Positive aber ist das Unbestimmte, Gleichgültige überhaupt;
es ist wohl auch das Negative, aber des Anderen, nicht an ihm selbst.

- Eine Bestimmung als Negation kommt also allein durch das Negative herein,
nicht durch das Positive.


So ist denn auch -a * -a = a², darum weil das negative a
nicht bloß auf die entgegengesetzte Weise
(so würde es zu nehmen sein mit -a multipliziert),
sondern weil es negativ genommen werden soll.

Die Negation der Negation aber ist das Positive.




C. DER WIDERSPRUCH


1. Der Unterschied überhaupt enthält seine beiden Seiten als Momente;
in der Verschiedenheit fallen sie gleichgültig auseinander;
im Gegensatze als solchem sind sie Seiten des Unterschiedes,
eines nur durchs andere bestimmt, somit nur Momente;
aber sie sind ebensosehr bestimmt an ihnen selbst,
gleichgültig gegeneinander und sich gegenseitig ausschließend:
die selbständigen Reflexionsbestimmungen.


Die eine ist das Positive, die andere das Negative,
aber jene als das an ihm selbst Positive,
diese als das an ihm selbst Negative.

Die gleichgültige Selbständigkeit für sich hat jedes dadurch,
daß es die Beziehung auf sein anderes Moment an ihm selbst hat;
so ist es der ganze in sich geschlossene Gegensatz.

- Als dieses Ganze ist jedes
vermittelt ((64)) durch sein Anderes mit sich und enthält dasselbe.

Aber es ist ferner durch das Nichtsein seines Anderen mit sich vermittelt;
so ist es für sich seiende Einheit und schließt das Andere aus sich aus.


Indem die selbständige Reflexionsbestimmung in derselben Rücksic