[absolutes Bewußtsein]
Die Religion
In den bisherigen Gestaltungen, die sich im allgemeinen
als Bewußtsein, Selbstbewußtsein, Vernunft und Geist
unterscheiden,
ist zwar auch die Religion
als Bewußtsein des absoluten Wesens überhaupt vorgekommen,
- allein vom Standpunkte des Bewußtseins aus,
das sich des absoluten Wesens bewußt ist;
nicht aber ist das absolute Wesen an und für sich selbst,
nicht das Selbstbewußtsein des Geistes in jenen Formen erschienen.
Schon das Bewußtsein wird, insofern es Verstand ist,
Bewußtsein des Übersinnlichen oder Inneren des
gegenständlichen Daseins.
Aber das Übersinnliche, Ewige, oder wie man es sonst nennen mag,
ist selbstlos;
es ist nur erst das Allgemeine, das noch weit entfernt ist,
der sich als Geist wissende Geist zu sein.
- Alsdann war das Selbstbewußtsein,
das in der Gestalt des unglücklichen Bewußtseins seine
Vollendung hat,
nur der sich zur Gegenständlichkeit wieder herausringende,
aber sie nicht erreichende Schmerz des Geistes.
Die Einheit des einzelnen Selbstbewußtseins
und seines unwandelbaren Wesens, zu der jenes sich bringt,
bleibt daher ein Jenseits desselben.
- Das unmittelbare Dasein der Vernunft,
die für uns aus jenem Schmerz hervorging,
und ihre eigentümlichen Gestalten haben keine Religion,
weil das Selbstbewußtsein derselben
sich in der unmittelbaren Gegenwart weiß oder sucht.
Hingegen in der sittlichen Welt sahen wir eine Religion,
und zwar die Religion der Unterwelt;
sie ist der Glaube an die furchtbare unbekannte Nacht des Schicksals
und an die Eumenide des abgeschiedenen Geistes;
- jene die reine Negativität in der Form der Allgemeinheit,
diese dieselbe in ((495)) der Form der Einzelheit.
Das absolute Wesen ist in der letzteren Form also zwar das Selbst
und gegenwärtiges, wie das Selbst nicht anders ist;
allein das einzelne Selbst ist dieser einzelne Schatten,
der die Allgemeinheit, welche das Schicksal ist, getrennt von sich hat.
Er ist zwar Schatten, aufgehobener Dieser, und somit allgemeines
Selbst;
aber noch ist jene negative Bedeutung nicht in diese positive
umgeschlagen,
und daher bedeutet zugleich das aufgehobene Selbst
noch unmittelbar diesen Besonderen und Wesenlosen.
- Das Schicksal aber ohne das Selbst bleibt die bewußtlose Nacht,
die nicht zur Unterscheidung in ihr
noch zur Klarheit des Sichselbstwissens kommt.
Dieser Glaube an das Nichts der Notwendigkeit und an die Unterwelt
wird zum Glauben an den Himmel,
weil das abgeschiedene Selbst mit seiner Allgemeinheit sich vereinen,
in ihr das, was es enthält, auseinanderschlagen und so sich klar
werden muß.
Dieses Reich des Glaubens aber sahen wir nur im Elemente des Denkens
seinen Inhalt ohne den Begriff entfalten
und es darum in seinem Schicksale,
nämlich in der Religion der Aufklärung untergehen.
In dieser stellt sich das übersinnliche Jenseits des Verstandes
wieder her,
aber so, daß das Selbstbewußtsein diesseits befriedigt
steht
und das übersinnliche, das leere,
nicht zu erkennende noch zu fürchtende Jenseits
weder als Selbst noch als Macht weiß.
In der Religion der Moralität ist endlich dies wiederhergestellt,
daß das absolute Wesen ein positiver Inhalt ist;
aber er ist mit der Negativität der Aufklärung vereinigt.
Er ist ein Sein, das ebenso ins Selbst zurückgenommen
und darin eingeschlossen bleibt,
und ein unterschiedener Inhalt,
dessen Teile ebenso unmittelbar negiert, als sie aufgestellt sind.
Das Schicksal aber, worin diese widersprechende Bewegung versinkt,
ist das seiner als des Schicksals der Wesenheit
und Wirklichkeit bewußte Selbst.
Der sich selbst wissende Geist ist in der Religion
unmittelbar sein eigenes reines Selbstbewußtsein.
Diejenigen Gestalten desselben, die betrachtet worden
- der wahre, der sich entfremdete ((496)) und der seiner selbst gewisse
Geist -,
machen zusammen ihn in seinem Bewußtsein aus,
das seiner Welt gegenübertretend in ihr sich nicht erkennt.
Aber im Gewissen unterwirft er sich wie seine gegenständliche Welt
überhaupt,
so auch seine Vorstellung und seine bestimmten Begriffe
und ist nun bei sich seiendes Selbstbewußtsein.
In diesem hat er für sich, als Gegenstand vorgestellt,
die Bedeutung, der allgemeine Geist zu sein,
der alles Wesen und alle Wirklichkeit in sich enthält,
ist aber nicht in der Form freier Wirklichkeit
oder der selbständig erscheinenden Natur.
Er hat zwar Gestalt oder die Form des Seins,
indem er Gegenstand seines Bewußtsein ist;
aber weil dieses in der Religion
in der wesentlichen Bestimmung, Selbstbewußtsein zu sein, gesetzt
ist,
ist die Gestalt sich vollkommen durchsichtig;
und die Wirklichkeit, die er enthält,
ist in ihm eingeschlossen oder in ihm aufgehoben,
gerade auf die Weise, wie wenn wir alle Wirklichkeit sprechen;
sie ist die gedachte allgemeine Wirklichkeit.
Indem also in der Religion
die Bestimmung des eigentlichen Bewußtseins des Geistes
nicht die Form des freien Andersseins hat,
so ist sein Dasein von seinem Selbstbewußtsein unterschieden,
und seine eigentliche Wirklichkeit fällt außer der Religion;
es ist wohl ein Geist beider,
aber sein Bewußtsein umfaßt nicht beide zumal,
und die Religion erscheint als ein Teil des Daseins und Tuns und
Treibens,
dessen anderer Teil das Leben in seiner wirklichen Welt ist.
Wie wir nun es wissen, daß der Geist in seiner Welt
und der seiner als Geist bewußte Geist
oder der Geist in der Religion dasselbe sind,
so besteht die Vollendung der Religion darin,
daß beides einander gleich werde,
nicht nur, daß seine Wirklichkeit von der Religion befaßt
ist,
sondern umgekehrt, daß er sich als seiner selbst bewußter
Geist wirklich
und Gegenstand seines Bewußtseins werde.
- Insofern der Geist in der Religion sich ihm selbst vorstellt, ist er
zwar Bewußtsein,
und die in ihr eingeschlossene Wirklichkeit
ist die Gestalt und das Kleid seiner Vorstellung.
Der Wirklichkeit widerfährt aber in dieser Vorstellung
nicht ihr vollkommenes Recht, ((497))
nämlich nicht nur Kleid zu sein, sondern selbständiges freies
Dasein;
und umgekehrt ist sie, weil ihr die Vollendung in ihr selbst mangelt,
eine bestimmte Gestalt, die nicht dasjenige erreicht, was sie
darstellen soll,
nämlich den seiner selbst bewußten Geist.
Daß seine Gestalt ihn selbst ausdrückte,
müßte sie selbst nichts anderes sein als er
und er sich so erschienen oder wirklich sein, wie er in seinem Wesen
ist.
Dadurch allein würde auch das erreicht,
was die Forderung des Gegenteils zu sein scheinen kann,
nämlich daß der Gegenstand seines Bewußtseins
die Form freier Wirklichkeit zugleich hat;
aber nur der Geist, der sich als absoluter Geist Gegenstand ist,
ist sich eine ebenso freie Wirklichkeit, als er darin seiner selbst
bewußt bleibt.
Indem zunächst das Selbstbewußtsein und das eigentliche
Bewußtsein,
die Religion und der Geist in seiner Welt
oder das Dasein des Geistes unterschieden wird,
so besteht das letztere in dem Ganzen des Geistes,
insofern seine Momente als auseinandertretend und jedes für sich
sich darstellt.
Die Momente aber sind
das Bewußtsein, das Selbstbewußtsein, die Vernunft und der
Geist,
- der Geist nämlich als unmittelbarer Geist,
der noch nicht das Bewußtsein des Geistes ist.
Ihre zusammengefaßte Totalität
macht den Geist in seinem weltlichen Dasein überhaupt aus;
der Geist als solcher enthält die bisherigen Gestaltungen
in den allgemeinen Bestimmungen, den soeben genannten Momenten.
Die Religion setzt den ganzen Ablauf derselben voraus
und ist die einfache Totalität oder das absolute Selbst derselben.
- Der Verlauf derselben ist übrigens im Verhältnis zur
Religion
nicht in der Zeit vorzustellen.
Der ganze Geist nur ist in der Zeit,
und die Gestalten, welche Gestalten des ganzes Geistes als solchen
sind,
stellen sich in einer Aufeinanderfolge dar;
denn nur das Ganze hat eigentliche Wirklichkeit
und daher die Form der reinen Freiheit gegen Anderes,
die sich als Zeit ausdrückt.
Aber die Momente desselben,
Bewußtsein, Selbstbewußtsein, Vernunft und Geist,
haben, weil sie Momente sind, kein voneinander verschiedenes Dasein.
- Wie der ((498)) Geist von seinen Momenten unterschieden wurde,
so ist noch drittens von diesen Momenten selbst
ihre vereinzelte Bestimmung zu unterscheiden.
Jedes jener Momente sahen wir nämlich wieder an ihm selbst
sich in einem eigenen Verlaufe unterscheiden und verschieden gestalten;
wie z. B. am Bewußtsein die sinnliche Gewißheit und die
Wahrnehmung
sich unterschied.
Diese letzteren Seiten treten in der Zeit auseinander
und gehören einem besonderen Ganzen an.
- Denn der Geist steigt aus seiner Allgemeinheit
durch die Bestimmung zur Einzelheit herab.
Die Bestimmung oder Mitte ist Bewußtsein, Selbstbewußtsein
usf.
Die Einzelheit aber machen die Gestalten dieser Momente aus.
Diese stellen daher den Geist in seiner Einzelheit oder Wirklichkeit
dar
und unterscheiden sich in der Zeit,
so jedoch, daß die folgende die vorhergehenden an ihr behält.
Wenn daher die Religion die Vollendung des Geistes ist,
worin die einzelnen Momente desselben,
Bewußtsein, Selbstbewußtsein, Vernunft und Geist,
als in ihren Grund zurückgehen und zurückgegangen sind,
so machen sie zusammen die daseiende Wirklichkeit des ganzen Geistes
aus,
welcher nur ist als die unterscheidende
und in sich zurückgehende Bewegung dieser seiner Seiten.
Das Werden der Religion überhaupt
ist in der Bewegung der allgemeinen Momente enthalten.
Indem aber jedes dieser Attribute,
wie es nicht nur im allgemeinen sich bestimmt,
sondern wie es an und für sich ist,
d. h. wie es in sich selbst sich als Ganzes verläuft,
dargestellt wurde,
so ist damit auch nicht nur das Werden der Religion überhaupt
entstanden,
sondern jene vollständigen Verläufe der einzelnen Seiten
enthalten zugleich die Bestimmtheiten der Religion selbst.
Der ganze Geist, der Geist der Religion, ist wieder die Bewegung,
aus seiner Unmittelbarkeit zum Wissen dessen zu gelangen,
was er an sich oder unmittelbar ist,
und es zu erreichen, daß die Gestalt, in welcher er für sein
Bewußtsein erscheint,
seinem Wesen vollkommen gleiche und er sich anschaue, wie er ist.
- In diesem Werden ist er also selbst in bestimmten Gestalten, ((499))
welche die Unterschiede dieser Bewegung ausmachen;
zugleich hat damit die bestimmte Religion ebenso
einen bestimmten wirklichen Geist.
Wenn also dem sich wissenden Geiste überhaupt
Bewußtsein, Selbstbewußtsein, Vernunft und Geist
angehören,
so gehören den bestimmten Gestalten des sich wissenden Geistes
die bestimmten Formen an, welche sich innerhalb
des Bewußtseins, Selbstbewußtseins, der Vernunft und des
Geistes
an jedem besonders entwickelten.
Die bestimmte Gestalt der Religion
greift für ihren wirklichen Geist aus den Gestalten eines jeden
seiner Momente
diejenige heraus, welche ihr entspricht.
Die eine Bestimmtheit der Religion
greift durch alle Seiten ihres wirklichen Daseins hindurch
und drückt ihnen dies gemeinschaftliche Gepräge auf.
Auf diese Weise ordnen sich nun die Gestalten, die bis hierher
auftraten,
anders, als sie in ihrer Reihe erschienen,
worüber vorher noch das Nötige kurz zu bemerken ist.
- In der betrachteten Reihe bildete sich jedes Moment, sich in sich
vertiefend,
zu einem Ganzen in seinem eigentümlichen Prinzip aus;
und das Erkennen war die Tiefe oder der Geist,
worin sie, die für sich kein Bestehen haben, ihre Substanz hatten.
Diese Substanz ist aber nunmehr herausgetreten;
sie ist die Tiefe des seiner selbst gewissen Geistes,
welche es dem einzelnen Prinzip nicht gestattet,
sich zu isolieren und in sich selbst zum Ganzen zu machen,
sondern diese Momente alle in sich versammelnd und zusammenhaltend
schreitet sie in diesem gesamten Reichtum ihres wirklichen Geistes
fort,
und alle seine besonderen Momente
nehmen und empfangen gemeinschaftlich
die gleiche Bestimmtheit des Ganzen in sich.
- Dieser seiner selbst gewisse Geist und seine Bewegung
ist ihre wahrhafte Wirklichkeit und das Anundfürsichsein,
das jedem Einzelnen zukommt.
- Wenn also die bisherige eine Reihe in ihrem Fortschreiten durch
Knoten
die Rückgänge in ihr bezeichnete,
aber aus ihnen sich wieder in eine Länge fortsetzte,
so ist sie nunmehr gleichsam an diesen Knoten, den allgemeinen
Momenten,
gebrochen ((500)) und in viele Linien zerfallen,
welche, in einen Bund zusammengefaßt, sich zugleich symmetrisch
vereinen,
so daß die gleichen Unterschiede,
in welche jede besondere innerhalb ihrer sich gestaltete,
zusammentreffen.
- Es erhellt übrigens aus der ganzen Darstellung von selbst,
wie diese hier vorgestellte Beiordnung der allgemeinen Richtungen
zu verstehen ist,
daß es überflüssig wird, die Bemerkung zu machen,
daß diese Unterschiede wesentlich nur als Momente des Werdens,
nicht als Teile zu fassen sind;
an dem wirklichen Geiste sind sie Attribute seiner Substanz,
an der Religion aber vielmehr nur Prädikate des Subjekts.
- Ebenso sind an sich oder für uns
wohl alle Formen überhaupt im Geiste und in jedem enthalten;
aber es kommt bei seiner Wirklichkeit überhaupt allein darauf an,
welche Bestimmtheit für ihn in seinem Bewußtsein ist,
in welcher er sein Selbst ausgedrückt
oder in welcher Gestalt er sein Wesen weiß.
Der Unterschied, der zwischen dem wirklichen Geiste
und ihm, der sich als Geist weiß,
oder zwischen sich selbst als Bewußtsein
und als Selbstbewußtsein gemacht wurde,
ist in dem Geiste aufgehoben, der sich nach seiner Wahrheit weiß;
sein Bewußtsein und sein Selbstbewußtsein sind ausgeglichen.
Wie aber hier die Religion erst unmittelbar ist,
ist dieser Unterschied noch nicht in den Geist zurückgegangen.
Es ist nur der Begriff der Religion gesetzt;
in diesem ist das Wesen das Selbstbewußtsein,
das sich alle Wahrheit ist und in dieser alle Wirklichkeit
enthält.
Dieses Selbstbewußtsein hat als Bewußtsein sich zum
Gegenstande;
der erst sich unmittelbar wissende Geist
ist sich also Geist in der Form der Unmittelbarkeit,
und die Bestimmtheit der Gestalt, worin er sich erscheint, ist die des
Seins.
Dies Sein ist zwar weder mit der Empfindung oder dem mannigfaltigen
Stoffe
noch mit sonstigen einseitigen Momenten,
Zwecken und Bestimmungen erfüllt,
sondern mit dem Geiste
und wird von sich als alle Wahrheit und Wirklichkeit gewußt.
Diese Erfüllung ist auf diese Weise ihrer Gestalt,
er als Wesen seinem Bewußtsein nicht gleich.
Er ist erst als absoluter Geist wirklich, indem er, ((501))
wie er in der Gewißheit seiner selbst, sich auch in seiner
Wahrheit ist,
oder die Extreme, in die er sich als Bewußtsein teilt,
in Geistsgestalt füreinander sind.
Die Gestaltung, welche der Geist als Gegenstand seines
Bewußtseins annimmt,
bleibt von der Gewißheit des Geistes als von der Substanz
erfüllt;
durch diesen Inhalt verschwindet dies,
daß der Gegenstand zur reinen Gegenständlichkeit,
zur Form der Negativität des Selbstbewußtseins
herabsänke.
Die unmittelbare Einheit des Geistes mit sich selbst
ist die Grundlage oder reines Bewußtsein,
innerhalb dessen das Bewußtsein auseinandertritt.
Auf diese Weise in sein reines Selbstbewußtsein eingeschlossen,
existiert er in der Religion nicht als der Schöpfer einer Natur
überhaupt;
sondern was er in dieser Bewegung hervorbringt,
sind seine Gestalten als Geister,
die zusammen die Vollständigkeit seiner Erscheinung ausmachen,
und diese Bewegung selbst ist das Werden seiner vollkommenen
Wirklichkeit
durch die einzelnen Seiten derselben oder seine unvollkommenen
Wirklichkeiten.
Die erste Wirklichkeit desselben ist der Begriff der Religion selbst
oder sie als unmittelbare und also natürliche Religion;
in ihr weiß der Geist sich als seinen Gegenstand
in natürlicher oder unmittelbarer Gestalt.
Die zweite aber ist notwendig diese,
sich in der Gestalt der aufgehobenen Natürlichkeit oder des
Selbsts zu wissen.
Sie ist also die künstliche Religion;
denn zur Form des Selbsts erhebt sich die Gestalt
durch das Hervorbringen des Bewußtseins,
wodurch dieses in seinem Gegenstande sein Tun oder das Selbst anschaut.
Die dritte endlich hebt die Einseitigkeit der beiden ersten auf;
das Selbst ist ebensowohl ein unmittelbares,
als die Unmittelbarkeit Selbst ist.
Wenn in der ersten der Geist überhaupt in der Form des
Bewußtseins,
in der zweiten des Selbstbewußtseins ist,
so ist er in der dritten in der Form der Einheit beider;
er hat die Gestalt des Anundfürsichseins;
und indem er also vorgestellt ist, wie er an und für sich ist,
so ist dies die offenbare Religion.
Ob er aber in ihr wohl zu seiner wahren Gestalt gelangt,
so ist eben die Gestalt selbst ((502)) und die Vorstellung
noch die unüberwundene Seite, von der er in den Begriff
übergehen muß,
um die Form der Gegenständlichkeit in ihm ganz aufzulösen,
in ihm, der ebenso dies sein Gegenteil in sich schließt.
Alsdann hat der Geist den Begriff seiner selbst erfaßt,
wie wir nur erst ihn erfaßt haben,
und seine Gestalt oder das Element seines Daseins,
indem sie der Begriff ist, ist er selbst.
A. DIE NATÜRLICHE RELIGION
Der den Geist wissende Geist ist Bewußtsein seiner selbst
und ist sich in der Form des Gegenständlichen;
er ist - und ist zugleich das Fürsichsein.
Er ist für sich, er ist die Seite des Selbstbewußtseins,
und zwar gegen die Seite seines Bewußtseins
oder des sich auf sich als Gegenstand Beziehens.
In seinem Bewußtsein ist die Entgegensetzung
und hierdurch die Bestimmtheit der Gestalt,
in welcher er sich erscheint und weiß.
Um diese ist es in dieser Betrachtung der Religion allein zu tun,
denn sein ungestaltetes Wesen oder sein reiner Begriff hat sich schon
ergeben.
Der Unterschied des Bewußtseins und Selbstbewußtseins
fällt aber zugleich innerhalb des letzteren;
die Gestalt der Religion enthält nicht das Dasein des Geistes,
wie er vom Gedanken freie Natur
noch wie er vom Dasein freier Gedanke ist;
sondern sie ist das im Denken erhaltene Dasein,
so wie ein Gedachtes, das sich da ist.
- Nach der Bestimmtheit dieser Gestalt, in welcher der Geist sich
weiß,
unterscheidet sich eine Religion von einer anderen;
allein es ist zugleich zu bemerken,
daß die Darstellung dieses seines Wissens von sich
nach dieser einzelnen Bestimmtheit
in der Tat nicht das Ganze einer wirklichen Religion erschöpft.
Die Reihe der verschiedenen Religionen,
die sich ergeben werden,
stellt ebensosehr wieder nur die verschiedenen Seiten einer einzigen,
und zwar jeder einzelnen dar,
und die Vorstellungen, welche eine wirkliche Religion
vor einer anderen auszuzeichnen scheinen,
kommen in ((503)) jeder vor.
Allein zugleich muß die Verschiedenheit
auch als eine Verschiedenheit der Religion betrachtet werden.
Denn indem der Geist sich im Unterschiede
seines Bewußtseins und seines Selbstbewußtseins befindet,
so hat die Bewegung das Ziel, diesen Hauptunterschied aufzuheben
und der Gestalt, die Gegenstand des Bewußtseins ist,
die Form des Selbstbewußtseins zu geben.
Dieser Unterschied ist aber nicht dadurch schon aufgehoben,
daß die Gestalten, die jenes enthält,
auch das Moment des Selbsts an ihnen haben
und der Gott als Selbstbewußtsein vorgestellt wird.
Das vorgestellte Selbst ist nicht das wirkliche;
daß es, wie jede andere nähere Bestimmung der Gestalt,
dieser in Wahrheit angehöre,
muß es teils durch das Tun des Selbstbewußtseins in sie
gesetzt werden,
teils muß die niedrige Bestimmung von der höheren aufgehoben
und begriffen zu sein sich zeigen.
Denn das Vorgestellte hört nur dadurch auf,
Vorgestelltes und seinem Wissen fremd zu sein,
daß das Selbst es hervorgebracht hat
und also die Bestimmung des Gegenstandes als die seinige,
somit sich in ihm anschaut.
- Durch diese Tätigkeit ist die niedrigere Bestimmung zugleich
verschwunden;
denn das Tun ist das negative, das sich auf Kosten eines anderen
ausführt;
insofern sie auch noch vorkommt, so ist sie in die Unwesentlichkeit
zurückgetreten;
so wie dagegen, wo die niedrigere noch herrschend ist,
die höhere aber auch vorkommt,
die eine selbstlos neben der anderen Platz hat.
Wenn daher die verschiedenen Vorstellungen innerhalb einer einzelnen
Religion
zwar die ganze Bewegung ihrer Formen darstellen,
so ist der Charakter einer jeden durch die besondere Einheit
des Bewußtseins und des Selbstbewußtseins bestimmt,
d. i. dadurch, daß das letztere
die Bestimmung des Gegenstandes des ersteren in sich gefaßt,
sie durch sein Tun sich vollkommen angeeignet [hat]
und sie als die wesentliche gegen die anderen weiß.
- Die Wahrheit des Glaubens an eine Bestimmung des religiösen
Geistes
zeigt sich darin, daß der wirkliche Geist so beschaffen ist
wie die Gestalt, in der er sich in der Religion anschaut,
- wie z. B. ((504)) die Menschwerdung Gottes,
die in der morgenländischen
Religion vorkommt, keine Wahrheit hat,
weil ihr wirklicher
Geist ohne diese Versöhnung ist.
- Hierher gehört es nicht,
von der Totalität der Bestimmungen zu der einzelnen
zurückzukehren
und zu zeigen, in welcher Gestalt innerhalb ihrer und ihrer besonderen
Religion
die Vollständigkeit der übrigen enthalten ist.
Die höhere Form unter eine niedrigere zurückgestellt
entbehrt ihrer Bedeutung für den selbstbewußten Geist,
gehört ihm nur oberflächlich und seiner Vorstellung an.
Sie ist in ihrer eigentümlichen Bedeutung und da zu betrachten,
wo sie Prinzip dieser besonderen Religion
und durch ihren wirklichen Geist bewährt ist.
a. Das Lichtwesen
Der Geist, als das Wesen, welches Selbstbewußtsein ist
- oder das selbstbewußte Wesen, welches alle Wahrheit ist
und alle Wirklichkeit als sich selbst weiß -,
ist gegen die Realität, die er in der Bewegung seines
Bewußtseins sich gibt,
nur erst sein Begriff;
und dieser Begriff ist gegen den Tag dieser Entfaltung die Nacht seines
Wesens,
gegen das Dasein seiner Momente als selbständiger Gestalten
das schöpferische Geheimnis seiner Geburt.
Dies Geheimnis hat in sich selbst seine Offenbarung;
denn das Dasein hat in diesem Begriffe seine Notwendigkeit,
weil er der sich wissende Geist ist,
also in seinem Wesen das Moment hat, Bewußtsein zu sein
und sich gegenständlich vorzustellen.
- Es ist das reine Ich, das in seiner Entäußerung,
in sich als allgemeinem Gegenstande die Gewißheit seiner selbst
hat,
oder dieser Gegenstand ist für es
die Durchdringung alles Denkens und aller Wirklichkeit.
In der unmittelbaren ersten Entzweiung des sich wissenden absoluten
Geistes
hat seine Gestalt diejenige Bestimmung,
welche dem unmittelbaren Bewußtsein oder der sinnlichen
Gewißheit zukommt.
Er schaut sich in der Form des Seins an, jedoch nicht des geistlosen,
mit zufälligen Bestimmungen ((505)) der Empfindung erfüllten
Seins,
das der sinnlichen Gewißheit angehört,
sondern es ist das mit dem Geiste erfüllte Sein.
Es schließt ebenso die Form in sich,
welche an dem unmittelbaren Selbstbewußtsein vorkam,
die Form des Herrn gegen das von seinem Gegenstande zurücktretende
Selbstbewußtsein des Geistes.
- Dies mit dem Begriffe des Geistes erfüllte Sein
ist also die Gestalt der einfachen Beziehung des Geistes auf sich
selbst
oder die Gestalt der Gestaltlosigkeit.
Sie ist vermöge dieser Bestimmung das reine,
alles enthaltende und erfüllende Lichtwesen des Aufgangs,
das sich in seiner formlosen Substantialität erhält.
Sein Anderssein ist das ebenso einfache Negative, die Finsternis;
die Bewegungen seiner eigenen Entäußerung,
seine Schöpfungen in dem widerstandslosen Elemente seines
Andersseins
sind Lichtgüsse;
sie sind in ihrer Einfachheit zugleich sein Fürsichwerden
und Rückkehr aus seinem Dasein,
die Gestaltung verzehrende Feuerströme.
Der Unterschied, den es sich gibt,
wuchert zwar in der Substanz des Daseins fort
und gestaltet sich zu den Formen der Natur;
aber die wesentliche Einfachheit seines Denkens
schweift bestandlos und unverständig in ihnen umher,
erweitert ihre Grenzen zum Maßlosen
und löst ihre zur Pracht gesteigerte Schönheit in ihrer
Erhabenheit auf.
Der Inhalt, den dies reine Sein entwickelt, oder sein Wahrnehmen
ist daher ein wesenloses Beiherspielen an dieser Substanz,
die nur aufgeht, ohne in sich niederzugehen, Subjekt zu werden
und durch das Selbst ihre Unterschiede zu befestigen.
Ihre Bestimmungen sind nur Attribute,
die nicht zur Selbständigkeit gedeihen,
sondern nur Namen des vielnamigen Einen bleiben.
Dieses ist mit den mannigfachen Kräften des Daseins
und den Gestalten der Wirklichkeit
als mit einem selbstlosen Schmucke angekleidet;
sie sind nur eigenen Willens entbehrende Boten seiner Macht,
Anschauungen seiner Herrlichkeit und Stimmen seines Preises.
Dies taumelnde Leben aber muß sich zum Fürsichsein bestimmen
und seinen verschwindenden Gestalten Bestehen ((506)) geben.
Das unmittelbare Sein, in welchem es sich seinem Bewußtsein
gegenüberstellt,
ist selbst die negative Macht, die
seine Unterschiede auflöst.
Es ist also in Wahrheit das Selbst;
und der Geist geht darum dazu über, sich in der Form des Selbsts
zu wissen.
Das reine Licht wirft seine Einfachheit
als eine Unendlichkeit von Formen auseinander
und gibt sich dem Fürsichsein zum Opfer dar,
daß das Einzelne sich das Bestehen an seiner Substanz nehme.
b. Die Pflanze und das Tier
Der selbstbewußte Geist,
der aus dem gestaltlosen Wesen in sich gegangen
oder seine Unmittelbarkeit zum Selbst überhaupt erhoben,
bestimmt seine Einfachheit als eine Mannigfaltigkeit des
Fürsichseins
und ist die Religion der geistigen Wahrnehmung,
worin er in die zahllose Vielheit schwächerer und
kräftigerer,
reicherer und ärmerer Geister zerfällt.
Dieser Pantheismus, zunächst das ruhige Bestehen dieser
Geisteratome,
wird zur feindseligen Bewegung in sich selbst.
Die Unschuld der Blumenreligion,
die nur selbstlose Vorstellung des Selbsts ist,
geht in den Ernst des kämpfenden Lebens, in die Schuld der
Tierreligion,
die Ruhe und Ohnmacht der anschauenden Individualität
in das zerstörende Fürsichsein über.
- Es hilft nichts, den Dingen der Wahrnehmung
den Tod der Abstraktion genommen
und sie zu Wesen geistiger Wahrnehmung erhoben zu haben;
die Beseelung dieses Geisterreichs
hat ihn durch die Bestimmtheit und die Negativität an ihr,
die über die unschuldige Gleichgültigkeit derselben
übergreift.
Durch sie wird die Zerstreuung in die Mannigfaltigkeit der ruhigen
Pflanzengestalten
eine feindselige Bewegung, worin sich der Haß ihres
Fürsichseins aufreibt.
- Das wirkliche Selbstbewußtsein dieses zerstreuten Geistes
ist eine Menge vereinzelter ungeselliger Völkergeister,
die in ihrem Hasse sich auf den Tod bekämpfen
und bestimmter Tiergestalten als ihres Wesens sich bewußt werden,
denn sie sind nichts anderes als Tiergeister, ((507))
sich absondernde, ihrer ohne Allgemeinheit bewußte Tierleben.
In diesem Hasse reibt sich aber die Bestimmtheit
des rein negativen Fürsichseins auf,
und durch diese Bewegung des Begriffs tritt der Geist in eine andere
Gestalt.
Das aufgehobene Fürsichsein ist die Form des Gegenstandes,
die durch das Selbst hervorgebracht
oder die vielmehr das hervorgebrachte, sich aufreibende,
d. h. zum Dinge werdende Selbst ist.
Über die nur zerreißenden Tiergeister behält daher der
Arbeitende die Oberhand,
dessen Tun nicht nur negativ, sondern beruhigt und positiv ist.
Das Bewußtsein des Geistes ist also nunmehr die Bewegung,
die über das unmittelbare Ansichsein
wie über das abstrakte Fürsichsein hinaus ist.
Indem das Ansich zu einer Bestimmtheit
durch den Gegensatz herabgesetzt ist,
ist es nicht mehr die eigene Form des absoluten Geistes,
sondern eine Wirklichkeit, die sein Bewußtsein sich
entgegengesetzt
als das gemeine Dasein vorfindet,
sie aufhebt und ebenso nicht nur dies aufhebende
Fürsichsein ist,
sondern auch seine Vorstellung,
das zur Form eines Gegenstandes herausgesetzte Fürsichsein,
hervorbringt.
Dies Hervorbringen ist jedoch noch nicht das vollkommene,
sondern eine bedingte Tätigkeit und das Formieren eines
Vorhandenen.
c. Der Werkmeister
Der Geist erscheint also hier als der Werkmeister
und sein Tun, wodurch er sich selbst als Gegenstand hervorbringt,
aber den Gedanken seiner noch nicht erfaßt hat,
ist ein instinktartiges Arbeiten, wie die Bienen ihre Zellen bauen.
Die erste Form, weil sie die unmittelbare ist,
ist sie die abstrakte des Verstandes,
und das Werk [ist] noch nicht an ihm selbst vom Geiste erfüllt.
Die Kristalle der Pyramiden und Obelisken,
einfache Verbindungen gerader Linien mit ebenen Oberflächen
und gleichen Verhältnissen der Teile,
an denen die Inkommensurabilität des Runden vertilgt ist,
sind die ((508)) Arbeiten dieses Werkmeisters der strengen Form.
Um der bloßen Verständigkeit der Form willen
ist sie nicht ihre Bedeutung an ihr selbst, nicht das geistige Selbst.
Die Werke empfangen also nur den Geist
entweder in sich als einen fremden, abgeschiedenen Geist,
der seine lebendige Durchdringung mit der Wirklichkeit verlassen [hat],
selbst tot in diese des Lebens entbehrenden Kristalle einkehrt;
oder sie beziehen sich äußerlich auf ihn als auf einen
solchen,
der selbst äußerlich und nicht als Geist da ist,
- als auf das aufgehende Licht, das seine Bedeutung auf sie wirft.
Die Trennung, von welcher der arbeitende Geist ausgeht,
des Ansichseins, das zum Stoffe wird, den er verarbeitet,
und des Fürsichseins,
welches die Seite des arbeitenden Selbstbewußtseins ist,
ist ihm in seinem Werke gegenständlich geworden.
Seine fernere Bemühung muß dahin gehen,
diese Trennung der Seele und des Leibes aufzuheben,
jene an ihr selbst zu bekleiden und zu gestalten, diesen aber zu
beseelen.
Beide Seiten, indem sie einander nähergebracht werden,
behalten dabei die Bestimmtheit des vorgestellten Geistes
und seiner umgebenden Hülle gegeneinander;
seine Einigkeit mit sich selbst
enthält diesen Gegensatz der Einzelheit und Allgemeinheit.
Indem das Werk in seinen Seiten sich selbst [sich] nähert,
so geschieht dadurch zugleich auch das andere,
daß es dem arbeitenden Selbstbewußtsein nähertritt
und dieses zum Wissen seiner, wie es an und für sich ist, in dem
Werke gelangt.
So aber macht es nur erst die abstrakte Seite der Tätigkeit des
Geistes aus,
welche nicht in sich selbst noch ihren Inhalt,
sondern [ihn] an seinem Werke, das ein Ding ist, weiß.
Der Werkmeister selbst, der ganze Geist, ist noch nicht erschienen,
sondern ist das noch innere verborgene Wesen,
welches als Ganzes, nur zerlegt
in das tätige Selbstbewußtsein und in seinen
hervorgebrachten Gegenstand,
vorhanden ist.
Die umgebende Behausung also, die äußere Wirklichkeit,
die ((509)) nur erst in die abstrakte Form des Verstandes erhoben ist,
arbeitet der Werkmeister zur beseelteren Form aus.
Er verwendet das Pflanzenleben dazu,
das nicht mehr wie dem früheren ohnmächtigen Pantheismus
heilig ist,
sondern von
ihm, der sich als das fürsichseiende Wesen erfaßt,
als etwas Brauchbares genommen
und zur Außenseite und Zierde zurückgesetzt wird.
Es wird aber nicht unverändert verwendet,
sondern der Arbeiter der selbstbewußten Form
vertilgt zugleich die Vergänglichkeit,
welche die unmittelbare Existenz dieses Lebens an ihm hat,
und nähert seine organischen Formen
den strengeren und allgemeineren des Gedankens.
Die organische Form, die freigelassen in der Besonderheit fortwuchert,
ihrerseits von der Form des Gedankens unterjocht,
erhebt andererseits diese geradlinigen und ebenen Gestalten
zur beseelteren Rundung,
- eine Vermischung, welche
die Wurzel der freien Architektur wird.
Diese Wohnung, die Seite des allgemeinen Elements
oder der unorganischen Natur des Geistes,
schließt nun auch eine Gestalt der Einzelheit in sich,
die den vorher von dem Dasein abgeschiedenen,
ihm inneren oder äußerlichen Geist der Wirklichkeit
näherbringt
und dadurch das Werk dem tätigen Selbstbewußtsein gleicher
macht.
Der Arbeiter greift zuerst zur Form des Fürsichseins
überhaupt, zur Tiergestalt.
Daß er sich seiner nicht mehr unmittelbar im Tierleben
bewußt ist,
beweist er dadurch, daß er gegen dieses
sich als die hervorbringende Kraft konstituiert
und in ihm als seinem Werke sich weiß;
wodurch sie zugleich eine aufgehobene
und die Hieroglyphe einer anderen Bedeutung, eines Gedankens wird.
Daher wird sie auch nicht mehr allein und ganz vom Arbeiter gebraucht,
sondern mit der Gestalt des Gedankens,
mit der menschlichen, vermischt.
Noch fehlt dem Werke aber die Gestalt
und Dasein, worin das Selbst als Selbst existiert;
- es fehlt ihm noch dies, an ihm selbst es auszusprechen,
daß es eine innere Bedeutung in sich schließt,
es fehlt ihm die Sprache, das Element,
worin der erfüllende Sinn selbst vorhanden ist.
Das Werk daher, wenn es sich von dem Tierischen ((510)) auch ganz
gereinigt [hat]
und die Gestalt des Selbstbewußtseins allein an ihm trägt,
ist die noch tonlose Gestalt,
die des Strahls der aufgehenden Sonne bedarf, um Ton zu haben,
der, vom Lichte erzeugt, auch nur Klang und nicht Sprache ist,
nur ein äußeres Selbst, nicht das innere zeigt. [?
Memnonkolosse]
Diesem äußeren Selbst der Gestalt steht die andere
gegenüber,
welche anzeigt, ein Inneres an ihr zu haben.
Die in ihr Wesen zurückgehende Natur setzt ihre lebendige, sich
vereinzelnde
und in ihrer Bewegung sich verwirrende Mannigfaltigkeit
zu einem unwesentlichen Gehäuse herab, das die Decke des Inneren
ist;
und dieses Innere ist zunächst noch die einfache Finsternis,
das Unbewegte, der schwarze formlose Stein.
Beide Darstellungen enthalten die Innerlichkeit und das Dasein,
- die beiden Momente des Geistes;
und beide Darstellungen [enthalten sie]
beide zugleich in entgegengesetztem Verhältnisse,
das Selbst sowohl als Inneres wie als Äußeres.
Beides ist zu vereinigen.
- Die Seele der menschlich geformten Bildsäule
kommt noch nicht aus dem Innern,
ist noch nicht die Sprache, das Dasein, das an ihm selbst innerlich ist,
- und das Innere des vielförmigen Daseins ist noch das Tonlose,
sich nicht in sich selbst Unterscheidende
und von seinem Äußeren, dem alle Unterschiede gehören,
noch Getrennte.
- Der Werkmeister vereint daher beides
in der Vermischung der natürlichen und der selbstbewußten
Gestalt,
und diese zweideutigen, sich selbst rätselhaften Wesen,
das Bewußte ringend mit dem Bewußtlosen,
das einfache Innere mit dem vielgestalteten Äußeren,
die Dunkelheit des Gedankens mit der Klarheit der Äußerung
paarend,
brechen in die Sprache tiefer, schwerverständlicher Weisheit aus.
In diesem Werke hört die instinktartige Arbeit auf,
die dem Selbstbewußtsein gegenüber das bewußtlose Werk
erzeugte;
denn in ihm kommt der Tätigkeit des Werkmeisters,
welche das Selbstbewußtsein ausmacht,
ein ebenso selbstbewußtes, sich aussprechendes Inneres entgegen.
Er hat sich darin zu der Entzweiung seines Bewußtseins
emporgearbeitet,
worin ((511)) der Geist dem Geiste begegnet.
In dieser Einheit des selbstbewußten Geistes mit sich selbst,
insofern er sich Gestalt und Gegenstand seines Bewußtseins ist,
reinigen sich also seine Vermischungen
mit der bewußtlosen Weise der unmittelbaren Naturgestalt.
Diese Ungeheuer an Gestalt, Rede und Tat
lösen sich zur geistigen Gestaltung auf,
- einem Äußeren, das in sich gegangen,
- einem Inneren, das sich aus sich und an sich selbst
äußert;
zum Gedanken, der sich gebärendes
und seine Gestalt ihm gemäß erhaltendes und klares Dasein
ist.
Der Geist ist Künstler.
B. DIE KUNSTRELIGION
Der Geist hat seine Gestalt, in welcher er für sein
Bewußtsein ist,
in die Form des Bewußtseins selbst erhoben
und bringt eine solche sich hervor.
Der Werkmeister hat das synthetische Arbeiten,
das Vermischen der fremdartigen Formen des Gedankens
und des Natürlichen aufgegeben;
indem die Gestalt die Form der selbstbewußten Tätigkeit
gewonnen,
ist er geistiger Arbeiter geworden.
Fragen wir danach, welches der wirkliche Geist ist,
der in der Kunstreligion das Bewußtsein seines absoluten Wesens
hat,
so ergibt sich, daß es der sittliche oder der wahre Geist ist.
Er ist nicht nur die allgemeine Substanz aller Einzelnen,
sondern indem sie für das wirkliche Bewußtsein
die Gestalt des Bewußtseins hat,
so heißt dies soviel, daß sie, die Individualisation hat,
von ihnen als ihr eigenes Wesen und Werk gewußt wird.
Weder ist sie so für sie das Lichtwesen,
in dessen Einheit das Fürsichsein des Selbstbewußtseins
nur negativ, nur vergehend enthalten ist
und den Herrn seiner Wirklichkeit anschaut,
noch ist sie das rastlose Verzehren sich hassender Völker,
noch die Unterjochung derselben zu Kasten,
die zusammen den Schein der Organisation eines vollendeten Ganzen
ausmachen,
dem aber die allgemeine Freiheit der Individuen fehlt.
Sondern er ist das freie Volk,
worin die Sitte ((512)) die Substanz aller ausmacht,
deren Wirklichkeit und Dasein
alle und jeder Einzelne als seinen Willen und Tat weiß.
Die Religion des sittlichen Geistes ist aber seine Erhebung über
seine Wirklichkeit,
das Zurückgehen aus seiner Wahrheit in das reine Wissen seiner
selbst.
Indem das sittliche Volk
in der unmittelbaren Einheit mit seiner Substanz lebt
und das Prinzip der reinen Einzelheit des Selbstbewußtseins
nicht an ihm hat,
so tritt seine Religion in ihrer Vollendung
erst im Scheiden von seinem Bestehen auf.
Denn die Wirklichkeit der sittlichen Substanz beruht
teils auf ihrer ruhigen Unwandelbarkeit
gegen die absolute Bewegung des Selbstbewußtseins
und hiermit darauf, daß dieses noch nicht aus seiner ruhigen
Sitte
und seinem festen Vertrauen in sich gegangen ist,
teils auf seiner Organisation in eine Vielheit von Rechten und
Pflichten
sowie in die Verteilung in die Massen der Stände
und ihres besonderen Tuns, das zum Ganzen zusammenwirkt,
- hiermit darauf, daß der Einzelne
mit der Beschränkung seines Daseins zufrieden ist
und den schrankenlosen Gedanken seines freien Selbsts
noch nicht erfaßt hat.
Aber jenes ruhige unmittelbare Vertrauen zur Substanz
geht in das Vertrauen zu sich und in die Gewißheit seiner
selbst zurück,
und die Vielheit der Rechte und Pflichten wie das beschränkte Tun
ist dieselbe dialektische Bewegung des Sittlichen
als die Vielheit der Dinge und ihrer Bestimmungen
- eine Bewegung, die nur in der Einfachheit des seiner gewissen Geistes
ihre Ruhe und Festigkeit findet.
- Die Vollendung der Sittlichkeit zum freien Selbstbewußtsein
und das Schicksal der sittlichen Welt
ist daher die in sich gegangene Individualität,
der absolute Leichtsinn des sittlichen Geistes,
der alle festen Unterschiede seines Bestehens
und die Massen seiner organischen Gliederung in sich aufgelöst
[hat]
und vollkommen seiner sicher zur schrankenlosen Freudigkeit
und zum freisten Genusse seiner selbst gelangt ist.
Diese einfache Gewißheit des Geistes in sich ist das Zweideutige,
ruhiges Bestehen und feste Wahrheit
sowie absolute Unruhe und das Vergehen der Sittlichkeit zu sein.
Sie schlägt aber in das ((513)) letztere um,
denn die Wahrheit des sittlichen Geistes
ist nur erst noch dies substantielle Wesen und Vertrauen,
worin das Selbst sich nicht als freie Einzelheit weiß
und das daher in dieser Innerlichkeit
oder in dem Freiwerden des Selbsts zugrunde geht.
Indem also das Vertrauen gebrochen,
die Substanz des Volks in sich geknickt ist,
so ist der Geist, der die Mitte von bestandlosen Extremen war,
nunmehr in das Extrem
des sich als Wesen erfassenden Selbstbewußtseins herausgetreten.
Dieses ist der in sich gewisse Geist, der über den Verlust seiner
Welt trauert
und sein Wesen, über die Wirklichkeit erhoben,
nun aus der Reinheit des Selbsts hervorbringt.
In solcher Epoche tritt die absolute Kunst hervor;
früher ist sie das instinktartige Arbeiten,
das, ins Dasein versenkt, aus ihm heraus und in es hinein arbeitet,
nicht an der freien Sittlichkeit seine Substanz
und daher auch zum arbeitenden Selbst nicht die freie geistige
Tätigkeit hat.
Später ist der Geist über die Kunst hinaus,
um seine höhere Darstellung zu gewinnen,
- nämlich nicht nur die aus dem Selbst geborene Substanz,
sondern in seiner Darstellung als Gegenstand dieses Selbst zu sein,
nicht nur aus seinem Begriffe sich zu gebären,
sondern seinen Begriff selbst zur Gestalt zu haben,
so daß der Begriff und das erzeugte Kunstwerk
sich gegenseitig als ein und dasselbe wissen.
Indem also die sittliche Substanz
aus ihrem Dasein sich in ihr reines Selbstbewußtsein
zurückgenommen,
so ist dieses die Seite des Begriffs oder der Tätigkeit,
mit welcher der Geist sich als Gegenstand hervorbringt.
Sie ist reine Form, weil der Einzelne im sittlichen Gehorsam und
Dienste
sich alles bewußtlose Dasein und feste Bestimmung so abgearbeitet
hat,
wie die Substanz selbst dies flüssige Wesen geworden ist.
Diese Form ist die Nacht, worin die Substanz verraten ward
und sich zum Subjekte machte;
aus dieser Nacht der reinen Gewißheit seiner selbst ist es,
daß der sittliche Geist als die von der Natur
und seinem unmittelbaren Dasein befreite Gestalt aufersteht. ((514))
Die Existenz des reinen Begriffs, in den der Geist aus seinem
Körper geflohen,
ist ein Individuum, das er sich zum Gefäße seines Schmerzes
erwählt.
Er ist an diesem als sein Allgemeines
und seine Macht, von welcher es Gewalt leidet,
- als sein Pathos, dem hingegeben sein Selbstbewußtsein die
Freiheit verliert.
Aber jene positive Macht der Allgemeinheit
wird vom reinen Selbst des Individuums, als der negativen Macht,
bezwungen.
Diese reine Tätigkeit, ihrer unverlierbaren Kraft bewußt,
ringt mit dem ungestalteten Wesen;
Meister darüber werdend, hat sie das Pathos zu
ihrem Stoffe gemacht
und sich ihren Inhalt gegeben,
und diese Einheit tritt als Werk heraus,
der allgemeine Geist individualisiert und vorgestellt.
a. Das abstrakte Kunstwerk
Das erste Kunstwerk ist, als das unmittelbare, das abstrakte und
einzelne.
Seinerseits hat es sich aus der unmittelbaren und gegenständlichen
Weise
dem Selbstbewußtsein entgegenzubewegen,
wie andererseits dieses für sich im Kultus darauf geht,
die Unterscheidung aufzuheben,
die es sich zuerst gegen seinen Geist gibt,
und hierdurch das an ihm selbst belebte Kunstwerk hervorzubringen.
Die erste Weise, in welcher der künstlerische Geist
seine Gestalt und sein tätiges Bewußtsein am weitesten
voneinander entfernt,
ist die unmittelbare, daß jene als Ding überhaupt da ist.
- Sie zerfällt an ihr in den Unterschied der Einzelheit,
welche die Gestalt des Selbsts an ihr hat,
und der Allgemeinheit, welche das unorganische Wesen
in bezug auf die Gestalt, als seine Umgebung und Behausung, darstellt.
Diese gewinnt durch die Erhebung des Ganzen in den reinen Begriff
ihre reine, dem Geiste angehörige Form.
Sie ist weder der verständige Kristall,
der das Tote behaust oder von der äußerlichen Seele
beschienen wird,
noch die aus der Pflanze erst hervorgehende Vermischung
der Formen der Natur und des Gedankens,
dessen Tätigkeit hierin noch ein Nachahmen ((515)) ist.
Sondern der Begriff streift das ab, was von der Wurzel,
dem Geäste und Geblätter den Formen noch anklebt,
und reinigt sie zu Gebilden, worin das Geradlinige und Ebene des
Kristalls
in inkommensurable Verhältnisse erhoben ist,
so daß die Beseelung des Organischen
in die abstrakte Form des Verstandes aufgenommen
und zugleich ihr Wesen, die Inkommensurabilität,
für den Verstand erhalten wird.
Der inwohnende Gott aber ist
der aus dem Tiergehäuse hervorgezogene schwarze Stein,
der mit dem Lichte des Bewußtseins durchdrungen ist.
Die menschliche Gestalt streift die tierische, mit der sie vermischt
war, ab;
das Tier ist für den Gott nur eine zufällige Verkleidung;
es tritt neben seine wahre Gestalt und gilt für sich nichts mehr,
sondern ist zur Bedeutung eines Anderen, zum bloßen Zeichen,
herabgesunken.
Die Gestalt des Gottes streift eben dadurch an ihr selbst auch die
Bedürftigkeit
der natürlichen Bedingungen des tierischen Daseins ab
und deutet die innerlichen Anstalten des organischen Lebens
in ihre Oberfläche verschmolzen und nur dieser angehörig an.
- Das Wesen des Gottes aber
ist die Einheit des allgemeinen Daseins der Natur
und des selbstbewußten Geistes,
der in seiner Wirklichkeit jenem gegenüberstehend erscheint.
Zugleich zunächst eine einzelne Gestalt,
ist sein Dasein eines der Elemente der Natur,
so wie seine selbstbewußte Wirklichkeit ein einzelner Volksgeist.
Aber jenes ist in dieser Einheit das in den Geist reflektierte Element,
die durch den Gedanken verklärte,
mit dem selbstbewußten Leben geeinte Natur.
Die Göttergestalt hat darum ihr Naturelement als ein aufgehobenes,
als eine dunkle Erinnerung in ihr.
Das wüste Wesen und der verworrene Kampf des freien Daseins der
Elemente,
das unsittliche Reich der Titanen, ist besiegt
und an den Saum der sich klar gewordenen Wirklichkeit,
an die trüben Grenzen der sich im Geiste findenden
und beruhigten Welt verwiesen.
Diese alten Götter, in welche das Lichtwesen,
mit der Finsternis zeugend, ((516)) sich zunächst besondert,
der Himmel, die Erde, der Ozean, die Sonne,
das blinde typhonische Feuer der Erde usf. sind durch Gestalten
ersetzt,
die an ihnen nur noch den dunkel erinnernden Anklang an jene Titanen
haben
und nicht mehr Naturwesen,
sondern klare sittliche Geister der selbstbewußten Völker
sind.
Diese einfache Gestalt hat also die Unruhe der unendlichen Vereinzelung
- ihrer sowohl als des Naturelements, das nur als allgemeines Wesen
notwendig,
in seinem Dasein und Bewegung aber sich zufällig verhält,
wie ihrer als des Volks, das, in die besonderen Massen des Tuns
und in die individuellen Punkte des Selbstbewußtseins zerstreut,
ein Dasein mannigfaltigen Sinnes und Tuns hat -
an sich vertilgt und in ruhige Individualität
zusammengefaßt.
Es steht ihr daher das Moment der Unruhe,
ihr - dem Wesen - das Selbstbewußtsein gegenüber,
das als die Geburtsstätte derselben für sich nichts
übrig behielt,
als die reine Tätigkeit zu sein.
Was der Substanz angehört, gab der Künstler ganz seinem Werke
mit,
sich selbst aber als einer bestimmten Individualität
in seinem Werke keine Wirklichkeit;
er konnte ihm die Vollendung nur dadurch erteilen,
daß er seiner Besonderheit sich entäußerte
und zur Abstraktion des reinen Tuns sich entkörperte und
steigerte.
- In dieser ersten unmittelbaren Erzeugung
ist die Trennung des Werks und seiner selbstbewußten
Tätigkeit
noch nicht wieder vereinigt;
das Werk ist daher nicht für sich das wirklich beseelte,
sondern es ist Ganzes nur mit seinem Werden zusammen.
Das Gemeine an dem Kunstwerke,
daß es im Bewußtsein erzeugt und von Menschenhänden
gemacht ist,
ist das Moment des als Begriff existierenden Begriffs,
der ihm gegenübertritt.
Und wenn dieser, als Künstler oder als Betrachter,
das Kunstwerk als an ihm selbst absolut beseelt auszusprechen
und sich, den Tuenden oder Schauenden,
zu vergessen uneigennützig genug ist,
so muß hiergegen der Begriff des Geistes festgehalten werden,
der des Moments nicht entbehren kann, seiner selbst bewußt zu
sein.
Dies Moment aber steht dem Werke gegenüber,
weil ((517)) er in dieser seiner ersten Entzweiung beiden Seiten
ihre abstrakten Bestimmungen des Tuns und Dingseins gegeneinander gibt
und ihre Rückkehr in die Einheit, von der sie ausgingen,
noch nicht zustande gekommen ist.
Der Künstler erfährt also an seinem Werke,
daß er kein ihm gleiches Wesen hervorbrachte.
Es kommt ihm zwar daraus ein Bewußtsein so zurück,
daß eine bewundernde Menge es als den Geist, der ihr Wesen ist,
verehrt.
Aber diese Beseelung, indem sie ihm sein Selbstbewußtsein
nur als Bewunderung erwidert, ist vielmehr ein Bekenntnis,
das diese Beseelung an den Künstler ablegt, nicht seinesgleichen
zu sein.
Indem es ihm als Freudigkeit überhaupt zurückkommt,
findet er darin nicht den Schmerz seiner Bildung und Zeugung,
nicht die Anstrengung seiner Arbeit.
Sie mögen das Werk auch noch beurteilen
oder ihm Opfer bringen, auf welche Art es sei,
ihr Bewußtsein darein legen,
- wenn sie sich mit ihrer Kenntnis darüber setzen,
weiß er, wieviel mehr seine Tat als ihr Verstehen und Reden ist;
wenn sie sich darunter setzen und ihr sie beherrschendes Wesen darin
erkennen,
weiß er sich als den Meister desselben.
Das Kunstwerk erfordert daher ein anderes Element seines Daseins,
der Gott einen anderen Hervorgang als diesen,
worin er aus der Tiefe seiner schöpferischen Nacht
in das Gegenteil, in die Äußerlichkeit,
die Bestimmung des selbstbewußtlosen Dinges herabfällt.
Dies höhere Element ist die Sprache,
- ein Dasein, das unmittelbar selbstbewußte Existenz ist.
Wie das einzelne Selbstbewußtsein in ihr da ist,
ist es ebenso unmittelbar als eine allgemeine Ansteckung;
die vollkommene Besonderung des Fürsichseins ist zugleich
die Flüssigkeit und die allgemein mitgeteilte Einheit der vielen Selbst;
sie ist die als Seele existierende Seele.
Der Gott also, der die Sprache zum Elemente seiner Gestalt hat,
ist das an ihm selbst beseelte Kunstwerk,
das die reine Tätigkeit, die ihm, der als Ding existierte,
gegenüber war,
unmittelbar in seinem Dasein hat.
Oder das Selbstbewußtsein bleibt
in dem Gegenständlichwerden seines Wesens unmittelbar bei sich.
((518))
Es ist, so in seinem Wesen bei sich selbst seiend, reines Denken
oder die Andacht, deren Innerlichkeit in der Hymne zugleich Dasein hat.
Sie behält die Einzelheit des Selbstbewußtseins in ihr,
und vernommen ist diese Einzelheit zugleich als allgemeine da;
die Andacht, in allen angezündet, ist der geistige Strom,
der, in der Vielfachheit des Selbstbewußtseins,
seiner als eines gleichen Tuns aller und als einfaches Sein
bewußt ist;
der Geist hat als dieses allgemeine Selbstbewußtsein aller
seine reine Innerlichkeit ebensowohl als das Sein für Andere
und das Fürsichsein der Einzelnen in einer Einheit.
Diese Sprache unterscheidet sich von einer anderen Sprache des Gottes,
die nicht die des allgemeinen Selbstbewußtseins ist.
Das Orakel sowohl des Gottes der künstlerischen
als der vorhergehenden Religionen
ist die notwendige erste Sprache desselben;
denn in seinem Begriffe liegt ebensowohl,
daß er das Wesen der Natur als des Geistes ist
und daher nicht nur natürliches sondern auch geistiges Dasein hat.
Insofern dies Moment erst in seinem Begriffe liegt
und noch nicht in der Religion realisiert ist,
so ist die Sprache für das religiöse Selbstbewußtsein
Sprache eines fremden Selbstbewußtseins.
Das seiner Gemeine [?] noch fremde Selbstbewußtsein ist noch
nicht so da,
wie sein Begriff fordert.
Das Selbst ist das einfache und dadurch schlechthin allgemeine
Fürsichsein;
jenes aber, das von dem Selbstbewußtsein der Gemeine getrennt
ist,
ist nur erst ein einzelnes.
- Der Inhalt dieser eigenen und einzelnen Sprache
ergibt sich aus der allgemeinen Bestimmtheit,
in welcher der absolute Geist überhaupt in seiner Religion gesetzt
ist.
- Der allgemeine Geist des Aufgangs,
der sein Dasein noch nicht besondert hat,
spricht also ebenso einfache und allgemeine Sätze vom Wesen aus,
deren substantieller Inhalt in seiner einfachen Wahrheit erhaben ist,
aber um dieser Allgemeinheit willen
dem weiter sich fortbildenden Selbstbewußtsein zugleich trivial
erscheint.
Das weiter gebildete Selbst, das sich zum Fürsichsein erhebt,
ist über das reine Pathos der Substanz,
über die Gegenständlichkeit ((519)) des aufgehenden
Lichtwesens Meister
und weiß jene Einfachheit der Wahrheit als das Ansichseiende,
das nicht die Form des zufälligen Daseins durch eine fremde
Sprache hat,
sondern als das sichere und ungeschriebene Gesetz der Götter,
das ewig lebt und von dem niemand weiß, von wannen es erschien.
- Wie die allgemeine Wahrheit, die vom Lichtwesen geoffenbart wurde,
hier ins Innere oder Untere zurückgetreten
und damit der Form der zufälligen Erscheinung enthoben ist,
so ist dagegen in der Kunstreligion,
weil die Gestalt des Gottes das Bewußtsein
und damit die Einzelheit überhaupt angenommen hat,
die eigene Sprache des Gottes, der der Geist des sittlichen Volkes ist,
das Orakel, das die besonderen Angelegenheiten desselben weiß
und das Nützliche darüber kundtut.
Die allgemeinen Wahrheiten aber,
weil sie als das Ansichseiende gewußt werden,
vindiziert sich das wissende Denken,
und die Sprache derselben ist ihm nicht mehr eine fremde, sondern die
eigene.
Wie jener Weise des Altertums, was gut und schön sei,
in seinem eigenen Denken suchte,
dagegen den schlechten zufälligen Inhalt des Wissens,
ob es ihm gut sei, mit diesem oder jenem umzugehen,
oder einem Bekannten gut, diese Reise zu machen,
und dergleichen bedeutungslose Dinge,
dem Dämon zu wissen überließ,
ebenso holt das allgemeine Bewußtsein
das Wissen vom Zufälligen von den Vögeln
oder von den Bäumen oder von der gärenden Erde,
deren Dampf dem Selbstbewußtsein seine Besonnenheit nimmt;
denn das Zufällige ist das Unbesonnene und Fremde,
und das sittliche Bewußtsein läßt sich also auch, wie
durch ein Würfeln,
auf eine unbesonnene und fremde Weise darüber bestimmen.
Wenn der Einzelne durch seinen Verstand sich bestimmt
und mit Überlegung das wählt, was ihm nützlich sei,
so liegt dieser Selbstbestimmung
die Bestimmtheit des besonderen
Charakters zum Grunde;
sie ist selbst das Zufällige, und jenes Wissen des Verstandes,
was dem Einzelnen nützlich ist,
daher ein ebensolches Wissen als das jener Orakel oder des Loses;
nur daß der [, der] das Orakel oder Los befragt,
damit ((520)) die sittliche Gesinnung der Gleichgültigkeit
gegen das Zufällige ausdrückt,
da jenes hingegen das an sich Zufällige
als wesentliches Interesse seines Denkens und Wissens behandelt.
Das Höhere als beide aber ist,
zwar die Überlegung zum Orakel des zufälligen Tuns zu machen,
aber diese überlegte Handlung selbst
wegen ihrer Seite der Beziehung auf das Besondere
und ihrer Nützlichkeit als etwas Zufälliges zu wissen.
Das wahre selbstbewußte Dasein, das der Geist in der Sprache
erhält,
die nicht die Sprache des fremden und also zufälligen,
nicht allgemeinen Selbstbewußtseins ist,
ist das Kunstwerk, das wir vorhin gesehen.
Es steht dem Dinglichen der Bildsäule gegenüber.
Wie diese das ruhende, so ist jenes das verschwindende Dasein;
wie in diesem die Gegenständlichkeit frei entlassen
des eigenen unmittelbaren Selbsts entbehrt,
so bleibt sie dagegen in jenem zu sehr in das Selbst eingeschlossen,
kommt zuwenig zur Gestaltung
und ist, wie die Zeit, unmittelbar nicht mehr da, indem sie da ist.
Die Bewegung beider Seiten,
in der die im reinen empfindenden Elemente des Selbstbewußtseins
bewegte
und die im Elemente der Dingheit ruhende göttliche Gestalt
gegenseitig ihre verschiedene Bestimmung aufgeben
und die Einheit zum Dasein kommt, die der Begriff ihres Wesens ist,
macht der Kultus aus.
In ihm gibt sich das Selbst
das Bewußtsein des Herabsteigens des göttlichen Wesens
aus seiner Jenseitigkeit zu ihm,
und dieses, das vorher das Unwirkliche und nur Gegenständliche
ist,
erhält dadurch die eigentliche Wirklichkeit des
Selbstbewußtseins.
Dieser Begriff des Kultus ist an sich schon
in dem Strome des hymnischen Gesanges enthalten und vorhanden.
Diese Andacht ist die unmittelbare reine Befriedigung des Selbsts
durch und in sich selbst.
Es ist die gereinigte Seele,
welche in dieser Reinheit unmittelbar nur Wesen
und eins mit dem Wesen ist.
Sie ist um ihrer Abstraktion willen
nicht das seinen Gegenstand von sich unterscheidende Bewußtsein
und also nur die Nacht seines Daseins
und die bereitete Stätte seiner Gestalt.
Der abstrakte Kultus erhebt daher das Selbst ((521)) dazu,
dieses reine göttliche Element zu sein.
Die Seele vollbringt diese Läuterung mit Bewußtsein;
doch ist sie noch nicht das Selbst,
das in seine Tiefen hinabgestiegen sich als das Böse weiß,
sondern es ist ein Seiendes, eine Seele,
welche ihre Äußerlichkeit mit Waschen reinigt,
sie mit weißen Kleidern antut und ihre Innerlichkeit
den vorgestellten Weg der Arbeiten, Strafen und Belohnungen,
den Weg der die Besonderheit entäußernden Bildung
überhaupt [ hin] durchführt,
durch welchen sie in die Wohnungen
und die Gemeinschaft der Seligkeit gelangt.
Dieser Kultus ist nur erst ein geheimes,
d. h. ein nur vorgestelltes, unwirkliches Vollbringen;
er muß wirkliche Handlung sein,
eine unwirkliche Handlung widerspricht sich selbst.
Das eigentliche Bewußtsein erhebt sich dadurch in sein
reines Selbstbewußtsein.
Das Wesen hat in ihm die Bedeutung eines freien Gegenstandes;
durch den wirklichen Kultus kehrt dieser in das Selbst zurück,
- und insofern er im reinen Bewußtsein
die Bedeutung des reinen, jenseits der Wirklichkeit wohnenden Wesens
hat,
steigt dies Wesen von seiner Allgemeinheit
durch diese Vermittlung zur Einzelheit herunter
und schließt sich so mit der Wirklichkeit zusammen.
Wie beide Seiten in die Handlung eintreten, bestimmt sich so,
daß für die selbstbewußte Seite, insofern sie
wirkliches Bewußtsein ist,
das Wesen sich als die wirkliche Natur darstellt;
einesteils gehört sie ihm als Besitz und Eigentum
und gilt als das nicht ansichseiende Dasein;
andernteils ist sie seine eigene unmittelbare Wirklichkeit und
Einzelheit,
die von ihm ebenso als Nichtwesen betrachtet und aufgehoben wird.
Zugleich aber hat für sein reines Bewußtsein
jene äußere Natur die entgegengesetzte Bedeutung,
nämlich das ansichseiende Wesen zu sein,
gegen welches das Selbst seine Unwesentlichkeit aufopfert,
wie es umgekehrt die unwesentliche Seite der Natur sich selbst
aufopfert.
Die Handlung ist dadurch geistige Bewegung,
weil sie dies Doppelseitige ist,
die Abstraktion des Wesens,
wie die Andacht den Gegenstand bestimmt, aufzuheben
und es zum Wirklichen zu ((522)) machen
und das Wirkliche, wie das Handelnde den Gegenstand und sich bestimmt,
auf- und in die Allgemeinheit zu erheben.
Die Handlung des Kultus selbst beginnt daher
mit der reinen Hingabe eines Besitzes,
den der Eigentümer scheinbar
für ihn ganz nutzlos vergießt
oder in Rauch aufsteigen läßt.
Er tut hierin vor dem Wesen seines reinen Bewußtseins
auf Besitz und Recht des Eigentumes und des Genusses desselben,
auf die Persönlichkeit und die Rückkehr des Tuns in das
Selbst Verzicht
und reflektiert die Handlung vielmehr in das Allgemeine
oder in das Wesen als in sich.
- Umgekehrt aber geht darin ebenso das seiende Wesen zugrunde.
Das Tier, das aufgeopfert wird, ist das Zeichen eines Gottes;
die Früchte, die verzehrt werden, sind die lebendige Ceres und
Bacchus selbst;
- in jenem sterben die Mächte des oberen Rechts,
welches Blut und wirkliches Leben hat;
in diesen aber die Mächte des unteren Rechts,
das blutlos die geheime listige Macht besitzt.
- Die Aufopferung der göttlichen Substanz gehört, insofern
sie Tun ist,
der selbstbewußten Seite an;
daß dieses wirkliche Tun möglich sei,
muß das Wesen sich selbst schon an sich aufgeopfert haben.
Dies hat es darin getan, daß es sich Dasein gegeben
und zum einzelnen Tiere und zur Frucht gemacht hat.
Diese Verzichtleistung, die also das Wesen schon an sich vollbracht,
stellt das handelnde Selbst im Dasein und für sein
Bewußtsein dar
und ersetzt jene unmittelbare Wirklichkeit des Wesens
durch die höhere, nämlich die seiner selbst.
Denn die entstandene Einheit, die das Resultat
der aufgehobenen Einzelheit und Trennung beider Seiten ist,
ist nicht das nur negative Schicksal, sondern hat positive Bedeutung.
Nur dem abstrakten unterirdischen Wesen
wird das ihm Aufgeopferte ganz hingegeben
und damit die Reflexion des Besitzes und des Fürsichseins in das
Allgemeine,
von dem Selbst als solchem unterschieden, bezeichnet.
Zugleich aber ist dies nur ein geringer ((523)) Teil,
und das andere Opfern ist nur die Zerstörung des Unbrauchbaren
und vielmehr die Zubereitung des Geopferten zum Mahle,
dessen Schmaus die Handlung um ihre negative Bedeutung betrügt.
Der Opfernde behält bei jenem ersten Opfer das meiste
und von diesem das Nutzbare seinem Genusse auf.
Dieser Genuß ist die negative Macht,
welche das Wesen sowie die Einzelheit aufhebt,
und zugleich ist er die positive Wirklichkeit,
worin das gegenständliche Dasein des Wesens
in selbstbewußtes verwandelt [ist]
und das Selbst das Bewußtsein seiner Einheit mit dem Wesen hat.
Dieser Kultus ist übrigens zwar eine wirkliche Handlung,
ihre Bedeutung liegt jedoch mehr nur in der Andacht;
was dieser angehört, ist nicht gegenständlich hervorgebracht,
so wie das Resultat im Genusse sich selbst seines Daseins beraubt.
Der Kultus geht daher weiter und ersetzt diesen Mangel zunächst
dadurch,
daß er seiner Andacht ein gegenständliches Bestehen gibt,
indem er die gemeinsame oder einzelne, jedem tunliche Arbeit ist,
welche die Wohnung und den Putz des Gottes ihm zu Ehren hervorbringt.
- Es wird dadurch teils die Gegenständlichkeit der Bildsäule
aufgehoben,
denn durch diese Weihung seiner Geschenke und Arbeiten
macht der Arbeitende den Gott sich geneigt
und schaut sein Selbst ihm angehörig an;
teils auch ist dies Tun nicht das einzelne Arbeiten des Künstlers,
sondern diese Besonderheit ist in der Allgemeinheit aufgelöst.
Es ist aber nicht nur die Ehre des Gottes, die zustande kommt,
und der Segen seiner Geneigtheit fließt nicht nur
in der Vorstellung auf den Arbeiter,
sondern die Arbeit hat auch die umgekehrte Bedeutung
gegen die erste der Entäußerung und der fremden Ehre.
Die Wohnungen und Hallen des Gottes
sind für den Gebrauch des Menschen, die Schätze,
die in jenen aufbewahrt sind, im Notfalle die seinigen;
die Ehre, die jener in seinem Schmucke genießt,
ist die Ehre des kunstreichen und großmütigen Volkes.
Am Feste schmückt dieses ebenso
seine eigenen Wohnungen und Bekleidungen
sowie seine Verrichtungen mit zierlichem Geräte.
Es empfängt auf diese Weise für seine Gaben ((524))
die Erwiderung von dem dankbaren Gotte
und die Beweise seiner Geneigtheit,
in der es sich mit ihm durch die Arbeit verband,
nicht in der Hoffnung und einer späten Wirklichkeit,
sondern hat in der Ehrenbezeugung und Darbringung der Gaben
unmittelbar den Genuß seines eigenen Reichtumes und Putzes.
b. Das lebendige Kunstwerk
Das Volk, das in dem Kultus der Kunstreligion sich seinem Gotte naht,
ist das sittliche Volk, das seinen Staat und die Handlungen desselben
als den Willen und das Vollbringen seiner selbst weiß.
Dieser Geist, dem selbstbewußten Volke gegenübertretend,
ist daher nicht das Lichtwesen,
das selbstlos nicht die Gewißheit der Einzelnen in sich
enthält,
sondern vielmehr nur ihr allgemeines Wesen
und die herrische Macht ist, worin sie verschwinden.
Der Kultus der Religion dieses einfachen gestaltlosen Wesens
gibt seinen Angehörigen daher nur dies im allgemeinen zurück,
daß sie das Volk ihres Gottes sind;
er erwirbt ihnen nur ihr Bestehen und einfache Substanz überhaupt,
nicht aber ihr wirkliches Selbst,
das vielmehr verworfen ist.
Denn sie verehren ihren Gott als die leere Tiefe, nicht als Geist.
Der Kultus aber der Kunstreligion
entbehrt andererseits jener abstrakten Einfachheit des Wesens
und daher der Tiefe desselben.
Das Wesen aber, das mit dem Selbst unmittelbar geeinigt ist,
ist an sich der Geist und die wissende Wahrheit,
obzwar noch nicht die gewußte oder die sich selbst in ihrer Tiefe
wissende.
Weil das Wesen also hier das Selbst an ihm hat,
so ist seine Erscheinung dem Bewußtsein freundlich,
und im Kultus erhält dieses
nicht nur die allgemeine Berechtigung seines Bestehens,
sondern auch sein in ihm selbst bewußtes Dasein;
so wie umgekehrt das Wesen nicht in einem verworfenen Volke,
dessen Substanz nur anerkannt wird, selbstlose Wirklichkeit hat,
sondern in dem Volke, dessen Selbst in seiner Substanz anerkannt ist. ((525))
Aus dem Kultus tritt also das in seinem Wesen befriedigte
Selbstbewußtsein
und der Gott eingekehrt in es als in seine Stätte.
Diese Stätte ist für sich die Nacht der Substanz oder ihre
reine Individualität,
aber nicht mehr die gespannte des Künstlers,
die noch nicht mit ihrem gegenständlich werdenden Wesen
sich ausgesöhnt hat,
sondern die befriedigte Nacht, welche ihr Pathos unbedürftig an
ihr hat,
weil sie aus der Anschauung, der aufgehobenen Gegenständlichkeit,
zurückkehrt.
- Dieses Pathos ist für sich das Wesen des Aufgangs,
das aber nunmehr in sich untergegangen ist
und seinen Untergang, das Selbstbewußtsein,
und damit Dasein und Wirklichkeit an ihm selbst hat.
- Es hat hier die Bewegung seiner Verwirklichung durchlaufen.
Sich aus seiner reinen Wesenheit herabsetzend
zu einer gegenständlichen Naturkraft und deren
Äußerungen,
ist es ein Dasein für das Andere, für das Selbst, von dem es
verzehrt wird.
Das stille Wesen der selbstlosen Natur
gewinnt in seiner Frucht die Stufe,
worin sie, sich selbst zubereitend und verdaut,
sich dem selbstischen Leben darbietet;
sie erreicht in der Nützlichkeit, gegessen und getrunken werden zu
können,
ihre höchste Vollkommenheit;
denn sie ist darin die Möglichkeit einer höheren Existenz
und berührt das geistige Dasein;
- teils zur stillkräftigen Substanz, teils aber zur geistigen
Gärung
ist der Erdgeist in seiner Metamorphose
dort zum weiblichen Prinzipe der Ernährung,
hier zum männlichen Prinzipe
der sich treibenden Kraft des selbstbewußten Daseins gediehen.
In diesem Genusse ist also jenes aufgehende Lichtwesen verraten,
was es ist; er ist das Mysterium desselben.
Denn das Mystische ist nicht Verborgenheit eines Geheimnisses oder
Unwissenheit,
sondern besteht darin, daß das Selbst sich mit dem Wesen eins
weiß
und dieses also geoffenbart ist.
Nur das Selbst ist sich offenbar,
oder was offenbar ist, ist es nur in der unmittelbaren Gewißheit
seiner.
In dieser aber ist durch den Kultus das einfache Wesen gesetzt worden;
es hat als brauchbares Ding nicht nur das Dasein,
das gesehen, gefühlt, gerochen, geschmeckt wird,
sondern ist auch Gegenstand ((526)) der Begierde
und wird durch den wirklichen Genuß eins mit dem Selbst
und dadurch vollkommen an dieses verraten und ihm offenbar.
- Dasjenige, von dem gesagt wird, es sei der Vernunft, dem Herzen
offenbar,
ist in der Tat noch geheim,
denn es fehlt noch die wirkliche Gewißheit des unmittelbaren
Daseins,
sowohl die gegenständliche als die genießende,
welche in der Religion aber nicht nur die gedankenlose unmittelbare,
sondern zugleich die rein wissende des Selbsts ist.
Was hiermit durch den Kultus
dem selbstbewußten Geiste in ihm selbst offenbar geworden,
ist das einfache Wesen als die Bewegung,
teils aus seiner nächtlichen Verborgenheit herauf in das
Bewußtsein zu treten,
dessen stillernährende Substanz zu sein,
teils aber sich ebenso wieder in die unterirdische Nacht,
in das Selbst zu verlieren
und oben nur mit stiller Muttersehnsucht zu verweilen.
- Der lautere Trieb aber ist das vielnamige Lichtwesen des Aufgangs
und sein taumelndes Leben, das,
von seinem abstrakten Sein ebenso abgelassen,
sich zuerst in das gegenständliche Dasein der Frucht befaßt,
dann, dem Selbstbewußtsein sich hingebend,
in ihm zur eigentlichen Wirklichkeit gelangt,
- nun als ein Haufen schwärmender Weiber umherschweift,
der ungebändigte Taumel der Natur in selbstbewußter Gestalt.
Noch ist aber dem Bewußtsein nur der absolute Geist,
der dieses einfache Wesen und nicht als der Geist an ihm selbst ist,
verraten,
oder nur der unmittelbare Geist, der Geist der Natur.
Sein selbstbewußtes Leben ist daher
nur das Mysterium des Brotes und des Weins, der Ceres und des Bacchus,
nicht der anderen, der eigentlich oberen Götter,
deren Individualität als wesentliches Moment
das Selbstbewußtsein als solches in sich schließt.
Noch hat sich ihm also der Geist als selbstbewußter Geist nicht
geopfert,
und das Mysterium des Brotes und Weins
ist noch nicht Mysterium des Fleisches und Blutes. ((527))
Dieser unbefestigte Taumel des Gottes muß sich zum Gegenstande
beruhigen
und die Begeisterung, die nicht zum Bewußtsein kam, ein Werk
hervorbringen,
das ihr, wie der Begeisterung des vorhergehenden Künstlers die
Bildsäule,
zwar als ein ebenso vollendetes Werk gegenübertritt,
aber nicht als ein an ihm lebloses,
sondern als ein lebendiges Selbst.
- Ein solcher Kultus ist das Fest,
das der Mensch zu seiner eigenen Ehre sich gibt, jedoch in einen
solchen
noch nicht die Bedeutung des absoluten Wesens legt;
denn das Wesen ist ihm erst offenbar, noch nicht der Geist;
nicht als solches, das wesentlich menschliche Gestalt annimmt.
Aber dieser Kultus legt den Grund zu dieser Offenbarung
und legt ihre Momente einzeln auseinander.
So hier das abstrakte Moment der lebendigen Körperlichkeit des
Wesens,
wie vorhin die Einheit beider in bewußtloser Schwärmerei.
Der Mensch stellt also an die Stelle der Bildsäule sich selbst
als zur vollkommen freien Bewegung erzogene und ausgearbeitete Gestalt,
wie jene die vollkommen freie Ruhe ist.
Wenn jeder Einzelne wenigstens als Fackelträger sich darzustellen
weiß,
so hebt sich einer aus ihnen hervor, der die gestaltete Bewegung,
die glatte Ausarbeitung und flüssige Kraft aller Glieder ist,
- ein beseeltes, lebendiges Kunstwerk,
das mit seiner Schönheit die Stärke paart
und dem der Schmuck, womit die Bildsäule geehrt wurde,
als Preis seiner Kraft
und die Ehre, unter seinem Volke statt des steinernen Gottes
die höchste leibliche Darstellung ihres Wesens zu sein,
zuteil wird.
In den beiden Darstellungen, die soeben vorkamen,
ist die Einheit des Selbstbewußtseins und des geistigen Wesens
vorhanden;
es fehlt ihnen aber noch ihr Gleichgewicht.
In der bacchischen Begeisterung ist das Selbst außer sich,
in der schönen Körperlichkeit aber das geistige Wesen.
Jene Dumpfheit des Bewußtseins und ihr wildes Stammeln
muß in das klare Dasein der letzteren
und die geistlose Klarheit der letzteren
in die Innerlichkeit der ersteren aufgenommen werden.
Das vollkommene Element, worin die Innerlichkeit ((528))
ebenso äußerlich als die Äußerlichkeit innerlich
ist,
ist wieder die Sprache,
aber weder die in ihrem Inhalte ganz zufällige und einzelne des
Orakels,
noch die empfindende und nur den einzelnen Gott preisende Hymne,
noch das inhaltslose Stammeln der bacchischen Raserei.
Sondern sie hat ihren klaren und allgemeinen Inhalt gewonnen,
- ihren klaren Inhalt, denn der Künstler hat sich
aus der ersten ganz substantiellen Begeisterung heraus zur Gestalt
gearbeitet,
die eigenes, in allen seinen Regungen
von der selbstbewußten Seele durchdrungenes und mitlebendes
Dasein ist,
- ihren allgemeinen Inhalt, denn in diesem Feste,
das die Ehre des Menschen ist, verschwindet die Einseitigkeit der
Bildsäulen,
die nur einen Nationalgeist,
einen bestimmten Charakter der Göttlichkeit enthalten.
Der schöne Fechter ist zwar die Ehre seines besonderen Volkes,
aber er ist eine körperliche Einzelheit,
worin die Ausführlichkeit und Ernst der Bedeutung
und der innere Charakter des Geistes, der das besondere Leben,
Anliegen, Bedürfnisse und Sitten seines Volkes trägt,
untergegangen ist.
In dieser Entäußerung zur völligen Körperlichkeit
hat der Geist die besonderen Eindrücke und Anklänge der Natur
abgelegt,
die er als der wirkliche Geist des Volks in sich schloß.
Sein Volk ist sich daher nicht mehr seiner Besonderheit in ihm,
sondern vielmehr der Ablegung derselben
und der Allgemeinheit seines menschlichen Daseins bewußt.
c. Das geistige Kunstwerk
Die Volksgeister, die der Gestalt ihres Wesens
in einem besonderen Tiere bewußt werden, gehen in einen zusammen;
so vereinigen sich die besonderen schönen Volksgeister in ein
Pantheon,
dessen Element und Behausung die Sprache ist.
Die reine Anschauung seiner selbst als allgemeiner Menschlichkeit
hat an der Wirklichkeit des Volksgeistes die Form,
daß er sich mit den anderen, mit denen er durch die Natur eine
Nation ausmacht,
zu einer gemeinschaftlichen Unternehmung ((529)) verbindet
und für dieses Werk ein Gesamtvolk und damit einen Gesamthimmel
bildet.
Diese Allgemeinheit, zu der der Geist in seinem Dasein gelangt,
ist jedoch nur diese erste,
die von der Individualität des Sittlichen erst ausgeht,
ihre Unmittelbarkeit noch nicht überwunden,
nicht einen Staat aus diesen Völkerschaften gebildet hat.
Die Sittlichkeit des wirklichen Volksgeistes beruht
teils auf dem unmittelbaren Vertrauen der Einzelnen
zu dem Ganzen ihres Volkes,
teils auf dem unmittelbaren Anteil, den alle,
des Unterschiedes von Ständen unerachtet,
an den Entschlüssen und Handlungen der Regierung nehmen.
In der Vereinigung, zunächst nicht zu einer bleibenden Ordnung,
sondern nur zu einer gemeinsamen Handlung,
ist jene Freiheit des Anteils Aller und Jeder einstweilen auf die Seite
gestellt.
Diese erste Gemeinschaftlichkeit ist daher
mehr eine Versammlung der Individualitäten
als die Herrschaft des abstrakten Gedankens,
der die Einzelnen ihres selbstbewußten Anteils
an Willen und Tat des Ganzen berauben würde.
Die Versammlung der Volksgeister macht einen Kreis von Gestalten aus,
der jetzt die ganze Natur wie die ganze sittliche Welt befaßt.
Auch sie stehen unter dem Oberbefehl mehr des Einen als seiner
Oberherrschaft.
Für sich sind sie die allgemeinen Substanzen dessen,
was das selbstbewußte Wesen an sich ist und tut.
Dieses aber macht die Kraft und zunächst den Mittelpunkt
wenigstens aus,
um den jene allgemeinen Wesen sich bemühen,
der nur erst zufälligerweise ihre Geschäfte zu verbinden
scheint.
Aber die Rückkehr des göttlichen Wesens in das
Selbstbewußtsein ist es,
die schon den Grund enthält,
daß dieses den Mittelpunkt für jene göttlichen
Kräfte bildet
und die wesentliche Einheit zunächst unter der Form
einer freundlichen äußerlichen Beziehung beider Welten
verbirgt.
Dieselbe Allgemeinheit, welche diesem Inhalte zukommt,
hat notwendig auch die Form des Bewußtseins, in welcher er
auftritt.
Es ist nicht mehr das wirkliche Tun des Kultus,
sondern ein Tun, das zwar noch nicht in den Begriff,
sondern ((530)) erst in die Vorstellung,
in die synthetische Verknüpfung des selbstbewußten
und des äußeren Daseins erhoben ist.
Das Dasein dieser Vorstellung, die Sprache, ist die erste Sprache,
das Epos als solches, das den allgemeinen Inhalt,
wenigstens als Vollständigkeit der Welt,
obzwar nicht als Allgemeinheit des Gedankens, enthält.
Der Sänger ist der Einzelne und Wirkliche,
aus dem als Subjekt dieser Welt sie erzeugt und getragen wird.
Sein Pathos ist nicht die betäubende Naturmacht,
sondern die Mnemosyne, die Besinnung und gewordene Innerlichkeit,
die Erinnerung des vorhin unmittelbaren Wesens.
Er ist das in seinem Inhalte verschwindende Organ;
nicht sein eigenes Selbst gilt, sondern seine Muse, sein allgemeiner
Gesang.
Was aber in der Tat vorhanden ist, ist der Schluß,
worin das Extrem der Allgemeinheit, die Götterwelt,
durch die Mitte der Besonderheit mit der Einzelheit, dem Sänger, verknüpft
ist.
Die Mitte ist das Volk in seinen Helden,
welche einzelne Menschen sind wie der Sänger,
aber nur vorgestellte und dadurch zugleich allgemeine,
wie das freie Extrem der Allgemeinheit, die Götter.
In diesem Epos stellt sich also überhaupt dem Bewußtsein
dar,
was im Kultus an sich zustande kommt,
die Beziehung des Göttlichen auf das Menschliche.
Der Inhalt ist eine Handlung des seiner selbst bewußten Wesens.
Das Handeln stört die Ruhe der Substanz und erregt das Wesen,
wodurch seine Einfachheit geteilt
und in die mannigfaltige Welt
der natürlichen und sittlichen Kräfte aufgeschlossen ist.
Die Handlung ist die Verletzung der ruhigen Erde, die Grube,
die, durch das Blut beseelt, die abgeschiedenen Geister hervorruft,
welche, nach Leben durstend, es in dem Tun des Selbstbewußtseins
erhalten.
Das Geschäft, um welches die allgemeine Bemühung geht,
bekommt die zwei Seiten,
die selbstische, von einer Gesamtheit wirklicher Völker
und den an ihrer Spitze stehenden Individualitäten,
und die allgemeine, von ihren substantiellen Mächten vollbracht zu
werden.
Die Beziehung beider aber bestimmte sich vorhin so,
daß sie die synthetische Verbindung
des Allgemeinen und ((531)) Einzelnen oder das Vorstellen ist.
Von dieser Bestimmtheit hängt die Beurteilung dieser Welt ab.
- Das Verhältnis beider ist dadurch eine Vermischung,
welche die Einheit des Tuns inkonsequent verteilt
und die Handlung überflüssigerweise von der einen Seite zur
andern herüberwirft.
Die allgemeinen Mächte haben die Gestalt der Individualität
und damit das Prinzip des Handelns an ihnen;
ihr Wirken erscheint daher als ein ebenso freies,
von ihnen ganz ausgehendes Tun als das der Menschen.
Ein und dasselbe haben daher ebensowohl die Götter als die
Menschen getan.
Der Ernst jener Mächte ist ein lächerlicher
Überfluß,
da diese in der Tat die Kraft der handelnden Individualität sind;
- und die Anstrengung und Arbeit dieser
ist eine ebenso unnütze Bemühung, da jene vielmehr alles
lenken.
- Die übertägigen Sterblichen, die das Nichts sind,
sind zugleich das mächtige Selbst, das die allgemeinen Wesen sich
unterwirft,
die Götter verletzt und ihnen überhaupt die Wirklichkeit
und ein Interesse des Tuns verschafft;
wie umgekehrt diese ohnmächtigen Allgemeinheiten,
die sich von den Gaben der Menschen nähren
und durch sie erst etwas zu tun bekommen,
das natürliche Wesen und der Stoff aller Begebenheiten
und ebenso die sittliche Materie und das Pathos des Tuns sind.
Wenn ihre elementarischen Naturen
durch das freie Selbst der Individualität
erst in Wirklichkeit und betätigtes Verhältnis gebracht
werden,
so sind sie ebensosehr das Allgemeine, das sich dieser Verbindung
entzieht,
in seiner Bestimmung unbeschränkt bleibt
und durch die unüberwindliche Elastizität seiner Einheit
die Punktualität des Tätigen und seine Figurationen
auslöscht,
sich selbst rein erhält und alles Individuelle in seiner
Flüssigkeit auflöst.
Wie sie mit der entgegenstehenden selbstischen Natur
in diese widersprechende Beziehung fallen,
ebenso gerät ihre Allgemeinheit mit ihrer eigenen Bestimmung
und deren Verhältnis zu anderen in Widerstreit.
Sie sind die ewigen schönen Individuen,
die, in ihrem eigenen Dasein ruhend,
der Vergänglichkeit und fremder Gewalt enthoben sind. ((532))
- Aber sie sind zugleich bestimmte Elemente, besondere Götter,
die sich also zu anderen verhalten.
Aber das Verhältnis zu anderen,
das nach seiner Entgegensetzung ein Streit mit ihnen ist,
ist eine komische Selbstvergessenheit ihrer ewigen Natur.
- Die Bestimmtheit ist in das göttliche Bestehen eingewurzelt
und hat in seiner Begrenzung die Selbständigkeit der ganzen
Individualität;
durch diese verlieren ihre Charaktere
zugleich die Schärfe der Eigentümlichkeit
und vermischen sich in ihrer Vieldeutigkeit.
- Ein Zweck der Tätigkeit und ihre Tätigkeit selbst, da sie
gegen ein Anderes
und somit gegen eine unbesiegbare göttliche Kraft gerichtet ist,
ist ein zufälliges leeres Aufspreizen, das ebenso zerfließt
und den anscheinenden Ernst der Handlung
in ein gefahrloses, seiner selbst sicheres Spiel
ohne Resultat und Erfolg verwandelt.
Wenn aber an der Natur ihrer Göttlichkeit
das Negative oder die Bestimmtheit derselben
nur als die Inkonsequenz ihrer Tätigkeit
und der Widerspruch des Zwecks und des Erfolgs erscheint
und jene selbständige Sicherheit
über das Bestimmte das Übergewicht behält,
so tritt ihr eben dadurch die reine Kraft des Negativen gegenüber,
und zwar als ihre letzte Macht, über welche sie nichts
vermögen.
Sie sind das Allgemeine und Positive gegen das einzelne Selbst der
Sterblichen,
das nicht gegen ihre Macht aushält;
aber das allgemeine Selbst schwebt darum über ihnen
und über dieser ganzen Welt der Vorstellung,
welcher der ganze Inhalt angehört, als die begrifflose Leere der
Notwendigkeit,
- ein Geschehen, gegen das sie sich selbstlos und trauernd verhalten,
denn diese bestimmten Naturen finden sich nicht in dieser Reinheit.
Diese Notwendigkeit aber ist die Einheit des Begriffes,
der die widersprechende Substantialität der einzelnen Momente
unterworfen ist,
worin die Inkonsequenz und Zufälligkeit ihres Tuns sich ordnet
und das Spiel ihrer Handlungen seinen Ernst und Wert an ihnen selbst
erhält.
Der Inhalt der ((533)) Welt der Vorstellung
spielt losgebunden für sich in der Mitte seine Bewegung,
versammelt um die Individualität eines Helden,
der aber in seiner Kraft und Schönheit sein Leben gebrochen
fühlt
und, einem frühen Tod entgegensehend, trauert.
Denn die in sich feste und wirkliche Einzelheit
ist an die Extremität ausgeschlossen und in ihre Momente entzweit,
die sich noch nicht gefunden und vereint.
Das eine Einzelne, das abstrakte Unwirkliche,
ist die Notwendigkeit, die an dem Leben der Mitte nicht Anteil hat,
sowenig als das andere, das wirkliche Einzelne,
der Sänger, der sich außer ihm hält und in seiner
Vorstellung untergeht.
Beide Extreme müssen sich dem Inhalte nähern;
das eine, die Notwendigkeit, hat sich mit dem Inhalte zu erfüllen,
das andere, die Sprache des Sängers, muß Anteil an ihm haben
und der sich selbst vorher überlassene Inhalt
die Gewißheit und feste Bestimmung des Negativen an ihm erhalten.
Diese höhere Sprache, die Tragödie, faßt also die
Zerstreuung
der Momente der wesentlichen und handelnden Welt näher zusammen;
die Substanz des Göttlichen tritt nach der Natur des Begriffs
in ihre Gestalten auseinander,
und ihre Bewegung ist gleichfalls ihm gemäß.
In Ansehung der Form hört die Sprache dadurch,
daß sie in den Inhalt hereintritt, auf, erzählend zu sein,
wie der Inhalt, ein vorgestellter [zu sein].
Der Held ist selbst der Sprechende,
und die Vorstellung zeigt dem Zuhörer, der zugleich Zuschauer ist,
selbstbewußte Menschen, die ihr Recht und ihren Zweck,
die Macht und den Willen ihrer Bestimmtheit wissen und zu sagen wissen.
Sie sind Künstler, die nicht,
wie die das gemeine Tun im wirklichen Leben begleitende Sprache,
bewußtlos, natürlich und naiv
das Äußere ihres Entschlusses
und Beginnens aussprechen,
sondern das innere Wesen äußern,
das Recht ihres Handelns beweisen
und das Pathos, dem sie angehören, frei von zufälligen
Umständen
und von der Besonderheit der Persönlichkeiten
in seiner allgemeinen Individualität besonnen behaupten und
bestimmt aussprechen.
Das Dasein dieser Charaktere sind endlich wirkliche Menschen, ((534))
welche die Personen der Helden anlegen
und diese in wirklichem, nicht erzählendem,
sondern eigenem Sprechen darstellen.
So wesentlich es der Bildsäule ist, von Menschenhänden
gemacht zu sein,
ebenso wesentlich ist der Schauspieler seiner Maske,
- nicht als äußerliche Bedingung,
von der die Kunstbetrachtung abstrahieren müsse;
oder insofern davon in ihr allerdings zu abstrahieren ist,
so ist eben dies damit gesagt,
daß die Kunst das wahre eigentliche Selbst noch nicht in ihr
enthält.
Der allgemeine Boden, worauf die Bewegung
dieser aus dem Begriffe erzeugten Gestalten vorgeht,
ist das Bewußtsein der ersten vorstellenden Sprache
und ihres selbstlosen, auseinandergelassenen Inhalts.
Es ist das gemeine Volk überhaupt,
dessen Weisheit in dem Chore des Alters zur Sprache kommt;
es hat an dessen Kraftlosigkeit seinen Repräsentanten,
weil es selbst nur das positive und passive Material
der ihm gegenübertretenden Individualität der Regierung
ausmacht.
Der Macht des Negativen entbehrend,
vermag es den Reichtum und die bunte Fülle göttlichen Lebens
nicht zusammenzuhalten und zu bändigen, sondern läßt es
auseinanderlaufen
und preist jedes einzelne Moment als einen selbständigen Gott,
bald diesen, bald wieder einen anderen,
in seinen verehrenden Hymnen.
Wo es aber den Ernst des Begriffes, wie er über diese Gestalten,
sie zertrümmernd, einherschreitet, verspürt
und es zu sehen bekommt, wie schlecht es seinen gepriesenen
Göttern geht,
die sich auf diesen Boden, worauf der Begriff herrscht, wagen,
ist es nicht selbst die negative Macht, die handelnd eingreift,
sondern hält sich im selbstlosen Gedanken derselben,
im Bewußtsein des fremden Schicksals,
und bringt den leeren Wunsch der Beruhigung
und die schwache Rede der Besänftigung herbei.
In der Furcht vor den höheren Mächten,
welche die unmittelbaren Arme der Substanz sind,
vor ihrem Kampfe miteinander
und vor dem einfachen Selbst der Notwendigkeit,
das auch sie wie die Lebendigen, die an sie geknüpft sind,
zermalmt,
- in dem Mitleiden mit diesen,
die es zugleich als ((535)) dasselbe mit sich selbst weiß,
ist für es nur der untätige Schrecken dieser Bewegung,
das ebenso hilflose Bedauern
und als Ende die leere Ruhe der Ergebung in die Notwendigkeit,
deren Werk nicht als die notwendige Handlung des Charakters
und nicht als das Tun des absoluten Wesens in sich selbst erfaßt
wird.
Auf diesem zuschauenden Bewußtsein
als auf dem gleichgültigen Boden des Vorstellens
tritt der Geist nicht in seiner zerstreuten Mannigfaltigkeit,
sondern in der einfachen Entzweiung des Begriffs auf.
Seine Substanz zeigt sich daher nur in ihre zwei extremen Mächte
auseinandergerissen.
Diese elementarischen allgemeinen Wesen sind zugleich
selbstbewußte Individualitäten,
- Helden, welche in eine dieser Mächte ihr Bewußtsein
setzen,
an ihr die Bestimmtheit des Charakters haben
und ihre Betätigung und Wirklichkeit ausmachen.
- Diese allgemeine Individualisierung steigt, wie erinnert,
noch zur unmittelbaren Wirklichkeit des eigentlichen Daseins herunter
und stellt sich eine Menge von Zuschauern dar, die an dem Chore ihr
Gegenbild
oder vielmehr ihre eigene, sich aussprechende Vorstellung hat.
Der Inhalt und die Bewegung des Geistes, der sich hier Gegenstand ist,
ist bereits als die Natur und Realisierung der sittlichen Substanz
betrachtet worden.
In seiner Religion erlangt er das Bewußtsein über sich
oder stellt sich seinem Bewußtsein in seiner reineren Form
und einfacheren Gestaltung dar.
Wenn also die sittliche Substanz sich durch ihren Begriff,
ihrem Inhalte nach, in die beiden Mächte entzweite,
die als göttliches und menschliches
oder unterirdisches und oberes Recht bestimmt wurden
- jenes die Familie, dies die Staatsmacht -
und deren das erstere der weibliche, das andere der männliche
Charakter war;
so schränkt sich der vorher vielförmige
und in seinen Bestimmungen schwankende Götterkreis
auf diese Mächte ein,
die durch diese Bestimmung der eigentlichen Individualität
genähert sind.
Denn die frühere Zerstreuung des Ganzen
in die vielfachen und abstrakten Kräfte, die substantiiert
erscheinen,
ist die Auflösung ((536)) des Subjekts,
das sie nur als Moment in seinem Selbst begreift,
und die Individualität ist daher nur die oberflächliche Form
jener Wesen.
Umgekehrt ist ein weiterer Unterschied der Charaktere als der genannte
zur zufälligen und an sich äußerlichen
Persönlichkeit zu rechnen.
Zugleich teilt sich das Wesen seiner Form oder dem Wissen nach.
Der handelnde Geist tritt als Bewußtsein dem Gegenstande
gegenüber,
auf den es tätig und der somit als das Negative des Wissenden
bestimmt ist;
der Handelnde befindet sich dadurch im Gegensatze des Wissens und
Nichtwissens.
Er nimmt aus seinem Charakter seinen Zweck
und weiß ihn als die sittliche Wesenheit;
aber durch die Bestimmtheit des Charakters
weiß er nur die eine Macht der Substanz, und die andere ist
für ihn verborgen.
Die gegenwärtige Wirklichkeit ist daher ein anderes an sich
und ein anderes für das Bewußtsein;
das obere und das untere Recht erhalten in dieser Beziehung
die Bedeutung der wissenden und dem Bewußtsein sich offenbarenden
und der sich verbergenden und im Hinterhalte lauernden Macht.
Die eine ist die Lichtseite, der Gott des Orakels, der,
nach seinem natürlichen Momente aus der alles beleuchtenden Sonne
entsprungen,
alles weiß und offenbart, - Phöbus und Zeus, der dessen
Vater ist.
Aber die Befehle dieses wahrredenden Gottes
und seine Bekanntmachungen dessen, was ist, sind vielmehr
trügerisch.
Denn dies Wissen ist in seinem Begriffe unmittelbar das Nichtwissen,
weil das Bewußtsein an sich selbst im Handeln dieser Gegensatz
ist.
Der, welcher die rätselhafte Sphinx selbst aufzuschließen
vermochte,
wie der kindlich Vertrauende
werden darum durch das, was der Gott ihnen offenbart, ins Verderben
geschickt.
Diese Priesterin, aus der der schöne Gott spricht,
ist nichts anderes als die doppelsinnigen Schicksalsschwestern,
die durch ihre Verheißungen zum Verbrechen treiben
und in der Zweizüngigkeit dessen, was sie als Sicherheit angaben,
den, der sich auf den offenbaren Sinn verließ, betrügen.
Daher das Bewußtsein, das reiner ist als das letztere,
das den Hexen glaubt, und besonnener und gründlicher ((537)) als
das erstere,
das der Priesterin und dem schönen Gotte traut, auf die
Offenbarung,
die der Geist des Vaters selbst über das Verbrechen, das ihn
mordete, machte,
mit der Rache zaudert und andere Beweise noch veranstaltet,
- aus dem Grunde, weil dieser offenbarende Geist auch der Teufel sein
könnte.
Dies Mißtrauen ist darum gegründet, weil das wissende
Bewußtsein
sich in den Gegensatz der Gewißheit seiner selbst
und des gegenständlichen Wesens setzt.
Das Recht des Sittlichen, daß die Wirklichkeit nichts an sich ist
im Gegensatze gegen das absolute Gesetz,
erfährt, daß sein Wissen einseitig,
sein Gesetz nur Gesetz seines Charakters ist,
daß es nur die eine Macht der Substanz ergriff.
Die Handlung selbst
ist diese Verkehrung des Gewußten in sein Gegenteil, das Sein,
ist das Umschlagen des Rechts des Charakters und des Wissens
in das Recht des Entgegengesetzten,
mit dem jenes im Wesen der Substanz verknüpft ist,
- in die Erinnye der anderen feindlich erregten Macht und Charakters.
Dies untere Recht sitzt mit Zeus auf dem Throne
und genießt mit dem offenbaren und dem wissenden Gotte gleiches
Ansehen.
Auf diese drei Wesen wird von der handelnden Individualität
die Götterwelt des Chors eingeschränkt.
Das eine ist die Substanz,
ebensowohl die Macht des Herdes und der Geist der Familienpietät
wie die allgemeine Macht des Staats und der Regierung.
Indem der Substanz als solcher dieser Unterschied angehört,
individualisiert er sich der Vorstellung nicht zu zwei unterschiedenen
Gestalten,
sondern hat in der Wirklichkeit die zwei Personen seiner Charaktere.
Hingegen der Unterschied des Wissens und Nichtwissens
fällt in ein jedes der wirklichen Selbstbewußtsein [e],
- und nur in der Abstraktion, im Elemente der Allgemeinheit
verteilt er sich an zwei individuelle Gestalten.
Denn das Selbst des Heros hat nur Dasein als ganzes Bewußtsein
und ist daher wesentlich der ganze Unterschied, der der Form
angehört;
aber seine Substanz ist bestimmt,
und es gehört ihm nur die eine Seite des Unterschieds des Inhalts
an.
Daher erhalten die beiden ((538)) Seiten des Bewußtseins,
die in der Wirklichkeit keine getrennte, einer jeden eigene
Individualität haben,
in der Vorstellung jede ihre besondere Gestalt,
- die eine die des offenbarenden Gottes,
die andere die der sich verborgen haltenden Erinnye.
Beide genießen teils gleicher Ehre,
teils ist die Gestalt der Substanz, Zeus,
die Notwendigkeit der Beziehung beider aufeinander.
Die Substanz ist die Beziehung, daß das Wissen für sich ist,
aber seine Wahrheit an dem Einfachen,
[daß] der Unterschied, wodurch das wirkliche Bewußtsein
ist,
seinen Grund an dem ihn tilgenden inneren Wesen,
[daß] die sich klare Versicherung der Gewißheit
ihre Bestätigung an der Vergessenheit hat.
Das Bewußtsein schloß diesen Gegensatz durch das Handeln
auf;
nach dem offenbaren Wissen handelnd, erfährt es den Betrug
desselben,
und dem Innern nach dem einen Attribute der Substanz ergeben,
verletzte es das andere und gab diesem dadurch das Recht gegen sich.
Dem wissenden Gotte folgend, ergriff es vielmehr das nicht Offenbare
und büßt dafür, dem Wissen vertraut zu haben,
dessen Zweideutigkeit, da sie seine Natur ist, auch für es,
und eine Warnung dafür vorhanden sein mußte.
Die Raserei der Priesterin, die unmenschliche Gestalt der Hexen,
die Stimme des Baumes, des Vogels, der Traum usf.
sind nicht die Weisen, in welchen die Wahrheit erscheint,
sondern warnende Zeichen des Betrugs,
der Nichtbesonnenheit, der Einzelheit und Zufälligkeit des
Wissens.
Oder, was dasselbe ist, die entgegengesetzte Macht, die von ihm
verletzt wird,
ist als ausgesprochenes Gesetz und geltendes Recht vorhanden,
es sei das Gesetz der Familie oder des Staats;
das Bewußtsein folgte dagegen dem eigenen Wissen
und verbarg sich selbst das Offenbare.
Die Wahrheit aber der gegeneinander auftretenden Mächte
des Inhalts und Bewußtseins ist das Resultat, daß beide
gleiches Recht
und darum in ihrem Gegensatz, den das Handeln hervorbringt,
gleiches Unrecht haben.
Die Bewegung des Tuns erweist ihre Einheit in dem gegenseitigen
Untergange
beider Mächte und der selbstbewußten Charaktere.
Die Versöhnung ((539)) des Gegensatzes mit sich
ist die Lethe der Unterwelt im Tode,
- oder die Lethe der Oberwelt, als Freisprechung nicht von der Schuld,
denn diese kann das Bewußtsein, weil es handelte, nicht
verleugnen,
sondern vom Verbrechen, und seine sühnende Beruhigung.
Beide sind die Vergessenheit,
das Verschwundensein der Wirklichkeit und des Tuns der Mächte
der Substanz,
ihrer Individualitäten,
und der Mächte des abstrakten Gedankens des Guten und des
Bösen;
denn keine für sich ist das Wesen,
sondern dieses ist die Ruhe des Ganzen in sich selbst,
die unbewegte Einheit des Schicksals, das ruhige Dasein
und damit die Untätigkeit und Unlebendigkeit der Familie und der
Regierung,
und die gleiche Ehre
und damit die gleichgültige Unwirklichkeit Apolls und der Erinnye,
und die Rückkehr ihrer Begeistung und Tätigkeit in den
einfachen Zeus.
Dieses Schicksal vollendet die Entvölkerung des Himmels,
der gedankenlosen Vermischung der Individualität und des Wesens
- einer Vermischung, wodurch das Tun des Wesens
als ein inkonsequentes, zufälliges, seiner unwürdiges
erscheint;
denn dem Wesen nur oberflächlich anhängend,
ist die Individualität die unwesentliche.
Die Vertreibung solcher wesenlosen Vorstellungen,
die von Philosophen des Altertums gefordert wurde,
beginnt also schon in der Tragödie überhaupt dadurch,
daß die Einteilung der Substanz von dem Begriffe beherrscht,
die Individualität hiermit die wesentliche
und die Bestimmungen die absoluten Charaktere sind.
Das Selbstbewußtsein, das in ihr vorgestellt ist,
kennt und anerkennt deswegen nur eine höchste Macht
und diesen Zeus nur als die Macht des Staats oder des Herdes
und, im Gegensatze des Wissens,
nur als den Vater des zur Gestalt werdenden Wissens des Besonderen
- und als den Zeus des Eides und der Erinnye, des Allgemeinen,
im Verborgenen wohnenden Innern.
Die weiter aus dem Begriffe in die Vorstellung sich zerstreuenden
Momente,
die der Chor nacheinander gelten läßt,
sind hingegen nicht das Pathos des Helden,
sondern sinken ihm zur Leidenschaft herunter,
- zu zufälligen ((540)) wesenlosen Momenten,
die der selbstlose Chor wohl preist,
aber die nicht fähig sind, den Charakter der Helden auszumachen,
noch von ihnen als ihr Wesen ausgesprochen und geachtet zu werden.
Aber auch die Personen des göttlichen Wesens selbst
sowie die Charaktere seiner Substanz
gehen in die Einfachheit des Bewußtlosen zusammen.
Diese Notwendigkeit hat gegen das Selbstbewußtsein die
Bestimmung,
die negative Macht aller auftretenden Gestalten zu sein,
in ihr sich selbst nicht zu erkennen, sondern darin vielmehr
unterzugehen.
Das Selbst tritt nur den Charakteren zugeteilt auf,
nicht als die Mitte der Bewegung.
Aber das Selbstbewußtsein, die einfache Gewißheit seiner,
ist in der Tat die negative Macht, die Einheit des Zeus,
des substantiellen Wesens und der abstrakten Notwendigkeit;
es ist die geistige Einheit, worein alles zurückgeht.
Weil das wirkliche Selbstbewußtsein
noch von der Substanz und dem Schicksale unterschieden wird,
ist es teils der Chor oder vielmehr die zuschauende Menge,
welche diese Bewegung des göttlichen Lebens
als ein Fremdes mit Furcht erfüllt
oder in der sie als ein Nahes
nur die Rührung des nicht handelnden Mitleidens hervorbringt.
Teils, insofern das Bewußtsein mithandelt und den Charakteren
angehört,
ist diese Vereinigung, weil die wahre, die des Selbsts,
des Schicksals und der Substanz noch nicht vorhanden ist,
eine äußerliche, eine Hypokrisie;
der Held, der vor dem Zuschauer auftritt,
zerfällt in seine Maske und in den Schauspieler,
in die Person und das wirkliche Selbst.
Das Selbstbewußtsein der Helden
muß aus seiner Maske hervortreten und sich darstellen,
wie es sich als das Schicksal sowohl der Götter des Chors
als der absoluten Mächte selbst weiß
und von dem Chore, dem allgemeinen Bewußtsein, nicht mehr
getrennt ist.
Die Komödie hat also vorerst die Seite,
daß das wirkliche Selbstbewußtsein sich als das Schicksal
der Götter darstellt.
Diese elementarischen Wesen sind, als allgemeine Momente,
kein Selbst und nicht wirklich.
Sie sind zwar mit der Form ((541)) der Individualität
ausgestattet,
aber diese ist ihnen nur eingebildet
und kommt ihnen nicht an und für sich selbst zu;
das wirkliche Selbst hat nicht ein solches abstraktes Moment
zu seiner Substanz und Inhalt.
Es, das Subjekt, ist daher über ein solches Moment
als über eine einzelne Eigenschaft erhoben,
und angetan mit dieser Maske spricht es die Ironie derselben aus,
die für sich etwas sein will.
Das Aufspreizen der allgemeinen Wesenheit ist an das Selbst verraten;
es zeigt sich in einer Wirklichkeit gefangen
und läßt die Maske fallen, eben indem es etwas Rechtes sein
will.
Das Selbst, hier in seiner Bedeutung als Wirkliches auftretend,
spielt es mit der Maske, die es einmal anlegt, um seine Person zu sein;
aber aus diesem Scheine tut es sich ebenso bald wieder
in seiner eigenen Nacktheit und Gewöhnlichkeit hervor,
die es von dem eigentlichen Selbst, dem Schauspieler,
sowie von dem Zuschauer nicht unterschieden zu sein zeigt.
Diese allgemeine Auflösung
der gestalteten Wesenheit überhaupt in ihrer Individualität
wird in ihrem Inhalte ernsthafter und dadurch mutwilliger und bitterer,
insofern er seine ernstere und notwendigere Bedeutung hat.
Die göttliche Substanz vereinigt in ihr die Bedeutung
der natürlichen und sittlichen Wesenheit.
In Ansehung des Natürlichen zeigt das wirkliche
Selbstbewußtsein
schon in der Verwendung desselben zu seinem Putze, Wohnung usf.
und im Schmause seines Opfers
sich als das Schicksal, dem das Geheimnis verraten ist,
welche Bewandtnis es mit der Selbstwesenheit der Natur hat;
in dem Mysterium des Brotes und Weines macht es
dieselbe zusammen mit der Bedeutung des inneren Wesens sich zu eigen,
und in der Komödie ist es sich der Ironie dieser Bedeutung
überhaupt bewußt.
- Insofern nun diese Bedeutung die sittliche Wesenheit enthält,
ist sie teils das Volk in seinen beiden Seiten des Staats
oder eigentlichen Demos und der Familieneinzelheit,
teils aber das selbstbewußte reine Wissen
oder das vernünftige Denken des Allgemeinen.
- Jener Demos, die allgemeine Masse, die sich als Herrn und Regenten
sowie als den zu respektierenden Verstand und ((542)) Einsicht
weiß,
zwingt und betört sich durch die Besonderheit seiner Wirklichkeit
und stellt den lächerlichen Kontrast
seiner Meinung von sich und seines unmittelbaren Daseins,
seiner Notwendigkeit und Zufälligkeit,
seiner Allgemeinheit und Gemeinheit dar.
Wenn das Prinzip seiner vom Allgemeinen getrennten Einzelheit
in der eigentlichen Gestalt der Wirklichkeit sich hervortut
und des Gemeinwesens, dessen geheimer Schaden es ist,
sich offenbar anmaßt und es einrichtet,
so verrät sich unmittelbarer der Kontrast des Allgemeinen als
einer Theorie
und dessen, um was es in der Praxis zu tun ist,
die gänzliche Befreiung
der Zwecke der unmittelbaren Einzelheit von der allgemeinen Ordnung
und der Spott jener über diese.
Das vernünftige Denken enthebt das göttliche Wesen seiner
zufälligen Gestalt,
und entgegengesetzt der begrifflosen Weisheit des Chors,
die mancherlei Sittensprüche vorbringt
und eine Menge von Gesetzen
und bestimmten Pflicht- und Rechtsbegriffen gelten läßt,
hebt es sie in die einfachen Ideen des Schönen und Guten empor.
- Die Bewegung dieser Abstraktion ist das Bewußtsein der
Dialektik,
welche diese Maximen und Gesetze an ihnen haben,
und hierdurch des Verschwindens der absoluten Gültigkeit,
in der sie vorher erschienen.
Indem die zufällige Bestimmung und oberflächliche
Individualität,
welche die Vorstellung den göttlichen Wesenheiten lieh,
verschwindet,
haben sie nach ihrer natürlichen Seite
nur noch die Nacktheit ihres unmittelbaren Daseins,
sie sind Wolken, ein verschwindender Dunst, wie jene Vorstellungen.
Nach ihrer gedachten Wesentlichkeit
zu den einfachen Gedanken des Schönen und Guten geworden,
vertragen diese es, mit jedem beliebigen Inhalt erfüllt zu werden.
Die Kraft des dialektischen Wissens
gibt die bestimmten Gesetze und Maximen des Handelns
der Lust und dem Leichtsinne der - hiermit - verführten Jugend
preis
und [gibt] der Ängstlichkeit und Sorge
des auf die Einzelheit des Lebens beschrankten Alters
Waffen zum Betrug an die Hand.
Die reinen Gedanken des Schönen und Guten
zeigen ((543)) also das komische Schauspiel,
durch die Befreiung von der Meinung,
welche sowohl ihre Bestimmtheit als Inhalt
wie ihre absolute Bestimmtheit, das Festhalten des Bewußtseins
enthält,
leer und eben dadurch das Spiel der Meinung
und der Willkür der zufälligen Individualität zu werden.
Hier ist also das vorher bewußtlose Schicksal,
das in der leeren Ruhe und Vergessenheit besteht
und von dem Selbstbewußtsein getrennt ist, mit diesem vereint.
Das einzelne Selbst ist die negative Kraft, durch und in welcher die
Götter
sowie deren Momente, die daseiende Natur und die Gedanken ihrer
Bestimmungen,
verschwinden;
zugleich ist es nicht die Leerheit des Verschwindens,
sondern erhält sich in dieser Nichtigkeit selbst,
ist bei sich und die einzige Wirklichkeit.
Die Religion der Kunst hat sich in ihm vollendet
und ist vollkommen in sich zurückgegangen.
Dadurch, daß das einzelne Bewußtsein in der Gewißheit
seiner selbst
es ist, das als diese absolute Macht sich darstellt,
hat diese die Form eines Vorgestellten,
von dem Bewußtsein überhaupt Getrennten und ihm Fremden
verloren,
wie die Bildsäule, auch die lebendige schöne
Körperlichkeit
oder der Inhalt des Epos und die Mächte und Personen der
Tragödie waren;
- auch ist die Einheit nicht die bewußtlose des Kultus und der
Mysterien,
sondern das eigentliche Selbst des Schauspielers fällt mit seiner
Person zusammen,
so wie der Zuschauer in dem, was ihm vorgestellt wird,
vollkommen zu Hause ist und sich selbst spielen sieht.
Was dies Selbstbewußtsein anschaut, ist,
daß in ihm, was die Form von Wesenheit gegen es annimmt,
in seinem Denken, Dasein und Tun
sich vielmehr auflöst und preisgegeben ist,
es ist die Rückkehr alles Allgemeinen in die Gewißheit
seiner selbst,
die hierdurch diese vollkommene Furcht- und Wesenlosigkeit alles
Fremden
und ein Wohlsein und Sichwohlseinlassen des Bewußtseins ist,
wie sich außer dieser Komödie keines mehr findet. ((544))
C. DIE OFFENBARE RELIGION
Durch die Religion der Kunst ist der Geist aus der Form der Substanz
in die des Subjekts getreten,
denn sie bringt seine Gestalt hervor
und setzt also in ihr das Tun oder das Selbstbewußtsein,
das in der furchtbaren Substanz nur verschwindet
und im Vertrauen sich nicht selbst erfaßt.
Diese Menschwerdung des göttlichen Wesens geht von der
Bildsäule aus,
die nur die äußere Gestalt des Selbsts an ihr hat,
das Innere aber, ihre Tätigkeit, fällt außer ihr;
im Kultus aber sind beide Seiten eins geworden,
in dem Resultate der Religion der Kunst
ist diese Einheit in ihrer Vollendung
zugleich auch auf das Extrem des Selbsts herübergegangen;
in dem Geiste, der in der Einzelheit des Bewußtseins
seiner vollkommen gewiß ist, ist alle Wesenheit versunken.
Der Satz, der diesen Leichtsinn ausspricht, lautet so:
das Selbst ist das absolute Wesen;
das Wesen, das Substanz und an dem das Selbst die Akzidentalität
war,
ist zum Prädikate heruntergesunken,
und der Geist hat in diesem Selbstbewußtsein,
dem nichts in der Form des Wesens gegenübertritt, sein
Bewußtsein verloren.
Dieser Satz: das Selbst ist das absolute Wesen, gehört, wie von
selbst erhellt,
dem nichtreligiösen, dem wirklichen Geiste an,
und es ist sich zu erinnern, welches die Gestalt desselben
ist, die ihn ausdrückt.
Sie wird zugleich die Bewegung und die Umkehrung desselben enthalten,
welche das Selbst zum Prädikate herunterstimmt
und die Substanz zum Subjekte erhebt.
So nämlich, daß der umgekehrte Satz
nicht an sich oder für uns die Substanz zum Subjekte macht
oder, was dasselbe ist, die Sub